Will ich’s wissen?

Will ich wissen, was die Schweizer Bevölkerung davon hält, dass eine Bundesratskandidatin ganz offen dazu steht, dass sie sich hin und wieder eine Pause gönnt?

Will ich wissen, ob das Parlament bei der Wahl diese Ehrlichkeit zu honorieren weiss, oder ob man der Frau aus dieser angeblichen Schwäche einen Strick dreht, der sie zu Fall bringen wird?

Will ich wissen, ob die Schweiz endlich soweit ist, dass auch dann Frauen in den Bundesrat gewählt werden, wenn die Möglichkeit  – oder je nach Sicht der Dinge die Gefahr – besteht, dass nach der Wahl die Frauen die Mehrheit stellen?

Will ich wissen, was in diesen Tagen am Stammtisch geredet wird?

Will ich wissen, ob sich etwas getan hat, oder ob dann, wenn’s darauf ankommt, noch immer die gleichen Mechanismen spielen?

Ich wünschte mir, dass ich die Antworten nicht fürchten müsste. Ich wünschte mir, dass Menschlichkeit nicht mehr als Schwäche angesehen würde. Ich wünschte mir, dass man genau so selbstverständlich, wie man jahrhundertelang eine von Männern dominierte Regierung hingenommen hat, auch eine von Frauen dominierte akzeptieren würde. Ich wünschte mir, dass man an den Stammtischen in diesen Tagen die gleichen Wünsche äusserte, wie ich es hier tue.

Doch ich fürchte, dass die Realität ein wenig anders aussieht, dass meine Wünsche Wünsche bleiben werden. Ich fürchte, dass die Antworten auf meine Fragen anders ausfallen werden, als sie ausfallen würden, wenn ich das Sagen hätte. Und deswegen überlege ich ernsthaft, mir für die kommenden Wochen ein paar Scheuklappen zuzulegen, damit ich nicht sehen muss, was ich lieber nicht sehen will, nämlich dass sich trotz der vielen Worte praktisch gar nichts geändert hat.

4 Gedanken zu “Will ich’s wissen?

  1. Aber nein doch 😉 Im SP Päckli ist Simonetta drin und im FDP Päckli wahrscheinlich auch eine Frau als Kronfavoritin. Partei- und Interessenpolitik ist schon längst wichtiger als Frau oder Mann. Auch die Regionenfrage spielt eine grössere Rolle als Geschlechterkampf. Es wird sein dürfen: Mindestens 4, möglicherweise sogar 5 Frauen im Bundesrat. Die CVP wird sich hüten, der SP oder der FDP in die Suppe zu spucken. Die SVP wählt sowieso geschlossen den eigenen Kandidaten, das wird ziemlich sicher ein chancenloser Mann sein.

  2. Das ist es ja genau, was mich so nervt: Dass die Päckli bereits geschnürt sind, um zu verhindern, was nicht sein darf, nämlich ein von Frauen dominierter Bundesrat. Aber natürlich hoffe ich, dass du Recht hast, wenn du sagst, die Mehrheit sei diesmal so gut wie sicher.

    Es stimmt schon, dass Frauen einiges in der Hand hätten, wenn sie denn nur wollten. Doch leider scheinen „gut“ aussehen und sich Reichtum erheiraten wieder höher im Kurs zu stehen als der Wunsch, etwas zu bewegen.

  3. Ach lass doch den Stammtisch reden, das ist genau so relevant wie irgendein Blabla beim Coiffeur. Dass Frauen im BR nach den Wahlen der neuen Bundesrätinnen (Männer sind mitgemeint) die Mehrheit haben werden ist so gut wie sicher. Die Generation der „Frauen an den Herd“ Politiker ist fast ausgestorben und Frauen hätten es in der Hand, mehr National- und Ständerätinnen (diesmal sind Männer nicht mitgemeint) zu wählen, schliesslich stellen sie die Mehrheit der stimmenden Bevölkerung. Und wer versucht, aus der Notwendigkeit von Pausen, die jeder Mensch braucht, eine Schwäche zu konstruieren schiesst sich selber in den Fuss und macht sich öffentlich lächerlich. Menschlichkeit und Politik haben sich schon immer schlecht vertragen, und doch menschelt es fast nirgends so sehr wie im Bundeshaus. Ich denke nicht das es diesmal Überraschungen geben wird, die politische Maschinerie läuft berechenbar, die Mehrheiten stehen fest, die Päckli sind geschnürt. Wie immer.

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