Traditionsvergessen

Nein, deswegen wird die Welt nicht untergehen. Sie hätte ja in diesen Tagen wahrlich genügend andere Gründe, sich in den Abgrund zu stürzen, um dem ganzen Elend ein Ende zu setzen, da wird es ihr also herzlich egal sein, was „Meiner“ und die Kinder aus meiner sorgfältig geplanten Guezli-Aktion gemacht haben. 

Ein friedliches gemeinsames Backen zum vierten Advent hätte es werden sollen. Mailänderli, Chräbeli, Zimtsterne und Spitzbuben. Mindestens. Vielleicht auch noch zwei oder drei Sorten mehr, je nachdem, wie lange die Freude anhalten würde. Ein netter Familienanlass, damit wir wenigstens in den eigenen vier Wänden ein paar Stunden heile Welt hätten, wo da draussen doch schon alle am Durchdrehen sind.

Tja, und dann kam am Donnerstag dieser Käfer, der mich so sehr ausser Gefecht gesetzt hat, dass die Familie am Freitagnachmittag besorgt an meinem Bett stand und wissen wollte, was bloss los sei mit mir, ich würde nur noch wirres Zeug von mir geben. Muss also wirklich ziemlich unverständlich gewesen sein, was ich da gebrabbelt habe, denn zumindest die Minderjährigen im Hause sind ja schon längst der Meinung, die Hälfte dessen, was aus meinem Mund komme, ergebe keinen Sinn. Weil ich inzwischen zwar wieder in der Lage bin, klare Gedanken zu fassen, aber noch zu schwach bin, um mit Wallholz und Teigschüssel zu hantieren, musste die Weihnachtsbäckerei ohne mich stattfinden.

Nun ist es leider so, dass „Meiner“, der sonst ein ausgesprochen vielseitiger und talentierter Mensch ist, vom Hochhalten heiliger Familientraditionen keine Ahnung hat. Und so wurde mein Backprogramm erst einmal um die Hälfte gekürzt – von den Suppléments, von denen ich geträumt hatte, wollen wir gar nicht erst zu reden anfangen. Da die Suche nach den Ausstechern, die nach der Küchenrenovation natürlich nicht mehr dort sind, wo sie einmal waren, nicht sogleich von Erfolg gekrönt war, wurde der Mailänderliteig halt mit Messern traktiert. Und weil man von einem vielbeschäftigten Menschen nicht erwarten kann, dass er ein Guezlirezept zu Ende liest, wanderten die Zimtsterne schon heute in den Ofen, wo sie doch eigentlich über Nacht hätten trocknen müssen. Kein schöner Anblick, das Ganze, muss ich leider sagen.

Damit kann ich leben, denn bis ich diesen fiesen Käfer endlich bezwungen habe, werden die missratenen Guezli ohnehin alle schon aufgegessen sein und ich muss sie mir nicht mehr ansehen. Bedenklicher finde ich, dass es denen da draussen vor der Krankenzimmertür einen Heidenspass gemacht hat, eine der schönsten Weihnachtstraditionen mit dem Messer zu taktieren. 

Zum Glück bietet mir die heutige Sonntagspresse wieder genügend Anlass, mir echte Sorgen zu machen. Sonst würde ich mich am Ende noch über meine Lieben ärgern und dann werde ich nie und nimmer rechtzeitig gesund, um wenigstens noch ein paar anständige Anis-Chräbeli zu backen. 

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Das habe ich jetzt davon…

Was, um Himmels Willen hat mich diesmal wieder geritten? Ganz banale, fantasielose Adventskalender hätten sie gewollt. Lego, Playmobil und dergleichen. Ich hätte nichts weiter tun müssen, als in den Laden zu marschieren, ins Regal zu greifen und an der Kasse das Portemonnaie zu zücken.

Aber natürlich war da wieder die leise Stimme in mir, die aufbegehrte. „Du willst sie doch nicht etwa mit diesem ganzen Kram abspeisen?“, flüsterte sie mir zu. „Deine Kinder sind zauberhafte Individuen, sie haben mehr verdient als einen lieblos in einer anonymen Fabrik zusammengestellten Adventskalender.“

Also begann ich, auf die Knöpfe einzureden.“Was wollt ihr mit diesem Mist?“, fragte ich. „Wäre es nicht viel aufregender, wenn ich für jeden von euch etwas Schönes zusammenstelle? Etwas, das ihr euch wirklich wünscht und nicht etwas, was die grossen Firmen euch aufschwatzen wollen?“ 

Natürlich ist es viel aufregender. Ich darf mir jetzt tagelang den Kopf zerbrechen, wie ich einen Chemiekasten so aufteile, dass das arme Prinzchen nicht drei Tage hintereinander eine langweilige Pipette aus seinem Kalender zaubert. Oder wie ich dem Zoowärter von Anfang an verständlich mache, dass es sich bei seinem Inhalt um ein Kartenspiel handelt, damit er nicht auf die Idee kommt, das Zeug auf der schulischen Pokémon-Börse zu verhökern, ehe er das ganze Set beisammen hat. Oder wie ich den Zauberkasten des FeuerwehrRitterRömerPiraten aufteilen muss, damit unser Sohn schon am dritten Tag mit den ersten Tricks loslegen kann. Oder wie ich… Aber halt, ich darf nicht mehr verraten, denn Karlsson und Luise lesen hier gelegentlich mit. Ihr könnt euch ja denken, dass es auch bei ihren Kalendern die eine oder andere Klippe zu umschiffen gibt. 

Na ja, immerhin brauche ich mir keine Gedanken zu machen, ob der Lego-Kalender, den dieses Jahr alle Kinder haben wollen, bereits ausverkauft ist…

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Fragerunde

Wie kommt es, dass Karlssons „neuer“ Plattenspieler, Herstellungsjahr ca. 1961, mehr Power hat als jedes moderne Gerät? Jetzt windet sich Edith noch lauter durch meine Gehörgänge…

Was für ein Unmensch kommt auf die Idee, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember um 12 Uhr bis zum 11. Januar um 7:00 Uhr festzulegen? Und welcher Bildungsdirektor ist blöd genug, eine solche Schnapsidee auch noch abzusegnen? Ich meine, erst schleppen sich die Kinder todmüde unter den Tannenbaum, wo sie vor lauter Erschöpfung fast einschlafen und dann schlagen sie einander eine Woche lang die Köpfe ein, weil nach Silvester nichts mehr kommt als gähnende Leere und eine Mama, die wieder arbeiten müsste und möchte, dies aber nie ungestört tun kann, weil andauernd einer heult. 

Reicht eine tief sitzende Abscheu gegen eine Garage aus, um das Gebäude abzureissen, oder braucht man dazu auch handwerkliches Geschick und gutes Werkzeug? Tief sitzende Abscheu hätte ich nämlich mehr als genug, aber „Meiner“ meint, damit könne man das Ding unmöglich erledigen, immerhin habe es schon vielen Stürmen getrotzt. 

Ich möchte zu gerne wissen, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat wirklich weiss, wie man Schach spielt, oder ob er einfach den Jargon gut genug beherrscht, um uns alle glauben zu machen, er verstehe das Spiel. Um das herauszufinden müssten wir aber das Schachspiel erlernen, anstatt uns nur immer als hilflose Gegner zur Verfügung zu stellen. Irgendeiner da draussen, der sich zur Verfügung stellt? Mein Gehirn weigert sich nämlich seit Jahren standhaft, das Spiel zu verstehen. 

Für wen soll ich Partei ergreifen: Für das Prinzchen, der mit endloser Geduld ein Haus aus UNO-Karten gebaut hat, oder für den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten, die endlich mal mit den Karten spielen möchten? (Nein, ich kaufe dem Frieden zuliebe kein zweites Kartenset. Das Prinzchen würde daraus bloss ein noch grösseres Kartenhaus bauen wollen.)

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Denkmalpflege

Eigentlich müsste man jetzt ja in den Garten entschwinden können. Das Wetter ist geradezu ideal, die nächsten Projekte sind skizziert und nach fünf herrlich einsamen Ferientagen, gefolgt von ein paar faulen Feiertagen bin ich so entspannt, dass ich schon fast zu Kompost zerfalle. Doch bloss weil sich das Wetter derzeit eher frühlingshaft denn weihnächtlich gebärdet, heisst das noch lange nicht, dass man die Gartensaison einläuten kann. Was, wenn der Winter doch noch kommt? Dann müssten die armen Pflänzchen himmeltraurig erfrieren und das bräche mir das Herz. 

Was also tun mit der vielen Energie? Nun, da wäre zuerst einmal die Toilette im ersten Stock, die schwer darunter leidet, dass Karlsson das obere Klo als Protest gegen die andauernde Verstopfung mit Klebeband versiegelt hat. Jetzt leidet eben das untere WC umso mehr an Verdauungsproblemen, was zwar nicht besonders angenehm ist, aber immerhin für ein paar Stunden Beschäftigung sorgt. 

Danach gilt es, „Meinen“ bei der Hand zu nehmen und aus der Steinzeit der Mobiltelefonie in die Ära der Smartphones zu geleiten. Anfangs ist er noch wacklig unterwegs, kommt alle paar Minuten angerannt, weil er nicht so recht weiss, was er mit der neuesten Push-Nachricht anfangen soll, aber nachdem ich ihn sicher in den WhatsApp-Chat meiner erweiterten Grossfamilie vermittelt habe, ist er für den Rest des Tages beschäftigt und mir ist schon wieder langweilig. 

Zum Glück ist da noch Schloss Sargans, das ganz dringend aufgebaut werden muss, bevor „Meiner“ es in Schutt und Asche legt. Also, ich meine, bevor er es im Altpapier entsorgt, obschon es doch Prinzchens Weihnachtsgeschenk für Luise ist. Luise aber interessiert sich in diesen Tagen mehr für den Ausverkauf als für Schlösser, also ist es an mir, mit Leim und Schere den Untergang des architektonischen Erbes unseres Landes zu verhindern. Prinzchen ist vom Resultat tief beeindruckt, ich hingegen staune nur, dass ich zum ersten Mal im Leben einen Bastelbogen ohne Wutanfall zu Ende gebracht habe. Spricht das nun eher für einen hohen Entspannungsgrad, oder für Altersmilde?

Wo ich schon mal einen Überschuss an Geduld und noch mehr freie Zeit habe, kann ich mich ja um den Erhalt weiterer Architekturdenkmäler kümmern. Da gibt es noch einen Eiffelturm fertigzustellen, den die Kinder an Heilig Abend als Überbrückung zwischen Vorspeise, Hauptspeise und Bescherung von uns als Beschäftigungstherapie verordnet bekommen haben. Leider ist das Bauwerk am 24. unvollendet geblieben, darum klaube ich die verbliebenen Teilchen – Nummer 140 ist bereits auf Nimmerwiedersehen verschwunden – zusammen und vollende den Turm. Prinzchens Bewunderung für mich kennt jetzt keine Grenzen mehr. Gleich morgen will er in die Migros rennen, um ein Puzzle mit viel mehr Teilen zu besorgen, das „wir“ in den kommenden Tagen „zusammen“ aufbauen können.

Mir soll’s recht sein. Wo es doch noch lange nicht Zeit ist, die Gartensaison einzuläuten. 

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Schräge Weihnachten

11:20 Uhr: Sieben nicht gerade motivierte Vendittis machen sich mit Topfpflanze, Pains au Chocolat und einer Tasche voller Kinderbeschäftigungen auf den Weg zur Bushaltestelle, um Schwiegermama zu besuchen. 

11:40: Wir steigen in den Zug, der in einer halben Stunde abfahren wird, um uns zu Schwiegermama zu bringen. 

11:45: Ein Mann aus dem hinteren Abteil ruft laut vernehmlich: „Ich will sterben!“ Die kleinen Vendittis hören ihn nicht, die mittelgrossen Vendittis schwanken zwischen Verunsicherung und Belustigung, die grossen Vendittis sind froh, dass die Kleinen nichts gehört haben.

11:47: Der Passagier aus dem hinteren Abteil äussert schon wieder seinen Wunsch, sterben zu dürfen, diesmal etwas lauter, aber zum Glück nicht laut genug, um das Spiel der kleinen Vendittis zu stören.

11:50: Der Sterbewillige geht aufs Perron, um eine zu rauchen.

11:55: Er ist wieder im Zug, ruft schon wieder laut vernehmlich: „Ich will sterben!“ Die kleinen Vendittis hören noch immer nichts.

12:02: Noch einmal „Ich will sterben!“ Das Prinzchen stupst den Zoowärter an: „Hast du gehört, was der Mann dort hinten gerade gesagt hat?“ „Nein, was denn?“, antwortet der Zoowärter und spielt weiter. 

12:05: Ein Mann steigt in den Zug, setzt sich ins Abteil des Sterbewilligen, der jetzt, wo er endlich ein direktes Gegenüber hat, beharrlich schweigt. 

12:10: Der Zug fährt endlich ab, um uns zu Schwiegermama zu bringen.

12:25: Ich wage eine Prophezeiung. „Schwiegermama schenkt jedem von euch zwanzig Franken, Papa bekommt ‚Ferrero Rocher‘ und ich einen Panettone. Wenn ich recht habe, gibt’s für jeden 5 Franken Zuschlag auf Schwiegermamas Weihnachtsgeld.“

12:55: Ankunft bei Schwiegermama. Die Topfpflanze, die wir ihr überreichen, wird in einer Ecke platziert, wo man sie möglichst nicht sehen kann. „Meiner“ versucht, die Pains au Chocolat in Schwiegermamas winzigem Gefrierfach unterzubringen. 

13:00: Antipasti und Cola.

13:30: Lasagne mit Fleisch, mit Fleisch und Ei, ohne Fleisch und Ei, dazu nervöse Eltern, die versuchen, den Nachwuchs zum Essen zu motivieren, bevor Schwiegermama sich um die Gesundheit der lieben Kleinen sorgt. 

13:55: Prinzchen und Zoowärter haben noch immer nichts gegessen, was wir Eltern um des lieben Friedens Willen für einmal durchgehen liessen, was aber Karlsson nicht toleriert, da er sich noch sehr genau daran erinnert, wie er jeweils vor einem von Schwiegermama überfüllten Teller sass, nicht essen mochte, aber essen musste, weil sich Schwiegermama sonst um seine Gesundheit gesorgt hätte. 

14:10: Schwiegermama räumt die Teller weg, weil sie nicht mitbekommen hat, dass Karlsson seinen Brüdern befohlen hat, noch drei oder vier Bissen zu essen. Das Prinzchen zeigt keine Reaktion, aber der Zoowärter begeht den grossen Fehler, breit zu grinsen, was Karlsson auf den Plan ruft, der dafür sorgt, dass sein Bruder die drei oder vier befohlenen Bissen doch noch runterwürgt. Gerechtigkeit muss sein, wenigstens bei dem einen, der nicht schnell genug war, um vom Esstisch zu verschwinden. 

14:20: FeuerwehrRitterRömerPirat, Zoowärter und Prinzchen gehen auf den Spielplatz.

14:30: Schwiegermama findet, der FeuerwehrRitterRömerPirat, der Zoowärter und das Prinzchen seien zu laut auf dem Spielplatz, man müsse doch auf die Nachbarn Rücksicht nehmen, immerhin sei heute Weihnachten. 

14:35: Wir verdonnern die Kinder dazu, sich vor die Glotze zu setzen. 

14:40: Schwiegermama drückt Karlsson hundert Franken in die Hand. Er soll mit seinen Geschwistern teilen, zwanzig Franken für jeden. Karlsson dankt artig und grinst mich triumphierend an. Ich bin aber nicht bereit, mein Versprechen aus dem Zug einzulösen, solange „Meiner“ seine „Ferrero Rocher“ nicht bekommen hat und ich keinen Panettone. 

15:05: Schwiegermama holt ein stinkbilliges Tablet hervor, das ihr die italienische Verwandtschaft geschenkt hat. Offenbar sind sie davon ausgegangen, dass sie nur ein Gerät braucht, um den Anschluss ans Internetzeitalter zu schaffen. Irgendwie würde sie dann schon herausfinden, wie das geht.

15:07: Während im Hintergrund Disney Channel dröhnt, versucht Schwiegermama mir zu erklären, dass sie eigentlich gar nicht so recht weiss, was sie mit diesem Tablet anfangen soll. Bis jetzt habe sie erst begriffen, dass sie auf gar keinen Fall auf google – sie spricht das so aus, wie man es schreibt – gehen dürfe, weil sonst sämtliche Daten gelöscht würden. Das habe ihr ein Bekannter gesagt. Ich versuche, ihr zu erklären, dass das nicht stimmt.

15:10: Schwiegermama brüllt mir jetzt zu, der Bekannte habe ihr gesagt, das Bild mit dem Strand sei das Internet, aber das könne doch nicht sein, denn dieses Bild erscheine ja immer, wenn sie das Gerät einschalte. Ich brülle zurück, da habe sie natürlich recht, das Bild vom Strand sei nicht das Internet sondern das Hintergrundbild und dann brülle ich dem FeuerwehrRitterRömerPiraten zu, er solle gefälligst den Ton beim Fernseher leiser schalten, wir am Tisch könnten unser eigenes Gebrüll nicht mehr verstehen. 

15:15: Ich stehe vor einer schwierigen Entscheidung. Soll ich den Rest des Nachmittags damit verbringen, Schwiegermama in die Welt von google, Twitter, Facebook und Youtube einzuführen oder soll ich den Teufel an die Wand malen, um ihr ganz furchtbar viel Angst vor diesem neumodischen Zeugs einzujagen, damit ich mir die ganze Mühe sparen kann? So oder so werde ich ganz furchtbar viele Worte brauchen, um Schwiegermama etwas verständlich zu machen, was sie eigentlich nur glaubt, verstehen zu müssen, weil man ihr dieses doofe Tablet in die Hände gedrückt hat. Der FeuerwehrRitterRömerPirat brüllt, wir sollten gefälligst leiser brüllen, er könne nicht mehr verstehen, was am Fernseher gesagt wird. 

16:00: Mein Mund ist jetzt so fusselig geredet, dass „Meiner“ übernehmen muss. „Wenn du Internet willst, richten wir dir ein anständiges Tablet mit dem Allernötigsten ein, wenn du kein Internet willst, nehmen wir die SIM-Karte aus dem Gerät und versorgen das Ding.“ Schwiegermama will kein Internet. Gott sei Dank. 

16:05: Werbepause. Die Fernsehenden stopfen sich mit Schwarzwäldertorte voll. Wir nutzen die Gelegenheit, um sie in einer angemessenen Lautstärke darauf aufmerksam zu machen, dass sie bitte etwas leiser fernsehen sollen, weil wir uns sonst nicht unterhalten können. 

16:30: Werbepause. Die Fernsehenden stopfen sich mit Panettone voll. Sie nutzen die Gelegenheit, um uns in einer angemessenen Lautstärke darauf aufmerksam zu machen, dass wir bitte etwas leiser reden sollen, weil sie sonst nicht richtig fernsehen können. 

16:35: Schwiegermama holt eine Packung „Ferrero Rocher“ (diesmal gemischt mit andern Klassikern aus dem Hause Ferrero) und zwei Panettoni aus dem Schrank. Für uns, zum Mitnehmen. Na, dann werde ich eben tun müssen, was die Kinder von mir erwarten, wo Schwiegermama doch auch getan hat, was ich von ihr erwartet habe. 

16:55: Werbepause. Die Fernsehenden stopfen sich mit Guetzli, Nüssen und Rosinen voll. Wir nutzen die Gelegenheit, um ihnen zu sagen, dass der Zug bald fährt, weshalb sie nur noch eine Folge fertig schauen dürfen und das bitte etwas leiser, damit wir uns in angemessener Lautstärke von Schwiegermama verabschieden können. 

17:05: Schwiegermama versucht, das Prinzchen zum Abschied zu küssen.

17:10: Auf dem Weg zum Bahnhof. Prinzchen erklärt: „Wenn Grossmama rauchfrei wäre, hätte sie mich schon küssen dürfen, aber so doch nicht!“

17:20: Wir sitzen im Zug, „Meinem“ fallen die Augen zu, Luises Kopf fällt schwer auf meine Schulter, irgendwann kann auch ich die Augen nicht mehr offen halten. Im Halbschlaf höre ich, wie Karlsson motzt, wir seien eine verpennte Bande. 

17:45: Ich schrecke hoch, weil „Meiner“ mich ins Bein beisst. Himmel, kann der mich nicht auf eine zivilisierte Weise darauf aufmerksam machen, dass wir demnächst ankommen und ich gefälligst aufwachen soll?

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Wunschlos

Dass Karlsson ein ziemlich glücklicher Mensch ist, wusste ich schon, aber wie wunschlos dieses Glück sein kann, wurde mir in den vergangenen Tagen bewusst. „Was wünschst du dir denn zu Weihnachten?“, fragte ich eins ums andere Mal und immer lautete die Antwort: „Ich weiss nicht so recht….“ Nicht frustriert oder traurig klang das, sondern eher so nach „Eigentlich hätte ich ja schon gerne ein Geschenk, aber ich weiss beim besten Willen nicht, was mir in meinem Leben fehlen sollte.“

Tja, was macht man da? Einfach nichts schenken? Geht nicht, denn erstens mag Karlsson Geschenke und zweitens wäre es ziemlich mies, wenn er dabei zusehen müsste, wie alle anderen ihre Päckchen auspacken. Ein Gutschein oder ein Geldgeschenk? Viel zu einfallslos für einen Menschen, den wir von Herzen lieben. Ein Erlebnis schenken? Wäre eigentlich ja schön, aber das gab’s schon zum Geburtstag. Durch die Stadt hetzen und ein blödes Verlegenheitsgeschenk auftreiben? Kommt nicht in Frage, dafür ist mir die Zeit zu schade und einfach schenken, damit etwas geschenkt ist, finde ich ziemlich doof. 

Fast hätten wir Karlsson doch ein Geldgeschenk unter den Tannenbaum gelegt, als mir plötzlich das perfekte Karlsson-Geschenk in den Sinn kam. (Na ja, morgen wird sich dann zeigen, ob es wirklich perfekt ist, aber die Leute, die ihn gut kennen, finden die Idee ganz gut.Was es ist, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, da Karlsson gelegentlich bei mir mitliest.)

Inzwischen bin ich ganz froh, dass unser Ältester nicht wusste, was er haben möchte. Wie sonst hätte ich wieder mal die Erfahrung gemacht, wie schön es ist, für einen geliebten Menschen etwas Passendes auszusuchen, anstatt in den Laden zu marschieren und zu sagen: „Ich brauche die Lego-Packung Nummer 3435436767678, dann noch die Nummer 5768679876976865756 und falls sie noch nicht ausverkauft ist, auch noch die Nummer 23423443545657578.“ 

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