Der Zoowärter kann nicht einschlafen. Und wenn er nicht einschlafen kann, sorgt er dafür, dass auch keines seiner Geschwister zur Ruhe kommt. Sonst hat er ja niemanden zum Spielen. Damit dennoch endlich Stille herrscht in den Kinderzimmern, hole ich ihn zu mir auf den Balkon. Wir betrachten den wolkenlosen Abendhimmel, schauen zu, wie ein paar Vögel ihre Kreise ziehen, staunen darüber, wie die Sterne zu leuchten beginnen. Und bald schon singen wir Schlaflieder. Eine Sternstunde wie sie im Bilderbuch steht, einer jener Momente, die das Muttersein zur schönsten Sache auf der Welt machen, an Romantik nicht zu übertreffen.
Wo gesungen wird, ist auch Karlsson nicht weit und schon bald sitze ich mit zwei Söhnen auf dem Balkon und geniesse den Feierabend. Es dauert nicht lange, da steht auch Luise da und wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht schon längst im Land der Träume wäre, liesse auch er nicht lange auf sich warten. Jedes Kind bringt seine Liederwünsche an und ich bin mir nicht zu schade „S Ramseiers wei go grase“, „Jesus hät mi lieb“ und „Schlaf mein Kind ich wieg dich leise“ in die Abenddämmerung hinaus zu singen. Ist mir doch egal, was die Nachbarn denken. Nur wenn der Zoowärter „das vo de Chue“ verlangt, stelle ich mich taub. „Mir Senne heis luschtig“ singe ich nämlich nur hinter schalldichten Wänden, und wenn mich die Kinder auf Knien anflehen.
Je länger die Serenade dauert, desto unromantischer werden die Liederwünsche. Spätestens bei „Es wott es Fraueli z Märit ga“ kippt die Stimmung. Was die Kinder alles kennen ist erschreckend: „Lustig ist das Zigeunerleben“, „Das alte Haus von Rocky Docky“ und „An den Ufern des Mexico Rivers“. Wenn ich den Kerl erwische, der unseren Kindern diese Schweinereien beigebracht hat… Zum Glück kann ich so tun, als wüsste ich die Texte nicht mehr. Jetzt aber schnell ab ins Bett mit den Knöpfen, bevor sie noch Schlimmeres wünschen! Sonst wähnen sich die Nachbarn gegenüber im Musikanten Stadl und beginnen zu schunkeln.