Und weiter geht’s…

Noch ist der letzte Krümel der Prinzchen-Geburtstagstorte nicht verschwunden, sein letztes Geschenk hat er vor einer guten Stunde ausgepackt, einige Luftballons leben noch, und schon bin ich mit dem nächsten Geburtstag beschäftigt. In etwas mehr als zwei Wochen ist Karlsson dran und so verbrachte ich gestern, nachdem die Spuren des Geburtstagsfestes beseitigt waren, einen grossen Teil des Abends damit, das perfekte Geschenk für Karlsson zu finden. Ich kann euch versichern, es war nicht einfach. Wer schon mal versucht hat, einem fast Zehnjährigen weis zu machen, dass ein antikes Trichtergrammaphon nicht ganz in der für die Schweizerische Durchschnitts-Grossfamilie erschwinglichen Preisklasse liegt, der kann sich vorstellen, was „Meiner“ und ich alles sagen mussten, bevor unser Ältester endlich einlenkte. Nach langem Erklären unsererseits und noch längerem Schmollen seinerseits konnten wir uns auf einen Plattenspieler einigen. Ja, genau so ein Ding, für das wir uns damals geschämt hatten, weil unsere Eltern uns keinen CD-Player schenken mochten, weil der „nicht ganz in der für die Schweizerische Durchschnitts-Grossfamilie erschwinglichen Preisklasse“ lag. Das Ding scheint heute wieder chic zu sein, zumindest bei Nostalgikern, wie unser Karlsson einer ist.

Nun, irgendwann fand ich in den Weiten des Internets einen halbwegs tauglichen Plattenspieler, der a) nicht zu teuer, b) „fabrikneu und originalverpackt“ ist und c) in nostalgischem Design daherkommt. Jetzt muss ich nur noch die Meistbietende bleiben für den Stapel „gebrauchter, aber kaum zerkratzter“ Klassik-Schallplatten und Karlssons Geburtstagsgeschenk ist gekauft. Das heisst, wenn er es schafft, sich den Wunsch nach einer echten Puderperücke aus dem Kopf zu schlagen. Im Moment arbeiten wir noch dran. Von der Barockgeige, die er sich eigentlich auch noch wünschen würde, hat er zum Glück schon länger nichts mehr gesagt, so dass ich annehmen kann, dass wir für einmal ganz günstig wegkommen. Zumindest wenn man die Kosten für die kulinarischen Wünsche ausklammert. Und sollte Karlsson nach seinem Geburtstag noch unerfüllte Wünsche hegen, kann ich ihn ja auf Weihnachten vertrösten.

Wie, habe ich Weihnachten gesagt? Das dauert ja auch nicht mehr lange…. Und noch wissen nicht alle Kinder, was sie sich wünschen. Also kann ich auch noch keine Einkäufe tätigen. Nun gut, für die Füllung des Adventskalenders ist gesorgt, aber wo um Himmels Willen finde ich die Zeit, all die anderen Geschenke zu besorgen? Und dann wollte ich mir ja noch überlegen, ob ich für unsere Kinder eine neue Adventsgeschichte schreiben soll. Ach ja, den Samichlaus müssten wir wohl auch in den nächsten Tagen bestellen, damit wir noch einen bekommen. Und dann hat ja auch der Zoowärter schon bald Geburtstag….

Sieht ganz so aus, als müsste ich mich in den kommenden Wochen nicht vor Langeweile fürchten. Das beruhigt mich. Ich hatte nämlich schon Angst bekommen, die Gründung des Familienzentrums, die Lesung und das Novemberschreiben alleine würden nicht ausreichen, um die letzen weissen Flecken im Terminkalender zum Verschwinden zu bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ach, Prinzchen!

Musst du es denn wirklich so eilig haben mit gross werden? Eben noch warst du ein kleines, hilfloses Würmchen, das nichts konnte als schlafen, trinken, die Windel füllen und schreien und jetzt kurvst du schon gekonnt um die Möbel herum, beeindruckst uns mit erstaunlich langen Sätzen und bringst deine grossen Geschwister dazu, dir alles nachzumachen, was du ihnen vormachst. Einfach unglaublich, was so ein kleiner Mensch in nur zwei Jahren lernen kann.

Und das ist es, was mir so zu schaffen machst. Nein, natürlich nicht, dass du so viel gelernt hast. Darüber staune ich Tag für Tag. Aber dass du beim Grosswerden ein so rasantes Tempo an den Tag legen musst, dass du heute schon den zweiten Geburtstag gefeiert hast, wo du in meinen Augen doch immer noch ein Baby sein solltest, das fällt mir nicht so leicht, wie ich es erwartet hätte. Ist nämlich noch gar nicht so lange her, da hatte ich noch geseufzt: „Wenn er erst mal zwei wird, dann ist er aus dem Gröbsten raus.“ Und siehe da, du bist zwar aus dem Gröbsten raus, kannst sagen, wann du Hunger hast, kannst fragen, wo dein Nuggi ist, kannst dir selber „Happy Birthday“ singen und noch viel mehr. Aber seufze ich deswegen weniger? Oh nein, im Gegenteil, ich seufze mehr: „Ach, mein Baby, kannst du denn nicht ein klein wenig langsamer gross werden? Wie schön wäre es doch, wenn ich dich noch stillen dürfte!“

Ja, mein Prinzchen, so sentimental ist sie, deine Mama, aber damit wirst du wohl leben müsste. Das ist das Los der jüngsten Kinder. Aber gebührend gefeiert haben wir natürlich trotz der Sentimentalität. Wir haben dich mit Geschenken und Liebe überhäuft, bis es dir beinahe zu viel wurde. Wir haben dich besungen, bis du uns nur noch schräg angeschaut hast. Wir haben dich mit Kuchen und anderen Süssigkeiten gemästet, bis nichts mehr in dich hineinpasste. Und dein Papa und ich haben eins ums andere Mal zueinander gesagt: „Ist es nicht wunderbar, dass er zu uns gehört?“ Und stell dir vor, deine grossen Geschwister haben uns jedes Mal begeistert zugestimmt. Denk daran, falls sie dir in nicht allzu ferner Zukunft vorwerfen werden, du seist eine kleine Nervensäge. Denn das ist der Nachteil, wenn man zwei wird: Man verliert den Babybonus und wird allmählich zum lästigen kleinen Bruder.

Willst du nicht doch noch ein wenig warten mit Grosswerden? Also ich hätte bestimmt nichts dagegen, wenn du noch etwas länger klein bleibst…

Wesentliches

Wenn du einen Freitag lang mit Jonglieren beschäftigt warst, manchmal nicht mehr gewusst hast, wie du es schaffen sollst, alle Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, wenn du zwischen Wickeltisch, Sitzungszimmer, Kochherd und Computer hin und her gerannt bist und abends um sechs noch schnell Muffins gebacken hast, dann fragst du dich, ob du nun wirklich zu diesem Elternabend gehen sollst. Der sechste Spielgruppen-Elternabend deines Lebens. Kann der denn so wichtig sein, dass du und „Deiner“ die Wohnung im Chaos verlassen, die Arbeit unerledigt liegen lassen, das Au-Pair mit fünf aufgedrehten Vendittis alleine lassen müsst?

Wenn du eine Stunde später im schummrig beleuchteten Raum auf dem winzigen Stuhl sitzt, auf dem es sich gewöhnlich der Zoowärter bequem macht, wenn du in die Welt eintauchst, die bis jetzt jedem deiner Kinder so viel bedeutet hat, wenn du hörst, wie andere Eltern von ihren Kindern schwärmen und du dir selber Gedanken machst, was den Zoowärter denn so unglaublich liebenswert macht, wenn die Spielgruppenleiterin dir ins Bewusstsein ruft, wie die Welt in den Augen deines kleinen Sohnes aussieht, dann weisst du, dass dieser Elternabend das bedeutungsvollste Ereignis dieses langen Tages war. Wenn du die Bilder siehst, auf denen dein kleines Kind voller Stolz mit Freunden diesen riesigen Bambusstecken durch den Garten trägt, wie es mit voller Konzentration einen Klumpen Knete verarbeitet, wie es  eintaucht in diese Kindertraumwelt, dann wird dir einmal mehr bewusst, was für ein Geschenk es ist, Mama dieses Kindes zu sein.

Wenn du, nachdem du mit „Deinem“ noch kurz die Freiheit des kinderfreien Abends genossen hast, zu Hause am Computer sitzt, dann ist es wieder sonnenklar, was du im Alltag so schnell vergisst: Ein Familienzentrum zu gründen ist wichtig. Ein Buch zu schreiben ist wunderbar. Einen Haushalt zu führen ist herausfordernd. Freundschaften zu pflegen ist bereichernd. In der Gemeinde mitzumachen ist erfüllend. Den Kindern und „Deinem“ zu zeigen, dass du sie liebst, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie einmalig sind und sie ernst zu nehmen, das ist alles zugleich: Wichtig, wunderbar, herausfordernd, bereichernd, erfüllend und noch so viel mehr.

Wärest du zu Hause geblieben und hättest den Elternabend sausen lassen, wer hätte dich dann darauf aufmerksam gemacht, worauf es wirklich ankommt im Alltag?

So ein Mist!

Kinderwagen Nr. 6 hat den Geist aufgegeben. Genauer gesagt: Das linke Hinterrad von Kinderwagen Nr. 6 hat den Geist aufgegeben. Wer sich mit Kinderwägen ein wenig auskennt, weiss, dass die Räder eine entscheidende Rolle darin spielen, das Gefährt zum Rollen zu bringen. Was bedeutet, dass Kinderwagen Nr. 6 seit gestern funktionsuntüchtig ist. Gut, ich könnte ja versuchen, das Rad mit Sekundenkleber anzukleben. Anders geht das nicht, denn die Schraube ist so saumässig blöd abgebrochen, dass sich da nichts mehr schrauben lässt. Nun weiss ich aber aus bitterer Erfahrung, dass Kleben bei Kinderwägen wenig bringt und deshalb muss ich leider verkünden, dass Kinderwagen Nr. 6 nicht mehr ist. Nennt mich ruhig desillusioniert, dass ich wegen einem klitzekleinen Kinderwagenrad den ganzen Wagen abschreibe, aber eben, ich habe da so meine Erfahrungen gemacht.

Nun denn, Kinderwagen Nr. 6 ist Geschichte. Wie aber soll die Zukunft aussehen? Soll das Prinzchen ab jetzt zu Fuss gehen? Immerhin wird er übermorgen zwei, da kann er sich schon ziemlich gut und lange auf den Beinen halten. Bloss fragt sich, wie weit wir dann noch kommen. Klar, wir wären dann mit wirklich jeder Schnecke und jeder Katze im Quartier per Du, aber was ist mit all den Schnecken und Katzen in den anderen Quartieren, die wir auch so gerne mal kennen lernen möchten? Und wenn wir schon dabei sind, Schnecken und Katzen zu treffen, könnte man ja auch noch den einen oder anderen Einkauf erledigen. Abgesehen davon, dass unsere Welt ohne Kinderwagen noch kleiner würde, tut mir auch das Prinzchen Leid: Muss er denn jetzt schon laufen, bloss weil dieser blöde Wagen sein Rad so mies behandelt hat, dass es ganz dringend von ihm weg wollte? Nein, das Prinzchen kann wirklich nichts dafür und darum soll er auch nicht die Konsequenzen tragen müssen.

Was aber dann? Kinderwagen Nr. 7 anschaffen? Wo wir doch für Kinderwagen Nr. 1 bis 6 schon ein halbes Vermögen haben liegen lassen? Das kann’s doch nicht sein. Wie ich so mit dem Au-Pair hin und her überlege, was zu tun sei, erinnere ich mich plötzlich an diverse Angebote, die mir in der Vergangenheit gemacht wurden: „Ach, warum hast du mir nichts gesagt? Ich hätte doch noch einen Kinderwagen, der bei mir nur noch rumsteht….“ Bis jetzt habe ich solche Angebote immer abgelehnt. Immer, bis auf ein einziges Mal und dann stand ich da mit einem lottrigen Wägelchen ohne Sicherheitsgurten, mit welchem jeder Spaziergang zu einem Survivaltrip für das Kind wurde. Ich hoffe, ihr versteht jetzt, weshalb ich danach nur noch nein gesagt habe, wenn man mir einen Kinderwagen anbot.

Weil ich die ganze Kinderwagensache inzwischen aber so satt habe, tue ich heute etwas, was ich nie und nimmer hätte tun wollen: Ich frage mal ganz schüchtern und vorsichtig, ob da vielleicht jemand ein klitzekleines Kinderwägelchen mit Sicherheitsgurt, mit Rädern aber ohne namhafte Macken in der Garage stehen hat. Ein Kinderwägelchen, das noch fit genug ist, das Prinzchen bis zu seinem dritten Geburtstag hin und wieder bei seinen Ausflügen zu unterstützen. Ich wäre auch gerne bereit, einen Teil der Anschaffungskosten zurückzuerstatten.

Jetzt, wo ich die schüchterne Bitte geäussert habe, noch eine sehr laute Randbemerkung: Wir brauchen nur einen Kinderwagen, wir sind nicht die Sperrgut-Sammelstelle des Kantons Solothurn und wir hätten auch keine Freude an einem „noch fast nie gebrauchten, nur leicht schimmligen Reisebettchen“ und einem „leicht zerkratzten Nachtlicht, das ich auch nicht mehr brauche und dir deshalb für nur 50 Franken gerne überlassen würde“. Und nein, wir brauchen auch keine ausgetragenen Kleider für Karlsson, Luise, den FeuerwehrRitterRömerPiraten, den Zoowärter und „Meinen“, falls ihr das auch noch fragen wolltet. Bevor ich schliesse noch dies: Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften mit Bild. Und bitte nicht böse werden, wenn wir nein sagen. Wir brauchen wirklich nur einen und es ist ganz bestimmt nicht persönlich gemeint, wenn wir euren nicht auch noch nehmen können….

So ehrlich dann auch wieder nicht…

Okay, gestern Abend habe ich ja für Ehrlichkeit plädiert. Aber damit meinte ich die Ehrlichkeit in Beziehungsfragen und nicht die Ehrlichkeit siebenjähriger Töchter ihren Müttern gegenüber. Zumindest Luise würde ein klein wenig Heuchelei ganz gut anstehen.

Da steht das Kind heute Mittag hinter mir auf der Küchenbank und meint plötzlich: „Oh mein Gott!“ Erstaunt über die ungewohnte Ausdrucksweise meiner Tochter will ich wissen, was denn los sei. „Mama, das ist ja furchtbar!“, erklärt sie. „Du hast ja nur noch graue Haare auf dem Kopf. Ich sag‘ dir: Nur noch Graue! Das sieht ja furchtbar aus.“

Als ob ein Überschuss an kindlicher Ehrlichkeit nicht ausreichen würde, erklärte sie mir wenig später, dass die Lehrerin gesagt hätte, sie müssten als Hausaufgabe ihre Mama bei der Arbeit zeichnen. „Ich werde dich beim Kochen zeichnen, beim Wäschefalten, wie du mit dem Prinzchen schimpfst und wie du mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten schimpfst.“ Wenig begeistert über die Art, wie sie meine Arbeit zusammenfasst, frage ich, ob sie mich denn nicht auch zeichnen würde, wie ich am Computer sitze. Immerhin erledige ich dort einen großen Teil meiner Arbeit. Luise aber sieht das ein wenig anders als ich. „Aber Mama“, tadelt sie „das ist doch keine Arbeit, was du am Computer machst.“

Mein liebes Kind, ich glaube, ich muss dich mal darüber aufklären, wie sensibel Mütter sein können, wenn es um graue Haare oder um die Frage nach arbeiten oder nicht-arbeiten geht. Nun gut, vielleicht warte ich einfach noch ein paar Jahre. Spätestens wenn du Mama bist und ich Grossmama, wirst du am eigenen Leib erfahren, wie mimosenhaft wir Mütter sind. Und ich versichere dir: Grossmamas können ähnlich undiplomatisch sein wie siebenjährige Mädchen…

Seien wir doch ehrlich…

„Hätte ich das jetzt wirklich schreiben sollen?“, fragte ich mich, nachdem ich den Post über diesen völlig missratenen Dienstag veröffentlicht hatte. Soll ich meine Leser wirklich wissen lassen, dass ‚Meiner‘ trotz all seiner Qualitäten fähig ist, mich zu enttäuschen? Dass er nicht fehlerfrei ist, auch wenn man dies hin und wieder glauben könnte, wenn man mich von ihm schwärmen hört? Wo ich es doch nicht ausstehen kann, wenn (Ehe)partner übereinander herziehen, anstatt miteinander die Unstimmigkeiten auf den Tisch zu bringen und zu lösen.

Fast hätte ich den Text deswegen abgeändert, doch dann beschloss ich, ihn bleiben zu lassen, wie er ist. Denn welchen Wert hat es, wenn ich nur darüber berichte, wie gut „Meiner“ und ich harmonieren, es aber verschweige, dass bei uns hin und wieder die Fetzen fliegen, dass wir durchaus dazu fähig sind, einander zu enttäuschen? Nein, ich werde nicht in aller Öffentlichkeit über „Meinen“ herziehen, denn was ich an ihm auszusetzen habe, sage ich ihm lieber direkt. Aber würde ich nicht ein völlig verlogenes Bild von unserer Ehe malen, wenn ich alles, was das kitschige Gemälde der perfekten Beziehung stören könnte, ausklammern würde? Wie glaubwürdig wäre mein Geschreibsel, wenn ich alle Mängel überpinseln würde?

Wobei ich anfügen muss, dass die perfekte Beziehung in meinen Augen nicht frei ist von Konflikten, Enttäuschungen und sinnlosem Zanken über Alltägliches. Die perfekte Beziehung – so es diese denn gäbe – zeichnet sich in meinen Augen dadurch aus, dass sie mit den Konflikten, den Enttäuschungen, dem sinnlosen Gezanke und was die Ehe sonst noch mit sich bringt, umzugehen weiss. Dass sie Unangenehmes nicht unter den Teppich kehrt. Und vor allem, dass sie sich durch all dies die Liebe nicht nehmen lässt.

Nicht einfach, ich weiss. Zuweilen auch sehr mühsam und aufreibend. Aber seien wir doch ehrlich: Ich kann von „Meinem“ nicht verlangen, dass er mich trotz all meiner Mängel liebt, wenn ich ihm nicht die gleiche Grosszügigkeit entgegenbringe.

Dienstag, 26. 10. 2010

Tagesplan für Dienstag, 26. 10. 2010

6:45 Uhr: Aufstehen, duschen, frühstücken
7:10 Uhr: Kinder wecken
8:00 Uhr: Grosse Kinder aus dem Haus, kleine Kinder anziehen
9:00 Uhr: Zoowärter in die Spielgruppe bringen
9:15 bis 10:55 Uhr: Sitzung
11:00 Uhr: Zoowärter abholen
bis 12:00 Uhr: Ungestörtes Arbeiten im Büro
12:00 bis 13:30 Uhr: Mittagspause
13:30 bis 18:15 Uhr: Ungestörtes Arbeiten im Büro
18:15 bis 20:00 Uhr: Abendessen, Gutenachtgeschichte, Kinder bettfertig
20:00 Uhr: Freier Abend mit „Meinem“

Dienstag, 26. 10. 2010, wie er in Wirklichkeit war:

6:45 Uhr: Den Wecker zum Schweigen bringen, weiterschlafen
7:15 Uhr: Karlsson kommt schreiend aus dem Bett, geplagt von unerträglichen Schmerzen

7:20 Uhr: Die anderen Kinder wecken, in der Hand das iPad, um abzuklären, welche Krankheit zu Karlssons Beschwerden passt
7:20 bis 8:00 Uhr: FrühstückservierenKarlssonberuhigenTerminabasagenArztanrufenArztnichterreichenKindernotfallanrufenLuisezurEileantreiben
FeuerwehrRitterRömerPiratmotivierenDuschenPrinzchenwickelnAuPairinformierenIndieKleiderschlüpfenSchuleanrufenKinderausdemHausschicken
TransportindieSpielgruppefürZoowärterorganisierenInsAutositzenundlosfahren
8:20 bis 12:15 Uhr: Mit Karlsson auf der Notfallstation, warten, Untersuchung, Petterson & Findus hören, wieder warten, Untersuchung, Ultraschall, warten, Solitaire spielen, Bescheid der Ärztin: Nein, es ist nicht, was man ursprünglich befürchtet hatte, sondern etwas völlig Harmloses, aber trotzdem gut, dass Sie gekommen sind, denn wenn es das gewesen wäre, was wir befürchtet hatten, hätte das schlimme Folgen gehabt und jetzt machen Sie, dass Sie wegkommen und geben Sie ihrem Kind genügend zu Trinken.
12:15 bis 12:40: Uhr: Mittagessen im Spital
13:00 Uhr: Küche aufräumen
13:00 bis 13:40 Uhr: Dem FeuerwehrRitterRömerPiraten erklären, dass sein Freund bald kommen wird, aber dass die Zeit nicht schneller vergeht, wenn er mich alle fünf Sekunden fragt, ob jetzt Zeit sei. Nebenbei einen Brief an die Geigenlehrerin schreiben, weil Karlsson seine Noten nicht finden kann
13:40 bis 16:15 Uhr: Gemeinsam mit dem Au-Pair das Chaos meistern, hin und wieder einen Anruf tätigen oder entgegennehmen, mit meinem Vater Kaffee trinken, etc.
16:15 bis 18:15 Uhr: Verzweifelter Versuch, vom Bürotag zu retten, was zu retten ist und doch noch wenigstens das Dringendste zu erledigen
18:15 Uhr: Anmeldung zum Novemberschreiben 2010, eine reine Trotzreaktion, um diesem Deppen von Alltag klarzumachen, dass ich mich von ihm nicht so leicht kleinkriegen lasse
18:20 bis 20:20: Abendessen, Kinder bettfertig machen, Gutenschtgeschichte, den FeuwerwehrRitterRömerPiraten verarzten, der sich beim Herumtoben eine blutende Nase geholt hat, erfahren, dass „Meiner“ das mit dem freien Abend etwas anders aufgefasst hat als ich und deshalb weggehen wird,  Enttäuschung herunterschlucken und die Geschichte fertig erzählen
20:20 Uhr: Anruf von „Meinem“ entgegennehmen, der sich hundertmal entschuldigt, dass er mich falsch verstanden hat und damit ohne böse Absicht meinen Abend ruiniert hat
20:25 Uhr: Wäsche aufhängen, im Selbstmitleid baden und dabei in der Waschküche fast erfrieren
20:40 Uhr: Eine – zuerst vor Schmerz, dann vor Angst, dass sie ihre Hausaufgaben vergessen haben könnte –  brüllende Luise beruhigen
20:50 Uhr: Einen jammervollen Blogpost anfangen
21:15 Uhr: Den wunden Po des Zoowärters verarzten
21:20 bis 21:44 Uhr: Blog-Gejammer fertigschreiben, veröffentlichen und dann ist Schluss mit diesem elenden Dienstag, dem 26. 10. 2010.

Manchmal frage ich mich ja schon, wozu ich meine Tage überhaupt plane. Wo sie doch nicht die geringsten Bemühungen erkennen lassen, sich an meine sorgfältig ausgearbeiteten Pläne zu halten.