20 Rappen Differenz

Mal wieder an einer Kasse, diesmal in einem kleinen Laden am Bahnhof, wo ich mir ein Getränk und ein Sandwich kaufen will. Vor mir eine elegant gekleidete ältere Dame, die einen Vanille-Glacestängel bezahlt und den jungen Verkäufer in das folgende Gespräch verwickelt.

Dame (im fordernden Tonfall): „Sie, jetzt müssen Sie mir etwas erklären. Heute Morgen habe ich in einer anderen Filiale Ihrer Ladenkette genau den gleichen Glacestängel gekauft und der kostete 90 Rappen. Dieser hier kostet nur 70 Rappen. Wie kommt es zu diesem Preisunterschied?“

Verkäufer (überaus freundlich): „War das vielleicht an einer Tankstelle?“

Dame (immer noch im gleichen Tonfall): „Jawohl, das war an einer Tankstelle. Dann sind die Waren an der Tankstelle also grundsätzlich teuerer als bei Ihnen?“

Verkäufer (weiterhin sehr freundlich): „Nicht grundsätzlich, aber es kann schon mal sein, dass es Preisunterschiede gibt.“

Dame (fast noch ein wenig unfreundlicher): „Ich will doch wissen, warum ich am einen Ort mehr bezahle als am anderen Ort. 90 Rappen für so einen Glacestängel finde ich halt schon ein wenig übertrieben.“

Verkäufer (unverändert freundlich): „Ja, das kann ich schon verstehen.“

Dame (fast schon aufgebracht): „Das ist halt schon ein ziemlicher Unterschied, ob man 70 oder 90 Rappen bezahlt. Ich meine, das sind immerhin 20 Rappen mehr.“

Momente später sehe ich sie an der Bushaltestelle sitzen – ohne Glacestängel. Hat sie den wirklich so schnell verschlungen? Oder hat sie ihn am Ende nur gekauft, damit sie sich über die unsägliche Preisdifferenz beklagen kann?

ärtor

Mission accomplished

Eigentlich hätte ja schon beim ersten Versuch nichts schief gehen sollen. Ausgerüstet mit sämtlichen Leckereien, bei deren Anblick jede anständige Katze zu sabbern beginnt, machte ich mich auf, um Schwiegermamas Katze nach Hause zu holen. An meiner Seite zwei tapfere Agenten des berühmt-berüchtigten Geheimdienstes „FBDuck“, die mir ihren Beistand zugesagt hatten, falls es zu einem Kampf kommen sollte. Vierzig Minuten später wurden wir in Schwiegermamas Wohnung von einer kläglich miauenden und zutiefst misstrauischen Katze empfangen. 

Muss ich wirklich ich ins Detail gehen? Ich glaube, ich lasse das besser bleiben. Sagen wir es einfach so: Weder die Würstchen, die meine beiden tapferen Agenten unters Bett warfen, noch das „Schleckvergnügen mit Lachs“, das unsere Katzen jeweils vor lauter Wonne beinahe ohnmächtig werden lässt, noch meine zuckersüssen Worte konnten das Tier dazu bewegen, uns sein angeschlagenes Vertrauen zu schenken, geschweige denn, sich in Richtung Transportkorb zu bewegen. Nach einer geschlageneren Stunde – die „FBDuck“-Leute hatten mich schon längst im Stich gelassen – gab ich entnervt auf. Das arme Tier, das inzwischen nur noch verzweifelt fauchte und knurrte, war nicht dazu zu bewegen, mit uns zu kommen. Klar, ich hätte es mit Gewalt dazu zwingen können, aber dadurch wäre unser Zusammenleben vom ersten Moment an ziemlich belastet. Was blieb mir da anderes übrig, als die Spuren notdürftig zu beseitigen, die das „Schleckvergnügen mit Lachs“ in der ganzen Wohnung hinterlassen hatte, der Katze ein paar beruhigende Worte zuzurufen und meinen Agenten mitzuteilen, die Mission sei vorerst einmal abgeblasen?

Ein paar Stunden später starteten wir einen neuen Versuch. Diesmal ohne „FBDuck“, „Schleckvergnügen“ und Würstchen, dafür aber mit „Meinem“, fast allen Kindern, Handschuhen und einem Fläschchen Baldriantropfen. Ob es an den Baldriantropfen, an den Handschuhen oder an der zupackenden Art meines Herrn Gemahl lag, kann ich euch leider nicht  sagen – auf alle Fälle sass die Katze fünfzehn Minuten später ziemlich verwundert aber einigermassen zufrieden im Transportkorb. 

Verwundert ist sie auch jetzt noch, wo sie die erste Begegnung mit ihrem Bruder und einen ersten Rundgang in unserem Zuhause hinter sich hat. Sieht ganz so aus, als könnte sie es sich vorstellen, hier wieder heimisch zu werden.

Wenn sie sich jetzt nur noch abgewöhnen könnte, mich andauernd anzufauchen, wenn ich es wage, mich zu bewegen. Ich sollte mich hier ja auch noch irgendwie heimisch fühlen…

büselina

 

Sammeln Sie Märkli? 

Neulich an der Kasse. Vor mir bezahlt ein Mann seine Ware.

Kassierin: „Sammeln Sie die Märkli?“

Kunde: „Nein, die können Sie der Dame hinter mir geben.“

Ich: „Danke, das ist nett, aber ich sammle auch nicht.“

Die Kassierin und ich unterhalten uns über die verschiedenen Sanmelaktionen und warum ich nicht sammle. Sie scannt derweilen meine Artikel, ich packe ein, wir reden weiter über meine Unlust am Märkli-Sammeln, sie nennt den Betrag und während ich im Portemonnaie krame, fragt Sie: „Sammeln Sie die Märkli?“ 

Ich: „Äääääh, nein…“

Kassierin: „Ach ja, stimmt. Darüber haben wir uns ja gerade unterhalten.“

Weil ich „Meinem“ noch ein paar Dinge für die Schule bringen muss, sind die nächsten Waren, die auf dem Band liegen, auch für mich. Sie scannt, ich packe ein und wir reden weiter über Märkli. Diesmal geht es darum, wie mühsam es für das Kassenpersonal ist, wenn alle paar Wochen etwas anderes verteilt werden muss. Manchmal sei es schwierig, da überhaupt noch den Überblick zu behalten, erklärt sie. Dann sind alle Artikel gescannt, sie nennt den Betrag, ich krame im Portemonnaie und sie fragt: „Sammeln Sie die Märkli?“

Ich: „“Äääääh, nein… Auch bei diesem Einkauf nicht.“

Kassierin: „Ach ja, stimmt. Darüber haben wir uns ja gerade unterhalten.“

Kopfschüttelnd verlasse ich den Laden. War das jetzt ein Roboter, der gelernt hat, sich wie eine echte Kassierin zu verhalten, oder eine Kassierin, die trainiert, sich wie ein Roboter aufzuführen, damit sie ihren Job auch in Zukunft behalten kann?

Katzenfänger

Die Katze soll zu uns kommen, hat Schwiegermama gesagt, als uns allen klar wurde, dass eine Heimkehr auch nach dem Spitalaustritt bis auf Weiteres nicht in Frage kommt. Das Tier werde sich bestimmt schnell wieder bei uns einleben, wo es doch in unserem Wandschrank das Licht der Welt erblickt habe, meinte Schwiegermama. Ich bin mir da offen gestanden nicht so sicher.

Gut, als sie noch ein Kätzchen war, fühlte sie sich tatsächlich ausgesprochen wohl bei uns. Flink kletterte sie jeweils an meinem Bein hoch, um sich auf meine Schulter zu setzen und mir beim Kochen zuzuschauen. Den ganzen Tag blieb sie mir auf den Fersen, um mich nicht aus den Augen zu verlieren. Doch nach ihrem Auszug gewöhnte sie sich schnell an das beschauliche Leben als Wohnungskatze einer älteren Frau und es dauerte nicht lange, bis sie uns mit einem zornigen Knurren empfing, wenn wir zu Besuch kamen. Irgendwann beschloss sie, sich ganz unsichtbar zu machen, wenn ihre laute Herkunftsfamilie ins Haus kam. Zum Glück erklärte uns Schwiegermama, die Katze verhalte sich immer so, wenn jemand vorbeikomme, sonst wäre ich wohl ziemlich eingeschnappt gewesen. Immerhin waren wir diejenigen, die mit reichlich Futter den Grundstein für ihre inzwischen ausgesprochen rundliche Figur gelegt hatten. 

Mir graut offen gestanden ein wenig vor dem kommenden Samstag, denn dann wollen wir das Tier davon überzeugen, sein ruhiges Zuhause zu verlassen. Schwiegermama meinte zwar, das sei ganz einfach, wir müssten bloss den Tierarzt rufen und der komme dann mit dem Kescher, um die Katze einzufangen. Mir aber widerstrebt diese Fangmethode und zwar nicht nur, weil mich das Geld für den Tierarzt reut, sondern auch, weil ich mir einbilde, mit Katzen auch ohne fremde Hilfe klarzukommen. Und wer weiss, vielleicht erinnert sie sich sogar wieder an unsere gemeinsame Zeit, wenn ich sie mit honigsüsser Stimme unter dem Sofa hervorzulocken versuche? Dann aber fällt mir wieder ein, wie sie mich bei unserer letzten Begegnung mit glühenden Augen anstarrte und mit zornigem Fauchen in die Flucht trieb. Was, wenn sie mich diesmal sogar anspringt und ich wenig später mit zerkratztem Gesicht an Schwiegermamas Krankenbett meine Niederlage eingestehen muss? Was, wenn das Tier das Weite sucht und ich mit der Nachricht ins Spital komme, die geliebte Katze sei auf Nimmerwiedersehen verschwunden? Bis in meine Träume verfolgt sie mich inzwischen, so sehr fürchte ich, diesen Auftrag zu vermasseln. 

Ich denke, ich muss mir unbedingt eine Portion Gelassenheit zulegen, bevor ich am Samstag losfahre, um die Katze einzufangen. Vielleicht nehme ich mir die zwei Mädchen zum Vorbild, die heute Nachmittag an unserem Haus vorbei spazierten:

„Schau mal, eine Katze.“

„Wo?“

„Dort drüben. Siehst du sie nicht?“

„Ach so, jetzt sehe ich sie. Ich glaube, die ist tot.“

„Nein, ist sie nicht.“

„Doch, ich glaube schon.“

„Was, wenn sie wirklich tot ist?“

„Na, dann ist sie halt tot.“

„Stimmt, dann ist sie halt tot.“

Na ja, ganz so kaltblütig möchte ich nicht werden. Aber vielleicht ein klein wenig ruhiger…

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Mach kein Drama

Wenn lange genug eins nach dem anderen schief läuft, fängst du früher oder später an, auch dort Probleme zu sehen, wo gar keine sind. Dann gehst du, wenn es beim Kochen plötzlich knallt und der Backofen seinen Dienst quittiert, nicht in den Keller, um zu überprüfen, ob eine Sicherung rausgefallen ist. Nein, du brichst fast in Tränen aus, weil du dich nicht schon wieder mit dieser unsäglichen Firma rumärgern willst und du in Gedanken schon vor dir siehst, wie sie kommen, um deinen geliebten Herd abzutransportieren, weil er nicht mehr zu retten ist. Da die Herdplatten noch funktionieren, schiebst du den Anruf bei der Firma drei oder vier Tage vor dir her und nachdem du endlich zum Telefon gegriffen hast, siehst du dem Besuch des Technikers mit Bangen entgegen. Nicht schon wieder ein Stein im Weg, denkst du. Nicht schon wieder diese elende Jagd nach einem funktionierenden Haushaltgerät. 

Tja, und dann steht ein paar Tage später dieser Techniker in der Küche, verlangt den Sicherungskasten zu sehen und verkündet Augenblicke später, dass da, wo du schon wieder einen Berg gesehen hast, eigentlich nur eine kleine, doofe Sicherung war. Eine von zwei, die für den Betrieb von Backofen und Kochplatten zuständig sind.

Bevor du vor lauter Scham im Fussboden versinkst, denkst du noch, dass du dir dringend mal wieder eine Portion Optimismus besorgen solltest. Mindestens so viel, dass es reicht, um erst die paar Treppenstufen zum Sicherungskasten unter die Füsse zu nehmen, ehe du ein Drama machst. 

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Und jetzt bitte einen Muttertag…

  • Zwei Teenager, die sich beim Kochen des Mittagessens in die Haare geraten und deshalb die Küche in ein Schlachtfeld verwandeln
  • Ein Sohn, der nicht im Traum daran denkt, sich an das zu halten, was man ihm sagt, ganz egal, wie gut begründet die Vorgaben sind
  • Zwei kleine Jungs, die spät abends noch kichernd im Bett liegen und keine Anstalten machen, irgendwann die Klappe zu halten 
  • Zwei Mahlzeiten die durch endlose Sticheleien und Streitigkeiten unter Geschwistern verdorben werden
  • Viel unwilliges Murren über ein paar klitzekleine Aufgaben im Haushalt, die „Meiner“ und ich nicht ohne Hilfe erledigen wollen
  • Diverse hässliche pubertäre Wutausbrüche
  • Bruder, der seine Schwester aus dem Haus sperrt, einfach weil es angeblich so furchtbar lustig ist, wenn sie danach pausenlos Sturm läutet
  • Heftige Geschwisterrivalität inklusive lautstarker Auseinandersetzungen beim Fussballspiel auf der Quartierstrasse
  • Ein Papa, der irgendwann aus purer Verzweiflung damit anfängt, die Muttertags-Moralkeule zu schwingen

Eine geballte Ladung von all dem also, was das Elterndasein an manchen Tagen so anstrengend macht. Ein Muttertag, an dessen Ende du denkst, du hättest dir jetzt eigentlich einen Muttertag mehr als verdient. Nein, keinen mit rührseligen Gedichten, Pralinen und Selbstgebasteltem, sondern einen, an dem du dich mal ausgiebig von den oben aufgeführten Dingen erholen kannst. Dies bitteschön mindestens einmal pro Monat und nicht bloss an diesem einen Sonntag im Mai. 

Und weil du das Ganze ja nicht alleine durchstehst, sollte dem Mann an deiner Seite das Gleiche ebenfalls zustehen.  

anka

Total verrückt

Er ist weder der Trainer von Real Madrid noch von Atlético Madrid und somit geradezu verpflichtet, alles noch einmal zu analysieren.

Er ist auch kein Spieler, der sich nun, wo die Partie gelaufen ist, ansehen müsste, was gut war und wo er sich noch verbessern sollte.

Er hat auch nicht die Aufgabe, nach neuen Talenten für seinen Verein Ausschau zu halten. 

Er ist kein Juniorentrainer, der sich bei den Grossen abschauen müsste, was die Kleinen lernen sollen.

Es gibt wirklich keinen triftigen Grund, weshalb er sich über drei Tage aufgeteilt ein Spiel anschauen müsste, das letzten Samstag gespielt wurde.

Ausser natürlich, dass er derart fussballverrückt ist, dass er gebannt vor der Glotze sitzt, obschon er das Resultat bereits kennt.

Und ich hab doch tatsächlich mal geglaubt, das Prinzchen komme ganz nach mir.