Essen lernen

Solange sie noch gestillt werden, ist alles in bester Ordnung, aber sobald sie ihren ersten Brei bekommen, fängt das Theater an. Die einen verweigern den Broccoli, die anderen tun so, als wären geraffelte Äpfel das Schlimmste, was es auf diesem Planeten gibt. Wenn sie dann sprechen können, geht es so richtig los. Lautstark melden sie sich zu Wort, wenn ihnen das Essen, das auf den Tisch kommt, nicht passt. Ganz egal, was du auch kochst, es findet sich fast immer einer, der etwas auszusetzen hat und behauptet, du wolltest ihn vergiften mit dem, was du ihm vorsetzt. Natürlich finden sich auch immer zwei oder drei, die mit Hochgenuss zulangen und fast täglich bedankt sich einer von sich aus für die Mahlzeit, doch im Gemotze der anderen gehen solche Dinge leicht unter.

Obschon du fest entschlossen bist, die Freude am Kochen nicht zu verlieren und dich an denen zu freuen, die genüsslich schmatzen, gibt es doch Tage, an denen du dich fragst, ob sich der ganze Aufwand denn überhaupt lohnt. Du kannst es ja doch nie allen recht machen und dann sehen sie es auch noch als selbstverständlich an, dass du Tag für Tag für sie am Herd stehst. 

Du trägst dich schon mit dem Gedanken, den Kochlöffel abzugeben, doch auf einmal wendet sich das Blatt: Sie kommen in die Kochschule und lernen, wie andere Menschen kochen. Risotto, zum Beispiel. Ziemlich trocken, mit nur einem Hauch von Safran und ganz wenig Käse – also einfach fade.* Auf einmal sind sie nicht nur zufrieden mit dem, was du auf den Tisch bringst, sie fangen sogar an, Fragen zu stellen: „Wie machst du das? Warum schmeckt es bei dir so viel besser? Zeigst du mir, wie das geht?“

Sieht ganz so aus, als würde das Gemotze am Tisch allmählich verklingen. Und dann dauert’s wohl nicht mehr lange, bis sie vollmundig behaupten, so gut wie zu Hause schmecke das Essen nirgendwo, sie hätten es ja schon immer gewusst.

* Ich möchte darauf hinweisen, dass die Kochschullehrerin keine Schuld trifft. Mir ist bewusst, wie teuer die Zutaten für einen richtig üppigen Risotto Milanese sind. Das magere Budget, das man den Kochschulen zugesteht, kann so etwas kaum verkraften. 

fleur

 

Eine Frage der Einstellung

Ich kann mich darüber ärgern, dass andauernd alle Grundzutaten, die eigentlich im Haus sein müssten, aufgebraucht sind, weil sie alles für die Zubereitung ihrer Zwischenmahlzeiten verwendet haben.

Ich kann schimpfen, dass zwischen meinem „Du räumst nach dem Kochen aber alles wieder auf“ und ihrem „Natürlich mache ich danach wieder Ordnung“ eine gewisse Diskrepanz liegt, deren Beseitigung meistens an mir hängen bleibt. 

Ich kann mich empören, wenn nach den Kochversuchen ungeniessbare Reste übrig bleiben, weil sie sich mit der Menge von Salz, Zucker, Öl oder sonst irgend einer Zutat ein wenig vertan haben. 

Ich kann zetern, weil sie – kaum haben wir fertig gegessen – schon wieder am Herd stehen, um sich etwas zu kochen. 

Ich kann mich enervieren, wenn sie mir mit ihrer Kocherei andauernd in die Quere kommen, wo ich mich doch eigentlich in Ruhe mit meinem Brotteig vergnügen möchte. 

Ich kann entsetzt sein, wenn ich höre, wie der FeuerwehrRitterRömerPirat sein rudimentäres Küchenwissen an seine kleine Brüder weitergibt, was meistens zu ziemlich schrägen Experimenten führt.

Ich kann mir die Haare raufen, wenn der Zoowärter mal wieder meine Bratschaufel, die er zärtlich „mein aller-allerliebstes Küchengerät auf der ganzen Welt“ nennt, entwendet hat. 

Oder ich kann mich darüber freuen, dass inzwischen alle fünf Vendittis in der Lage wären, sich irgendwie mit etwas Essbarem über Wasser zu halten, falls ich mal beschliessen sollte, in einen Kochstreik zu treten. 

bees

Hyperaktiver Lievito Madre

Bereits im Sommer fasste ich den Entschluss, es mal mit Lievito Madre zu versuchen. Da ich aber wusste, dass dieses wundersame Geschöpf viel Zuwendung braucht, die ich ihm während unserer Toscana-Ferien nicht würde bieten können, verschob ich das Vorhaben auf nach den Herbstferien. Ein weiser Entscheid, denn in Italien stiess ich auf das perfekte Mehl für die regelmässige Fütterung des Sauerteigs. (Falls jemand demnächst einmal nach Italien reist und danach bei mir vorbei kommt: Ich bräuchte dringend Nachschub…)

Weil ich mich nahezu sklavisch an alles halte, was der Brotdoc empfiehlt, musste ich erst einmal Rosinenhefewasser herstellen. Ein Vorhaben, das erst beim dritten Anlauf klappte. Bei den ersten beiden Durchgängen stiegen nicht kleine, lustige Blasen auf, sondern hässliche, graue Schimmelpilze. Beim dritten Anlauf gelang es endlich und dann ging es los mit der Hetzerei: Ich mischte die Zutaten für den Grundansatz und wollte das Zeug – wie in der Anleitung empfohlen – 48 Stunden ruhen lassen. Doch bereits nach 12 Stunden hatte das Volumen um das Dreifache zugenommen, so dass ich mich gezwungen sah, zum nächsten Schritt überzugehen. Auch hier wären wieder 48 Stunden Wartezeit vorgesehen gewesen, doch mein lieber neuer Mitbewohner fühlte sich bereits nach 12 Stunden bereit für eine erneute Fütterung. So ging es munter weiter. Jede im Rezept angegebene Wartezeit verkürzte der Streber mindestens um die Hälfte.

Dagegen hätte ich grundsätzlich nichts einzuwenden gehabt, denn ich bin ein ungeduldiger Mensch, der gerne sofort Resultate sieht. Da aber nach jedem Auffrischen eine ganze Menge Reste übrig blieben, die verbacken werden wollten, kam ich fast nicht mehr nach mit Backen. Kaum hatte ich ein neues Brot im Ofen, schrie mein Sauerteig nach neuem Futter und ich sah mich gezwungen, noch mehr zu backen. Am Ende hatten wir so viel Brot, dass nicht einmal meine ausgesprochen verfressene Familie in der Lage war, alles zu vertilgen, ehe ein neuer Laib aus dem Ofen kam.

Heute schliesslich verlangte das Monstrum gleich zweimal nach einer Auffrischung. Der beste Pizzateig meiner Küchenkarriere war noch nicht zu Pizza verarbeitet, schon musste ich mich wieder nach einem Brotrezept umsehen, um die Überreste der nächsten Fütterung zu verwerten. Ich backe ja grundsätzlich sehr gerne, aber das wurde selbst mir zuviel. „So kann es nicht weitergehen“, sagte ich zu meinem Lievito. „Es kann doch nicht sein, dass du mich mit deiner Triebkraft vor dir hertreibst.“ 

Und so kommt es, dass mein lieber neuer Mitbewohner heute Abend im Kühlschrank nächtigen muss. 

blå

Da bin ich wieder

Mitte Oktober, …

… wenn Karlsson allmählich von der Sehnsucht nach der Schule gepackt wird und die verbleibenden Ferientage nur aushalten kann, indem wir gemeinsam himmlisches Essen (hausgemachte Ravioli, zum Beispiel) zubereiten,…

… wenn „Meiner“ hingegen jeden Morgen mit einem tiefen Seufzer der schönen Ferientage in der Toscana gedenkt und sich dann schweren Herzens aufmacht, um seine Schüler, die bereits wieder dürfen, was Karlsson so gerne möchte, zu unterrichten,… 

… wenn auch der FeuerwehrRitterRömerPirat sich schon wieder Morgen für Morgen aus dem Bett quälen muss, was sich aber im Vergleich zu früher fast schon wie ein Spaziergang anfühlt, da er seit dem Schulwechsel nur noch ein ganz gewöhnlicher Morgenmuffel und kein Schulverweigerer mehr ist,… 

… wenn Luise an den Tagen, an denen sie nicht bei „Meinem“ im Schulzimmer schnuppert, nicht vor dem Mittagessen aus dem warmen Bett gekrochen kommt und es dafür meist erst nach Mitternacht wieder aufsucht,…

… wenn der Zoowärter und das Prinzchen zu diversen Ferienpass-Veranstaltungen chauffiert werden müssen, was meinen Tag in viele kleine, unbrauchbare Häppchen teilt,…

… wenn ich denen, die schon wieder müssen, eine halbwegs geregelte Tagesstruktur bieten sollte, den anderen aber nicht zu viele Einschränkungen auferlegen sollte,…

… wenn ich selber auch zu denen gehöre, die bereits wieder müssen, weshalb es mir eigentlich ganz und gar nicht gelegen kommt, dass andere von mir unterhalten werden möchten,…

… und dann noch all die Dinge zu tun sind, die man halt so tun muss, nachdem man zwei Wochen in Italien dem süssen Nichtstun gefrönt hat, zwei Geburtstage zu planen sind und der Garten auf die kalte Jahreszeit vorbereitet werden möchte…

… sollte man eigentlich keine Blogpause beenden. Das hätte ich bereits wissen müssen, als ich die Pause angekündigt habe, denn ich weiss ja inzwischen, wie es Mitte Oktober bei uns so läuft. Da ich aber die vergangenen Wochen genutzt habe, um hier ein wenig auszumisten und neu zu gestalten, weiss ich wieder, dass ich a) zu einem deutlich ungeeigneteren Zeitpunkt mit dem Schreiben angefangen habe und b) mir während viel anstrengenderen Phasen immer wieder die Zeit genommen habe, weiterzumachen.

Wäre doch gelacht, wenn ich jetzt, wo mein Leben im Vergleich zu früher fast schon beschaulich ist, nicht in der Lage wäre, dem Schreiben wieder einen festen Platz in meinem Alltag einzuräumen. 

Alles auf einem Blatt

Wenn ich weiss, dass ich es möglicherweise nicht pünktlich zum Mittagessen nach Hause schaffen werde und „Meiner“ auch nicht da ist, gebe ich den Kindern am Morgen die nötigen Instruktionen, damit der Laden notfalls auch ohne mich laufen kann. Weil ich aber auch weiss, wie leicht solche Instruktionen zwischen Aufgabenblättern, Gruppenarbeiten, Znüniboxen und Pausenhofgeplänkel verloren gehen, finden die Kinder bei ihrer Heimkehr meistens auch noch einen Zettel vor. Darauf steht alles, was die Knöpfe wissen müssen:

  • Dass ich nicht da bin (Weil sie das bestimmt schon wieder vergessen haben.)
  • Wo ich bin (Weil sie das vermutlich gar nicht wissen, da sie am frühen Morgen nach „Ich komme heute Mittag vielleicht etwas später, weil…“ bereits wieder abgehängt haben.)
  • Mit wem ich unterwegs bin (Weil auch das vermutlich nicht hängen geblieben ist.)
  • Wer fürs Tischdecken verantwortlich ist (Weil natürlich wieder keiner dran denken wird, meinen farbenfroh gestalteten, laminierten Plan zu konsultieren.)
  • Was es zu essen gibt (Weil ich das in den frühen Morgenstunden, als ich sie über meine mögliche Abwesenheit informierte, noch nicht wusste.)
  • Wo sie das Essen finden (Weil… na ja, vielleicht hätte es diese Information nicht gebraucht, denn Essbares finden sie immer und sonst gehen sie halt der Nase nach, bis sie fündig geworden sind.)
  • Dass sie heute keine Gäste einladen können (Weil ein gewisser Zoowärter immer erst bei uns und dann bei den Eltern des besten Freundes nach dem Menü fragt, um zu entscheiden, wo es heute wohl besser schmecken wird und das geht nun mal nicht, wenn bei uns keiner am Herd steht, der die Frage nach der aktuellen Spezialität des Hauses beantworten kann. Und weil ich es den anderen Eltern gegenüber nicht okay finde, wenn ihre Kinder ohne ihr Wissen unbeaufsichtigt bei uns sind. Und weil dieses doofe Rezept trotz Verdoppelung der Menge bloss eine mickrige Portion Dampfnudeln ergeben hat, so dass es knapp für diejenigen reicht, die ich beim Kochen eingerechnet habe.)
  • Dass heute keiner auswärts essen darf, auch nicht dann, wenn das Menü dort ansprechender wäre (Weil ich nicht anderen Leuten ungefragt meine Kinder anhängen will, bloss weil ich es nicht rechtzeitig nach Hause schaffe. Und weil ich meine Knöpfe nicht in allen Himmelsrichtungen zusammensuchen will, wenn ich endlich nach Hause komme.)

Mit viel gutem Willen habe ich es geschafft, all diese Infos – natürlich ohne die Klammerbemerkungen – ziemlich gut leserlich auf einem einzigen A4-Blatt unterzubringen. Der Platz reichte sogar noch für ein Herzchen. Dennoch war nicht alles so, wie es sein sollte, als ich nach Hause kam. Das Prinzchen habe sich mit seiner Dampfnudel auf den Estrich zurückgezogen, erzählten mir Luise und der Zoowärter. Wegen einer üblen Beleidigung habe er den weiteren Verbleib am Esstisch für unzumutbar erachtet und jetzt bleibe er wohl noch eine Weile dort oben, um zu schmollen. 

Ich denke, ihr geht mit mir einig, dass sich ein solcher Konflikt hätte vermeiden lassen, wenn ich die anderen Anweisungen etwas kleiner geschrieben hätte, damit noch Raum für ein deutliches „Seid gefälligst nett miteinander!!!“ geblieben wäre. 

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Wasabi & Tabasco

Mal wieder einer aus der Kategorie „Verstehe einer dieses Kind“:

Der kleine Prinz, der meine ganz und gar kindergerechte Erdnuss-Kokos-Nudelpfanne verschmäht,…

… seine Pasta vorzugsweise ohne Sauce, dafür mit Butter und Reibkäse zu sich nimmt,…

… bei jeder anständigen Gemüsesuppe die Nase rümpft,…

… weder mit Risotto gefüllte Peperoni noch einen deftigen Eintopf mit Bohnen und Wurst probieren mag und sogar fade Salzkartoffeln auf dem Teller links liegen lässt…

der Junge also, für dessen Geschmacksknospen selbst die einfachsten Gerichte irgendwie zu exotisch sind, erzählt mir heute voller Begeisterung, er habe neulich bei seinem besten Freund Wasabi-Erdnüsse mit Tabasco probiert, das habe umwerfend gut geschmeckt. Dann will er wissen, ob wir das auch mal haben könnten und ob wir vielleicht im Garten ganz viel Wasabi anpflanzen könnten.

Das also war es, was ihm an meiner Küche nicht gepasst hat…

Die neuen Zucchini

Zucchini traut sich heutzutage ja kaum einer mehr anzupflanzen. Zu oft stand man ratlos im Garten und fragte sich, was man mit den Riesendingern anstellen sollte, die ohne das geringste Zutun des Hobbygärtners in rauen Mengen herangewachsen waren. Die Versuche, sie zu verschenken, blieben bald einmal erfolglos. „Meine Kinder mögen leider keine Zucchini“, redeten sich die potentiellen Empfänger heraus. Oder: „Ich hab schon von der Schwiegermutter drei Stück geschenkt bekommen und weiss beim besten Willen nicht, wie wir damit fertig werden sollen.“ Um die Dinger doch noch loszuwerden, begann man irgendwann, alte Kochzeitschriften nach Rezepten für Zucchinikuchen zu durchforsten und dann musste man sich nur noch einreden, das Gebäck schmecke gut, um mit der Zucchini-Ernte fertig zu werden.

Es scheint, die Menschen hätten inzwischen gelernt, dass es reicht, wenn pro Gemeinde zwei oder drei Personen Zucchini anbauen, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Seither bekommt man das Zeug nur noch äusserst selten ungefragt geschenkt. Doch wir Hobbygärtner sind ein uneinsichtiges Völkchen. Irgendetwas Pflegeleichtes, Geschmacksneutrales, das ohne grossen Aufwand reiche Ernte bringt, müssen wir einfach heranziehen, um glücklich zu sein. Nachdem die Zucchini in Verruf geraten sind, haben wir schnell einen würdigen Ersatz gefunden: Den Patisson. Der gedeiht mindestens so prächtig, hat aber den Vorteil, dass das einzelne Exemplar klein und handlich bleibt. Die zu Beschenkenden erschrecken dann nicht so leicht ob der Grösse und sind eher bereit, ohne faule Ausreden die Gabe in Empfang zu nehmen. Und weil es die Dinger in verschiedenen Farbschattierungen gibt, können Hobbygärtner ihre Ernte untereinander tauschen wie die Kinder ihre Fussballbildchen. Ich habe diesen Sommer bereits drei Exemplare in Orangegelb herausgerückt und im Gegenzug je zwei Hellgelbe und zwei Weisse bekommen.

Kennt zufällig jemand ein Rezept für Patisson-Kuchen?