Die nächste Generation übernimmt

Es gab mal eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich so etwas wie Autorität. Da konnte ich sagen: „Glaubt bloss nicht, ich würde heute die Möbel aufbauen, die wir gestern gekauft haben. Es ist Sonntag, da gebe ich mich ganz bestimmt nicht mit Hammer und Schraubenzieher ab.“ Die Kinder gehorchten, die Schachteln aus dem schwedischen Möbelhaus blieben im Auto und wir alle hatten unsere Ruhe.

Dass diese Zeiten vorbei sind, zeichnete sich schon ab, als Luise damit begann, ihre Möbel selber aufzubauen. Allerdings liess ich mich dadurch nicht verunsichern, denn unsere zupackende Tochter bekommt ja nicht alle Tage ein neues Bett oder einen Schrank. 

Auch als gestern der FeuerwehrRitterRömerPirat am späten Abend noch die Schachteln, die wir am Nachmittag gekauft hatten, aus dem Auto holte und seine neuen Regale aufbaute, beunruhigte mich dies noch nicht sonderlich. Immerhin ist der Junge in der Pubertät, da muss man sich doch einfach über mütterliche Anweisungen hinwegsetzen.

Seit heute Nachmittag aber weiss ich, dass ich in diesem Haus nicht mehr allzu viel zu melden habe. Trotz meines Verbots schleppte das Prinzchen sein neues Bücherregal Einzelstück für Einzelstück in die Wohnung und wenig später hatte er nicht nur ohne elterliche Hilfe sein Regal aufgebaut, sondern auch ein paar alte Möbel ins Treppenhaus verfrachtet und sein Zimmer komplett auf den Kopf gestellt. Das alles an einem Sonntag, an dem ich eigentlich der ganzen Familie Ruhe und Beschaulichkeit verordnet hatte.

Man sieht also, dass meine Autorität mehr als bloss angeschlagen ist. 

Was aber auch seine Vorteile hat. 

Immerhin kann ich mich in Zukunft gemütlich zurücklehnen, wenn es mal wieder ein Möbel aufzubauen gibt. Jetzt, wo sogar der Jüngste bewiesen hat, wie gut das ohne mich geht, sehe ich keinen Grund, warum ich mich weiter mit komplizierten Anleitungen und fehlenden Schrauben herumschlagen sollte. 

Nicht genügend normiert

In einer Welt, in der so ziemlich alles, was normiert werden kann, normiert ist, wird man ja wohl ganz spontan einen neuen Duschschlauch kaufen können, wenn derjenige, den man zu Hause hat, ein riesiges Loch hat und man im Laden zufällig in der Sanitärabteilung steht und sieht, dass die Duschschläuche gerade 30 Prozent günstiger sind.

Ha, von wegen!

Die gar nicht so alte Mischbatterie und der neue Duschschlauch wollen nämlich partout nicht zueinander finden, obschon vom Durchmesser her alles passen würde. Also geht „Meiner“ zurück ins Geschäft, um zu fragen, ob es vielleicht ein Verbindungsstück gebe. Gibt es, aber die Verkäuferin kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum der Schlauch nicht passen will, wo doch solche Sachen in der ganzen Schweiz gleich sind. Normiert eben…

Nun, das Zwischenstück ist offensichtlich nicht genügend normiert, denn es passt wohl perfekt in die Öffnung, in die es passen sollte, aber dort will es auf gar keinen Fall bleiben. Wer schon mit Duschschläuchen zu schaffen hatte, kann sich ausmalen, warum wir unbedingt wollen, dass das Zeug hält. Also kann nur noch der Sanitärinstallateur helfen.

Natürlich könne er uns helfen, sagt er, schimpft dann aber erst mal eine Runde auf die blödsinnige Mischbatterie, die sich nicht an die gängigen Normen halten will. Völlig unverständlich sei es, dass er uns so etwas vor noch nicht allzu langer Zeit verkauft habe. Also muss eine neue Mischbatterie her, denn einen Schlauch, wie ihn ihre Vorgängerin braucht, lässt sich nirgendwo auftreiben. Solche Sachen sind heutzutage eben genormt. Landesweit…

Und jetzt weiss ich: In einer Welt, in der so ziemlich alles, was normiert werden kann, normiert ist, überlässt man auch simple Dinge wie das Auswechseln eines Duschschlauchs besser von Anfang an dem Fachmann.

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Sind wir wirklich so?

Turbulent, lebhaft und stets nah dran am totalen Chaos – so sehe ich unseren Familienalltag. Vermutlich aus lauter Gewohnheit, weil es in den vergangenen Jahren halt einfach so war. Dass sich die Dinge vielleicht inzwischen ein wenig geändert haben, merke ich nur, wenn jemand von aussen reinkommt. 

Zum Beispiel, wenn die Fliesenleger, die am Morgen vor der Türe stehen, einen Blick auf den sauberen Fussboden werfen und schüchtern fragen, ob sie vielleicht die Schuhe ausziehen sollen, damit sie nichts schmutzig machen. Später dann unterhalten sie sich nur im Flüsterton miteinander, weil es im Haus trotz Schulferien so gespenstisch still ist, dass man glauben könnte, wir seien furchtbar wohlerzogen und hätten unsere Kinder dazu dressiert, nur zu sprechen, wenn sie dazu aufgefordert werden. Und dann fragen die Handwerker auch noch höflich, ob sie sich nach getaner Arbeit vielleicht die Hände in unserem Bad waschen dürfen – gerade so, als wäre unser Lavabo noch nie mit Dreck in Berührung gekommen. 

So schön es auch sein mag, dass bei uns nicht mehr das totale Chaos herrscht – die Familie, die man heute offenbar in uns gesehen hat, ist mir nicht gerade sympathisch.

Zum Glück war da auch noch der Pizza-Lieferant, den wir wegen der Arbeiten in der Küche kommen lassen mussten: Der kennt mich inzwischen nicht nur mit Namen, der schüttelte mir auch die Hand und erkundigte sich nach meinem Befinden, bevor er mir das Mittagessen überreichte. Das zeigt mir, dass wir doch immer noch ziemlich häufig improvisieren müssen. Und das finde ich irgendwie beruhigend…

kök

 

Pessimistischer als auch schon

Nachdem wir 1/3 Sommer, 1 Herbst und fast 2/3 Winter warten mussten, bis der FeuerwehrRitterRömerPirat endlich sein neues Fenster bekam, bin ich bezüglich Wartefristen bei Handwerkern ziemlich pessimistisch geworden. So pessimistisch, dass ich bei dem Handwerker, den wir gestern für einen kleinen Auftrag angefragt haben, der heute bereits vorbeikam, um sich die Sache anzuschauen und morgen früh auf der Matte stehen wird, um zu tun, was wir gerne von ihm möchten, nur zu einem Gedanken fähig bin: Schnell, lasst uns ihn sofort mit allen Aufträgen, eindecken, die er in den nächsten Jahren eventuell für uns erledigen müsste. Einer, der nicht bis über beide Ohren in der Arbeit steckt, wird sich wohl kaum allzu lange über Wasser halten können. 

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Die hohe Kunst der Menüplanung

Karlsson reicht es nicht mehr, mal spontan einen Blick in den Kühlschrank zu werfen und etwas zu kochen, wonach ihm gerade ist. Nein, jetzt wo er in Küchenangelegenheiten etwas erfahrener ist, fühlt er sich reif, die hohe Kunst des Menüplans zu erlernen. Wobei ihm natürlich bis anhin nicht bewusst war, dass es sich hierbei um eine hohe Kunst handelt. In seinen Augen sieht es offenbar nach einem puren Vergnügen aus, wenn ich mich einmal wöchentlich an den Esstisch setze, um Kochbücher, Apps und Websites nach Menüvorschlägen zu durchforsten.

Also tat er es mir gleich, setzte sich mit Papier, Stift und einem Stapel von Kochbüchern an den Tisch und fing an zu planen. Was ihm dabei nicht bewusst war: Die Gerichte, die es auf unseren Menüplan schaffen wollen, müssen

a) köstlich
b) bei möglichst vielen Familienmitgliedern beliebt
c) bezüglich Schärfe, Süsse, Würze – oder was auch immer – wandelbar
d) saisonal und auch sonst möglichst umweltverträglich
e) budgetfreundlich
f) ausgewogen und gesund
g) bezüglich Zubereitungsaufwand abgestimmt auf das jeweilige Tagesprogramm
h) vorwiegend vegetarisch oder ohne grossen Aufwand in ein vegetarisches Gericht umwandelbar
i) so hausgemacht wie nur immer möglich

sein und ausserdem

j) während sieben Tagen einen guten Mix aus bislang Unbekanntem, Altbewährtem, Internationalem und Einheimischem bieten. 

Zum Glück hat Karlsson mir seinen Menüplan vorgelegt, ehe wir einkaufen gingen. Jetzt weiss er all das.

Und er weiss auch, dass seine vegetarische Mama – die für ihn schon voller Liebe und Abscheu Leber durch den Fleischwolf gedreht hat – es ganz und gar nicht schätzt, wenn ihr Sohn es versäumt, für die Tage, an denen es Luzerner Chügelipastete, hausgemachte Hamburger oder Zürcher Geschnetzeltes geben soll, eine vegetarische Variante einzuplanen. 

ljus

 

 

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Benimm dich wie ein Vollautomat!

Meine liebe Kaffeemaschine, so geht das aber nicht. Wenn du dich nicht wohl fühlst, musst du mir direkt ins Gesicht sagen, was dir fehlt. Da kannst du nicht tagelang klägliche Rinnsale von dir geben und pausenlos jammern, dein System müsse gefüllt werden, wenn ich dich um einen Koffeinschub bitte. Ich werde ja verrückt vor lauter Sorge um dich, wenn du plötzlich nur noch ein verzweifeltes Schluchzen von dir gibst, wo du doch eigentlich kräftig Wasser ansaugen solltest. Und weil du mir nicht offen sagen willst, was los ist, fange ich an, mich in dubiosen Kaffeevollautomatenforen rumzutreiben, um herauszufinden, wie ich dir helfen kann. Du machst dir ja keine Vorstellung davon, was für ein Schreck mir in die Glieder gefahren ist, als ich gelesen habe, was dein derzeitiges Verhalten alles aussagen könnte. Das ist so ähnlich, wie wenn man ein paar harmlose Schnupfensymptome googelt und nach einigen Klicks erfährt, dass man wohl nur noch ein paar Tage zu leben hat. Nun, zum Glück bin ich dann irgendwo über den Beitrag gestolpert, in dem zu lesen war, dass dein passiv-aggressives Getue auf eine Verkalkung hinweisen könnte. Und siehe da! Jetzt, wo das geklärt ist, spuckst du wieder Kaffee, als wäre nichts gewesen.

Schau, meine Liebe Kaffeemaschine, wir sind eine Menge Leute in diesem Haus und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Da können wir es uns unmöglich leisten, dass eine wie du um den heissen Brei herum redet, wenn etwas nicht ist, wie es sein sollte. Ich habe wirklich keine Zeit, mich in dich hineinzufühlen, um zu erspüren, wo dich der Schuh drückt. Wo ich doch schon genug damit zu tun habe, zu spüren, ob der Zoowärter nur mies gelaunt ist, oder ob er mal wieder zu lange zu viel Ärger über seine Banknachbarin heruntergeschluckt hat, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat sich wirklich nicht wohl fühlt, oder ob auf dem Stundenplan etwas steht, was ihn am Aufstehen hindert und ob meine Kinder heute tatsächlich Nervensägen sind, oder ob ich einfach keine Geduld für sie habe, weil „Meiner“ das Programm mal wieder überfrachtet hat. 

Du musst wissen, meine liebe Kaffeemaschine: Das komplizierte Getue ist in diesem Haus den Menschen überlassen. Also benimm dich bitte wie ein Vollautomat und kommuniziere durch unmissverständliche Fehlermeldungen mit uns, wenn dir etwas fehlt. 

pink

Zurück

Dinge, die man erfährt, wenn man nach einem wunderbaren Wochenende mit Freunden wieder nach Hause kommt:

  • „Meiner“ und ich sind viel die besseren Eltern als Karlsson und Luise (findet das Prinzchen).
  • „Meiner“ und ich sind viel die schlechteren Eltern als Karlsson und Luise (findet der FeuerwehrRitterRömerPirat).
  • „Meiner“ und ich können nicht anständig putzen (findet Luise, die solche Dinge ja wissen muss, da sie in der Kochschule fürs Putzen meistens Bestnoten bekommt).
  • Luise und Karlsson können wirklich ganz wunderbar putzen und für Ordnung sorgen (finden „Meiner“ und ich, die solche Dinge ja wissen müssen, weil wir seit 17 Jahren mehr oder weniger erfolglos darum bemüht sind, hier irgendwie das Chaos einzudämmen.
  • „Meiner“ und ich sollen bloss nicht glauben, wir hätten nach der Heimkehr das Recht, ganz langsam und sanft wieder im Alltag anzukommen, wo wir doch ganze 55 Stunden Erholung hinter uns haben, während unsere Kinder sich in dieser Zeit abrackern mussten wie die Ackergäule.
  • Unsere Kinder kommen ohne uns ganz wunderbar miteinander klar und sind durchaus in der Lage, ihre Differenzen auf den Moment zu verschieben, wo wir wieder da sind, um sie daran zu hindern, einander an die Gurgel zu springen. 
  • Während unsere Kinder das Wochenende ohne uns bestens überstanden haben, hätte mein Lievito Madre beinahe das Zeitliche gesegnet, weil Karlsson ihn für einen ganz gewöhnlichen Tortilla-Teig hielt. 
  • So schön es ist, am Freitagvormittag dem ganzen Trubel mal für eine Weile zu entfliehen, so schön ist es auch, am Sonntagabend wieder in den Trubel zurückzukehren und von denen, die einen grossen Teil des Trubels verursachen, bei Kerzenschein mit Tee und Guezli empfangen zu werden. 
  • Karlsson ist froh und dankbar, dass er nicht jeden Tag unseren Job machen muss.

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