Darum also…

Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat ein phänomenales Gedächtnis. Dinge, die wir längst nur noch wissen, weil ich vor Jahren mal darüber gebloggt habe, sind bei ihm noch voll präsent. Ich brauche ihm nur ein Stichwort zu liefern und schon beginnt er zu erzählen. So zum Beispiel heute Morgen, als ich ganz nebenbei erwähne, er habe offenbar mal als Kindergärtner die Küche unter Wasser gesetzt. Für mich eine Episode unter vielen, an die ich keine konkrete Erinnerung mehr habe, für ihn aber eine Sache, die so gegenwärtig ist, als hätte sie sich gestern erst zugetragen. Und das Beste an allem: Er weiss noch, warum er es getan hat und so bekomme ich Jahre später endlich zumindest eine Antwort auf die vielen Fragen, die mir damals den Schlaf geraubt haben.

Er habe doch eigentlich schwimmen wollen, erklärt er mir. Total enttäuscht sei er gewesen, weil sich die Küche nicht schneller mit Wasser gefüllt habe. Er habe sich so auf den Badespass gefreut und dann habe dieser blöde Wasserhahn nicht mehr hergegeben als ein spärliches Rinnsal. Tja, und dann sei er eben erwischt worden, bevor sich die Küche in ein anständiges Schwimmbecken habe verwandeln können…

Das also war es, was ihn damals antrieb. Natürlich hilft es mir nicht viel, diese Begründung heute zu bekommen, aber immerhin weiss ich jetzt, dass er sich jeweils durchaus seine Gedanken gemacht hat, wenn ich das Gefühl hatte, er handle ganz und gar kopflos. 

kaki

Anders, aber noch immer schweisstreibend

Neulich, als ich hier ein wenig ausmistete, stiess ich auf einen Post, in dem ich beschrieb, wie ich vor vielen Jahren mit einem schokoladevenrschmierten Prinzchen und einem brüllenden Zoowärter in der Migros für Unterhaltung sorgte. Noch heute läuft es mir heiss und kalt über den Rücken, wenn ich das lese und mich lebhaft daran erinnere, wie nervenaufreibend solche Einkäufe waren. War endlich alles bezahlt, eingepackt, nach Hause gekarrt und im Kühlschrank verstaut, wären die Kinder und ich jeweils reif für ausgiebige Wellness-Ferien gewesen. 

Wie anders ist das doch heute, wenn wir unseren Grosseinkauf mal ausnahmsweise wieder en famille tätigen. Der Zoowärter und das Prinzchen verschwinden augenblicklich in der Spielwarenabteilung, um sich auszumalen, was sie alles haben könnten, wenn ihre Erzeuger keine erbärmlichen Geizhälse wären. Die drei Grossen aber betätigen sich als willige Helfer. Während ich uns mit Obst und Gemüse eindecke, steht „Meiner“ mit der Einkaufsliste in der Hand mitten im Laden und versieht Karlsson, Luise und den FeuerwehrRitterRömerPiraten – so er denn mitkommen mag – mit Aufträgen: „Luise, du holst schwarze und grüne Oliven. Karlsson, du besorgst den Blätterteig. FeuerwehrRitterRömerPirat, du bringst mir Farmer-Stengel.“ Sie strömen aus in den Laden, tragen herbei, was gewünscht ist und nehmen einen neuen Auftrag entgegen. „Meiner“ holt sich derweilen die Dinge, die sich in der Nähe seines Kommandopostens befinden und so kommt es, dass der Wagen im Nu bis oben voll ist. Bevor es an die Kasse geht, holen wir die zwei Jüngsten in der Spielwarenabteilung ab, dann helfen alle mit, die Ware aufs Band und danach in die Einkaufstaschen zu befördern. Oft sind so viele Hände mit im Spiel, dass ich mich ganz entspannt zurückziehen kann. Die schaffen das auch ohne mich. Nach all den Jahren, in denen der Wocheneinkauf so schweisstreibend war, dass ich ihn locker als Fitnesstrainig verbuchen konnte, habe ich mir diese Pause redlich verdient. 

Die Schweissausbrüche habe ich heutzutage erst wieder, wenn mir die nette Dame an der Kasse den Betrag nennt, den ich ihr schulde. Offenbar haben die fleissigen Helfer nicht nur die Dinge in den Wagen gelegt, die „Meiner“ ihnen aufgetragen hat, sondern auch noch ganz viel anderes, was sich ihrer Meinung nach in unserem Kühlschrank gut machen würde.

Immerhin helfen sie danach auch, das Schmuggelgut in die Küche zu schleppen…

kresse

Nachträgliche Reiseerkenntnis

Sind wir in Frankreich, können unsere Kinder noch so brav sein, sie fallen trotzdem negativ auf. Selbst wenn sie in unseren Augen weder übermässig laut noch übermässig lebhaft sind, begegnet man ihnen mit einer gewissen Skepsis. Man scheint in unserem westlichen Nachbarland ein wenig andere Vorstellungen davon zu haben, wie sich Kinder aufzuführen haben und bis jetzt habe ich noch nicht herausfinden können, woran es liegt, dass wir – ohne es zu wollen – immer wieder anecken. 

Sind wir in Schweden, spielt es keine Rolle, wie unsere Kinder sich aufführen. Sie werden akzeptiert, wie sie sind. Skeptische Blicke gibt es dennoch hin und wieder. Nämlich dann, wenn ich finde, es sei jetzt genug, die Knöpfe sollten sich gefälligst benehmen. Müttern, die mal ein wenig lauter werden, scheint man im Norden nicht so recht über den Weg zu trauen.

Sind wir in Italien, gelten unsere Kinder sogar dann, wenn sie sich wirklich daneben aufführen, noch als ausgesprochen wohlerzogen. Ich solle sie doch einfach machen lassen, das seien doch Kinder, sagt man mir, wenn ich sie zurechtweise. Alles sieht man ihnen dort nach, sogar die Tatsache, dass das Prinzchen im Restaurant die Pasta verschmäht und stattdessen ein banales Schinkensandwich bestellt. 

Vielleicht sollte ich endlich mal damit aufhören, mir einen Stress mit dem Benehmen unserer Kinder zu machen. Offenbar spielt es gar keine Rolle, wie sie sind, sondern nur wo

malve

Da bin ich wieder

Mitte Oktober, …

… wenn Karlsson allmählich von der Sehnsucht nach der Schule gepackt wird und die verbleibenden Ferientage nur aushalten kann, indem wir gemeinsam himmlisches Essen (hausgemachte Ravioli, zum Beispiel) zubereiten,…

… wenn „Meiner“ hingegen jeden Morgen mit einem tiefen Seufzer der schönen Ferientage in der Toscana gedenkt und sich dann schweren Herzens aufmacht, um seine Schüler, die bereits wieder dürfen, was Karlsson so gerne möchte, zu unterrichten,… 

… wenn auch der FeuerwehrRitterRömerPirat sich schon wieder Morgen für Morgen aus dem Bett quälen muss, was sich aber im Vergleich zu früher fast schon wie ein Spaziergang anfühlt, da er seit dem Schulwechsel nur noch ein ganz gewöhnlicher Morgenmuffel und kein Schulverweigerer mehr ist,… 

… wenn Luise an den Tagen, an denen sie nicht bei „Meinem“ im Schulzimmer schnuppert, nicht vor dem Mittagessen aus dem warmen Bett gekrochen kommt und es dafür meist erst nach Mitternacht wieder aufsucht,…

… wenn der Zoowärter und das Prinzchen zu diversen Ferienpass-Veranstaltungen chauffiert werden müssen, was meinen Tag in viele kleine, unbrauchbare Häppchen teilt,…

… wenn ich denen, die schon wieder müssen, eine halbwegs geregelte Tagesstruktur bieten sollte, den anderen aber nicht zu viele Einschränkungen auferlegen sollte,…

… wenn ich selber auch zu denen gehöre, die bereits wieder müssen, weshalb es mir eigentlich ganz und gar nicht gelegen kommt, dass andere von mir unterhalten werden möchten,…

… und dann noch all die Dinge zu tun sind, die man halt so tun muss, nachdem man zwei Wochen in Italien dem süssen Nichtstun gefrönt hat, zwei Geburtstage zu planen sind und der Garten auf die kalte Jahreszeit vorbereitet werden möchte…

… sollte man eigentlich keine Blogpause beenden. Das hätte ich bereits wissen müssen, als ich die Pause angekündigt habe, denn ich weiss ja inzwischen, wie es Mitte Oktober bei uns so läuft. Da ich aber die vergangenen Wochen genutzt habe, um hier ein wenig auszumisten und neu zu gestalten, weiss ich wieder, dass ich a) zu einem deutlich ungeeigneteren Zeitpunkt mit dem Schreiben angefangen habe und b) mir während viel anstrengenderen Phasen immer wieder die Zeit genommen habe, weiterzumachen.

Wäre doch gelacht, wenn ich jetzt, wo mein Leben im Vergleich zu früher fast schon beschaulich ist, nicht in der Lage wäre, dem Schreiben wieder einen festen Platz in meinem Alltag einzuräumen. 

Pause

Wer hier schon länger mitliest, wird es gemerkt haben: Mir fehlt momentan die Ruhe, regelmässig zu schreiben. Zu viel hat in den vergangenen Monaten meine volle Aufmerksamkeit gefordert. Zu oft wächst im Laufe des Tages ein neuer Text in mir heran,  dessen Bruchstücke ich abends unter den Ereignissen zusammenklauben will, was mir aber nicht gelingt, weil ich schlicht zu müde bin. Höchste Zeit für eine Pause also. Bis Mitte Oktober will ich mir Zeit geben, um mehr zu ruhen und weniger zu tun, damit wieder Neues wachsen kann. Ich werde wieder schreiben, des bin ich mir sicher, doch für den Moment herrscht hier jetzt einfach mal Stille. 

Schönes Wochenende, liebe Lehrer

An alle engagierten Lehrerinnen und Lehrer da draussen: 

Glaubt mir, ich kann mir ziemlich gut vorstellen, wie ihr euch am Ende einer ereignisreichen Schulwoche fühlt. Warum? Weil einer von euch mit mir sein Leben teilt und der ist jeweils ziemlich geschlaucht, wenn er ins Wochenende startet. Geschlaucht und selbstkritisch, denn weil er seine Sache gut machen will, sieht er oft nur, was er hätte besser machen können und nicht das, was alles bestens lief. Vielleicht geht es euch jeweils ganz ähnlich und darum möchte ich euch, bevor ich euch ein schönes Wochenende wünsche, kurz sagen, wie wichtig ihr seid.

Engagierte Lehrer können nämlich bewirken, dass einer*, der die Schule bis anhin als einen Ort erlebt hat, wo er nie genügen kann, jeden Tag fröhlich aus dem Haus geht und zufrieden wieder zurückkommt. Dass er mit leuchtenden Augen erzählt, was er alles gelernt hat und jeden, der ihm über den Weg läuft, mit den Scherzfragen unterhält, die er in der Schule gestellt bekommen hat. Dass er weiss, an wen er sich wenden kann, wenn ihm eine Schulkameradin andauernd auf der Nase herumtanzt und darum nicht mehr so gereizt sein muss, wenn es mal wieder zum Krach kommt. Dass er plötzlich Lust hat, sich mit einem Freund zum Lernen zu treffen und abends verkündet, er wolle im Bett noch ein wenig lesen. Dass er sich etwas zutraut und lernt, mit denen auszukommen, die er bis anhin gemieden hat. Dass er nicht mehr in Panik gerät, wenn er die Hausaufgaben vergessen hat, weil man ihm trotzdem noch mit Wohlwollen begegnet. Dass er die Schule plötzlich eine richtig tolle Sache findet und von seinen Lehrern redet, als wären sie Superhelden.

Was ihr auch seid, denn Menschen, die fähig sind, das Leben eines Kindes – und damit auch seiner Eltern – so viel schöner zu machen, sind die Grössten.

* Und zwar nicht derjenige, der die Schule gewechselt hat, sondern ein anderer. 

flowers

Alles auf einem Blatt

Wenn ich weiss, dass ich es möglicherweise nicht pünktlich zum Mittagessen nach Hause schaffen werde und „Meiner“ auch nicht da ist, gebe ich den Kindern am Morgen die nötigen Instruktionen, damit der Laden notfalls auch ohne mich laufen kann. Weil ich aber auch weiss, wie leicht solche Instruktionen zwischen Aufgabenblättern, Gruppenarbeiten, Znüniboxen und Pausenhofgeplänkel verloren gehen, finden die Kinder bei ihrer Heimkehr meistens auch noch einen Zettel vor. Darauf steht alles, was die Knöpfe wissen müssen:

  • Dass ich nicht da bin (Weil sie das bestimmt schon wieder vergessen haben.)
  • Wo ich bin (Weil sie das vermutlich gar nicht wissen, da sie am frühen Morgen nach „Ich komme heute Mittag vielleicht etwas später, weil…“ bereits wieder abgehängt haben.)
  • Mit wem ich unterwegs bin (Weil auch das vermutlich nicht hängen geblieben ist.)
  • Wer fürs Tischdecken verantwortlich ist (Weil natürlich wieder keiner dran denken wird, meinen farbenfroh gestalteten, laminierten Plan zu konsultieren.)
  • Was es zu essen gibt (Weil ich das in den frühen Morgenstunden, als ich sie über meine mögliche Abwesenheit informierte, noch nicht wusste.)
  • Wo sie das Essen finden (Weil… na ja, vielleicht hätte es diese Information nicht gebraucht, denn Essbares finden sie immer und sonst gehen sie halt der Nase nach, bis sie fündig geworden sind.)
  • Dass sie heute keine Gäste einladen können (Weil ein gewisser Zoowärter immer erst bei uns und dann bei den Eltern des besten Freundes nach dem Menü fragt, um zu entscheiden, wo es heute wohl besser schmecken wird und das geht nun mal nicht, wenn bei uns keiner am Herd steht, der die Frage nach der aktuellen Spezialität des Hauses beantworten kann. Und weil ich es den anderen Eltern gegenüber nicht okay finde, wenn ihre Kinder ohne ihr Wissen unbeaufsichtigt bei uns sind. Und weil dieses doofe Rezept trotz Verdoppelung der Menge bloss eine mickrige Portion Dampfnudeln ergeben hat, so dass es knapp für diejenigen reicht, die ich beim Kochen eingerechnet habe.)
  • Dass heute keiner auswärts essen darf, auch nicht dann, wenn das Menü dort ansprechender wäre (Weil ich nicht anderen Leuten ungefragt meine Kinder anhängen will, bloss weil ich es nicht rechtzeitig nach Hause schaffe. Und weil ich meine Knöpfe nicht in allen Himmelsrichtungen zusammensuchen will, wenn ich endlich nach Hause komme.)

Mit viel gutem Willen habe ich es geschafft, all diese Infos – natürlich ohne die Klammerbemerkungen – ziemlich gut leserlich auf einem einzigen A4-Blatt unterzubringen. Der Platz reichte sogar noch für ein Herzchen. Dennoch war nicht alles so, wie es sein sollte, als ich nach Hause kam. Das Prinzchen habe sich mit seiner Dampfnudel auf den Estrich zurückgezogen, erzählten mir Luise und der Zoowärter. Wegen einer üblen Beleidigung habe er den weiteren Verbleib am Esstisch für unzumutbar erachtet und jetzt bleibe er wohl noch eine Weile dort oben, um zu schmollen. 

Ich denke, ihr geht mit mir einig, dass sich ein solcher Konflikt hätte vermeiden lassen, wenn ich die anderen Anweisungen etwas kleiner geschrieben hätte, damit noch Raum für ein deutliches „Seid gefälligst nett miteinander!!!“ geblieben wäre. 

blüemli.jpg