Stellvertreter

Der Prinz will cool sein. So cool, dass er zu denken scheint, seine Leidenschaften aus früheren Zeiten seien irgendwie peinlich. Endlose Improvisationen am Klavier, Gesang in jeder Lebenslage, brennendes Interesse an Wissenschaft, fantasievolle Zeichnungen in sämtlichen Farben des Regenbogens – all dies war plötzlich nicht mehr da. Einer, der ein grosser Fussballstar werden will, hat für solche Dinge keine Zeit.

Auf unsere Frage, was denn aus seinen anderen Leidenschaften geworden sei, antwortete unser Sohn lange nur mit einem Schulterzucken. Keine Zeit für blöde Fragen, da war ein Fussball, der gejagt werden wollte. 

Jetzt aber, wo es draussen kühler wird, verliert der Ball seinen Reiz und das Prinzchen scheint sich zu entsinnen, dass es da noch ein paar andere Dinge gibt, die sein Herz höher schlagen lassen. Plötzlich singt er wieder aus voller Kehle und das Klavier zieht ihn so magisch an wie zu alten Zeiten.

Doch kann einer, der mit Feuereifer in die Tasten greift und andauernd singt, noch cool sein? Das Prinzchen ist sich da nicht so sicher. Eines aber weiss er: Der Riesenteddy, der ihn seit dem ersten Geburtstag begleitet, braucht nicht cool zu sein. Und so kommt es, dass seit einigen Tagen immer mal wieder der gute alte Bä! am Klavier sitzt, um uns mit seinen Improvisationen zu erfreuen. 

Zu unserem Erstaunen klingt seine Musik genau gleich wie diejenige des Prinzchens. Er muss ein gelehriger Schüler sein, dieser Bä!

Grünzeug