Wie sag‘ ich’s diesem Kinde?

Da habe ich mir mal wieder etwas Schönes eingebrockt: Ohne nur eine Sekunde daran zu denken, dass Luise mit ihrem verstauchten Finger wohl besser nicht zur Akrobatik-Schnupperstunde gehen sollte, habe ich vor zwei Tagen einer Mutter versprochen, dass ich ihr Kind ebenfalls mitnehmen werde, da ich ja ohnehin fahren würde. Heute aber redete mir meine Schwester, die als Krankenschwester in medizinischen Sachen einen viel besseren Durchblick hat als ich, ins Gewissen und so entschloss ich mich, Luises Schnupperstunde abzusagen. Fahren musste ich trotzdem, denn eine andere Transportmöglichkeit für das Kind zu suchen wäre weitaus komplizierter gewesen, als mich selber schnell hinter das Steuer zu setzen.

Und so kam es, dass ich zwischen Mittagessen und Sitzungstermin mit diesem kleinen Jungen zur Akrobatik-Schnupperstunde fuhr. Wir redeten über dieses und jenes und irgendwann bemerkte er, es sei doch schon eigenartig, dass ich schon fünf Kinder in meinem Bauch gehabt hätte, das könne er sich fast nicht vorstellen. Ich musste lachen und meinte, mir komme das manchmal auch ein wenig sonderbar vor, aber ich hätte mich daran gewöhnt. Wir redeten noch ein wenig über unsere überdurchschnittlich grosse Familie, als der Junge auf einmal wissen wollte: „Wie sind die fünf Kinder eigentlich in deinen Bauch gekommen? Wie geht das denn überhaupt?“

Nun muss man wissen, dass ich solche Fragen keineswegs scheue. Ich bin der Meinung, dass Kinder wissen sollen, was sie wissen wollen. Immer ihrem Alter angemessen, versteht sich. Bei politischen Fragen wie „Warum wählst du nicht den Blocher?“ oder bei Glaubensfragen wie „Findest du den lieben Gott wirklich lieb?“ oder bei Fragen nach dem Kontostand wie „Mama, sind wir arm oder reich?“ werde ich ja auch nicht rot und winde mich um eine offene, kindergerechte Antwort herum. Also versuche ich den Kindern auch dann offen und ehrlich Antwort zu geben, wenn sie völlig entsetzt von mir wissen wollen: „Mama, bist du tatsächlich schon fünfmal mit dem Papa im Bett gewesen? War das nicht furchtbar?“

So sehe ich das, zumindest, wenn es um meine Kinder geht. Was aber sage ich zu einem Kind, das ich nicht gut genug kenne, um zu wissen, wie viel es schon weiss; dessen Eltern ich nicht gut genug kenne, um zu wissen, wie sie denn auf die Frage antworten würden? Ich will ja nicht, dass das Kind völlig geschockt nach Hause geht und meint: „Mama, Luises Mama hat mir etwas ganz Schreckliches erzählt….“. Also tat ich für einmal, was ich bei meinen eigenen Kinder nie tun würde: Ich murmelte etwas von „Da musst du deine Eltern fragen“ und wechselte ganz schnell das Thema.

Ich hoffe mal, dass der Junge heute Abend bei seinen Eltern noch mal nachgefragt hat, warum Vendittis denn so schrecklich viele Kinder haben.