Selber Schuld

Gewöhnlich fällt es mir ja nicht leicht, nach ein paar schönen Ferientagen die Koffer wieder zu packen und nach Hause zu fahren. Diesemal aber kann ich es kaum mehr erwarten, bis wir hier raus sind.

Was eigentlich völlig widersinnig ist, wo wir doch prächtiges Wetter hatten, bestens gelaunte Kinder und dank der Unterstützung des Au-Pairs auch weitaus weniger Stress als gewöhnlich. Und das Sahehäubchen obendrauf: Genug Ferienlektüre, weil dank iPad die Schlepperei entfällt. Besser könnten Ferien nicht sein.

Und doch habe ich mir all dies versauen lassen durch eine Person, die uns ganz offensichtlich nicht leiden kann und die es ebenfalls kaum erwarten kann, bis wir weg sind. Warum sonst hätte sie heute mehrmals nachgefragt, ob wir morgen nicht vielleicht doch etwas vor zehn Uhr abreisen würden?

Anstatt meine freien Stunden zu geniessen, habe ich also Beschwerdemails an den Ferienanbieter verfasst, anstatt davon zu schwärmen, wie schön der Spaziergang mit den Kindern war, habe ich mich darüber ausgelassen, wie ärgerlich es doch ist, dass es der Vermieterin am Allerwertesten vorbeigeht, dass der Geschirrspüler kaputt ist und ich nun von Hand abwaschen muss. Anstatt einfach woanders einzukaufen, schimpfe ich nach jedem Einkauf im hausinternen Laden über die unfreundliche Bedienung.

Klar, das alles ist ärgerlich und ich kann wirklich nicht verstehen, weshalb man Gäste nicht so behandelt, dass sie gerne wieder kommen würden. Aber muss ich mir deswegen gleich alles vermiesen lassen? Kann ich nicht die Gelassenheit aufbringen, auf den Berg zu klettern und über all dem Mist zu stehen? Und bin ich mit dem Sündenregister, das ich geführt habe, nicht genau so kleinlich wie die Vermieterin, die sich alles, was im Laufe der Tage in die Brüche gegangen ist, haarklein notiert und auf Franken und Rappen genau abgerechnet hat.

So gesehen bin ich also ganz selber Schuld, dass die Ferien nicht das waren, was ich mir eigentlich erträumt hätte.