Computergenies

Die zwei jungen Katzen, die im November bei uns eingezogen sind, haben sich als wahre Computergenies entpuppt. Innert kürzester Zeit haben sie gelernt

… die Musik zum Laufen zu bringen,

… die Voice Over-Funktion zu aktivieren, 

… das Gerät auf stumm zu schalten (was den Vorteil hat, dass man das Voice Over-Gequatsche nicht mehr hört), 

… Ordner neu zu benennen („Diverse Artikel“ heisst seit heute Nachmittag „$$$$$$$$$sfdgg“, den Ordner mit den Fotos haben sie kurz und knapp in „s’4“ umbenannt.)

… kryptische Nachrichten in angefangenen Dokumenten zu hinterlassen,

… die Bildschirmhelligkeit anzupassen, 

… die Backspace-Taste aus ihrer Verankerung zu lösen

 und mein Zeiterfassungssystem zu aktivieren.

Und weil sie wirklich nette Katzen sind, haben sie auch mir ein paar Dinge beigebracht. Sie haben

… mich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Computer eine Voice Over-Funktion besitzt,

…. mich dazu gezwungen, herauszufinden, wie man die Voice Over-Funktion wieder deaktiviert

und mir die ausgesprochen  herausfordernde Aufgabe übertragen, die Backspace-Taste wieder fest zu verankern. 

Vorausgesetzt, sie behalten ihr rasantes Lerntempo bei, kann ich mich schätzungsweise im Juli zur Ruhe setzen. Bis dahin werden sie ja wohl herausgefunden haben, wie man einen halbwegs anständigen Text in die Tasten haut.

Wer braucht denn schon Roboter, wenn er Katzen hat?

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Bloss weil ich Mutter bin…

… brauchen mir gebildete Menschen nicht zu erklären, was „intrinsische Motivation“ bedeutet, denn Mutterschaft und Allgemeinwissen schliessen einander nicht gegenseitig aus.

… und ich täglich mehrmals den Geschirrspüler fülle, regelmässig mit dem Putzlappen in der Hand anzutreffen bin und gezwungenermassen öfters mal mit Wäsche beschäftigt bin, kann man nicht automatisch davon ausgehen, dass ich mich auch intensiv mit diesen Dingen auseinandersetze und jederzeit in der Lage wäre, einen spannenden Artikel über die perfekte Haushaltführung zu verfassen.

… lohnt sich die Mühe wirklich nicht, mir am Telefon eine Familienzeitschrift „mit vielen tollen Basteltipps“ aufschwatzen zu wollen, denn ich erachte es nicht als meine heilige Pflicht, mit den Kindern zu basteln. 

… kann man nicht einfach davon ausgehen, dass ich zu jeder Tageszeit problemlos alles stehen und liegen lassen kann, um eines meiner Kinder zu einem (Zahn-)Arzttermin zu karren.

Und doch erlebe ich solche Dinge immer und immer und immer und immer wieder.

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Deutlich überschätzt

„Wenn Mama krank ist, steht das ganze Familienleben still.“ – Unzählige Male habe ich diesen Satz in den vergangenen Wochen zu hören bekommen und jedes Mal war ich zu müde, um zu widersprechen. Dabei ist es doch ganz klar: Das einzige, was stehen bleibt, wenn Mama krank ist, ist die Mama selbst, alles andere dreht sich in dem gleichen irren Tempo weiter wie immer. Nun gut, die Kinder sind etwas hilfsbereiter als üblich und vielleicht lässt du ein paar Dinge etwas länger liegen als sonst, aber im Grossen und Ganzen geht alles seinen gewohnten Gang und ich muss leider sagen, dass die Macht von uns Müttern deutlich überschätzt wird. Hätten wir die Superkraft, mit ein paar Viren den ganzen Alltagsirrsinn anzuhalten, lägen wir viel öfter krank im Bett. 

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Wie ich unseren Käse verraten habe

Heute Abend nach langer Zeit wieder einmal Marktforschung am Telefon.

Nachdem man die üblichen Dinge über mich in Erfahrung gebracht hat – Alter, Geschlecht, Nationalität – die Frage aller Fragen:

„Frau Venditti, mögen Sie Schweizer Käse?“

Und weil ich diese Frage mit „Ja, natürlich“ beantworte, folgen weitere Fragen, die meine Liebe zum Schweizer Käse fassbarer machen sollen.

Ob ich der Meinung sei, Schweizer Käse sei würziger als alle anderen Käsesorten auf der Welt. Ob ich denke, inländischer Käse werde mit mehr Sorgfalt hergestellt als ausländischer Käse. Ob ich finde, nur Schweizer Käse bestehe ausschliesslich aus naturbelassenen Zutaten. Ob ich die Überzeugung vertrete, Schweizer Käse werde in einer intakten Umwelt produziert. Und noch ein paar weitere Fragen, die ich als gebürtige Schweizerin natürlich allesamt ohne zu zögern mit einem kräftigen Ja hätte beantworten müssen.

Aber was tue ich schlechter Mensch stattdessen? Denke an die dampfenden Nudeln, die man mir im Piemont aus einem ausgehöhlten Parmiggiano serviert hat. Erinnere mich daran, wie ich den Cheddar lieben gelernt habe. Muss aufpassen, dass ich bei den Fragen bleibe, anstatt in Gedanken abzuschweifen zu der wunderbaren Käseauswahl in Frankreich. Gestehe ausländischen Käsern das gleiche Berufsethos zu wie den einheimischen. Weigere mich standhaft, meiner Liebe zum Käse eine Landesgrenze zu setzen. Und behaupte am Ende gar, weder unser Käse noch irgend ein anderer werde in einer intakten Natur hergestellt, weil es sowas auf unserem Planeten kaum mehr gebe. Also Verrat auf der ganzen Linie.

Am Ende der Befragung weiss ich einmal mehr: Ich tauge definitiv nicht zur Nationalistin. Auch nicht in Sachen Käse.

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Und sie mögen sich doch…

Im Winter, wenn es draussen garstig und kalt ist…

… und wir aufgrund unseres ausgeprägten Hanges zum Stubenhockertum dazu gezwungen sind, viel dichter aufeinander zu sitzen, als es uns allen gut tun kann,…

…eine Serie von Feiertagen die Kinder daran hindert, sich mit denen zu treffen, die sie sich als Weggefährten ausgesucht haben und sie stattdessen darauf angewiesen sind, dass diejenigen, die ihnen von Geburt an gegeben sind, bei dem mitspielen, was sie gerade unbedingt spielen wollen,…

…das Nervenkostüm derjenigen, die nicht mehr krank, aber auch noch nicht ganz gesund sind, ausgesprochen dünn ist,…

…und ich immer öfter Sätze wie „Wollt ihr denn einander noch die Butter vom Brot vergönnen?“ oder „Himmel, lass deinen Bruder am Leben!“ von mir gebe,…

dann zweifle ich zuweilen daran, ob es so etwas wie Liebe unter Geschwistern überhaupt gibt.

Doch just dann kommt einer daher, der mit sanfter Stimme verkündet, er werde sich heute vorwiegend im Kinderzimmer aufhalten, denn er wolle sich um seinen kranken Bruder kümmern. Wenn er dann tatsächlich mehrmals am Tag frischen Tee kocht, eine warme Decke besorgt und uns fragen kommt, ob wir nicht vielleicht ein Medikament hätten, der Arme hätte solche Schmerzen, dann weiss ich wieder, dass sie eben doch füreinander da sind, wenn sie einander brauchen.

Und das ist ja eigentlich das, was zählt, nicht wahr?

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Wenn „Meiner “ und ich das Mass verlieren

Irgendwann im letzten Herbst…

Kellner: „Was darf’s denn sein für Sie?“

Ich: „Gar nicht so leicht, sich zu entscheiden bei dieser Vielfalt, aber ich denke, zum Einstieg nehme ich diese grippeartige Sache mit Husten und Heiserkeit.“

Kellner: „Eine vorzügliche Wahl. Sie werden es nicht bereuen. Was darf ich Ihnen als nächstes bringen?“

Ich: „Nun, ich kann mich nicht so recht entscheiden zwischen dem Streptokokken-Bouquet und dem Norovirus-Arrangement. Was würden Sie denn empfehlen?“

Kellner: „Ich kann in der Küche fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, die beiden zu kombinieren. Unser Chefkoch ist bestimmt gerne bereit, das Streptokokken-Bouquet mit einem Hauch von Noroviren zu verfeinern.“

Ich: „Das klingt wunderbar. Aber die Noroviren nur ganz dezent, wenn ich bitten darf.“

Kellner: „Nur ein Hauch, versprochen. Sie werden kaum etwas davon spüren. Nur gerade soviel, um die Nebenwirkungen der Antibiotika zu akzentuieren. Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“

Ich: „Nein, ich denke, das ist alles für mich.“

Kellner: „Was darf es für den Herrn sein? Das gleiche wie für Ihre Frau?“

„Meiner“: „Nein, so viel schaffe ich nicht. Ich denke, ich nehme zum Einstieg ebenfalls die grippeartige Sache mit Husten und Heiserkeit, aber bei Streptokokken und Noroviren muss ich passen.“

Kellner: „Kann ich sie nicht mal zu einer kleinen Übelkeit überreden?“

„Meiner“: „Na ja, eine klitzekleine Portion werde ich mir wohl gönnen dürfen. Ich möchte mir bloss den Appetit nicht verderben, denn wie ich sehe, haben Sie auch eine zünftige Grippe auf der Karte und die möchte ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen.“

Kellner: „Schön, eine klitzekleine Übelkeit und danach die Grippe… Dann lassen Sie mich kurz zusammenfassen: Zweimal die grippeartige Sache mit Husten und Heiserkeit, das Streptokokken-Bouquet mit einem Hauch von Noroviren für die Dame, eine klitzekleine Übelkeit für den Herrn und zum Schluss eine zünftige Grippe, ebenfalls für den Herrn.“

Ich: „Wenn ich vielleicht doch noch einen Wunsch anbringen dürfte. Die Erkältung, die der Herr am Nebentisch gerade geniesst, sieht wunderbar aus. Die würde ich mir gerne noch zum Abschluss gönnen. Aber bitte nur eine Miniportion, mehr schaffe ich nicht.“

Kellner: „Ich sehe, Sie sind eine wahre Geniesserin. Darf ich Sie zu unserer einmaligen Erkältung/Grippe-Kombination überreden? Die beginnt mit kräftigen Hustenanfällen und geht dann allmählich über in Fieber und Gliederschmerzen.“

Ich: „Na ja, finden Sie das nicht ein wenig übertrieben? Der Hauptgang ist ja schon ziemlich üppig…“

Kellner (zwinkert mir verschwörerisch zu): „Keine Angst, ich verrate niemanden, dass das alles für Sie ist.“

So lief das, damals im Herbst und seither sind wir fast pausenlos am Geniessen, „Meiner“ und ich. Und da wir mehr als genug bestellt haben, bekommen auch unsere Kinder hin und wieder einen Bissen ab. 

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Familienträume

Solange du noch keine Kinder hast, stellst du dir das Familienleben ja irgendwie so vor: Am Morgen sitzt ihr alle zusammen friedlich am Tisch,trinkt frisch gepressten Orangensaft und esst dazu vollwertiges, hausgemachtes Müesli. (Ich glaube mich zu erinnern, dass in meiner Fantasiefamilie oft auch frische Waffeln, Scones oder Blaubeermuffins auf den Tisch kamen. So wie bei meiner amerikanischen Gastfamilie. Aber damals war mir noch nicht bewusst, dass meine Gastmutter nie Mittagessen kochen musste, weil die Töchter in der Schule assen. Und auch kein Abendessen. Das erledigte die Mikrowelle für sie.) Ihr unterhaltet euch ein wenig über den Tag und was ihr von ihm erwartet, räumt gemeinsam den Tisch ab und verlasst dann einer nach dem anderen geputzt und gestriegelt das Haus, währenddem sich die Küche auf magische Weise selber aufräumt. Die Kinder gehen zur Schule, wo sie brav sind, fleissig mitmachen und glänzende Noten schreiben, damit sie dereinst in der Lage sind, aller Welt zu zeigen, dass sie Gottes Geschenk an die Menschheit sind. Die Eltern verdienen derweilen ungestört das Geld, das ihr braucht, um in Frieden und Eintracht miteinander zu leben. Mittags und abends kommt ihr dann wieder in eurer selbstreinigenden Wohnung zusammen, um das Familienleben zu geniessen.

Tja, und dann wachst du eines Tages in einer Realität auf, in der ein guter Tag dadurch gekennzeichnet ist, dass keiner sich weigert, eine saubere Unterhose anzuziehen, du von niemandem zur Schnecke gemacht wist, weil seine längst überfälligen Hausaufgaben nicht mehr auffindbar sind und niemand an einer ominösen Übelkeit leidet, die „Deinen“ und dich darüber diskutieren lässt, wer von euch beiden heute Abstriche bei der Arbeit macht. So gesehen hatten wir vorgestern einen ausgesprochen harmonischen Start in den Tag. 

Das Theater ging erst am Mittag los, als einer sich mit der unsäglichen Forderung konfrontiert sah, nach dem Essen einen sauberen Pullover anzuziehen.