Benimm dich wie ein Vollautomat!

Meine liebe Kaffeemaschine, so geht das aber nicht. Wenn du dich nicht wohl fühlst, musst du mir direkt ins Gesicht sagen, was dir fehlt. Da kannst du nicht tagelang klägliche Rinnsale von dir geben und pausenlos jammern, dein System müsse gefüllt werden, wenn ich dich um einen Koffeinschub bitte. Ich werde ja verrückt vor lauter Sorge um dich, wenn du plötzlich nur noch ein verzweifeltes Schluchzen von dir gibst, wo du doch eigentlich kräftig Wasser ansaugen solltest. Und weil du mir nicht offen sagen willst, was los ist, fange ich an, mich in dubiosen Kaffeevollautomatenforen rumzutreiben, um herauszufinden, wie ich dir helfen kann. Du machst dir ja keine Vorstellung davon, was für ein Schreck mir in die Glieder gefahren ist, als ich gelesen habe, was dein derzeitiges Verhalten alles aussagen könnte. Das ist so ähnlich, wie wenn man ein paar harmlose Schnupfensymptome googelt und nach einigen Klicks erfährt, dass man wohl nur noch ein paar Tage zu leben hat. Nun, zum Glück bin ich dann irgendwo über den Beitrag gestolpert, in dem zu lesen war, dass dein passiv-aggressives Getue auf eine Verkalkung hinweisen könnte. Und siehe da! Jetzt, wo das geklärt ist, spuckst du wieder Kaffee, als wäre nichts gewesen.

Schau, meine Liebe Kaffeemaschine, wir sind eine Menge Leute in diesem Haus und jeder hat sein Päckchen zu tragen. Da können wir es uns unmöglich leisten, dass eine wie du um den heissen Brei herum redet, wenn etwas nicht ist, wie es sein sollte. Ich habe wirklich keine Zeit, mich in dich hineinzufühlen, um zu erspüren, wo dich der Schuh drückt. Wo ich doch schon genug damit zu tun habe, zu spüren, ob der Zoowärter nur mies gelaunt ist, oder ob er mal wieder zu lange zu viel Ärger über seine Banknachbarin heruntergeschluckt hat, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat sich wirklich nicht wohl fühlt, oder ob auf dem Stundenplan etwas steht, was ihn am Aufstehen hindert und ob meine Kinder heute tatsächlich Nervensägen sind, oder ob ich einfach keine Geduld für sie habe, weil „Meiner“ das Programm mal wieder überfrachtet hat. 

Du musst wissen, meine liebe Kaffeemaschine: Das komplizierte Getue ist in diesem Haus den Menschen überlassen. Also benimm dich bitte wie ein Vollautomat und kommuniziere durch unmissverständliche Fehlermeldungen mit uns, wenn dir etwas fehlt. 

pink

Zurück

Dinge, die man erfährt, wenn man nach einem wunderbaren Wochenende mit Freunden wieder nach Hause kommt:

  • „Meiner“ und ich sind viel die besseren Eltern als Karlsson und Luise (findet das Prinzchen).
  • „Meiner“ und ich sind viel die schlechteren Eltern als Karlsson und Luise (findet der FeuerwehrRitterRömerPirat).
  • „Meiner“ und ich können nicht anständig putzen (findet Luise, die solche Dinge ja wissen muss, da sie in der Kochschule fürs Putzen meistens Bestnoten bekommt).
  • Luise und Karlsson können wirklich ganz wunderbar putzen und für Ordnung sorgen (finden „Meiner“ und ich, die solche Dinge ja wissen müssen, weil wir seit 17 Jahren mehr oder weniger erfolglos darum bemüht sind, hier irgendwie das Chaos einzudämmen.
  • „Meiner“ und ich sollen bloss nicht glauben, wir hätten nach der Heimkehr das Recht, ganz langsam und sanft wieder im Alltag anzukommen, wo wir doch ganze 55 Stunden Erholung hinter uns haben, während unsere Kinder sich in dieser Zeit abrackern mussten wie die Ackergäule.
  • Unsere Kinder kommen ohne uns ganz wunderbar miteinander klar und sind durchaus in der Lage, ihre Differenzen auf den Moment zu verschieben, wo wir wieder da sind, um sie daran zu hindern, einander an die Gurgel zu springen. 
  • Während unsere Kinder das Wochenende ohne uns bestens überstanden haben, hätte mein Lievito Madre beinahe das Zeitliche gesegnet, weil Karlsson ihn für einen ganz gewöhnlichen Tortilla-Teig hielt. 
  • So schön es ist, am Freitagvormittag dem ganzen Trubel mal für eine Weile zu entfliehen, so schön ist es auch, am Sonntagabend wieder in den Trubel zurückzukehren und von denen, die einen grossen Teil des Trubels verursachen, bei Kerzenschein mit Tee und Guezli empfangen zu werden. 
  • Karlsson ist froh und dankbar, dass er nicht jeden Tag unseren Job machen muss.

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Nur ein Fenster, mehr nicht

Es ist ja nicht so, dass wir eine Totalrenovation unseres Hauses inklusive Neugestaltung des Gartens verlangt haben. Alles, was wir möchten ist ein neues Fenster, damit der FeuerwehrRitterRömerPirat im Winter nicht erfrieren muss. Wir sind auch nicht erst jetzt, wo der Winter vor der Tür steht, auf die Idee gekommen, das Fenster, das sich nicht mehr schliessen lässt, ersetzen zu lassen. Nein, wir haben uns bereits damals, als der Sommer sich allmählich seinem Ende zuneigte, darum bemüht, einen Handwerker zu finden, der sich der Sache annimmt.

Und es kam ja tatsächlich mal einer. Irgendwann, als es noch sommerlich warm war, stand er pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt auf der Matte, um Mass zu nehmen und zu fragen, ob wir denn lieber einen Fensterrahmen aus Holz oder aus Kunststoff hätten und wie dick das Glas sein solle. Fein säuberlich notierte er sich, was ich ihm sagte, sorgfältig schrieb er sich meine Mailadresse auf, um mir die Offerte zukommen zu lassen, aufgeräumt plauderte er mit mir über Gott, die Welt und die vielen anderen Fenster in unserem Haus, die wohl in nicht allzu ferner Zukunft ebenfalls ersetzt werden müssen. Dann ging er und ward nimmer wieder gesehen. Die versprochene Offerte bekamen wir nie zu Gesicht, ein einziges Mal nur ging er ans Telefon, als „Meiner“ anrief um zu fragen, ob er denn gedenke, irgendwann vor Wintereinbruch dafür zu sorgen, dass unser Sohn ein neues Fenster bekäme. Trotz wortreicher Versprechungen, dass er uns nicht vergessen habe, herrschte von da an Funkstille. Während „Meiner“ noch mehrmals versuchte, ihn zu erreichen, wurde es draussen – und im Zimmer des FeuerwehrRitterRömerPiraten – allmählich herbstlich und kühl. 

„Es gibt ja auch noch andere Handwerker“, sagte „Meiner“ und rief den nächsten Fensterbauer an. Auch dieser stand wenig später im Zimmer des FeuerwehrRitterRömerPiraten, nahm Mass, notierte, plauderte, fragte nach, notierte wieder, plauderte noch ein wenig und versprach mir, sich demnächst wieder zu melden. Es wäre mir eine grosse Freude, wenn wir schon sehr bald von ihm hören würden, sagte ich, bevor er ging, denn unser Sohn habe inzwischen ein wenig Mühe, morgens aus dem Bett zu kommen, weil es im Zimmer so kühl sei und der Winter liesse ja auch nicht mehr allzu lange auf sich warten. In ein paar Tagen bekämen wir die Offerte, versprach der Mann.

Diese „paar Tage“ sind inzwischen auch schon seit längerer Zeit verstrichen, im Zimmer des FeuerwehrRitterRömerPiraten ist es inzwischen richtig kalt und ich ahne, wie die Geschichte enden wird: Irgendwann wird ein dritter Fensterbauer auf der Matte stehen, vor dem Fenster werden dicke Schneeflocken fallen, der Mann wird weder plaudern noch viele Fragen stellen, sondern nur mit klammen Fingern seine Notizen machen und mir derweilen vorwerfen, man dürfe mit solchen Dingen eben nicht so lange zuwarten, bis das arme Kind in seinem Bett fast erfrieren müsse. 

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Kaffeewünsche

Seit einiger Zeit sind wir dankbare Besitzer eines Kaffee-Vollautomaten aus zweiter Hand. Dieser sorgt zuverlässig für eine konstante Koffeinversorgung im Hause Venditti und wird daher von allen, die mit ihm zu tun haben, heiss und innig geliebt. 

Seitdem er bei uns eingezogen ist, wurde mir aber auch bewusst, was es bedeutet, für ein Haushaltgerät der gehobenen Klasse zu sorgen. Fast jedes Mal, wenn er etwas für mich tun soll, möchte er zuerst einen kleineren oder grösseren Wunsch erfüllt haben.

„Leerst du bitte erst noch meinen Tresterbehälter?“, fragt er mit einem treuherzigen Augenaufschlag, wenn ich ihn am frühen Morgen um einen mittelgrossen starken Kaffee bitte. 

„Ich bin so schrecklich durstig. Füllst du mir noch schnell meinen Wassertank?“, bittet er, wenn ich gegen Mittag erneut den Wunsch nach Koffein verspüre.

„Natürlich mache ich dir Kaffee, aber würde es dir etwas ausmachen, mich demnächst einmal zu entkalken? Du hast ja bestimmt noch Entkalkungstabletten vorrätig“, sagt er, wenn ich nachmittags Gäste habe. 

Selbstverständlich komme ich diesem Wunsch nach, sobald ich einen Laden gefunden habe, der mir die richtigen Tabletten verkauft. Worauf der Kaffeeautomat bei unserer nächsten Begegnung meint: „Du denkst doch dran, mich bald einmal zu reinigen? Ich fühle mich irgendwie so schmutzig nach dieser Entkalkungskur.“ „Klar doch, mache ich“, gebe ich zur Antwort und konsultiere die Bedienungsanleitung, um herauszufinden, wie das geht. „Hättest mir auch gleich sagen können, dass man dazu noch einmal andere Tabletten braucht“, murmle ich und renne erneut in den Laden.

Kaum ist die Reinigung durch, schon wieder dieser flehende Blick: „Mir sind die Bohnen ausgegangen. Könntest du bitte…“

Weil ich den Vollautomaten von Herzen gerne mag, erfülle ich selbstverständlich all seine Wünsche bereitwillig und ohne Klagen. Dennoch bin ich ganz froh, dass er erst jetzt bei uns eingezogen ist. Ich glaube nicht, dass ich damals, als unsere Kinder noch klein waren, in der Lage gewesen wäre, ihm die Zuwendung zu geben, die er braucht. 

rote stadt

 

 

Abendstimmung

Das Prinzchen filzt mit rosaroter Wolle einen Hut, der später wegen mangelnder Grösse zu einem Füllhorn wird. Der Zoowärter, der eigentlich an seinem Wochenplan weiter arbeiten sollte, erklärt uns eins ums andere Mal, zum Wochenplan gehöre auch diese unsäglich spannende Aufgabe, die ihn an den Computer fesselt, der Lehrer habe das nur noch nicht auf den Plan geschrieben. Der FeuerwehrRitterRömerPirat bräuchte seinen Computer, bekommt ihn aber nicht, weil ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, wo ich das Gerät versteckt habe, damit er es nicht immer unerlaubt an sich nimmt. „Meiner“ beginnt, die Küche zu fliesen. Das kann jetzt – eine Stunde vor dem Nachtessen – keine Minute länger warten, denn die Fliesen liegen schon seit Monaten im Treppenhaus bereit und werden allmählich ungeduldig. Karlsson würde sich gern über sein Geburtstagsmenü unterhalten, während Luise sich lieber nicht mit ihrer Familie unterhält, da sie nicht in Stimmung ist. Ich überziehe den Kürbisgnocchi-Teig mit wüsten Schimpfwörtern, weil er nicht will, wie ich will. Nach dem Essen schneidet „Meiner“, der das Fliesen für den Moment bleiben lässt, Karlsson die Haare. Der Haarschnitt muss jedoch unterbrochen werden, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat so ausgiebig duscht, dass das Wasser in den Flur läuft und durch die Decke tropft. Der Zoowärter und das Prinzchen verkünden, sie hätten Angst und müssten deshalb im gleichen Zimmer nächtigen. Wenig später verkünden sie ausserdem, sie müssten jetzt unbedingt auch noch duschen, sonst werde das nichts mit der Nachtruhe. Ja, sie bestehen sogar auf das Waschen der Haare, denn was man an gewöhnlichen Tagen unter keinen Umständen tun will, muss heute unbedingt sein. Ich suche derweilen verzweifelt nach dem Fleischpasteten-Rezept. Vor Jahren soll ich mal genau die Pastete zubereitet haben, also soll es an Karlssons Geburtstag wieder die sein. Dazwischen verlangt natürlich auch das Telefon ab und zu nach Aufmerksamkeit.

Habe ich allen Ernstes mal geglaubt, wenn die Kinder grösser seien, würde es ruhiger bei uns? 

himbeerrot

Tournee

„Meiner“ ist mal wieder auf Tournee. Freitag für Freitag, Samstag für Samstag tritt er an einem anderen Ort in der Schweiz vor die Leute. So häufig, dass er inzwischen ein wenig Mühe hat, den Überblick zu behalten. So kommt es, dass er vor einem Auftritt manchmal leise murmelt: „Okay, heute bin ich zuerst in da, abends dann in dort und morgen in…“ Dies nicht nur, damit er nicht plötzlich am falschen Ort landet, sondern auch, damit er nicht in Basel vors Publikum tritt und ins Mikrofon schreit: „Hello Frauenfeld! I love you!“

Wobei – machen das Männer, die durchs Land ziehen, um vorpubertäre Jungs aufzuklären, überhaupt? Wohl kaum. Wahrscheinlich stelle ich mir das nur so vor, weil ich an diesen Tagen mit Putzlappen, Besen und Sprühflasche durch die Wohnung tigere, die Ohren voller „Mama, darf ich…? Mama, hilfst du mir? Mama, wo ist schon wieder…?“ und – allmählich im Selbstmitleid versinkend –  vor mich hin grummle: „Immer darf er den ganzen Spass haben und ich muss mich mit diesem ganzen Kram abplagen.“

mörotter

Samstägliche Einsichten

  • Hätte ich doch bloss früher einen Schrittzähler besessen, der mir sagt, wie viele Kilometer ich an einem ganz gewöhnlichen AufräumBrotbackPutzWäscheKleinkram-Samstag abspule. Dann hätte ich in den vergangenen Jahren nicht jedes Mal, wenn mich ein gestrenger Arzt nach meinen sportlichen Aktivitäten fragte, verschämt zu Boden geblickt und gemurmelt: „Ich weiss ja, dass ich sollte…“ Nein, ich hätte ihm voller Selbstbewusstsein ins Gesicht geschaut und gesagt: „Dauerlauf ist mein Leben.“
  • Es mag ja rührend sein, dass das Prinzchen mich darauf aufmerksam macht, es fange gleich an zu regnen, ich sollte vielleicht lieber die Wäsche reinholen, damit ich sie nicht zweimal waschen müsse. Daraus sollte man aber nicht schliessen, dass der Junge allmählich lernt, den Wert von Hausarbeit zu schätzen. Eine halbe Stunde später lässt er nämlich wieder seinen ganzen Kram im eben erst aufgeräumten Wohnzimmer liegen. Und wehe, man bittet ihn, das Zeug wegzuräumen, man wolle doch nicht die ganze Arbeit zweimal machen…
  • Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat nach einer Woche Abwesenheit sagt, er habe die ganze Familie furchtbar vermisst und sei froh, wieder zu Hause zu sein, bedeutet dies nicht, dass er deshalb ganz viel Zeit mit uns verbringen will. Sein Handy hat ja während dieser Woche auch fast gänzlich ohne ihn auskommen müssen und braucht jetzt ganz viel Aufmerksamkeit.
  • Niemand hat die Banane geschält, gedrückt und dann wieder zurück in die Obstschale gelegt. Bananen tun solche Dinge manchmal ganz von sich aus und es ist eine Unverschämtheit, dass ich eines der Kinder dafür verantwortlich machen wollte. 
  • Wenn Karlsson sagt, er werde eine Sache „gleich“ erledigen, dann kann dies durchaus bedeuten, dass erst noch Klavier spielen, Violine üben, im Zimmer herumhängen, nach Basel an die Herbstmesse fahren, essen, lernen und sich ein wenig ausruhen wird. Aber er wird tun, was er versprochen hat. Man muss sich nur ein wenig gedulden. 

skog