Bloss keine falschen Schlüsse ziehen

Wenn sie sich fürchten, kommen sie nicht mehr in dein Bett gekrochen.

Ihre Geheimnisse vertrauen sie anderen an.

Haben sie sich auf irgend eine Weise weh getan, kommen sie nicht mehr weinend zu dir gerannt, um sich trösten zu lassen.

Ihre Bewunderung für dich bringen sie nur noch äusserst selten zum Ausdruck und wenn doch, dann meist als ironische Bemerkung kaschiert.

Wenn du abends weggehst, weinen sie dir keine Träne nach, es sei denn, du hättest die Fernbedienung mitgenommen, um sie vom fernsehen abzuhalten. 

Wühlst du in ihrem Beisein in deinen Kindheitserinnerungen, hören sie dir nicht mehr gebannt zu, sondern fallen dir irgendwann ins Wort, um zu sagen: „Ja, ich weiss, da hattest du ganz schreckliche Angst und deine Schwester musste dir wieder die Geschichte von der lustigen Watschelente erzählen, damit du einschlafen konntest. Hast du uns schon hundertmal erzählt…“

Seid ihr gemeinsam unterwegs, halten sie nicht mehr voller Stolz deine Hand. Viel lieber halten sie ein wenig Distanz, um nicht mit dir in Verbindung gebracht zu werden.

Was dir gehört, finden sie nicht mehr unglaublich toll, sondern ziemlich altbacken und peinlich. 

Machst du etwas falsch, sagen sie nicht mehr: „Schon okay, Mama“, denn dein Fehler liefert ihnen eine Gelegenheit, dir endlich einmal ins Gesicht zu sagen, was sie schon immer doof fanden. 

Nicht selten fällst du ihnen schlicht und einfach auf die Nerven.

Dennoch wäre es ganz und gar falsch, zu glauben, sie würden dich nicht mehr brauchen und hätten kein Bedürfnis mehr, von dir zu hören, dass du immer für sie da sein wirst und dass du sie über alles liebst. 

moln

 

Mission accomplished

Eigentlich hätte ja schon beim ersten Versuch nichts schief gehen sollen. Ausgerüstet mit sämtlichen Leckereien, bei deren Anblick jede anständige Katze zu sabbern beginnt, machte ich mich auf, um Schwiegermamas Katze nach Hause zu holen. An meiner Seite zwei tapfere Agenten des berühmt-berüchtigten Geheimdienstes „FBDuck“, die mir ihren Beistand zugesagt hatten, falls es zu einem Kampf kommen sollte. Vierzig Minuten später wurden wir in Schwiegermamas Wohnung von einer kläglich miauenden und zutiefst misstrauischen Katze empfangen. 

Muss ich wirklich ich ins Detail gehen? Ich glaube, ich lasse das besser bleiben. Sagen wir es einfach so: Weder die Würstchen, die meine beiden tapferen Agenten unters Bett warfen, noch das „Schleckvergnügen mit Lachs“, das unsere Katzen jeweils vor lauter Wonne beinahe ohnmächtig werden lässt, noch meine zuckersüssen Worte konnten das Tier dazu bewegen, uns sein angeschlagenes Vertrauen zu schenken, geschweige denn, sich in Richtung Transportkorb zu bewegen. Nach einer geschlageneren Stunde – die „FBDuck“-Leute hatten mich schon längst im Stich gelassen – gab ich entnervt auf. Das arme Tier, das inzwischen nur noch verzweifelt fauchte und knurrte, war nicht dazu zu bewegen, mit uns zu kommen. Klar, ich hätte es mit Gewalt dazu zwingen können, aber dadurch wäre unser Zusammenleben vom ersten Moment an ziemlich belastet. Was blieb mir da anderes übrig, als die Spuren notdürftig zu beseitigen, die das „Schleckvergnügen mit Lachs“ in der ganzen Wohnung hinterlassen hatte, der Katze ein paar beruhigende Worte zuzurufen und meinen Agenten mitzuteilen, die Mission sei vorerst einmal abgeblasen?

Ein paar Stunden später starteten wir einen neuen Versuch. Diesmal ohne „FBDuck“, „Schleckvergnügen“ und Würstchen, dafür aber mit „Meinem“, fast allen Kindern, Handschuhen und einem Fläschchen Baldriantropfen. Ob es an den Baldriantropfen, an den Handschuhen oder an der zupackenden Art meines Herrn Gemahl lag, kann ich euch leider nicht  sagen – auf alle Fälle sass die Katze fünfzehn Minuten später ziemlich verwundert aber einigermassen zufrieden im Transportkorb. 

Verwundert ist sie auch jetzt noch, wo sie die erste Begegnung mit ihrem Bruder und einen ersten Rundgang in unserem Zuhause hinter sich hat. Sieht ganz so aus, als könnte sie es sich vorstellen, hier wieder heimisch zu werden.

Wenn sie sich jetzt nur noch abgewöhnen könnte, mich andauernd anzufauchen, wenn ich es wage, mich zu bewegen. Ich sollte mich hier ja auch noch irgendwie heimisch fühlen…

büselina

 

Und jetzt bitte einen Muttertag…

  • Zwei Teenager, die sich beim Kochen des Mittagessens in die Haare geraten und deshalb die Küche in ein Schlachtfeld verwandeln
  • Ein Sohn, der nicht im Traum daran denkt, sich an das zu halten, was man ihm sagt, ganz egal, wie gut begründet die Vorgaben sind
  • Zwei kleine Jungs, die spät abends noch kichernd im Bett liegen und keine Anstalten machen, irgendwann die Klappe zu halten 
  • Zwei Mahlzeiten die durch endlose Sticheleien und Streitigkeiten unter Geschwistern verdorben werden
  • Viel unwilliges Murren über ein paar klitzekleine Aufgaben im Haushalt, die „Meiner“ und ich nicht ohne Hilfe erledigen wollen
  • Diverse hässliche pubertäre Wutausbrüche
  • Bruder, der seine Schwester aus dem Haus sperrt, einfach weil es angeblich so furchtbar lustig ist, wenn sie danach pausenlos Sturm läutet
  • Heftige Geschwisterrivalität inklusive lautstarker Auseinandersetzungen beim Fussballspiel auf der Quartierstrasse
  • Ein Papa, der irgendwann aus purer Verzweiflung damit anfängt, die Muttertags-Moralkeule zu schwingen

Eine geballte Ladung von all dem also, was das Elterndasein an manchen Tagen so anstrengend macht. Ein Muttertag, an dessen Ende du denkst, du hättest dir jetzt eigentlich einen Muttertag mehr als verdient. Nein, keinen mit rührseligen Gedichten, Pralinen und Selbstgebasteltem, sondern einen, an dem du dich mal ausgiebig von den oben aufgeführten Dingen erholen kannst. Dies bitteschön mindestens einmal pro Monat und nicht bloss an diesem einen Sonntag im Mai. 

Und weil du das Ganze ja nicht alleine durchstehst, sollte dem Mann an deiner Seite das Gleiche ebenfalls zustehen.  

anka

Total verrückt

Er ist weder der Trainer von Real Madrid noch von Atlético Madrid und somit geradezu verpflichtet, alles noch einmal zu analysieren.

Er ist auch kein Spieler, der sich nun, wo die Partie gelaufen ist, ansehen müsste, was gut war und wo er sich noch verbessern sollte.

Er hat auch nicht die Aufgabe, nach neuen Talenten für seinen Verein Ausschau zu halten. 

Er ist kein Juniorentrainer, der sich bei den Grossen abschauen müsste, was die Kleinen lernen sollen.

Es gibt wirklich keinen triftigen Grund, weshalb er sich über drei Tage aufgeteilt ein Spiel anschauen müsste, das letzten Samstag gespielt wurde.

Ausser natürlich, dass er derart fussballverrückt ist, dass er gebannt vor der Glotze sitzt, obschon er das Resultat bereits kennt.

Und ich hab doch tatsächlich mal geglaubt, das Prinzchen komme ganz nach mir. 

Andere Phase

Als sich bereits am Dienstag abzeichnete, dass ich spätestens am Donnerstagabend auf dem Zahnfleisch gehen würde, verkündete ich: „Der Freitag gehört ganz alleine mir!“ Dann könnte ich endlich wiedermal…

den ganzen Tag intensiv an meiner Geschichte arbeiten, die schon so lange auf ihre Fertigstellung wartet,

oder mich mit einem guten Buch in den Garten setzen und das schöne Wetter geniessen, 

oder die Stelle, wo der Gartenteich hinkommen soll, mal richtig jäten und vorbereiten, 

oder Croissants backen. Und Brioches. Und Laugengebäck,

…. oder in den Wald gehen, 

oder in der Stadt einen Kaffee trinken und in den Buchhandlungen nach Lesestoff stöbern, 

oder gemütlich mit jemandem einen Tee trinken und ein wenig plaudern, 

oder mit dem Velo in die Stadtgärtnerei fahren, das lauschige Gartencafé geniessen und ein paar Blumen für den Balkon kaufen, 

oder sonst irgend etwas tun, was mir Freude macht, 

… oder Schwiegermama zur Nachkontrolle ins Spital begleiten und dann bis zum frühen Nachmittag mit ihr auf der Notfallstation warten, weil aus einer latenten Geschichte etwas Akutes geworden ist. 

Wann werde ich endlich begreifen, dass auf die „Bei uns dreht sich alles um die Kinder“-Phase nicht die „Jetzt bin aber ich wiedermal dran“-Phase folgt, sondern die „Schwiegermama braucht uns jetzt ganz dringend“-Phase? 

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Woran du erkennst,…

… dass du dringend wieder mal ein paar (arbeits- und haushalts)freie Stunden alleine verbringen solltest:

  • Wenn du auf dem Heimweg von einem Interviewtermin nicht nur die Autobahn meidest, sondern auch unter dem Vorwand, du müsstest unbedingt jetzt gleich sehen, wie sich die Orte deiner Kindheit verändert haben, zahlreiche Umwege machst.
  • Wenn du es vorziehst, in einer Tiefgarage ein kaltes Stück Pizza zu essen, anstatt dich zu Hause mit allen anderen an den Mittagstisch zu setzen.
  • Wenn du dir durchaus vorstellen könntest, in dieser Tiefgarage auch noch ein wenig zu lesen, was du nur deshalb nicht tust, weil du fürchtest, die Gratis-Parkzeit laufe demnächst ab.
  • Wenn dein Herz höher schlägt, als sich die Bahnschranke vor dir langsam senkt. Jawohl, genau die Bahnschranke, über die du in der Regel schimpfst, weil sie bekannt ist dafür, endlose Staus zu verursachen.
  • Wenn du ganz betrübt bist, dass nur ein einziger kurzer Güterzug durchfährt, bevor sich die Schranke wieder hebt.
  • Wenn du zwar den ganzen Heimweg voller Zuneigung an deinen Lieben und ihren Bedürfnissen herum studierst, du aber doch ungemein dankbar bist, dass mal keiner von ihnen mit Dauergequassel deine Gedanken durcheinander bringt. 
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Spazieren für Fortgeschrittene

Spaziergänge mit Kleinkindern sind eine zeitraubende Angelegenheit. Alle paar Schritte bleibt man stehen, um eines der vielen kleinen Naturwunder zu beobachten, Mauern wollen erklommen werden und spätestens nach einer halben Stunde sind die kurzen Beinchen so müde, dass Tragen angesagt ist.

Auf Spaziergängen mit mittelgrossen Kindern kommt man zwar schneller voran, bis sie aber bereit sind, das Haus zu verlassen, muss so viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass die Energie nicht mehr für weite Strecken reicht. 

Erst wenn einige Kinder schon gross sind, liegen anständige Spaziergänge drin und zwar abends, wenn die Kleineren im Bett sind und Mama und Papa alleine aus dem Haus gehen können.

Oder könnten. Wenn da nicht die Katze wäre, die laut klagend hinter ihnen her rennt und jedes Mal in Panik gerät, wenn sie ihre Menschen für einen Augenblick aus den Augen verliert. Um nichts in der Welt lässt sie sich abhängen und so bleibt einem am Ende nichts anderes übrig, als noch einmal nach Hause zu gehen, das Tier mit List ins Treppenhaus zu locken und dann heimlich still und leise noch einmal abzuschleichen. Dann endlich kann es losgehen mit dem Abendspaziergang. 

Man muss dann allerdings damit leben können, dass man bei der Rückkehr von einer zutiefst beleidigten Katze in Empfang genommen wird. 

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