Ein zwiespältiges Verhältnis

… habe ich zu Handwerkern. Einerseits bewundere ich sie ja sehr, wie sie es zum Beispiel schaffen, ohne gross suchen zu müssen, nach dem richtigen Schraubenzieher zu greifen. Und dann bringen die es ja tatsächlich zustande, innert Sekunden ganz ohne Fluchen, Schweissausbrüche und Wutanfälle Schrauben einzudrehen, Nägel einzuhämmern und Bretter zu zersägen. Mir scheint, die wissen tatsächlich, was sie tun, auch wenn es für mich überhaupt keinen Sinn ergibt.

Und das ist genau eines meiner Probleme: Sie wissen, was sie tun, aber weil sie mich nicht in ihre Geheimnisse einweihen wollen, fühle ich mich immer irgendwie fehl am Platz, wenn Handwerker im Haus sind. Mal sollte ich zur Stelle sein, um Auskünfte auf Fragen zu geben, die ich nicht verstehe, dann wieder hätte ich etwas aus dem Weg räumen sollen, was mir nie und nimmer in den Sinn gekommen wäre, für den Handwerker aber sonnenklar ist. Nun ist es ja so, dass man in den meisten Berufen lernt, sein Missfallen dem Kunden gegenüber zu verbergen. Bei den Handwerkern hingegen lernt man ganz am Anfang der Ausbildung, noch bevor es um die Wahl des richtigen Schraubenziehers geht, wie man dem Kunden zeigen kann, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und dass er einem damit ganz gewaltig auf die Nerven fällt. Das führt dann zu Szenen, wie ich sie heute im Morgengrauen erlebt habe:

Es ist sieben Uhr früh, „Meiner“ und ich versuchen erfolglos, den Schlaf niederzuringen um endlich aus dem Bett zu kommen, aber der Kerl will sich nicht ergeben. Es klingelt an der Haustüre, zerzaust wie ich bin, renne ich die Treppe hinunter, um zwei Handwerkern die Tür zu öffnen, die zwar ihr heutiges Kommen, nicht aber die Stunde, zu der sie zu kommen gedachten, angekündigt hatten.  Verschlafen weise ich die beiden Männer in den Keller und mache mich aus dem Staub. Wie ich die Treppe hinaufgehe, höre ich, wie der eine etwas Unverständliches murmelt, worauf der andere laut vernehmlich antwortet: „Ja, das ist immer so, wenn er nicht zu Hause ist. Dann kommen jeweils die Frauen und…“ Der Rest  des Satzes geht im Getöse unter, aber der Tonfall sagt mir, dass ich froh sein kann, dass ich die Fortsetzung nicht verstanden habe.

Nicht gerade die ideale Grundlage für ein vertrauensvolles Verhältnis. Nun könnte man ja einwenden, ich müsste nicht unbedingt ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen zu den Handwerkern, die in den kommenden Tagen bei uns ein und aus gehen werden, als wohnten sie hier. Und das müsste ich ja tatsächlich nicht, wo ich mich doch standhaft weigere, neben meinen Söhnen zu stehen, wenn sie den Handwerkern stundenlang beim Arbeiten zuschauen wollen. Wenn die Handwerker bloss nicht ihr Gerüst direkt vor meinem Bürofenster aufgebaut hätten und somit jederzeit sehen können, was meiner Familie durch die verschlossene Bürotür verborgen bleibt: Wie oft ich ins Leere starre, anstatt zu arbeiten, wie viel Koffein ich in mich hineinschütte, wie ich die Füsse auf den Bürotisch lege, wann ich eine Facebook-Pause einlege, weil mir die Worte für das Betriebskonzept, das ich schreiben sollte, fehlen. Und Menschen, die solch intime Dinge von mir wissen, müsste ich doch vertrauen können. Nicht dass die, wenn „Meiner“ sagt, ich sei am Arbeiten, ich könne ihnen keinen Kaffee kochen, losprusten und sagen: „Ach, am Arbeiten ist sie? Die können Sie ruhig stören, die hängt ja ohnehin nur im Facebook rum….“