17 Gebote für reisende Teenager

Egal, ob Klassenlager oder Ferienwoche in der Toscana, einige Gebote sollten reisende Teenager beherzigen:

1. Du sollst keinen gestellten Wecker zurücklassen. Erst recht keinen, der ab fünf Uhr früh alle 30 Minuten aufs Neue losgeht. (Dieses Gebot gilt auch für Teenager mit erlesenem Musikgeschmack, die sich von Johann Sebastian Bach, Mahalia Jackson und anderen Grössen wecken lassen.)

2. Wenn du schon Gebot Nummer 1 nicht einhältst, dann sollst du deinen Eltern wenigstens den Code für dein Gerät geben, damit sie den Wecker bis zu deiner Rückkehr zum Schweigen bringen können. 

3. Du sollst nicht die einzige sich im Haushalt befindliche volle Zahnpastatube mit in die Ferien nehmen.

4. Da du Gebot Nummer 3 ohnehin brichst: Du sollst nach deiner Rückkehr die jetzt natürlich nicht mehr ganz volle Zahnpastatube umgehend zurück ins Badezimmer stellen, damit sie der Tube, die deine Eltern in der Zwischenzeit gekauft haben, Gesellschaft leisten kann.

5. Da du dich selbstverständlich auch nicht an Gebot Nummer 4 hältst: Du sollst die jetzt natürlich nicht mehr ganz volle Zahnpastatube nicht bis zum nächsten Aufräumanfall in deinem Zimmer vergammeln lassen.

6. Du sollst nicht erst im letzten Moment vor der Abreise daran denken, dass du noch Kleider waschen musst.

7. Weil du Gebot Nummer 6 ohnehin übertreten wirst: Du sollst deinen Ärger über die zu langsam trocknende Wäsche nicht an deiner Mutter auslassen.

8. Du sollst erst recht nicht von deiner ziemlich grün eingestellten Mutter fordern, sie solle sich endlich einen Tumbler zulegen. 

9. Du sollst nicht klammheimlich das Handykabel deines Bruders mitnehmen.

10. Du sollst die allerbeste, bei sämtlichen Familienmitgliedern beliebte Haarbürste zu Hause lassen. 

11. Du sollst die Frage „Hast du uns vermisst?“ nicht wahrheitsgetreu beantworten, es sei denn, du hättest vor lauter Heimweh die ganze Woche nichts essen mögen. 

12. Du sollst nicht behaupten, du hättest nichts mehr anzuziehen und müsstest ganz dringend shoppen gehen, ehe du deinen Koffer ausgepackt hast. (Dieses Gebot gilt auch dann, wenn dein Koffer drei Monate nach deiner Rückkehr noch immer in deinem Zimmer vor sich hin gammelt.)

13. Du sollst den Proviant, den du auf der Hinreise nicht hast aufessen mögen, nicht mehr mit nach Hause nehmen. 

14. Du sollst keine Käfer und Seuchen aus dem Klassenlager mit nach Hause bringen.

15. Du sollst deine Packliste vor der Abreise sehr genau durchlesen und überprüfen, ob du alles dabei hast.

16. Weil du auch Gebot Nummer 16 missachtest: Du sollst nach deiner Heimkehr nicht jammern, du hättest es ohne Regenjacke, Sonnencreme und Shampoo kaum ausgehalten. 

17. Du sollst dich nach der Rückkehr nicht über Schlafmangel beklagen. Es hat dir keiner befohlen, bis tief in die Nacht mit den anderen zu quatschen.

img_3576

 

Lehrgeld

Die Krautfäule ist beileibe keine Unbekannte für mich. Im Gegenteil. Ihr sind schon so viele meiner geliebten Tomaten zum Opfer gefallen, dass ich mir dieses Jahr mit meinem Kolumnenhonorar ein grosses Gewächshaus geleistet habe, um den Pflanzen ein schützendes Dach zu bieten. Diesmal würde ich nicht mit ansehen müssen, wie eben noch wunderschöne Tomaten plötzlich braun und unansehnlich werden, des war ich mir sicher.

Leider habe ich einen gravierenden Fehler begangen: Ich habe Ferien gebucht. Die drei Wochen Schweden im Juli waren des Guten zu viel für meine verwöhnten Nachtschattengewächse. Wie konnte ich es wagen, die langen Sommerabende im Norden zu geniessen, während sie mit voller Kraft Blattwerk, Zweige und Blüten produzieren mussten? Aus Protest gegen die schändliche Vernachlässigung hoben sie die Dachfenster des Gewächshauses aus ihrem Angeln. Erst sah es so aus, als wäre diese Racheaktion folgenlos geblieben, doch irgendwann letze Woche war nicht mehr zu übersehen, dass sich die Fäulnis breit macht, wo der Regen eingedrungen ist. Was blieb mir da anderes übrig, als radikal durchzugreifen, um zu retten, was noch nicht befallen ist? Beim Wegräumen der kranken Pflanzen wurde mir schmerzlich bewusst, dass uns die diesjährigen Sommerferien nicht nur eine ganze Stange Geld, sondern auch kiloweise Tomaten gekostet haben. 

Na ja, immerhin zeigt sich jetzt, wo das Tomatengestrüpp beseitigt ist, dass es den Peperoni, die ebenfalls im Gewächshaus wohnen, ganz prächtig geht. Und weil der Dschungel nun gelichtet ist und die Herbstsonne so richtig durchs Dach scheinen kann, darf ich immerhin hier auf eine reiche Ernte hoffen. 

img_9284

 

Deine Ferien waren ein Erfolg, wenn…

…du nicht mehr weisst, welche Art von Kaffeemaschine du zu Hause hast. Auch nach längerem Nachdenken nicht mehr. (Na ja, immerhin bist du dir zu hundert Prozent sicher, dass es keine Nespresso-Maschine sein kann…)

…du froh bist, dass alle deine Arbeits-Passwörter gespeichert sind, weil du sie vor lauter Entspannung vergessen hast.

…du sehr lange nach einem Glas suchen musst, weil du beim besten Willen nicht mehr weisst, in welchem Küchenschrank sie untergebracht sind.

…du dir daheim erst einmal überlegen musst, wer in welchem Zimmer schläft, wenn der Zoowärter mitten in der Nacht laut weint und Hilfe braucht.

…du dich trotz vieler Stunden auf deutschen Autobahnen noch richtig ausgeruht fühlst.

…du denkst, das Schuljahr müsste doch längst wieder begonnen haben, weil das doch unmöglich bloss drei Wochen gewesen sein konnten, die ihr weg wart.

…dir erst zu Hause wieder einfällt, dass Geschirrspüler und Herd gerade dabei sind, den Geist aufzugeben.

flowers

 

Noch so eine Ferienweisheit

Du kannst

… drei Wochen lang in traumhafter Umgebung wohnen,

… in Göteborg das coolste kindertaugliche Museum besuchen,

… durch Schlossparks wandeln,

… viel mehr schwedische Süssigkeiten und Junk Food erlauben, als für kleine Menschen gut sein kann,

… in der Ostsee baden,

… Fussballspiele bis zum sehr späten Eindunkeln erlauben, 

… Tiere in freier Wildbahn beobachten,

… auf dem Touristenboot über Kanäle schippern,

… grosszügiges Ferientaschengeld auszahlen, 

… abends zum Baden an den See fahren, 

und unzählige andere tolle Dinge tun. 

Wunderbar, nicht wahr? Für die meisten Kinder schon. Der FeuerwehrRitterRömerPirat hätte allerdings auf fast alles verzichten können. Ihm hätte es gereicht, in einem Hotelzimmer irgendwo in einem Vorort von Hannover kurz in den Whirlpool zu steigen und dann eine Stunde lang von Geschwistern ungestört Kinderfernsehen reinzuziehen. Zum Glück habe ich für unseren Zwischenstopp auf der Heimreise genau so ein Hotelzimmer reserviert. So hat unser Dritter wenigstens ein richtig tolles Ferienerlebnis, über das er im Schulaufsatz berichten kann. 

malven.jpg

 

Wir haben noch zu lernen…

Familienferien sind anders, wenn Teenager mitreisen. Hier einige Dinge, die Eltern wissen sollten:

  • Sightseeing und Shopping sind strikte voneinander zu trennen, denn sonst hängt die eine Hälfte der Familie beim Stadtrundgang gelangweilt vor der Ladentür rum, während die andere Hälfte sich „nur ganz schnell“ mit Schuhen, T-Shirts, Ohrringen und Souvenirs eindeckt.
  • Das Gejammer, die gewählte Feriendestination sei so ziemlich das Letzte, darfst du dir auf gar keinen Fall zu Herzen nehmen. Diese Sicht ändert sich nämlich schlagartig, wenn die ersten Freunde sich auf WhatsApp beklagen, sie müssten den ganzen Sommer in diesem elenden Kaff bei Verwandten rumhängen. 
  • Plane auf jedem Tagesausflug mindestens fünf Essenpausen ein. Teenager sind immer hungrig. I-M-M-E-R.
  • Museumsbesuche sind zwar erlaubt, müssen aber als Entschädigung für die erlittene Langeweile mit der exakt gleichen Menge an Teenager-tauglichen Aktivitäten aufgewogen werden.
  • Schalte immer wieder Ruhetage ein. Teenager sind nicht sehr belastbar und müssen sich deshalb von strapaziösen Tagesausflügen ausgiebig erholen, bevor sie wieder fit sind für neue Entdeckungen. 
  • Mach dich auf überraschende Momente der Nähe und Vertrautheit gefasst. Wenn dir kein „Best Friend Forever“ die Show stiehlt, bist du als Mutter oder Vater plötzlich wieder sehr gefragt. 
  • Sobald das Ferientaschengeld dein Portemonnaie verlassen hat, ist dein Mitspracherecht, wofür es ausgegeben wird, verwirkt. Oh ja, es ist äusserst schmerzhaft, mit ansehen zu müssen, was man mit deinem sauer verdienten Geld alles anstellt, aber wenn dir der Friede lieb ist, hältst du jetzt einfach die Klappe. 
  • Begehe nie, aber auch wirklich gar nie den Fehler, ein Ferienhaus ohne WLAN zu buchen. Ach, ich glaube, den hatten wir vor ein paar Tagen schon…
  • Malmö.jpg

Schmetterlingsgarten

Vieles wird mir fehlen, wenn wir nächste Woche wieder zu Hause sind.

Die hellen Abende…

die Weite der Landschaft und des Himmels…

das Rauschen des Windes in den Bäumen…

die entspannte Stimmung, die in den Sommermonaten selbst in den grossen Städten herrscht…

die farbenfrohen Häuser…

überhaupt all das Bunte, das man hier so viel häufiger sieht als bei uns…

die Malven, die sogar in den Gassen des Städtchens üppig blühen…

die wunderschöne Sprache…

das ganze Zimt-, Kardamom- und Beerenzeugs…

die freie Zeit…

am allermeisten aber die Schmetterlinge, die den ganzen Tag um unser Häuschen flattern. Kleine Füchse, Grosse Füchse, Tagpfauenaugen, Schiller-, Distel- und Zitronenfalter, Admirale, vielleicht sogar ein Roter Apollo, aber vermutlich habe ich mir das in meiner Verzückung nur eingebildet und es war ein ganz gewöhnlicher Kohlweissling. Ich wünschte, ich könnte sie mitnehmen und bei uns im Garten ansiedeln, aber alles, was mir von diesem traumhaften Schmetterlingsgarten bleiben wird, sind schöne Erinnerungen und ein mausetoter, aber immerhin beinahe unversehrter Admiral.

Kann man es mir da verübeln, dass ich umgehend eine grosse Bestellung beim Gartenversand meines Vertrauens aufgegeben habe, damit ich nach unserer Heimkehr die gleichen Stauden und Sträucher pflanzen kann, die hier bei den Sommervögeln so heiss begehrt sind? 

fjäril.jpg

 

Wasser, Sand & Vendittis

„Meiner“ mag das Wasser nicht und der Sand nervt ihn nach einer gewissen Zeit auch.

Karlsson findet Sonnenbäder doof.

Luise träumt zwar von kristallklarem Wasser und kilometerlangen Sandstränden, aber in der Realität findet sie das alles dann doch ein wenig langweilig.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat muss in der richtigen Stimmung sein, um Wasser und Sand zu geniessen. Die richtige Stimmung erfasst ihn aber meist dann, wenn beides nicht verfügbar ist.

Der Zoowärter könnte sich stundenlang in den Wellen tummeln, aber wenn keiner mitmacht, macht es nur halb so viel Spass.

Dem Prinzchen ist das Wasser zu kalt. Sand ist okay, aber die anderen trampeln ja doch immer nur achtlos über seine Burgen hinweg.

Meiner Meinung nach müsste man – gelegentlich, etwa einmal pro Jahrzehnt – im Wasser schwimmen und am Strand dicke Schmöker lesen können, aber mit unserer Familie ist beides nicht so richtig möglich. 

Fragt mich bloss nicht, weshalb wir trotzdem jedes Mal, wenn sich zufällig ein Meer in unserer Nähe befindet, einen oder zwei Ferientage darauf verschwenden, uns am Strand zu tummeln. Vielleicht müssen wir uns einfach immer wieder aufs Neue beweisen, dass wir nicht strandtauglich sind. 

Ystad