Königs-Kommerz

Der Dreikönigstag gefiel mir von allen Feiertagen immer am besten. Eigentlich ein ganz gewöhnlicher Tag, gewürzt mit einer Prise Spannung, weil es ja durchaus sein kann, dass man eine Krone aufgesetzt bekommt. Wunderbar, finde ich. Oder fand ich, denn seit einiger Zeit glaubt jeder Kleinkrämer, er müsse den Kuchen mit dem König für Werbezwecke missbrauchen. In jedem zweiten Laden soll man in ein Brötchen beissen, um vielleicht – wenn man viel Glück hat – einen Rabattcoupon, einen Sack Katzenfutter, eine Kaffeemaschine oder was auch immer zu gewinnen. Auf den Strassen stehen die Rotarier, um einem einen Kuchen für wohltätige Zwecke anzudrehen und auf Social Media ist schon seit Tagen jeder zweite Post eines dieser Ratespiele, bei dem man herausfinden soll, wo sich der König versteckt. Natürlich, um einen Preis zu gewinnen.

Bis endlich der Moment gekommen ist, um mit der Familie den Kuchen zu essen, hat man schon so viel davon gesehen – und beim Einkauf möglicherweise auch schon gegessen -, dass man das Zeug kaum mehr ertragen mag. Und der eine oder andere freut sich wohl nicht einmal mehr richtig, wenn er den kleinen Plastikkönig und die Papierkrone bekommt. Wo den Gewinnern an manchen Orten doch ein halbes Königreich winkt, wenn sie auf den König beissen. 

Irgendwie macht mir das so keine richtige Freude mehr.