Bilderbuchtag

Ja, auch die gibt es hier. Selten zwar, aber dafür sind sie umso schöner.

Die Tage, an denen Luise und das Tageskind so sehr in ihr Puppenspiel vertieft sind, dass das Tageskind gar nicht erst auf den Gedanken kommt, seine Mama zu vermissen.

Die Tage, an denen Karlsson fast ganz ohne Mamas Hilfe Zimtwecken backt – unser Karlsson isst die Dinger zum Glück nicht nur in rauhen Mengen, er macht sie auch in einer Menge, dass die ganze Familie davon satt wird – und einen Hefeteig zustande bekommt, der so schön glatt und weich ist wie ein frisch gewaschener Babypo.

Die Tage, an denen der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat den Altweibersommer auf der Schaukel geniessen und so laut singen, dass ich aus lauter Gewohnheit panisch in den Garten renne, weil ich meine, einer sei am Heulen.

Die Tage, an denen der FeuerwehrRitterRömerPirat sagt: „Mama, ich möchte einen Zvieri essen. Haben wir etwas, was nicht zu süss ist?“ Und als ich ihn frage, ob er nicht einen Pfirsich und ein paar Trauben essen möchte, die Antwort bekomme: „Nein, in den Früchten drin hat’s ja auch Zucker. Ich meine etwas, was die Zähne überhaupt nicht kaputt macht.“

Die Tage, an denen Karlsson und Luise alleine und ohne sich zu streiten ins Dorf ziehen, um Butter und Kardamom – „und Hagelzucker Mama, den Hagelzucker dürfen wir auch nicht vergessen!“ – zu kaufen. Und wenn man ihnen erklären will, wo sie alles finden, bekommt man die folgende freundliche Antwort: „Wir finden uns schon zurecht. Du musst uns nicht alles erklären. Und wenn wir etwas nicht finden, dann fragen wir eben.“

Die Tage, an denen das Au-Pair mit dem frisch ausgeschlafenen und fröhlichen Prinzchen loszieht, um seine Herbstgarderobe einzukaufen.

Die Tage, an denen ganz unerwartet ein ausgedehnter Mittagsschlaf drin liegt.

Die Tage, an denen „Meiner“ sich auf dem Dach der Garage eine Stunde lang in die Zeitung vertiefen kann, ohne nur einmal von einem quengelnden Kind gestört zu werden. Und was daran fast noch erstaunlicher ist: Auch ich, die ich in dieser Zeit eigentlich die Aufsicht hätte, werde nicht von quengelnden Kindern gestört, sondern höchstens von äusserst zufriedenen kleinen Vendittis hin und wieder um ein Sandwich oder um einen Rat gebeten.

Die Tage, an denen man trotz all den Streitereien, Trotzanfällen und „Ich will jetzt aber und zwar sofort!!!!!“, die man in den vergangenen Jahren miterlebt hat, wieder einmal glaubt, dass Bullerbü kein Hirngespinst, sondern eine Zusammenfassung aller Sternstunden einer Kindheit ist. So ganz nach dem Motto: „Das Gute behaltet…“

Von mir aus dürften die Tage öfters so sein.

Kleiner Nachtrag: Wenn dann auch noch Karlsson und Luise vom Einkauf einen himmlisch duftenden Herbststrauss mitbringen, den sie auf dem Heimweg gepflückt haben,  dann muss ich mich in den Arm kneifen. Bin ich wach? Träume ich? Oder bin ich, ohne es zu merken, in die Dreharbeiten für einen Heimatfilm geraten?