Blamage für die Glucke

Eben noch war sie die strahlende Siegerin, die mit einer gehörigen Portion Gluckenliebe die Überzeugung in die Knie zwang. Heute aber stand sie da wie der grösste Depp, als sie feststellen musste, dass die Mama von Prinzchens bestem Freund besser Bescheid weiss über die Schwimmabzeichen, die sich unser Jüngster erschwommen hat. Ist ja auch gar zu peinlich, wenn man von einer anderen Mutter erzählt bekommt, der eigene Sohn sei bereits seit einer Woche im Besitz des Froschabzeichens. Klar hätte man vom Prinzchen erwarten dürfen, dass er sein Abzeichen voller Stolz zu Hause präsentiert, wie es sich für jedes halbwegs anständige Kind gehört. Von einer rechten Glucke hätte man aber auch erwarten dürfen, dass sie sich das Datum der Schwimmprüfung mit riesigen roten Buchstaben im Kalender einträgt, damit sie dem kleinen Helden einen gebührenden Empfang bereiten kann. Wo sie schon nicht die Zeit finden will, sich wie alle anderen Glucken an den Rand des Schwimmbeckens zu setzen, um mit eigenen Augen zu sehen, dass kein anderer ihrem Nachwuchs das Wasser reichen kann. 

Nun, das Unglück ist geschehen und die Glucke wird in den kommenden Tagen noch übereifriger sein als gewöhnlich, um ihre Schmach  zu vergessen. Ich fürchte, sie hat den nächsten Mittwoch ausersehen, um den ultimativen Beweis für ihre Mutterliebe zu liefern. Dann werden nämlich drei junge Vendittis zur gleichen Zeit an zwei verschiedenen Orten mit ihren Musikinstrumenten auftreten. „Meiner“ und ich sind ja der Meinung, es sei völlig in Ordnung, wenn im einen Publikum der Papa sitzt und im anderen die Mama. So, wie ich die Glucke kenne, wird sie aber versuchen, das detaillierte Programm von beiden Konzerten in Erfahrung zu bringen, um zu Prinzchens und Zoowärters Konzert zu hetzen, sobald der letzte Ton von Karlssons Vorspiel verklungen ist. 

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Besiegt

Falls jemand von euch heute zufällig in der Migros Aarau war und dort irgendwo zwischen Gemüseabteilung und Molkerei einem übel zugerichteten, laut klagenden Etwas begegnet ist: Das war meine Überzeugung, die nach einem brutalen Kampf mit der Glucke zu Boden gegangen ist. Die zwei lagen ja schon seit Tagen miteinander im Streit um die Erdbeerfrage und heute, einen Tag vor Luises Geburtstag, kam es zum Showdown. Es muss leider gesagt sein, dass meine Überzeugung von Anfang an einen schlechten Stand hatte, denn Luises flehender Blick hatte sie bereits gestern ziemlich ins Wanken gebracht. Somit hatte die Glucke heute ein leichtes Spiel. Unbeirrt marschierte sie zum Regal mit dem ökologisch verwerflichen Erdbeer-Sonderangebot, nachdem sie die Überzeugung mit einem gezielten Schlag in die Magengrube ausser Gefecht gesetzt hatte. Während sich die Arme heulend auf dem Fussboden wand, schnappte sich die Glucke auch noch frische Him- und Heidelbeeren, die ihre Lasterhaftigkeit mit einem Bio-Label zu kaschieren versuchten. „Schnell, zugreifen, solange die Alte noch darniederliegt!“, hörte ich sie murmeln, als sie das Zeug in den Korb legte. 

Später, nachdem die Ware bezahlt war, ging ich zurück in den Laden, um meiner Überzeugung auf die Füsse zu helfen. Erst wollte sie nicht mehr mit mir mitkommen. „Verräterin!“, zischte sie. „Wie konntest du bloss so hinterhältig sein und mich an die Glucke verraten?“ „Ich verspreche dir, in den kommenden Wochen besonders gut auf dich zu hören, um für mein heutiges Versagen zu sühnen“, gab ich zur Antwort. „Aber du musst auch das Positive sehen. Immerhin hat sich Luise diesmal keine Spargeln aus Peru gewünscht.“

Chabis

 

 

Zu früh vertraut

Während…

… ich davon ausgehe, dass ich heute, wo gerade noch einer unter zehn ist, nicht mehr andauernd hinter den Kindern her sein muss, um sie vor Dummheiten zu bewahren,…

… „Meiner“ und ich denken, wir hätten ihnen oft genug erklärt, mit Feuer werde nicht gespielt,…

… wir der Meinung waren, bei den vielen Besuchen bei der Feuerwehr sei einiges über Brandverhütung haften geblieben,…

… wir doch tatsächlich glaubten, wir seien jetzt in der Lebensphase angekommen, in der wir die Kinder an einem friedlichen Sonntagnachmittag auch mal eine Weile sich selber überlassen und nur noch mit einem Ohr hinhören könnten,…

…mir nicht einmal mehr bewusst war, dass sich im Wandschrank ein Bunsenbrenner befindet,…

… war den Schutzengeln offenbar bewusst, zu welch unüberlegtem Handeln ein fast Dreizehnjähriger noch fähig ist. Darum begrenzte sich der Schaden auf einen angekohlten Wäscheständer, einen stark lädierten Bunsenbrenner und eine halb verbrannte Küchenrolle. Der Junge kam mit einem gehörigen Schrecken und ohne Verbrennungen davon. 

Wie gut, dass Schutzengel weniger vertrauensselig sind als ich. 

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Leistungsdruck am Telefon

Was ich von der Grippeimpfung halte, wollte die nette Dame, die im Auftrag irgend eines Bundesamtes eine Umfrage durchführte, von mir wissen. Ob ich ihr sagen könne, für welche Personen eine solche Impfung besonders empfehlenswert sei. Unter welchen Umständen ich mich eventuell dereinst dazu bewegen liesse, mich ebenfalls impfen zu lassen. Welche Massnahmen meiner Meinung nach am besten geeignet wären, die Menschen über die Grippeimpfung zu informieren. Und noch ein paar Dinge mehr.

„Das haben Sie wirklich sehr gut gemacht. Sie haben sich sehr grosse Mühe gegeben, mir meine Fragen richtig zu beantworten“, sagte sie, als wir fertig waren. 

Ich war ja stets davon ausgegangen, der Hinweis, das Interview werde für die Qualitätsprüfung aufgezeichnet, betreffe nur die Interviewerin, aber offenbar wird auch von den Befragten eine gewisse Leistung erwartet. Noch mal Glück gehabt, dass ich gestern gut drauf war und nicht auf jede Frage mit einem gelangweilten „Weiss nicht“ geantwortet habe. Das hätte sonst eine schlechte Bewertung gegeben. 

Blüemli

Wir wollten doch Feierabend machen…

Man kennt das ja: Du willst nur kurz ein kleines Möbel aus dem schwedischen Möbelhaus zusammenbauen und wenn das erledigt ist, einen bereits vorhandenen Schrank um ein paar Zentimeter verschieben, um Platz für das Neue zu schaffen und weil du einen Augenblick lang unaufmerksam bist, bricht ein Rädchen ab, was dazu führt, dass du den ganzen Schrank ausräumen musst, denn um zu reparieren, was in die Brüche gegangen ist, muss das Ding auf die Seite gekippt werden und wo du schon ausgeräumt hast, kannst du auch gleich noch alles sauber putzen, bevor du die Dinge wieder einräumst und wenn schon alles neu eingeräumt werden muss, spricht nichts dagegen, die Dinge etwas durchdachter einzurichten, weshalb du nun auch in den anderen Schränken zu räumen anfängst, was natürlich nur geht, wenn du dort zugleich ein wenig sauber machst.

Irgendwann kommt dir in den Sinn, dass heute eigentlich gemütlicher Feierabend angesagt gewesen wäre, aber dafür ist es jetzt ohnehin zu spät. Also kannst du getrost weiter räumen, bis dir die Augen zufallen. 

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Mit Wurst zum Erfolg

Was habe ich nicht alles getan, um ihr irgendwann vielleicht doch noch eine Freude zu machen? Potthässliche Nelken habe ich gekauft, weil ihr nur diese gefallen. Stundenlang Zitronenmarmelade gekocht, weil sie Saures lieber mag als Süsses. Errötend an der Kioskkasse gestanden, um die Romane, die sie so gerne liest, zu bezahlen. Sogar den Wunsch nach einem Hund half ich zu erfüllen. Und mehr als einmal verbrachte ich ihr zuliebe endlose Stunden im überfüllten Shoppingcenter. Es half alles nichts. Die Schwiegertochter, die mit einem einzigen Jawort all ihre Träume zum Platzen gebracht hatte, sollte bloss nicht glauben, damit lasse sich der angerichtete Schaden wieder gut machen. 

Jetzt endlich ist es mir gelungen, Schwiegermama glücklich zu machen und zwar mit einer Wurst. Ausgerechnet ich, die ich ihr mit meinem Vegetarismus so viel Kummer bereitet habe, habe für sie die beste Wurst der Welt aufgespürt. Eine ohne Rind und Kalb, dafür mit ganz viel Schwein, also einfach perfekt. Dafür gebührt mir Lob und Dank – zwei Dinge, die Schwiegermama nur sparsam verteilt.

Wie gerne würde ich mich jetzt, wo mir endlich Erfolg beschieden ist, ein wenig auf meinen Lorbeeren ausruhen, aber ich darf nicht. Ich muss Wurstnachschub besorgen, doch das ist einfacher gesagt als getan. Ich kann mich nämlich beim besten Willen nicht mehr erinnern, welche es war. 

Die Glucke und die Grüne, die hatten einen Streit…

Einmal mehr befinde ich mich in einem dieser banalen Dilemmata, in die nur Mütter geraten, die einerseits der Meinung sind, an Geburtstagen seien sämtliche erfüllbaren Wünsche zu erfüllen, die aber andererseits den tiefen Wunsch verspüren, so umweltbewusst wie nur immer möglich durchs Leben zu gehen. Diesmal geht es um Luise und die Erdbeeren.

Luise ist ein Frühlingskind. Leider aber eines, das das Licht der Welt ein paar Wochen vor Beginn der hiesigen Erdbeersaison erblickt hat. Dies hindert sie aber nicht daran, sich zum Geburtstag einen Berg Erdbeeren mit Schlagrahm zu wünschen. Die Glucke in mir drängt mich natürlich dazu, eine Ausnahme zu machen und ihr diesen Wunsch zu erfüllen, aber die Grüne, die eben auch in mir steckt, sträubt sich mit Haut und Haaren dagegen.

Man weiss ja, woher die Erdbeeren kommen, die jetzt schon in den Regalen liegen. Mit der Frage, weshalb dies ökologisch bedenklich ist, hat man sich selbstverständlich eingehend befasst und natürlich hat man sich auch unzählige Male darüber geärgert, dass das Zeug rundum in Plastik verpackt daherkommt. Kurz: Man weiss, dass die Erdbeeren, die um diese Zeit bei uns zu haben sind, ganz schrecklich böse sind.

Und sie sind ja nicht nur böse, sie sind auch furchtbar fade und wässrig. Kommt hinzu, dass es ganz schön peinlich wäre, wenn ich beim Einkauf ertappt würde. Wie stünde ich denn da, mit hochrotem Kopf, peinlich berührt stammelnd, ich würde sowas ja eigentlich nie tun, aber es sei nun mal Luises Geburtstag und da könne man doch nicht so sein…

Der Fall wäre eigentlich klar: Luise muss an ihrem Geburtstag auf umweltverträglichere Weise glücklich werden. Doch wenn sie mich dann ansieht mit ihren grossen, himmelblauen Augen, dann schmelzen meine Grundsätze dahin wie der letzte Schnee an der Frühlingssonne. 

Noch ist der Streit zwischen der Glucke und der Grünen nicht entschieden, doch schon heute steht fest, dass eine der beiden am Ende zutiefst beleidigt sein wird. 

Krokus