Augen zu!

Heute Morgen im Bus: Ich lese die Nachrichtenfetzen, die sich auf dem Bildschirm mit Werbung abwechseln. Lauter traurige Dinge, die da stehen. Millionen von hungernden Menschen, der leider inzwischen normale Irrsinn aus den USA, Unglücksfälle hier und dort, bedenkliche politische Entwicklungen im Inland – das volle Programm also.

In der Stadt dann Weihnachtskitsch, soweit das Auge reicht. Alles, was der Mensch nicht haben muss, gibt es im Überfluss. Mein persönlicher Favorit: Kuschelige Pyjama-Einteiler, mit deren Hilfe sich ausgewachsene – das Wort „erwachsen“ scheint mir hier fehl am Platze zu sein – Menschen zur Schlafenszeit wahlweise in Donald, Daisy oder Dumbo verwandeln können.

Auf der Heimfahrt dann wieder die gleichen trüben Nachrichten wie zuvor. „Was soll’s?“, sage ich mir. „Die Welt mag vor die Hunde gehen, aber immerhin haben wir die Wahl, ob wir als Daisy, Donald oder Dumbo die Augen vor der Realität verschliessen wollen.“

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Benimm dich wie ein Vollautomat!

Meine liebe Kaffeemaschine, so geht das aber nicht. Wenn du dich nicht wohl fühlst, musst du mir direkt ins Gesicht sagen, was dir fehlt. Da kannst du nicht tagelang klägliche Rinnsale von dir geben und pausenlos jammern, dein System müsse gefüllt werden, wenn ich dich um einen Koffeinschub bitte. Ich werde ja verrückt vor lauter Sorge um dich, wenn du plötzlich nur noch ein verzweifeltes Schluchzen von dir gibst, wo du doch eigentlich kräftig Wasser ansaugen solltest. Und weil du mir nicht offen sagen willst, was los ist, fange ich an, mich in dubiosen Kaffeevollautomatenforen rumzutreiben, um herauszufinden, wie ich dir helfen kann. Du machst dir ja keine Vorstellung davon, was für ein Schreck mir in die Glieder gefahren ist, als ich gelesen habe, was dein derzeitiges Verhalten alles aussagen könnte. Das ist so ähnlich, wie wenn man ein paar harmlose Schnupfensymptome googelt und nach einigen Klicks erfährt, dass man wohl nur noch ein paar Tage zu leben hat. Nun, zum Glück bin ich dann irgendwo über den Beitrag gestolpert, in dem zu lesen war, dass dein passiv-aggressives Getue auf eine Verkalkung hinweisen könnte. Und siehe da! Jetzt, wo das geklärt ist, spuckst du wieder Kaffee, als wäre nichts gewesen.

Schau, meine Liebe Kaffeemaschine, wir sind eine Menge Leute in diesem Haus und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Da können wir es uns unmöglich leisten, dass eine wie du um den heissen Brei herum redet, wenn etwas nicht ist, wie es sein sollte. Ich habe wirklich keine Zeit, mich in dich hineinzufühlen, um zu erspüren, wo dich der Schuh drückt. Wo ich doch schon genug damit zu tun habe, zu spüren, ob der Zoowärter nur mies gelaunt ist, oder ob er mal wieder zu lange zu viel Ärger über seine Banknachbarin heruntergeschluckt hat, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat sich wirklich nicht wohl fühlt, oder ob auf dem Stundenplan etwas steht, was ihn am Aufstehen hindert und ob meine Kinder heute tatsächlich Nervensägen sind, oder ob ich einfach keine Geduld für sie habe, weil „Meiner“ das Programm mal wieder überfrachtet hat. 

Du musst wissen, meine liebe Kaffeemaschine: Das komplizierte Getue ist in diesem Haus den Menschen überlassen. Also benimm dich bitte wie ein Vollautomat und kommuniziere durch unmissverständliche Fehlermeldungen mit uns, wenn dir etwas fehlt. 

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