Wir wollten doch Feierabend machen…

Man kennt das ja: Du willst nur kurz ein kleines Möbel aus dem schwedischen Möbelhaus zusammenbauen und wenn das erledigt ist, einen bereits vorhandenen Schrank um ein paar Zentimeter verschieben, um Platz für das Neue zu schaffen und weil du einen Augenblick lang unaufmerksam bist, bricht ein Rädchen ab, was dazu führt, dass du den ganzen Schrank ausräumen musst, denn um zu reparieren, was in die Brüche gegangen ist, muss das Ding auf die Seite gekippt werden und wo du schon ausgeräumt hast, kannst du auch gleich noch alles sauber putzen, bevor du die Dinge wieder einräumst und wenn schon alles neu eingeräumt werden muss, spricht nichts dagegen, die Dinge etwas durchdachter einzurichten, weshalb du nun auch in den anderen Schränken zu räumen anfängst, was natürlich nur geht, wenn du dort zugleich ein wenig sauber machst.

Irgendwann kommt dir in den Sinn, dass heute eigentlich gemütlicher Feierabend angesagt gewesen wäre, aber dafür ist es jetzt ohnehin zu spät. Also kannst du getrost weiter räumen, bis dir die Augen zufallen. 

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Er wollte doch nur mal tanzen

Ein einziges Mal nur wollte er es seinen Brüdern gleich tun. Irgend so eine sinnlose Dummheit anstellen, bei der man sich fragen muss, ob das Denkorgan überhaupt zu Rate gezogen wurde. Eines dieser fiesen Ärgernisse, mit denen man die Eltern so wunderbar auf die Palme treiben kann. Missetaten, die, wenn sie ans Licht kommen, mit einem entrüsteten „Ich war das bestimmt nicht!“ dem „anderen“ in die Schuhe geschoben werden. 

Mit einem kleinen Loch in der vollen Milchflasche wollte er testen, ob auch er, der gewöhnlich immer so seriös und perfektionistisch unterwegs ist, für ein wenig Action im Haus sorgen könne. 

Nun, man weiss ja, wie es kommt, wenn Ungeübte sich mit Streichen versuchen. Meistens scheitert die Sache schon daran, dass sie nicht kaltblütig genug sind, um so zu tun als wüssten sie von nichts. So war es auch bei ihm. Das Loch wurde entdeckt und drei Minuten später wussten wir, dass er der Schuldige war. Weil sein Sündenregister noch nicht sehr umfangreich ist, wäre ihm schnell verziehen gewesen. Leider verstaute aber „Meiner“ den Krug mit der Milch, die er hatte retten können, so ungeschickt im Kühlschrank, dass sie sich heute Morgen über meine Füsse ergoss, bevor ich nur eine Spur von Koffein intus hatte. So kam es, dass derjenige, der die Sache ins Rollen gebracht hatte, im Morgengrauen ein mütterliches Donnerwetter über sich ergehen lassen musste. 

Irgendwie tat mir das Prinzchen fast leid. Er wollte doch nur mal testen, ob er auch ein paar Tanzschritte auf den elterlichen Nerven wagen darf.

Ich glaube, er weiss jetzt, dass er es besser bleiben lässt. Ihm fehlt nicht nur die Übung, er ist auch nicht abgebrüht genug, um eine geballte Ladung mütterlichen Zorns mit einem gekonnten Schulterzucken von sich abzuschütteln.

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Back to normal

Die Winterferien, die mit ihrer Geruhsamkeit meinen Alltag gehörig auf den Kopf gestellt haben, sind seit gestern vorbei. Jetzt herrscht endlich wieder die gute alte Routine:

Kaum steige ich gestern Morgen in Zürich, wo ich einen Gesprächstermin habe, aus dem Zug, erreicht mich ein Anruf aus der Schule. Der FeuerwehrRitterRömerPirat fühlt sich nicht wohl und möchte nach Hause. Ich bin erleichtert. So werde ich wenigstens von jemandem erwartet, wenn ich aus der bösen, kalten Grossstadt nach Hause zurückkehre.  

Am Nachmittag dann ein Informationsbrief: Am Schmutzigen Donnerstag und am Fasnachtsdienstag fällt nachmittags der Unterricht aus. Ich stosse einen Freudenschrei aus. Jetzt muss ich wenigstens nicht alleine über das närrische Getue schimpfen, sondern kann mit den Kindern gemeinsam jammern. 

Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist heute Morgen wieder auf den Beinen. Damit ich trotzdem nicht einsam bin, übergibt sich der Zoowärter. Er hat sich eigens darum bemüht, sich schon am ersten Schultag nach den Ferien in Sachen Käfer auf den neuesten Stand zu bringen.

Später dann eine Nachkontrolle im Kantonsspital, zu der die Versicherung Luise – und damit auch mich – eingeladen hat. Ach, wie bin ich doch dankbar für die vierzig Minuten im Wartezimmer und die halbe Stunde, die ich mehr oder weniger stumm an Luises Seite verbringen darf. Ich wüsste ja sonst nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte.

Wie schön, dass man jetzt endlich wieder mit der täglichen Portion Planänderung rechnen kann. Seitdem die Kinder an schulfreien Tagen immer erst kurz vor Mittag aus ihren Betten gekrochen kommen, sind Ferientage in diesem Haus so gefährlich ruhig geworden, dass man sich glatt daran gewöhnen könnte. 

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Wie haben die das bloss geschafft?

In meiner Kindheit erzählte mir ein Mädchen von einer sechsköpfigen Familie, in der die Kinder im Turnus dazu verdonnert wurden, täglich das Lavabo im Badezimmer zu reinigen. Wir waren beide entsetzt.

Sie, weil sie aus einem tadellos geführten Haushalt stammte, in dem das Lavabo gar nie die Chance hatte, schmutzig zu werden, da die treusorgende Hausfrau bereits mit dem Schwamm angerannt kam, wenn ein Kind sich nur schon dem Waschtrog näherte. Das Mädchen wusste also gar nicht, dass Lavabos dreckig sein können.

Ich, weil ich damals in kindlicher Selbstüberschätzung tatsächlich glaubte, wenn ich beim gemeinsamen samstäglichen Hausputz das Lavabo sauber mache, bleibe es danach eine ganze Woche lang blitzblank. Offenbar war ich ausgesprochen erfolgreich darin, nicht zu bemerken, wie meine Mutter an allen anderen Wochentagen die Spuren beseitigte, die sieben Kinder im einzigen Badezimmer hinterliessen. 

Noch heute versetzt mich jene sechsköpfige Familie in Erstaunen. Ich kann mir nämlich beim besten Willen nicht vorstellen, wie um alles in der Welt die es geschafft haben, ihr Lavabo sauber zu halten, wenn sie es bloss einmal am Tag geputzt haben.

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Life around the clock

Später Abend, „Meiner“ und ich wären allmählich für Feierabend zu haben, aber in Zoowärters Zimmer tobt noch immer das Leben. Weil Schulferien sind, sehen die drei jüngeren Kinder nicht ein, weshalb sie schlafen sollten. Nach einem kleineren Donnerwetter kehrt dann doch Ruhe ein.

Gegen Mitternacht gehen „Meiner“ und ich ins Bett. Die Ruhe im Haus ist nicht von Dauer, denn bald macht sich Luise auf die Suche nach einem gemütlicheren Schlafplatz. Aus unerfindlichen Gründen sagt ihr das eigene Bett heute nicht zu und sie kann den Tag erst abschliessen, als sie es sich auf dem Sofa bequem gemacht hat. 

Einige Stunden Schlaf. Um fünf Uhr früh wird „Meiner“ wach, weil aus dem Badezimmer Kinderlachen zu vernehmen ist. Prinzchen und Zoowärter nehmen ein Bad. „Der Zoowärter hat geglaubt, es sei Morgen“, erklärt das Prinzchen. 

Noch einmal zwei Stunden Schlaf, dann geht der Wecker. Eigentlich hätten „Meiner“ und ich die Stille des Morgens zum Arbeiten brauchen wollen, aber nach der kurzen Nacht fällt das Aufstehen schwer. Der Wecker lärmt weiter, wird aber ignoriert. 

Nachdem der Wecker endlich schweigt, herrscht einige Minuten lang Stille, dann rumort es oben in Karlssons Zimmer. Heute haben wir Glück. Er bearbeitet zuerst das Cembalo in seinem Zimmer und lässt das Klavier im Wohnzimmer vorerst in Ruhe. Das bedeutet, dass sich die Tagwache noch ein paar Momente hinauszögern lässt. 

Eine halbe Stunde später hat Karlsson genug vom Cembalo, er muss jetzt einfach ans Klavier. Damit ist definitiv Tagwache. „Meiner“ und ich kommen aus dem Bett gekrochen. 

Wenig später kommen die zwei, die seit ihrem frühmorgendlichen Bad kein Auge mehr zugetan haben, runter ins Wohnzimmer. Luise schreckt sofort vom Sofa hoch, als die kleinen Brüder zu spielen anfangen. (Karlssons Klavierspiel hat sie erstaunlicherweise nicht zu wecken vermocht.) Also bekommen der Zoowärter und das Prinzchen ihren vollen morgendlichen Zorn zu spüren. Was fällt den beiden eigentlich ein, sie vor dem Mittagessen zu wecken? 

Nun lässt sich der Tag definitiv nicht mehr aufhalten und so tun wir eben, was Vendittis so tun, wenn Schulferien sind.

Na ja, immerhin kommt der Feierabend heute etwas früher. Luise, der Zoowärter und das Prinzchen haben noch verpassten Schlaf nachzuholen.

Karlsson klimpert derweilen noch ein wenig auf dem Cembalo…

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Familienträume

Solange du noch keine Kinder hast, stellst du dir das Familienleben ja irgendwie so vor: Am Morgen sitzt ihr alle zusammen friedlich am Tisch,trinkt frisch gepressten Orangensaft und esst dazu vollwertiges, hausgemachtes Müesli. (Ich glaube mich zu erinnern, dass in meiner Fantasiefamilie oft auch frische Waffeln, Scones oder Blaubeermuffins auf den Tisch kamen. So wie bei meiner amerikanischen Gastfamilie. Aber damals war mir noch nicht bewusst, dass meine Gastmutter nie Mittagessen kochen musste, weil die Töchter in der Schule assen. Und auch kein Abendessen. Das erledigte die Mikrowelle für sie.) Ihr unterhaltet euch ein wenig über den Tag und was ihr von ihm erwartet, räumt gemeinsam den Tisch ab und verlasst dann einer nach dem anderen geputzt und gestriegelt das Haus, währenddem sich die Küche auf magische Weise selber aufräumt. Die Kinder gehen zur Schule, wo sie brav sind, fleissig mitmachen und glänzende Noten schreiben, damit sie dereinst in der Lage sind, aller Welt zu zeigen, dass sie Gottes Geschenk an die Menschheit sind. Die Eltern verdienen derweilen ungestört das Geld, das ihr braucht, um in Frieden und Eintracht miteinander zu leben. Mittags und abends kommt ihr dann wieder in eurer selbstreinigenden Wohnung zusammen, um das Familienleben zu geniessen.

Tja, und dann wachst du eines Tages in einer Realität auf, in der ein guter Tag dadurch gekennzeichnet ist, dass keiner sich weigert, eine saubere Unterhose anzuziehen, du von niemandem zur Schnecke gemacht wist, weil seine längst überfälligen Hausaufgaben nicht mehr auffindbar sind und niemand an einer ominösen Übelkeit leidet, die „Deinen“ und dich darüber diskutieren lässt, wer von euch beiden heute Abstriche bei der Arbeit macht. So gesehen hatten wir vorgestern einen ausgesprochen harmonischen Start in den Tag. 

Das Theater ging erst am Mittag los, als einer sich mit der unsäglichen Forderung konfrontiert sah, nach dem Essen einen sauberen Pullover anzuziehen.

Der weibliche Teenager während der Schulferien

Vor längerer Zeit habe ich mal beschrieben, wie der männliche Teenager seine Schulferien hinter sich bringt. Heute möchte ich darüber berichten, wie das beim weiblichen Teenager vor sich geht:

Zu sehen bekommt man den weiblichen Teenager allerfrühestens vor dem Mittagessen, manchmal auch erst gegen 14 Uhr. Wortkarg macht sie sich am Küchenschrank zu schaffen. Sind Cornflakes da, füllt sie sich eine Schale und verschwindet wieder in ihrem Zimmer. Sind keine Cornflakes da, schimpft sie lauthals auf ihre Brüder, die immer alles wegfressen und schnappt sich sonst etwas Essbares, um damit im Zimmer zu verschwinden. Da auch alle anderen spät gefrühstückt haben, beschliesst du, heute aufs Kochen zu verzichten. Ein Entscheid, den du Mitte Nachmittag bitter bereuen wirst, weil dann ein ziemlich übel gelaunter weiblicher Teenager wissen will, ob du gedenkst, heute vielleicht irgendwann eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu bringen.

Mit einem anständigen Zvieri lässt sich der knurrende Magen und damit der ganze Teenager besänftigen und du kannst dich wieder anderen Dingen zuwenden, denn sie muss sich jetzt der Körperpflege widmen. Gegen Abend ist sie nicht nur frisch geduscht, sauber angezogen und artig frisiert, sie hat auch ganz ohne deine Ermahnungen das unter Wasser stehende Badezimmer wieder sauber gemacht. Dann verschwindet sie wieder in ihrem Zimmer, das sie erst wieder verlässt, wenn sie zum Abendessen gerufen wird. In der Regel stochert sie bloss ein wenig in ihrem Teller rum, denn das späte Frühstück und der anständige Zvieri sind noch nicht ganz verdaut. Nachdem sie ihr Geschirr weggeräumt hat, verschwindet sie wieder nach oben, bis die kleinen Brüder in ihren Betten sind.

Irgendwann, so zwischen halb neun und halb elf, kommst du auf die Idee, du könntest dir jetzt allmählich den Feierabend gönnen. Du brauchst das nicht laut zu sagen, es reicht schon aus, es nur zu denken und schon kommt der weibliche Teenager frisch und munter angetrabt. Ist der grosse Bruder zu Hause, steigt in der Küche eine laute, lustige spätabendliche Party, die erst ein Ende nimmt, wenn ein entnervter Elternteil dem lustigen Treiben mit einer Standpauke ein Ende setzt. Ist der grosse Bruder nicht zu Hause, macht sie sich eben mit dir einen netten Abend. Sie hat dir ja soooooo viel zu erzählen. Vielleicht lässt du dich sogar zu einem Film oder zu einer Runde Online-Shopping überreden. Oder du hast ein paar Tipps für sie auf Lager, wie es ihr am nächsten Tag wohl am besten gelingen könnte, endlich ihr Zimmer aufzuräumen, denn das will sie in diesen Ferien unbedingt erledigen.

Auf alle Fälle hat sie jetzt richtig Lust, Zeit mit ihrer Mama zu verbringen. An guten Tagen freust du dich über die späte Mama-Tochter-Zeit, an weniger guten Tagen siehst du dich dazu gezwungen, ihr unmissverständlich klar zu machen, dass du morgen früh wieder zu sprechen wärest, wenn sie denn wach wäre. So oder so wirst du noch bis tief in die Nacht hinein von ihr hören, denn wenn ihr Tag erst nach dem Mittagessen so richtig angefangen hat, kann man ja wohl kaum erwarten, dass er bereits vor Mitternacht wieder zu Ende ist. 

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