Der Herrgott und das Feuerwerk

Da gibt also heute in meiner Tageszeitung ein Leser oder eine Leserin den folgenden Gedanken weiter: Wir Schweizer sollten doch einfach mal dankbarer sein. Gerade noch rechtzeitig sei der Regen gekommen, so dass wir morgen unseren schönen Nationalfeiertag wie gewohnt feiern dürften. Der oder die Schreibende geht nicht näher darauf ein, wem wir dankbar sein sollen, aber ich nehme mal an, es war der Herrgott gemeint.

Eine unbedachte Äusserung von einem Menschen, der nicht besonders weit denkt, ich weiss. Und doch eine hierzulande weit verbreitete Sicht der Dinge: Umweltkatastrophen? Flüchtlingstragödien? Europäische Identitätskrise? Religiös verbrämter Terror? Aufkeimender Fremdenhass, hier und anderswo? Seuchen? Diktaturen? Krieg? – Was geht uns das alles an? Ist ja nicht unsere Welt, die da draussen. Und überhaupt: Wenn der Herrgott noch Zeit hat, seinen lieben Schweizern rechtzeitig Regen fürs Feuerwerk zu schicken, kann es so schlimm ja nicht sein.

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Zwei Paar Schuhe

Im Zusammenhang mit den schrecklichen Ereignissen der vergangenen Tage wurde eine Sache so heftig wie schon lange nicht mehr kritisiert: Die Religion. Zu recht, wie ich finde, bekommen wir doch fast tagtäglich vor Augen geführt, wozu Menschen fähig sind, die im starren Korsett der Rechtgläubigkeit gefangen sind. Störend finde ich, dass viele, die sich zum Thema äussern, keinen expliziten Unterschied machen zwischen Religion und Glauben. „Ist doch alles das Gleiche“, mag jetzt vielleicht der eine oder andere einwenden, aber das ist es eben nicht. 

Wer glaubt, setzt sich mit den Inhalten seines Glaubens auseinander, um Wege zu finden, das zu leben, was er für richtig hält. (Also mit so herausfordernden Dingen wie „Liebt eure Feinde und tut Gutes denen die euch hassen“ und was die verschiedenen Glaubensrichtungen sonst noch so zu bieten haben.) Scheitern und Zweifel gehören ebenso dazu wie die Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass der Glaube zuweilen an dem, was das Leben bietet, zu zerschellen droht. Um die demütige Erkenntnis, nie vollends erfassen zu können, worum es geht, kommt wohl kein Glaubender herum und so muss es auch sein, denn so bleibt er davor bewahrt, in eine starre Religiosität zu verfallen, die anderen vorschreibt, wie sie zu leben haben. 

Glauben – das fällt mir in diesen Tagen, wo wir alle uns um unsere Freiheit sorgen, besonders auf – tun wir alle irgendwie. Vielleicht ist es kein religiös geprägter Glaube, sondern der Glaube an das, was die Aufklärung bewirkt hat, oder der Glaube an die Menschenrechte, oder der Glaube an die Freiheit – eine tiefe Überzeugung eben, die wir als richtungsweisend für unser Leben ansehen und die uns dazu antreibt, an dem festzuhalten, was man uns zu rauben droht. 

Darum wünschte ich mir, Kommentatoren, die in diesen Tagen die Religionen kritisieren, würden Religiöse und Glaubende nicht einfach in den gleichen Topf werfen. 

Buon anno buono?

Gelesen und gedacht

Gestern auf Facebook gelesen:

In Einem Jahr Gehe ich zu Supertalent !! ♡

Eltern haben mir Erlaubnis gegeben 

Dabei gedacht:

Ich wünschte mir, die Eltern hätten diesem Kind zuerst mal die Erlaubnis erteilt, sich mit den Grundregeln der Rechtschreibung vertraut zu machen.

Gestern im Lokalteil der Tageszeitung gelesen:

Der unzähligste Artikel über die SVP Wohlen, die sich dafür stark macht, dass in der Abdankungshalle ein Kreuz steht.

Dabei gedacht:

Wann verstehen die endlich, dass im Christentum nicht die Zahl der Symbole zählt, sondern das Leben eines in Sachen Nächstenliebe ziemlich radikalen Lebenswegs? Viele Christen werden dennoch laut applaudieren und sagen: „Die SVP sorgt eben noch dafür, dass christliche Werte in unserer Gesellschaft hoch geachtet werden.“

Gestern und heute in diversen Print- und Onlinemedien gelesen:

Das unsägliche Steueroptimierungsgeschwätz von Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Dabei gedacht:

Jetzt weiss ich endlich, was ich falsch gemacht habe. Ich hätte keine Familie gründen sollen, sondern ein Unternehmen. Dann müsste ich mir nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, warum uns gleich viel abgeknöpft wird wie anderen, die am Ende des Monats deutlich mehr auf dem Konto haben als wir.

Und dann weitergedacht:

Manchmal habe ich es so satt, in einem Land zu leben, in dem Geld alles, Gemeinsinn jedoch fast nichts bedeutet. Ob man uns in Utopia Asyl gewähren würde? Atlantis ginge zur Not auch, aber dann müsste ich erst einmal tauchen lernen.

Heute gelesen in der Tageszeitung:

Ein Interview mit einer Unternehmensberaterin, die Bundesrätin Doris Leuthard als leuchtendes Beispiel für eine gelungene Karriere einer Frau, die weiblich geblieben ist, darstellt.

Dabei gedacht:

Wo Doris Leuthard heute wohl stünde, wenn sich ihr Kinderwunsch erfüllt hätte? Karrieremässig vermutlich nicht dort, wo sie heute steht, sowas lässt das hiesige System kaum zu. Persönlich aber bestimmt sehr bereichert. (Die weniger bereichernden Aspekte des Elterndaseins: Siehe oben.)

Auch noch in der Tageszeitung gelesen:

„Nicht zum ersten Mal nimmt der Berner Polizeidirektor Hans-Jürg-Käser (FDP) das Wort Neger in den Mund. ‚Europa ist das Paradies, die Schweiz das Schlaraffenland. Das wissen nicht nur wir, sondern auch die Negerbubli’…“

Dabei gedacht:

Nichts. So etwas Geschmackloses verschlägt mir nicht bloss die Sprache, sondern auch das Denken.

Und gestern Abend noch gesehen:

Nach gefühlten 150 Jahren wieder mal „When Harry met Sally“.

Dabei gedacht:

Himmel, hab‘ ich Meg Ryans Zottelmähne, ihren dämlichen Hut und die unsägliche Hose wirklich mal für das Mass aller modischen Dinge gehalten?

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Schutzengel

„Sicherheit am, im und auf dem Wasser“, so lautet der Arbeitstitel einer kleinen Artikelserie für swissmom, an welcher ich derzeit gerade arbeite und weil ich nicht irgend etwas schreiben will, verbrachte ich den Grossteil des heutigen Nachmittags mit Recherchen zum Thema. Ich las quer durch eine Studie, schaute mir die Videos von Präventionskampagnen an, sammelte Fakten und studierte Grafiken. Weil ich den Lesern aber nicht bloss frei interpretierbare Satzbausteine liefern will, versetzte ich mich auch zurück in die Zeit, als unsere heute schon ziemlich Grossen noch ganz klein waren und ich mindestens fünf Paar Augen, zehn Hände, acht Füsse und vor allem Superkräfte gebraucht hätte, um alle so zu überwachen, wie es die Sicherheitsexperten zu Recht fordern. Ich versuchte, mir die grössten Herausforderungen von damals in Erinnerung zu rufen, damit ich nicht einfach schreibe, was man überall lesen kann, sondern auch auf die Hürden hinweise, die es einem im Mütter- und Väteralltag erschweren, so zu handeln, wie es eigentlich richtig wäre. Und plötzlich waren sie wieder da, die Erinnerungen an jene Situationen, in denen dir der Atem stockt und du nur noch handeln, nicht mehr denken kannst. 

Der Augenblick zum Beispiel, als der Zoowärter plötzlich mit dem Gesicht nach unten im Pool von Freunden trieb. Wir waren vier Erwachsene, die mit Blick auf die Kinder am Rand des Pools sassen, jeder von uns allzeit bereit, hochzuspringen. Und doch hatte es der damals noch ziemlich Kleine fertig gebracht, von uns allen unbemerkt in den Pool zu fallen. 

Oder der heisse Nachmittag in der Toscana, an dem sich die noch sehr kleine Luise entgegen aller elterlichen Ermahnungen trotzig der Schwimmflügel entledigte und auf der Treppe des Schwimmbeckens diesen einen Schritt zu viel machte. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis „Meiner“ bei ihr war, obschon nur ein paar Schritte zwischen ihm und ihr lagen. 

Nicht nur ans Wasser erinnerte ich mich, auch der Abend, an dem wir aus unerfindlichen Gründen vergessen hatten, das Fenster im Wohnzimmer zu schliessen, ehe wir uns zum Abendessen an den Tisch setzten. Noch nie zuvor hatten wir es vergessen und ausgerechnet an diesem Abend kletterte Luise, damals knapp 18 Monate alt, aus dem Hochstuhl und ging aus dem Zimmer. Plötzlich wurde „Meiner“ unruhig, begab sich ins Nebenzimmer, gerade noch rechtzeitig, um Luise daran zu hindern, auch noch mit dem zweiten Bein über das Fensterbrett zu steigen. 

Vom Nachdenken über dieses Erlebnis war es nicht mehr weit bis zur Erinnerung, die mich heute noch erblassen lässt. Wir verbrachten eine Woche mit einer Schulklasse von „Meinem“ in einem Gruppenferienhaus. Gegenüber gab es irgend einen Betrieb, zu dem mehrmals am Tag Lastwagen gefahren kamen. Ich war mit Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, der damals noch auf allen Vieren unterwegs war, in der Küche und wähnte uns alle in Sicherheit, denn ich glaubte, ich hätte wie immer die schwere Eingangstüre abgeschlossen, damit die zwei Racker nicht entwischen konnten. Irgendwann verliessen die beiden die Küche, um im Aufenthaltsraum zu spielen. Dann wurde es auf einmal verdächtig still, ein klares Zeichen, dass etwas nicht mehr stimmte. Im Haus waren sie nicht mehr zu finden, dafür stand die vermeintlich geschlossene Eingangstüre einen Spalt breit offen. Panisch rannte ich nach draussen, wo ich die zwei Ausreisser fand, einen knappen halben Meter neben ihnen ein Lastwagen, der am Wenden war. Fragt mich nicht, woher er kam, aber plötzlich war da ein Mann, der die beiden Kinder zu mir brachte. Kein Wort sagte er, er sah mich nur sehr eindringlich an, dann verschwand er wieder und liess mich mit weichen Knien und zwei erstaunten Kindern zurück. 

Noch heute bleibt mir beinahe das Herz stehen, wenn ich daran denke, wie diese Geschichten hätten enden können. Wenn ich jetzt darüber schreibe, was wir Eltern zur Sicherheit unserer Kinder alles beachten müssen, wird mir bewusst, dass all die Vorsichtsmassnahmen zwar wichtig sind, aber bei Weitem nicht reichen. Ohne Schutzengel – oder wie immer man das auch nennen mag – haben wir keine Chance, unsere Kinder zu beschützen. 

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Weihnachtsüberraschung

Versteht mich bitte in den folgenden Zeilen nicht falsch. Ich zähle mich nicht zu den Christen, die jedes Mal wutschnaubend im Kindergarten antraben, wenn von Hexen oder Feen die Rede ist. Ich beschwöre auch nicht gleich die Apokalypse herauf, wenn die Kinder ein „Zaubersprüchlein“ lernen. Schon gar nicht erwarte ich, dass der Kindergarten- und Schulunterricht konfessionell ausgerichtet sind. Wünschte ich dies, dann hätte ich unsere Kinder schon längst an einer christlichen Schule angemeldet, was mir persönlich aber zu einseitig wäre. Womit ich natürlich wiederum niemanden kritisieren möchte, der für seine eigenen Kinder anders entscheidet… Ich sehe schon, ich bewege mich auf dünnem Eis, obschon ich gar nichts Provokatives schreiben will. Vielleicht sollte ich einfach mit meiner Erklärung aufhören und erzählen, was mich heute so überrascht hat.

Da kommt das Prinzchen vom Kindergarten nach Hause – seit einigen Tagen schafft er das jetzt alleine – und präsentiert mir seine Weihnachtsbasteleien. Ein kleines Geschenkpaket, das „Meiner“ und ich natürlich erst am Heiligen Abend auspacken dürfen, einen Schutzengel mit Kerze im Heiligenschein und ein längliches Etwas, das in einer Art Schüssel liegt, die mit blauer Wolle ausgepolstert ist. Was das sei, fragte ich. „Das ist Jesus in seinem Bett“, erklärte das Prinzchen. „Jesus in seinem Bett?“, fragte ich ungläubig, aber nicht etwa, weil das Prinzchen so schlecht gebastelt hätte, dass man das längliche Etwas nicht mit ein wenig Fantasie als Baby hätte erkennen können. „Ja, das ist wirklich Jesus in seinem Bett und daneben ist ein Schutzengel“, beharrte unser Jüngster.

Ich war vollkommen baff. Zum ersten Mal in den acht Jahren, in denen wir nun kindergarten- und schulpflichtige Kinder haben, brachte eines unserer Kinder ein Kind in der Krippe nach Hause. Schutzengel haben wir schon haufenweise, Samichläuse und Sterne ebenfalls, ein paar Rentiere befinden sich auch in unserer Sammlung und wenn ich mich nicht irre, gab’s auch schon irgendwelche Wichtel. Alles mit viel Liebe gebastelt und es käme mir nicht im Traum in den Sinn, die Sujetwahl der Lehrerinnen zu kritisieren, obschon mir das rotnasige Rentier offen gestanden ziemlich auf die Nerven fällt mit seinem ewigen Geblinke. Dass heute, nach all den Jahren zum ersten Mal ein Jesuskind dabei war, stimmt mich aber doch irgendwie nachdenklich. Zu Weihnachten überhaupt nicht über die Weihnachtsgeschichte zu reden ist doch irgendwie ähnlich extrem, wie sie jedem ungefragt um die Ohren zu hauen. 

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Welche Weltanschauung darf’s denn heute sein?

Schlenderst du an einem sonnigen Samstagnachmittag durch die Innenstadt, wird dir spätestens nach fünf Minuten eine Weltanschauung angeboten. Mal sind es die Scientologen, die dich dazu bewegen wollen, dein Lebensglück bei ihnen zu kaufen, mal sind es Zeugen Jehovas, die dir den „Wachtturm“ schenken möchten, dann wieder sind es Politiker jeder Couleur, die dir sagen wollen, was du bei der nächsten Abstimmung auf den Zettel schreiben sollst. Heute warben wenige Schritte voneinander entfernt Moslems für mehr Interesse am Islam und konservative Christen für mehr Interesse am Christentum. Es war ganz unterhaltsam, zu beobachten, wie verschleierte Frauen und Frauen in langen Röcken einander gegenseitig zu bekehren versuchten. Wenn ich mich nicht irre, waren sie gerade dabei, Traktate auszutauschen, als das Prinzchen und ich an ihnen vorbeigingen.

Währenddem wir in Richtung Bushaltestelle gingen, sinnierte ich darüber nach, ob die beiden Frauengruppen sich nicht ähnlicher sind, als ihnen lieb sein kann und ob ich als aktive Kirchgängerin überhaupt so etwas denken darf über andere Christinnen. Vor lauter Nachdenken merkte ich nicht, dass ich einem Unterschriftensammler direkt in die Arme lief. Er sei gegen die Sexualerziehung an den Schulen, erklärte er mir, als ich ihn fragte, worum es denn gehe. Es könne doch nicht sein, dass der Staat überall seine Finger drin habe und das würde ja auch Millionen kosten und… Ich unterbrach seinen Redeschwall und erklärte ihm, dass in meiner idealen Welt, von der ich jeweils träume, die Eltern für eine sorgfältige und kindergerechte Sexualerziehung zuständig seien und dass „Meiner“ und ich diese Verantwortung auch wahrnehmen, dass es aber in der realen Welt, in der ich lebe, leider auch Fünfjährige gebe, deren Sexualerziehung darin bestehe, dass ihnen der grosse Bruder einen Porno zeige. Das sei aber gar nicht gut, fand der Mann, aber der böse Staat und die bösen Lehrer und die verdorbene Welt…

Wieder sah ich mich dazu gezwungen, den Redeschwall zu unterbrechen. Es sei doch keine Lösung, nur zu schimpfen, man müsse doch Wege finden, wie Kinder, deren Eltern sich nicht um die Sexualerziehung kümmern, auf eine angemessene Art aufgeklärt werden. Es wäre ja schön, wir hätten lauter intakte, glückliche Familien in der Schweiz, doch leider sei ich schon zu vielen Eltern begegnet, die nichts auf die Reihe kriegen. „Na, dann sollen diese Leute eben keine Kinder bekommen“, schnauzte mich der Unterschriftensammler an und wandte sich einem neuen – hoffentlich weniger widerspenstigen – Opfer zu.

Gerne hätte ich den Mann darauf hingewiesen, dass eine anständige Sexualerziehung vielleicht im einen oder anderen Fall verhindert hätte, dass junge Menschen Eltern werden, ehe sie reif dazu sind. Stattdessen nahm ich das Prinzchen an der Hand und ging. Auf dem Weg zur Bushaltestelle machte ich einen weiten Bogen um alle, die mit Klemmbrettern und Handzetteln herumstanden.

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Kreuzritter

Das Prinzchen entdeckt derzeit alles gleichzeitig: Die alten Ägypter, die Kunst, seine kämpferische Seite, die Ritter und den christlichen Glauben. Wobei das mit dem Glauben bedenkliche Ausmasse annimmt – und das sage ich, die ich nun wirklich nicht den Atheisten zuzurechnen bin.

Es ist nämlich so: Das Prinzchen hat die Kiste entdeckt, die der Pastor ihm zur Einsegnung geschenkt hat. Darin hat’s eine Kinderbibel, einen Gebetswürfel, ein Holzkreuz mit einem Segensspruch und eine Taufkerze, die er anzünden kann, sollte er sich dereinst dazu entschliessen, sich taufen zu lassen. Den Inhalt dieser Kiste schleppt er nun schon seit Tagen mit sich herum. 

Die Kinderbibel zum Beispiel packt er an dem hübschen, goldenen Bändchen, mit der sie sich verschliessen lässt, schwingt sie durch die Lüfte, knallt sie seinen Mitmenschen um die Ohren und wird damit im wahrsten Sinne des Wortes zum Bible-Beater. Dazwischen will er natürlich auch Geschichten hören, aber wehe dem, der ihm zu erklären versucht, dass es nicht möglich ist, die ganze Bibel an einem Abend zu erzählen. Dann entflammt nämlich Prinzchens heiliger Zorn und glaubt mir, das ist nicht lustig. 

Am bedenklichsten aber ist Prinzchens Umgang mit dem Holzkreuz. „Schau mal Mama“, sagte er zu mir und sah mich drohend an, „dieses Kreuz kann man auch als Schwert brauchen. Ich bin jetzt ein Ritter und kämpfe mit diesem Kreuz gegen die Bösen!“

Ich hoffe, diese aggressive Art der Religionsausübung wächst sich bald aus. Wenn mich dereinst mal einer fragt, was aus dem Prinzchen geworden ist, will ich nämlich nicht verschämt antworten müssen: „Ääääähmmm, er ist jetzt ein Kreuzritter, aber keine Angst, er ist nicht hier, er verteidigt gerade das Heilige Land gegen die Heiden.“

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