Lagebericht aus dem ganz normalen Familienleben

Früher Mittwochmorgen. Hinter mir liegt eine ausgesprochen schlechte Nacht, denn der Kopf wollte auch im Halbschlaf nicht damit aufhören, sich Gedanken zu machen, was uns wohl beim eilig einberufenen Gespräch mit Schwiegermamas Ärzten erwartet. Und es ist ja nicht nur die Frage nach dem möglichen Inhalt des Gesprächs, der den Kopf nicht zur Ruhe kommen lässt, sondern auch die Gedanken an das, was in den kommenden Tagen und Wochen wohl alles noch folgt.

Dem Alltag ist es natürlich herzlich egal, was nachts war und so macht man sich eben auf in einen Tag, der die folgenden Programmpunkte enthält: 

  • Vormittags Business as usual, also Schule für die Kinder, Unterrichten für „Meinen“, leichtfüssige Kolumne über das Familienleben schreiben für mich.
  • Möglichst sofort nach Unterrichtsschluss: „Meiner“ ins Spital, um zu übersetzen, was die Ärzte Schwiegermama zu sagen haben. Termin seit vorgestern bekannt. 
  • 15:00 Uhr: Die Ärzte wollen „Meinen“ und mich – dass wir beide erwartet werden, wurde ausdrücklich betont – alleine sprechen, während die drei jüngeren Kinder auf dem Spielplatz auf uns warten werden. Termin seit gestern Nachmittag bekannt.
  • 16:20 Uhr: Der Zoowärter hat Hauptprobe für seinen heutigen Auftritt mit dem Cello.
  • 17:00 Uhr: Das Prinzchen hat Hauptrobe für seinen heutigen Auftritt mit der Flöte.
  • 19:00 Uhr: Grosser Auftritt von Zoowärter und Prinzchen. Immerhin am gleichen Anlass und nicht zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten.
  • Irgendwann: Essen besorgen für Prinzchens morgige Schulreise, Mahlzeiten auf den Tisch bringen, Hausaufgaben betreuen, diverse Fahrten von A nach B und wieder zurück, dem Chaos Einhalt gebieten, etc. Um die Sache nicht noch komplizierter zu machen, hat „Meiner“ bereits zwei Termine abgesagt, für Unvorhersehbares bleibt dennoch kaum Raum. 

Aber natürlich trifft das Unvorhersehbare ein und zwar in Form einer akuten „Ich will nicht zur Schule gehen, weil ihr so doofe Eltern seid“-Krise, die sich in einem der Kinderzimmer abspielt. Eine Krise, die wir erst mit gutem Zureden, viel Verständnis und Appell an die Vernunft zu lösen versuchen, was aber zunehmend schwieriger wird, als sich herausstellt, dass der Schulverweigerung ein unbändiges Verlangen nach unerlaubter Handy-Zeit zugrunde liegt. Luise meldet derweilen an, sie fühle sich krank und müsse im Bett bleiben, alle anderen müssen irgendwie selber mit dem klar kommen, was gerade ansteht, denn „Meiner“ und ich sind vollauf damit beschäftigt, die Krise irgendwie in den Griff zu bekommen. 

„Meiner“ und die Kinder, die weder krank sind, noch Krise schieben, können irgendwann das Haus verlassen, während ich mich weiterhin erfolglos mit der Krisenintervention beschäftige. Um halb neun sind meine Nerven endgültig aufgebraucht und die Nachbarn dürfen einmal mehr hören, wie laut Mama Venditti brüllen kann und wie heftig sie die Türen knallt, wenn der Geduldsfaden gerissen ist. Ein kleiner Deal – „Du darfst bis 10 Uhr weiter trotzen, dann gehst du ohne Murren zur Schule“ – entspannt die Lage endlich und ich könnte mich der Kolumne widmen. Doch wie soll man leichtfüssige Worte über das Familienleben aus dem Hut zaubern, wenn das Familienleben gerade alles andere als leichtfüssig daherkommt? Ausheulen bei meiner Mama und danach Flucht ins Gewächshaus zu den Tomaten sind da schon eher angebracht und dadurch kehrt endlich so etwas wie Ruhe ein. Zumindest bis zehn Uhr, aber immerhin geht es jetzt nicht mehr um Schulverweigerung, sondern nur noch um Zahnbürstenverweigerung und damit kann ich so halbwegs leben. 

Inzwischen ist es Mittag, der Routine-Teil des Tages ist abgeschlossen und wir können mit dem, was an Energie noch übrig ist, das Nachmittagsprogramm in Angriff nehmen. (Na ja, immerhin hat der FeuerwehrRitterRömerPirat nach der Heimkehr aus der Schule aus freien Stücken den Tisch gedeckt, obschon „Meiner“ und ich heute Küchendienst hätten.) 

Warum ich mir dennoch die Zeit nehme, zu bloggen? Damit ich der Netzgemeinschaft jetzt, wo ich noch mittendrin stecke, ehrlich darüber berichten kann, wie wenig das Familienleben an manchen Tagen mit zuckersüssen Cupcakes, hinreissend komischen Kindersprüchen und unglaublich kreativen Pinterest-Basteltipps zu tun hat. Denn wenn ich einmal vergessen habe, wie sich das alles anfühlt, werde ich mit ziemlicher Sicherheit vollmundig behaupten, es seien genau diese Zeiten gewesen, die uns als Familie stärker gemacht hätten und nicht die traumhaften Abendstunden  an einem See irgendwo in Schweden. 

rosor

Noch einmal: Liebe Migros

Ja, ich bin eine Nervensäge, aber ich finde, das sei mein gutes Recht. Immerhin trage ich mit meinen Monstereinkäufen nicht unerheblich zu deinem Wohlergehen bei. Ich darf also getrost noch einmal auf die Plasticksäckli zurückkommen, die ich bereits vor einigen Tagen in einem Post erwähnt habe.

Die Plastiksäckli, die du der Umwelt zuliebe nur noch auf Verlangen zum Preis von 5 Rappen abgibst. Eine Riesensache war das vor ein paar Monaten. Die bösen Politiker wollten sie nicht verbieten, also musstet ihr aktiv werden – du und deine grösste Konkurrentin. Ihr würdet es nicht zulassen, dass unsere kostbare Umwelt vor die Hunde geht. Ihr würdet die Konsumenten schon dazu erziehen, nicht mehr gedankenlos zum Säckli zu greifen. Die Gebühr wurde eingeführt. Wer trotzdem ein Säckli will, muss die Kassierin darum bitten und sich damit als herzlose Kreatur outen, die einen Dreck auf eine intakte Umwelt gibt.

Nun gut, man braucht sich nicht unbedingt zu outen. Man kann auch einfach darauf warten, bis die Kassierin fragt, ob man ein Säckli haben will. Diese Frage bekommt man nämlich seit der Einführung der Gebühr andauernd gestellt. Egal, ob Landjäger, Salat, Glace, Socken, Spargel, Erdbeeren oder ein T-Shirt auf dem Band liegen – früher oder später fragt die Kassierin: „Söll ich das in es Säckli packe?“ Klar, das wurde man schon vor der Einführung der Gebühr hin und wieder gefragt, jetzt aber finden die netten Damen an der Kasse bei fast jedem Einkauf einen Artikel, den man zusätzlich in Plastik hüllen könnte. Noch nie in meinem langen Leben als Migros-Kundin wurde ich so häufig mit der Frage nach dem Zusatzsäckli konfrontiert. 

Ja, ich weiss, was jetzt kommt….

„Dann sag doch einfach nein. Zwingt dich ja keiner dazu, das Säckli auch zu nehmen.“

Natürlich sage ich nein. Bloss, weil man mir etwas anbietet, heisst das noch lange nicht, dass ich meinen Verstand ausschalte und willenlos Ja sage, wo ich lieber Nein sagen möchte. Aber die Frage wird ja nicht nur mir gestellt, sondern auch all den Menschen, die vor oder hinter mir an der Kasse stehen und bis jetzt ist mir noch keiner begegnet, der abgelehnt hätte. Warum sollte man, wo man schon so nett gefragt wird? Und so steht man dann hinter Menschen, die der Verkäuferin zufrieden dabei zusehen, wie sie einem bereits in Plastik gehüllten Salatkopf eine weitere Schicht Plastik umlegt. (Nein, es war keiner dieser triefend nassen Salatköpfe, die sie einem schon früher ungefragt in einen Beutel gestopft haben, sondern ein ganz und gar trockener.)

Liebe Migros, darf ich dir etwas weitergeben, was ich in meinen Jahren als Mutter gelernt habe? 

Wenn ich nicht möchte, dass meine Kinder vor der Glotze vergammeln und sich mit Süssem vollstopfen, dann frage ich nicht andauernd: „Möchtet ihr nicht ein wenig fernsehen und dazu eine Packung Gummibärchen verspeisen?“ Sie würden Ja sagen, das kannst du mir glauben. Und zwar jedes Mal, auch wenn sie bereits drei Tage lang nichts anderes getan hätten. Also frage ich nicht und hoffe, dass sie nicht auf den Gedanken kommen, sich aktiv darum zu bemühen. 

Wenn du also möchtest, dass die Kunden endlich damit aufhören, gedankenlos noch ein weiteres Plastiksäckli zu nehmen, dann solltest du vielleicht nicht bei jeder Gelegenheit eins anbieten.

Aber vielleicht ist es dir gar nicht so wichtig, dass weniger Säckli im Abfall landen. Vielleicht wolltest du nur besser dastehen als die Politiker, die es nicht für nötig hielten, das Zeug zu verbieten. 

poppy

 

Liebe Migros

Bitte nimm es mir nicht krumm, wenn ich ausnahmsweise mal keine netten Worte für dich übrig habe. Ja, ich bin ein waschechtes Migroskind. Ja, Familie Venditti deckt sich vorzugsweise bei dir mit den Dingen ein, die man zum Leben halt so braucht. Ja, nach ein paar Wochen im Ausland vermisse ich dich jeweils ganz schrecklich. Ja, ich finde dich toll, auch wenn ich heute kritischer eingestellt bin als auch schon und mich deshalb hin und wieder frage, ob du wohl wirklich so nett und freundlich bist, wie du dich gerne gibst. Wenn ich dir nun also sage, dass ich mich momentan bei jedem Einkauf ganz fürchterlich über dich aufrege, dann darfst du dies als freundliche Kritik einer Freundin auffassen.

Warum ich mich aufrege? Natürlich wegen dieser unsäglichen Verpackung, in die du die Lego-ähnlichen Bausteine hüllst, mit denen du die heranwachsende Generation zu Migroskindern erziehen willst. Mir kommt es vor, als sei es erst gestern gewesen, als du lauthals verkündet hast, der Umwelt zuliebe würden die Plastiksäckli bei dir jetzt 5 Rappen pro Stück kosten, es könne doch nicht angehen, dass wir mit dem Kram die Weltmeere verschmutzen. Du gingst sogar noch einen Schritt weiter und nahmst wiederverwendbare Beutel ins Sortiment auf, damit wir Früchte und Gemüse nicht mehr in Wegwerfbeuteln einkaufen müssen. Auch sonst brüstest du dich gerne mit deinem grossen Einsatz für einen gesunden Planeten. Unsere Kinder und Kindeskinder sollten sich an einer intakten Natur erfreuen können, sagst du und ich bin da ganz und gar einig mit dir.

Wie um alles in der Welt kannst du es dann mit deinem Gewissen vereinbaren, unseren Kindern bei jedem Einkauf kleine Plastikteile zu überreichen, die nicht nur in Folie verpackt sind, sondern obendrein auch noch in einer kleinen Plastikschale liegen? Jedes Mal, wenn unsere Knöpfe die Spielsteine ausgepackt haben, türmt sich auf dem Tisch mehr Abfall, als damals, als ich Obst und Gemüse noch im Plastikbeutel mit nach Hause nahm. Klar, unsere Kinder freuen sich über das Zeug, aber was glaubst du, wie es um die Laune unseres Planeten steht, wenn er mit diesem ganzen Kram klarkommen muss? 

Liebe Migros, ich mag dich ja von Herzen gern, aber diesmal hast du wirklich Mist gebaut. 

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20 Rappen Differenz

Mal wieder an einer Kasse, diesmal in einem kleinen Laden am Bahnhof, wo ich mir ein Getränk und ein Sandwich kaufen will. Vor mir eine elegant gekleidete ältere Dame, die einen Vanille-Glacestängel bezahlt und den jungen Verkäufer in das folgende Gespräch verwickelt.

Dame (im fordernden Tonfall): „Sie, jetzt müssen Sie mir etwas erklären. Heute Morgen habe ich in einer anderen Filiale Ihrer Ladenkette genau den gleichen Glacestängel gekauft und der kostete 90 Rappen. Dieser hier kostet nur 70 Rappen. Wie kommt es zu diesem Preisunterschied?“

Verkäufer (überaus freundlich): „War das vielleicht an einer Tankstelle?“

Dame (immer noch im gleichen Tonfall): „Jawohl, das war an einer Tankstelle. Dann sind die Waren an der Tankstelle also grundsätzlich teuerer als bei Ihnen?“

Verkäufer (weiterhin sehr freundlich): „Nicht grundsätzlich, aber es kann schon mal sein, dass es Preisunterschiede gibt.“

Dame (fast noch ein wenig unfreundlicher): „Ich will doch wissen, warum ich am einen Ort mehr bezahle als am anderen Ort. 90 Rappen für so einen Glacestängel finde ich halt schon ein wenig übertrieben.“

Verkäufer (unverändert freundlich): „Ja, das kann ich schon verstehen.“

Dame (fast schon aufgebracht): „Das ist halt schon ein ziemlicher Unterschied, ob man 70 oder 90 Rappen bezahlt. Ich meine, das sind immerhin 20 Rappen mehr.“

Momente später sehe ich sie an der Bushaltestelle sitzen – ohne Glacestängel. Hat sie den wirklich so schnell verschlungen? Oder hat sie ihn am Ende nur gekauft, damit sie sich über die unsägliche Preisdifferenz beklagen kann?

ärtor

Bloss keine falschen Schlüsse ziehen

Wenn sie sich fürchten, kommen sie nicht mehr in dein Bett gekrochen.

Ihre Geheimnisse vertrauen sie anderen an.

Haben sie sich auf irgend eine Weise weh getan, kommen sie nicht mehr weinend zu dir gerannt, um sich trösten zu lassen.

Ihre Bewunderung für dich bringen sie nur noch äusserst selten zum Ausdruck und wenn doch, dann meist als ironische Bemerkung kaschiert.

Wenn du abends weggehst, weinen sie dir keine Träne nach, es sei denn, du hättest die Fernbedienung mitgenommen, um sie vom fernsehen abzuhalten. 

Wühlst du in ihrem Beisein in deinen Kindheitserinnerungen, hören sie dir nicht mehr gebannt zu, sondern fallen dir irgendwann ins Wort, um zu sagen: „Ja, ich weiss, da hattest du ganz schreckliche Angst und deine Schwester musste dir wieder die Geschichte von der lustigen Watschelente erzählen, damit du einschlafen konntest. Hast du uns schon hundertmal erzählt…“

Seid ihr gemeinsam unterwegs, halten sie nicht mehr voller Stolz deine Hand. Viel lieber halten sie ein wenig Distanz, um nicht mit dir in Verbindung gebracht zu werden.

Was dir gehört, finden sie nicht mehr unglaublich toll, sondern ziemlich altbacken und peinlich. 

Machst du etwas falsch, sagen sie nicht mehr: „Schon okay, Mama“, denn dein Fehler liefert ihnen eine Gelegenheit, dir endlich einmal ins Gesicht zu sagen, was sie schon immer doof fanden. 

Nicht selten fällst du ihnen schlicht und einfach auf die Nerven.

Dennoch wäre es ganz und gar falsch, zu glauben, sie würden dich nicht mehr brauchen und hätten kein Bedürfnis mehr, von dir zu hören, dass du immer für sie da sein wirst und dass du sie über alles liebst. 

moln

 

Mission accomplished

Eigentlich hätte ja schon beim ersten Versuch nichts schief gehen sollen. Ausgerüstet mit sämtlichen Leckereien, bei deren Anblick jede anständige Katze zu sabbern beginnt, machte ich mich auf, um Schwiegermamas Katze nach Hause zu holen. An meiner Seite zwei tapfere Agenten des berühmt-berüchtigten Geheimdienstes „FBDuck“, die mir ihren Beistand zugesagt hatten, falls es zu einem Kampf kommen sollte. Vierzig Minuten später wurden wir in Schwiegermamas Wohnung von einer kläglich miauenden und zutiefst misstrauischen Katze empfangen. 

Muss ich wirklich ich ins Detail gehen? Ich glaube, ich lasse das besser bleiben. Sagen wir es einfach so: Weder die Würstchen, die meine beiden tapferen Agenten unters Bett warfen, noch das „Schleckvergnügen mit Lachs“, das unsere Katzen jeweils vor lauter Wonne beinahe ohnmächtig werden lässt, noch meine zuckersüssen Worte konnten das Tier dazu bewegen, uns sein angeschlagenes Vertrauen zu schenken, geschweige denn, sich in Richtung Transportkorb zu bewegen. Nach einer geschlageneren Stunde – die „FBDuck“-Leute hatten mich schon längst im Stich gelassen – gab ich entnervt auf. Das arme Tier, das inzwischen nur noch verzweifelt fauchte und knurrte, war nicht dazu zu bewegen, mit uns zu kommen. Klar, ich hätte es mit Gewalt dazu zwingen können, aber dadurch wäre unser Zusammenleben vom ersten Moment an ziemlich belastet. Was blieb mir da anderes übrig, als die Spuren notdürftig zu beseitigen, die das „Schleckvergnügen mit Lachs“ in der ganzen Wohnung hinterlassen hatte, der Katze ein paar beruhigende Worte zuzurufen und meinen Agenten mitzuteilen, die Mission sei vorerst einmal abgeblasen?

Ein paar Stunden später starteten wir einen neuen Versuch. Diesmal ohne „FBDuck“, „Schleckvergnügen“ und Würstchen, dafür aber mit „Meinem“, fast allen Kindern, Handschuhen und einem Fläschchen Baldriantropfen. Ob es an den Baldriantropfen, an den Handschuhen oder an der zupackenden Art meines Herrn Gemahl lag, kann ich euch leider nicht  sagen – auf alle Fälle sass die Katze fünfzehn Minuten später ziemlich verwundert aber einigermassen zufrieden im Transportkorb. 

Verwundert ist sie auch jetzt noch, wo sie die erste Begegnung mit ihrem Bruder und einen ersten Rundgang in unserem Zuhause hinter sich hat. Sieht ganz so aus, als könnte sie es sich vorstellen, hier wieder heimisch zu werden.

Wenn sie sich jetzt nur noch abgewöhnen könnte, mich andauernd anzufauchen, wenn ich es wage, mich zu bewegen. Ich sollte mich hier ja auch noch irgendwie heimisch fühlen…

büselina

 

Sammeln Sie Märkli? 

Neulich an der Kasse. Vor mir bezahlt ein Mann seine Ware.

Kassierin: „Sammeln Sie die Märkli?“

Kunde: „Nein, die können Sie der Dame hinter mir geben.“

Ich: „Danke, das ist nett, aber ich sammle auch nicht.“

Die Kassierin und ich unterhalten uns über die verschiedenen Sanmelaktionen und warum ich nicht sammle. Sie scannt derweilen meine Artikel, ich packe ein, wir reden weiter über meine Unlust am Märkli-Sammeln, sie nennt den Betrag und während ich im Portemonnaie krame, fragt Sie: „Sammeln Sie die Märkli?“ 

Ich: „Äääääh, nein…“

Kassierin: „Ach ja, stimmt. Darüber haben wir uns ja gerade unterhalten.“

Weil ich „Meinem“ noch ein paar Dinge für die Schule bringen muss, sind die nächsten Waren, die auf dem Band liegen, auch für mich. Sie scannt, ich packe ein und wir reden weiter über Märkli. Diesmal geht es darum, wie mühsam es für das Kassenpersonal ist, wenn alle paar Wochen etwas anderes verteilt werden muss. Manchmal sei es schwierig, da überhaupt noch den Überblick zu behalten, erklärt sie. Dann sind alle Artikel gescannt, sie nennt den Betrag, ich krame im Portemonnaie und sie fragt: „Sammeln Sie die Märkli?“

Ich: „“Äääääh, nein… Auch bei diesem Einkauf nicht.“

Kassierin: „Ach ja, stimmt. Darüber haben wir uns ja gerade unterhalten.“

Kopfschüttelnd verlasse ich den Laden. War das jetzt ein Roboter, der gelernt hat, sich wie eine echte Kassierin zu verhalten, oder eine Kassierin, die trainiert, sich wie ein Roboter aufzuführen, damit sie ihren Job auch in Zukunft behalten kann?