Kampf ums Sofa

Noch so etwas, was irgendwie gleich ist wie in der Kleinkindphase und doch ganz anders: Mitten in der Nacht wirst du wach, weil du die Kinder hörst. Schlaftrunken tappst du ins Wohnzimmer, um herauszufinden, was los ist. Soweit also alles noch wie zu alten Zeiten, als keine Nacht ohne nächtliche Ruhestörung verging.

Was du im Wohnzimmer antriffst, ist dann aber doch ein wenig anders. Dort findest du nämlich zwei Teenager, die mitten in einem erbitterten Streit stecken. Da wollte nämlich einer nach einem Albtraum Zuflucht auf dem Sofa suchen, fand das Sofa jedoch besetzt vor, weil es sich dort bereits ein anderer bequem gemacht hatte. Und dieser eine hatte nicht etwa mit einem Albtraum zu kämpfen, sondern war bloss zu faul gewesen, sein übliches Nachtlager aufzusuchen, nachdem er sich mit dem Eltern die „Medici“ reingezogen hatte. Wer ohne Albtraum-Legitimation auf dem Sofa nächtigt, braucht sich natürlich nicht zu wundern, wenn ein anderer versucht, ihn mitten in der Nacht unsanft aus dem Wohnzimmer zu vertreiben. 

Während in früheren Zeiten noch ein Windelwechsel und ein nächtlicher Snack reichten, um die Ruhe wieder herzustellen, solltest du heute also tatsächlich nachts um halb zwei eine pädagogisch wertvolle Problemlösung aus dem Pyjamaärmel schütteln. Und weil du das mit vom Schlaf umnebelten Verstand natürlich nicht schaffst, weisst du jetzt endlich wie unglaublich toll es sich anfühlt, im Halbschlaf zwei zornigen Teenagern ein wenig Vernunft einreden zu wollen.

Variationen

Auf die Gefahr hin, dass ich mich – wenn ich schon endlich mal wieder schreibe – auch noch wiederhole, hier eine Weisheit aus einem Haus voller Teenager und solcher, die es bald schon werden wollen:

  • Abends, wenn du allmählich zur Ruhe kommen möchtest, tropft auf einmal Wasser durch die Zimmerdecke, denn oben steht einer so lange unter der Dusche, bis die Duschtasse überläuft und sich das Wasser in den Eingangsbereich ergiesst. Weil er gerade unter der Dusche steht, kann er nicht dabei helfen, die Sauerei zu beseitigen und es liegt an den Erzeugern, den Schaden so rasch als möglich zu beheben, bevor das ganze Haus unter Wasser steht. Und weil du ihm erst hundert Mal gesagt hast, dass er nicht so lange duschen darf, bis es eine Überschwemmung gibt, trifft ihn keinerlei Schuld. 
  • Nachts, wenn dir endlich die Augen zugefallen sind, plötzlich laute Schritte im Treppenhaus. Bald darauf geht die Tür und wenig später steht ein halbwüchsiger Mensch mit einer Sorge in deinem Schlafzimmer. Vorbei ist es mit der Nachtruhe und du ahnst, dass du morgen einmal mehr mit schwerem Kopf erwachen wirst.
  • Mittags am Tisch, alles ist halbwegs friedlich, bis einer wagt, dem anderen einen falschen Blick zuzuwerfen. Vielleicht hat er sich auch erfrecht, ein unerwünschtes Geräusch von sich zu geben. Oder er nimmt sich die Freiheit heraus, nicht so frisch zu riechen wie alle anderen. Was auch immer der Grund sein mag – am Ende fliegen die Fetzen und man weiss nicht, wie die Dinge enden würden, wenn nicht ein Erwachsener schlichtend eingriffe. 
  • Irgendwann, im Laufe des Tages, völlig aus dem Nichts eine Frage, auf die du keine Antwort weisst. „Mama, warum…?“ und du stammelst irgend etwas zusammen, denn mit einem „Das erkläre ich dir, wenn du grösser bist“, lässt sich keiner mehr abspeisen.
  • Am Ende eines langen Tages, wenn du dir sehnlichst wünschst, endlich ins Bett gehen zu dürfen, schwirren energiegeladene junge Menschen durch die Räume und sämtliche Ermahnungen, es sei jetzt wirklich Zeit für Feierabend, stossen auf taube Ohren.

Immer wieder Situationen, die du irgendwie kennst und die doch nicht mehr ganz gleich sind. Und plötzlich dämmert dir: „Kleine Kinder, kleine Sorgen – grosse Kinder, grosse Sorgen“ ist komplett falsch.

Es müsste heissen: „Kleine Kinder, tausend Sorgen – grosse Kinder, Variationen von genau den gleichen Sorgen.“

akelei

Wer trägt hier eigentlich die Konsequenzen?

Das Prinzchen hat etwas ausgefressen und weil es in der Sache in erster Linie um verspätetes Heimkommen und unvollständige Informationen ging, muss er seine Freizeit  in den nächsten sieben Tagen zu Hause verbringen. Kein Fussballspiel auf dem Schulhausplatz, keine kleinen Gäste zum Mittagessen, kein „Ich geh mal ein wenig im Dorf spazieren und schaue, ob ich einen Freund antreffe“.

Noch keine 24 Stunden ist es her, seitdem ich ihn voller Zorn dazu verdonnert habe, brav an meiner Seite zu bleiben und schon frage ich mich, wen von uns beiden ich eigentlich mehr bestraft habe. Seit gestern Abend liegt er mir nämlich im Zehnminutentakt mit seinen Klagen in den Ohren:

„Mir ist soooo langweilig.“

„Was soll ich bloss machen?“

„Aber Mama, ich muss mich doch austoben können. Bewegung ist gesund.“

„Du musst doch verstehen, dass ich nicht einfach nur im Garten bleiben kann, wenn ich nach draussen gehe.“ 

„Darf ich denn nicht wenigstens Velo fahren? Ich verspreche dir auch hoch und heilig, dass ich nicht heimlich zu einem meiner Freunde gehe.“

So beständig redet er auf mich ein, bis ich ihm irgendwann erlaube, ein paar Runden auf dem Velo zu drehen. Ein Entscheid, der Prinzchens Gejammer für ein paar Minuten zum Verstummen bringt, mir dafür aber Ärger mit Karlsson einhandelt. Der hat sich nämlich diebisch darüber gefreut, dass der jüngste Bruder auch mal die Konsequenzen seines leichtfertigen Handelns tragen muss und findet nun, wenn ich so lasch sei, werde das nie etwas mit der guten Kinderstube. Ich habe also die Wahl: Stur bleiben und Prinzchens Gejammer aushalten oder die Leine ein wenig lockern und mir mit Karlsson hitzige Erziehungsdiskussionen liefern.

Ich fürchte, die kommende Woche wird nicht nur für das Prinzchen sehr, sehr lang…

banane

Her mit meiner Waage!

Es muss an dem schlechten Ruf liegen, den Eltern heutzutage geniessen, anders kann ich mir die Sache nicht erklären. „Die setzen ihren Kindern doch ohnehin nur Fertigprodukte vor. Die kommen doch problemlos eine Zeit lang ohne ihre Küchenwaagen klar“, muss einer der Lehrer gesagt haben. „Die meisten schicken ihre Brut über Mittag doch ohnehin in die Kebab-Bude“, muss eine Lehrerin darauf geantwortet haben. „Man wird wohl froh sein müssen, wenn überhaupt jedes Kind eine Waage auftreiben kann.“ 

So oder so ähnlich muss es in der Besprechung getönt haben, als man beschloss, die Kinder zu beauftragen, eine Küchenwaage mitzubringen, auf dass die Klasse das Thema „Schätzen und Abwägen“ praxisnah üben könne. 

Man verstehe mich bitte nicht falsch. Gegen praxisnahen Unterricht habe ich ganz und gar nichts einzuwenden. Aber bitte nicht mit meiner Küchenwaage. Die wird in unserem Haushalt nämlich nicht nur zu Übungszwecken gebraucht. Die ist ein ausgesprochen wertvolles Mitglied meiner Küchenausstattung, denn ohne sie wüsste ich nicht, ob der Lievito Madre ausreichend Futter bekommt, ob die Verhältnisse von Dinkel und Weizen im Brotteig ausgewogen sind und ob ich es bei der Brioche mal wieder mit der Butter übertreibe. Natürlich habe ich gewisse Dinge inzwischen so halbwegs im Gefühl, aber an manchen Tagen ist auf meine Gefühle ganz und gar kein Verlass, weshalb die Waage eben doch unerlässlich ist. 

Man mag sich fragen, weshalb ich nicht laut vernehmlich Nein gesagt habe, als das Prinzchen mich bat, die Waage mitnehmen zu dürfen. Nun, das hat durchaus seine Gründe. Zum einen habe ich in den vergangenen Jahren gelernt, dass Lehrpersonen nicht sehr erfreut sind, wenn Kinder ihre Hausaufgaben nicht erledigen. Zum anderen hat mir das Prinzchen hoch und heilig versprochen, es sei doch bloss für einen Tag und weil noch Brot da war, glaubte ich, so lange ohne sie auskommen zu können. Und dann soll mal einer versuchen, dem Prinzchen einen Wunsch auszuschlagen, wenn er so vor einem steht, mit treuherzigem Blick, zuckersüssem Lächeln und dem Gesicht voller Sommersprossen. Bei so viel Charme kann man einfach nicht nein sagen.

Tja, und jetzt muss ich eben damit klarkommen, dass es halt doch nicht nur für einen Tag war. Meine Waage wird nun bereits seit einer Woche im Schulzimmer festgehalten. Und das Schlimmste an der Sache ist: Während ich mich vor lauter Sehnsucht nach ihr verzehre und mich bereits zweimal dazu gezwungen sah, Brot zu kaufen, feiert sie wohl gerade Party mit ihren Kolleginnen, denn so viele verschiedene Küchenwaagen wie jetzt hatte sie zum letzen Mal um sich, als sie noch in irgend einer Haushaltabteilung darauf wartete, von mir gekauft zu werden. 

Ob ich versuchen soll, sie mithilfe von Lösegeld zurückzuholen? 20 hausgemachte Croissants sollten wohl reichen, um den Lehrer gnädig zu stimmen. 

Wobei, wie soll das gehen? Wo ich doch die Zutaten nicht abwägen kann…

skål

Meine Zahnbürste gehört mir!

Und weil sie mir gehört, will ich nicht, dass sie im Mund eines meiner Familienmitglieder landet. Ja, ich weiss, es gibt Menschen, denen würde so etwas nichts ausmachen, aber ich bin ein Grossfamilienkind, das inzwischen selber eine Grossfamilie hat, ich habe also im Leben mehr als genug geteilt. Darum bin ich nicht bereit, meine Zahnbürste mit jemandem teilen, nicht mal mit den Menschen, die ich über alles liebe. Und ich bin nicht die einzige in unserer Familie, die das so sieht. Ja, eigentlich sehen wir das alle gleich, aber natürlich teilen wir trotzdem andauernd unsere Zahnbürsten.

Es ist nämlich so: Jedes Mal, wenn wir sieben komplett unterschiedliche Zahnbürsten kaufen und jedem Familienmitglied einschärfen, welche nun seine ist, dauert es gerade mal ein paar Tage, bis der Erste vergessen hat, mit welcher er sein Gebiss putzen muss und schon vergreift sich wieder einer am Besitz eines anderen. 

Man komme mir jetzt bitte nicht mit Ratschlägen, wie sich das verhindern liesse. Wir haben schon alles probiert. Kennzeichnung mit unterschiedlichen Gummibändern. Beschriftung mit wasserfestem Stift. Individuelle Halterungen. Getrennte Unterbringungsorte. Unterschiedliche Bürstengrössen… Hat alles nichts geholfen.

Das einzige, was das Problem – vielleicht – lösen würde, wären Zahnbürsten, die wir mit unseren Vornamen bedrucken lassen. Leider existiert so etwas in einer Welt, in der jeder erdenkliche Mist existiert, noch nicht. Selbstverständlich besteht durchaus die Möglichkeit, Zahnbürsten bedrucken zu lassen. Mit Werbung. Aber wir brauchen keine Werbung, wir brauchen eine Lösung für unser Problem. Natürlich gäbe es auch Zahnbürsten mit bereits vorgedruckten Namen, aber die kommen nicht in Frage, weil Luise und das Prinzchen die einzigen in der Familie sind, die einen massentauglichen Vornamen haben. Alle anderen müssten mit ungeputzten Zähnen rumlaufen. 

Es bleibt mir also auch weiterhin nichts anderes übrig, als meine Zahnbürste mit allen Mitteln zu verteidigen. Und alle paar Tage „Himmel, wer hat schon wieder meine Zahnbürste genommen?!“ zu schreien. Und jedes Mal, wenn Ersatz fällig ist, den Laden nach sieben komplett unterschiedlichen Modellen abzusuchen, in der Hoffnung, die Unterschiede seien endlich mal augenfällig genug, damit keiner mehr auf die Idee kommt, sich an der Bürste eines anderen zu vergreifen. 

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Erholung? Doch nicht in den Ferien!

Der FeuerwehrRitterRömerPirat und ich sind uns einig: Rom war Stress pur. Klar, das Kolosseum war beeindruckend, die Villa Borghese und die Trajanssäule auch. Das Wetter war traumhaft und wir beide haben keinerlei Mühe damit, ein paar Köstlichkeiten der italienischen Küche aufzuzählen, die wir vermissen werden. Während er sich über die Sangoku-Figur freut, die er in der Ewigen Stadt günstig erstanden hat, kann ich es kaum erwarten, die Rezepte aus dem Lievito-Madre-Backbuch, das ich mir als Souvenir auserkoren habe, auszuprobieren. Die Woche im Süden war also keine reine Zeitverschwendung. 

Aber der ganze Lärm, die vielen Menschen, die endlosen Fussmärsche bis endlich wieder eine Metrostation in Sicht war, der Diebstahl meines Portemonnaies, das Warten auf andere Familienmitglieder, die immer nur wollten, was uns gerade nicht in den Kram passte, die an Hitze grenzende Wärme, das Gedränge bei jeder Sehenswürdigkeit und in der Metro, der Mangel an Zeit ganz für sich allein,…

Der FeuerwehrRitterRömerPirat und ich sind uns einig: Rom wäre eigentlich schon okay, aber jetzt, wo wir es gesehen haben, bräuchten wir dringend ein paar Tage Erholung.

Zu blöd nur, dass die Ferien vorbei sind…

rosa

Ist das noch gesund?

Grundsätzlich habe ich mich damit abgefunden, dass unser Jüngster eine grosse Liebe zur Mathematik entwickelt hat. Ja, mehr als das. Ich habe sogar angefangen, mich über seine Begeisterung zu freuen, denn aus schmerzhafter Erfahrung weiss ich, wie herausfordernd die Schullaufbahn werden kann, wenn man sich mit Zahlen schlecht verträgt. 

Wenn aber der kleine Prinz beim Arbeiten mit der Mathe-App in Rage gerät, weil er als Drittklässler bei der Addition von Dezimalzahlen noch nicht so recht den Durchblick hat, sich dennoch weigert, auf ein einfacheres Level zu wechseln und abends eine Stunde lang Rotz und Wasser heult, weil er nicht mehr rechnen, sondern schlafen soll, trage ich mich doch allmählich mit dem Gedanken, den Zugang zu den Zahlen zu beschränken. 

So viel Mathematik kann doch unmöglich gesund sein…

grapefruit