Frau Lehrerin?

Weil „Meiner“ Lehrer ist,…

… werde ich regelmässig gefragt, ob ich eigentlich an der gleichen Schule unterrichte wie mein Mann.

… sehe ich mich manchmal auch mit der Frage konfrontiert, welche Fächer ich denn unterrichten würde. 

… passiert es öfters, dass jemand anruft, um von mir zu erfahren, weshalb mein Herr Gemahl die Mail, die man ihm gestern geschrieben hat, noch nicht beantwortet habe. 

… ist es auch schon vorgekommen, dass ich um Auskunft bezüglich der zu erledigenden Hausaufgaben gebeten wurde.

… fragt man mich zuweilen, ob es in Ordnung sei, wenn das Kind heute die Hausaufgaben nicht erledige, es habe so schlimme Bauchschmerzen.

… möchten Anrufer hin und wieder wissen, ob ich ihnen vielleicht weiterhelfen könne, „Meiner“ sei ja so schwierig zu erreichen und ich wüsste doch bestimmt, wie er die Dinge in dieser oder jener Angelegenheit sähe. 

… nehmen nicht wenige an, ich würde mich brennend für Fragen der Unterrichtsgestaltung interessieren, weshalb sich die Gespräche dann halt um dieses Thema drehen. 

Himmel, wenn ich Lehrerin hätte werden wollen, wäre ich Lehrerin geworden. Aber ich wollte nicht. 

Und ausserdem: Von „Meinem“ erwartet ja auch keiner, dass er mal schnell eine Artikelserie schreibt, bloss weil er mit einer Schreibenden verheiratet ist. 

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Morgenidylle

Früher Morgen, das Café im Einkaufszentrum ist noch fast leer. Aus den Lautsprechern plärrt Madonna, die Kaffeemaschine durchläuft ein lärmintensives Reinigungsprogramm, aus der Küche dringen scheppernde Geräusche, auf übergrossen Bildschirmen laufen Cartoons in grellen Farben und an einem der hinteren Tische geben zwei ergraute Herren lautstark ihre diversen rassistischen Vorurteile zum Besten.

Mitten in diese Idylle platzt eine Mutter mit weinendem Kleinkind.

Kann man es den Gästen verargen, dass sie den beiden unwillige Blicke zuwerfen und gehässige Bemerkungen fallen lassen?

Wo es im Café vor der Ankunft des verzogenen Görs doch so friedlich und still war…

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Du sollst keine Ablenkung haben neben mir

Was haben wir doch immer gepredigt: „Leg das Handy weg, wenn du am Lernen bist! Nein, diese Snapchat-Nachricht kann jetzt warten. Du kannst dich so doch nicht konzentrieren. Ja, ich weiss, Snapchat verlangt sofortige Aufmerksamkeit, aber die Prüfung hat jetzt Vorrang. Hättest eben nicht erst zwei Tage vor dem Termin mit Lernen anfangen sollen. Nein, du kannst jetzt nicht schnell zwischendurch im Zimmer chillen gehen, du schaffst sonst nicht mehr den ganzen Lernstoff. Das haben wir dir doch schon hundertmal erklärt. – Sag mal, hörst du uns überhaupt zu?“

Immer und immer wieder dieselbe alte Leier, die irgendwann nicht nur Luise tüchtig auf den Geist ging, sondern auch uns.

Dann fiel eines Tages der berüchtigte Groschen, Luise fing nicht nur an zu büffeln, sondern auch weit im Voraus zu planen, wann sie mit der Vorbereitung für welchen Test anfangen muss und welchen Elternteil sie an ihrer Seite braucht, falls Fragen auftauchen sollten. 

Tja, und seither klingt die Leier eben so: „Papa, leg sofort dein Handy weg! Ich kann mich doch so nicht konzentrieren. Schau, du musst mir jetzt bei dieser Aufgabe helfen. Instagram kann warten. Ich hab nächste Woche einen wichtigen Test und ich muss mich rechtzeitig vorbereiten, damit ich noch Zeit habe, Unklarheiten zu klären. Man kann nicht immer alles bis zum letzten Moment aufschieben. Das solltest du doch wissen…“ 

Oder wenn etwas weniger Naturwissenschaftliches auf dem Programm steht: „Mama! Wohin gehst du schon wieder? Du musst jetzt nicht den Herd putzen und Pause kannst du dann später machen. Du sollst in der Nähe sein, damit du mir meine Fragen beantworten kannst, falls ich welche habe. Nein, du kannst jetzt auch nicht deine Mails checken, sonst hörst du mir wieder nur mit einem Ohr zu…“ 

Glaubt mir, wenn ich gewusst hätte, dass die ganzen Moralpredigten irgendwann auf uns zurück fallen, hätte ich damals, als sie noch nicht lernen wollte, meine Klappe gehalten.

blüemli

Folgenschwer

Der FeuerwehrRitterRömerPirat heute beim Abendessen: „Als ich zu Frau XY in die Schule kam, ermordete sie sogleich meine Schulfreude.“

Ich: „Stimmt, ich erinnere mich. Du warst so froh, endlich ein Schüler zu sein und dann war deine Begeisterung schon nach wenigen Tagen verflogen. Aber deine Schulfreude ist inzwischen bestimmt wieder nachgewachsen. Es geht dir doch jetzt so gut.“

FeuerwehrRitterRömerPirat: „Na ja, weisst du, so einfach ist das nicht. Die meisten Menschen haben nur eine Schulfreude und wenn die mal umgebracht worden ist, wächst nicht so leicht wieder eine neue.“

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Blind vor Wut

Dass es unter Kindern immer mal wieder zu kleineren und grösseren Streitigkeiten kommen kann, war mir schon bewusst, bevor Karlsson in den Kindergarten kam. Dass Mütter und Väter sich erst in solche Konflikte einmischen sollten, wenn die Knöpfe ohne Hilfe nicht mehr hinausfinden, war nicht nur für „Meinen“ und mich, sondern auch für die meisten anderen Eltern klar. Dass man bei der Schlichtung zwar zugunsten des eigenen Kindes voreingenommen sein darf, dabei aber nie das Ziel eines möglichst friedlichen Zusammenlebens aus den Augen verlieren sollte, stellte niemand grundsätzlich in Frage. Auch dann nicht, wenn man mal etwas deutlichere Worte gebrauchen musste, um dem Zoff ein Ende zu setzen. 

Aus diesem Grund rieb ich mir erstaunt die Augen, als ich zum ersten Mal einer Mutter gegenüberstand, die nicht gekommen war, um den Streit zwischen ihrem und meinem Sohn schlichten zu helfen, sondern um sich mit mir zu zoffen und mir mangelnde Erziehungsfähigkeiten vorzuwerfen.

Noch erstaunter und ziemlich besorgt bin ich, weil mir vermehrt Geschichten zu Ohren kommen von Müttern und Vätern, die blind vor Wut auf Acht- oder Neunjährige losgehen, um sie mit wüsten Schimpfwörtern, Beleidigungen und Gewaltandrohungen einzuschüchtern. Dass ihr kleiner Sonnenschein zu Hause eine sehr einseitige Version der Vorfälle geschildert haben könnte, fällt ihnen nicht im Traum ein, und so sehen sie sich berechtigt, den „Feind“ ihres Kindes mal so richtig zusammenzustauchen. Soll der doch heulend und vor lauter Angst zitternd zu Mama rennen! In ihren Augen hat er es nicht besser verdient. 

So sehr ich verstehen kann, wie wütend man wird, wenn ein Kind wegen eines anderen Kindes schniefend und schluchzend nach Hause kommt – Beschimpfungen und Drohungen gegen kleine Kinder gehen meiner Meinung nach entschieden zu weit. Und so ertappe ich mich dabei, wie ich die guten alten Zeiten zu glorifizieren beginne. Zeiten, in denen sich Eltern noch wie halbwegs vernünftige Erwachsene aufführten und nicht wie der übelste Pausenhof-Bully.

karo

 

Wie es mir gefällt

Die Flötenlehrerin bekommt beim Weihnachtskonzert mit, dass Prinzchen, der seit etwas mehr als einem Jahr bei ihr den Unterricht besucht, einen klavierspielenden grossen Bruder hat. In der nächsten Unterrichtsstunde gibt sie Prinzchen zu den drei Liedern, die er üben soll, die Klavierbegleitung mit, damit die beiden Brüder gemeinsam musizieren können. Einfach so, weil sie denkt, der Kleine könnte vom Zusammenspiel mit dem Grossen profitieren.

Wunderbar, so ein Instrumentalunterricht. 

Erst recht, wenn diesmal beim familiären Zusammenspiel nicht „Santa Claus is coming to town“ auf dem Programm steht…

färg

 

Königs-Kommerz

Der Dreikönigstag gefiel mir von allen Feiertagen immer am besten. Eigentlich ein ganz gewöhnlicher Tag, gewürzt mit einer Prise Spannung, weil es ja durchaus sein kann, dass man eine Krone aufgesetzt bekommt. Wunderbar, finde ich. Oder fand ich, denn seit einiger Zeit glaubt jeder Kleinkrämer, er müsse den Kuchen mit dem König für Werbezwecke missbrauchen. In jedem zweiten Laden soll man in ein Brötchen beissen, um vielleicht – wenn man viel Glück hat – einen Rabattcoupon, einen Sack Katzenfutter, eine Kaffeemaschine oder was auch immer zu gewinnen. Auf den Strassen stehen die Rotarier, um einem einen Kuchen für wohltätige Zwecke anzudrehen und auf Social Media ist schon seit Tagen jeder zweite Post eines dieser Ratespiele, bei dem man herausfinden soll, wo sich der König versteckt. Natürlich, um einen Preis zu gewinnen.

Bis endlich der Moment gekommen ist, um mit der Familie den Kuchen zu essen, hat man schon so viel davon gesehen – und beim Einkauf möglicherweise auch schon gegessen -, dass man das Zeug kaum mehr ertragen mag. Und der eine oder andere freut sich wohl nicht einmal mehr richtig, wenn er den kleinen Plastikkönig und die Papierkrone bekommt. Wo den Gewinnern an manchen Orten doch ein halbes Königreich winkt, wenn sie auf den König beissen. 

Irgendwie macht mir das so keine richtige Freude mehr.