Phantom-Käfer

Wie oft uns der Magen-Darm-Käfer heimgesucht hat, als unsere Kinder noch kleiner waren? Keine Ahnung. Gefühlt habe ich Jahre damit zugebracht, Erbrochenes aufzuwischen, magenschonende Kost zuzubereiten, mitten in der Nacht Betten frisch zu beziehen und mit dem armen FeuerwehrRitterRömerPiraten zur Kinderärztin zu rennen, weil der Durchfall einfach kein Ende nehmen wollte. Kaum hatte der Letzte die Sache durchgestanden, fing der Erste wieder von vorne an und waren wir endlich einmal käferfrei, sorgte irgend ein Gast für Nachschub – und schon ging es wieder los mit der Kotzerei.

Überbieten sich Eltern in einer fröhlichen Runde gegenseitig mit ekelerregenden Kleinkind-Geschichten, kann ich meistens bis ganz am Schluss mithalten, denn unsere Kinder haben in dieser Hinsicht wirklich gar nichts ausgelassen. Und natürlich spielte auch ich immer wieder gerne mit. An den einen Nachmittag, an dem mich der Käfer erwischte, bevor „Meiner“ zu Hause war, erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen. Winselnd wand ich mich auf dem Fussboden und zählte die Minuten bis zum Schichtwechsel, während meine Knöpfe – leider nach überstandener Seuche schon wieder quietschfidel – um mich herumwuselten. Einer der tiefsten Tiefpunkte meiner Mutterkarriere.

Solche Erfahrungen hinterlassen natürlich ihre Spuren. Wenn, so wie heute, Luise nach dem Abendessen meint, ihr wäre ein wenig übel, rebelliert umgehend mein Magen. Sagt Karlsson darauf: „Mir ist auch nicht so ganz wohl“, beginnt es in meinen Gedärmen zu rumpeln. Und wenn dann noch das Prinzchen verkündet, er wolle lieber auf seine Schokolade verzichten, er verspüre einen Brechreiz, dann beginnt in meinem Kopf alles zu drehen und ich bekomme weiche Knie.

Ob ich etwa auch krank werde?

Aber nicht doch! Nach ein, zwei Stunden geht es mir wieder blendend. Ich habe nur mal wieder diesen Phantom-Käfer eingefangen, der mir bei gewissen Stichworten im Eilzugtempo das altbekannte Programm abspielt und so dafür sorgt, dass ich auch jetzt, wo ich allmählich mit einer gewissen Sentimentalität auf die Kleinkindertage zurückblicke, nicht gänzlich vergesse, wie elend es zuweilen sein konnte.

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