Was ich mir für 2017 wünschen würde

  • Dass Frieden wieder als ein absolut erstrebenswerter Zustand betrachtet wird und nicht als ein vollkommen veraltetes Konzept für Memmen, die es nicht wagen, anderen aufs Dach zu geben.
  • Dass Kinder ihre unheimliche Fähigkeit verlieren, jede Ersatzpackung Zahnbürsten sofort aufzuspüren und aufzureissen. (Selbstverständlich gilt dieser Wunsch für jede beliebige Art von Ersatzpackungen, die man irgendwo versteckt, in der Hoffnung, Ersatz zur Hand zu haben, wenn es mal dringend nötig wäre.)
  • Dass es wieder möglich wird, unterschiedliche Meinungen zu vertreten, hitzig zu diskutieren und einander trotzdem zu mögen.
  • Dass Pokémonologie zum Pflichtfach an jeder Schule erklärt wird, weil nur so eine gewisse Möglichkeit besteht, dass die Knöpfe endlich ihr Interesse an den Viechern verlieren.
  • Weniger Religiosität und mehr echten Glauben.
  • Dass das Denken über die eigene Nasenspitze hinaus wieder richtig in Mode kommt.
  • Die Abschaffung von Überraschungseiern, als Kokosnüsse getarnten Aludosen, Wochendendtrips nach New York, in Plastik geschweissten Gurken und anderem Blödsinn.
  • Eine Extraportion Nächstenliebe für jeden Menschen auf diesem Planeten.
  • Regen
  • Gemeinsame Mahlzeiten, bei denen nicht einer motzt.
  • Dass soziale Medien nicht immer asozialer werden. (Also, ich meine jetzt nicht, weil alle nur noch auf ihre Displays starren…)
  • Dass alle Kinder lernen, Blumenkohl zu lieben (Für den Anfang reichen auch zwei oder drei. Hauptsache, der Zoowärter muss sich nicht immer so unverstanden fühlen, wenn er von seiner Leibspeise schwärmt.)
  • Dass der Wahnsinn, der in letzter Zeit so furchtbar modern ist, ein Ende findet, bevor wir glauben, er sei ganz und gar normal.
  • Dass unsere Kinder zu Menschen heranwachsen, die mitdenken und mitgestalten, anstatt einfach nur mitzulaufen.
  • Mindestens einen Abstimmungssonntag, an dem ich nicht Trübsal blasen muss.
  • Friede, Freude, Eierkuchen – aber echt jetzt!

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 Fast schon Etikettenschwindel

Wer – wie ich – regelmässig auf Pinterest nach vegetarischen Rezepten und Tipps für den Biogarten sucht, wird früher oder später mit Clean-Eating-Pins regelrecht überschwemmt. Irgendwie scheint der Algorithmus zu glauben, wer fleischlos und mehr oder weniger naturnah unterwegs ist, sei damit automatisch am aktuellen Ernährungshype – an dem in Tat und Wahrheit nur der Name neu ist – interessiert. Um den Algorithmus nicht zu beleidigen, habe ich mir einen dieser Pins etwas näher angeschaut. Das Thema war „Clean Baking“und die Frage lautete, wie man all die bösen, raffinierten Backzutaten durch „saubere“ Alternativen ersetzt.

Anstelle von dreckigem Weissmehl solle man Mandelmehl verwenden, hiess es da zum Beispiel. Böse Butter müsse durch Kokosöl, Mandelmus oder Erdnussbutter ersetzt werden, fieser Zucker durch Ahornsirup, Datteln oder zerdrückte Bananen. Das Ei vom Bauernhof soll durch Chiasamen und Wasser ausgetauscht werden. Natürlich stehen auf der Liste auch ein paar einheimische Zutaten, aber ein Grossteil der aufgeführten Alternativen wird ziemlich weit hergeholt und wächst ganz bestimmt nicht in den urbanen Gärten der sauberen Esser.

Gesünder und vollwertiger als der ganze raffinierte Mist, den wir in uns hinein schaufeln, ist das ganz bestimmt. Aber „sauber“? Nicht dass ich grundsätzlich etwas gegen Kokosöl, Mandelmehl, Bananen, Chiasamen und der gleichen hätte, und gegen bewusste Ernährung habe ich erst recht nichts einzuwenden. Aber spätestens wenn man sich mal ein paar Gedanken darüber macht, auf welchem Wege diese Dinge in unsere Küchen gelangen, müsste einem dämmern, dass die ganze „Sauberkeit“ schnell einmal durch ziemlich dreckige Luft, Wassermangel und andere Umweltsünden zunichte gemacht wird.

Aber wer will denn schon darüber nachdenken? Wo es doch so erbauend ist, sich selber bei jeder Mahlzeit sagen zu dürfen, was für ein guter Mensch man ist, weil man sich so ganz und gar rein ernährt.

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Liebe Migros

Schön, dann sammeln wir also mal wieder. Wie könnten wir auch darauf verzichten, wo doch die winzigen Igelchen und Maulwürfchen so unglaublich herzig sind? Ist ja auch ganz toll, dass sich die Kinder eine Zeit lang mit der Frage befassen, woher das Essen auf unserem Tisch kommt. Bei der Sache mit dem Saatgut, das in jedem zweiten Sammelbeutel steckt, hätten eure Marketing-Gurus jedoch noch etwas schärfer nachdenken sollen. Warum? Darum:

Die Saatgut-Nummer hat euer schärfster Konkurrent bereits im Frühling durchgezogen und jetzt sieht es irgendwie danach aus, als hättet ihr von denen die Restposten übernommen. Nicht gerade originell, finde ich.

Bei der Konkurrenz gab es das Zeug im Töpfchen, bei euch aber muss man sich schon selber zu helfen wissen, denn ihr liefert bloss Samen und Erde. Okay, die anderen haben damals die Sache auch nicht ganz zu Ende gedacht, denn bei denen bildete sich mit der Zeit Staunässe, was vermutlich bei den meisten angesäten Pflänzchen zu einem verfrühten Absterben führte. Aber vielleicht hättet ihr ja aus den Fehlern eurer Konkurrenz lernen und anständige Töpfchen mitliefern können. 

Ihr gebt euch mit eurer Aktion ja so furchtbar naturnah, aber dass sich die Gartensaison hierzulande gerade ihrem Ende zuneigt, scheint ihr nicht zu wissen. Wie stellt ihr euch das vor?

  • Sollen wir die Stockrosen, die Cherry-Tomaten, die Peperoni und die Wiesenblumen jetzt aussäen und dann den ganzen Winter hindurch hätscheln, bis sie im Frühling ins Freie dürfen?
  • Oder war das so gedacht, dass wir das Saatgut aufbewahren, bis es Zeit wird, die neue Gartensaison vorzubereiten? Falls ja, wie sollen wir unseren Kindern, die ja bekanntlich immer sofort ein Resultat sehen wollen, schonend beibringen, dass sie jetzt nur noch warten müssen, bis Räbeliechtliumzug, Samichlaus, Weihnachten und Ostern  vorbei sind, ehe sie mit Säen und Giessen anfangen dürfen? Und glaubt ihr wirklich, wir wüssten dann im Frühling noch, an welchem Ort wir das Zeug gelagert haben? Vermutlich werden wir nicht mal mehr wissen, dass da irgendwo noch Saatgut herumliegt, wo doch dann bestimmt schon wieder die nächste Sammelaktion läuft, die unsere volle Aufmerksamkeit fordert.

Davon, dass wohl mehr als die Hälfte eurer Kundschaft gar nicht den Platz hat für Stockrosen und Wildblumen, wollen wir gar nicht erst anfangen. Es geht bei der Aktion ja leider nicht wirklich darum, Betonwüsten in blühende Wiesen zu verwandeln.

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Schmetterlingsgarten

Vieles wird mir fehlen, wenn wir nächste Woche wieder zu Hause sind.

Die hellen Abende…

die Weite der Landschaft und des Himmels…

das Rauschen des Windes in den Bäumen…

die entspannte Stimmung, die in den Sommermonaten selbst in den grossen Städten herrscht…

die farbenfrohen Häuser…

überhaupt all das Bunte, das man hier so viel häufiger sieht als bei uns…

die Malven, die sogar in den Gassen des Städtchens üppig blühen…

die wunderschöne Sprache…

das ganze Zimt-, Kardamom- und Beerenzeugs…

die freie Zeit…

am allermeisten aber die Schmetterlinge, die den ganzen Tag um unser Häuschen flattern. Kleine Füchse, Grosse Füchse, Tagpfauenaugen, Schiller-, Distel- und Zitronenfalter, Admirale, vielleicht sogar ein Roter Apollo, aber vermutlich habe ich mir das in meiner Verzückung nur eingebildet und es war ein ganz gewöhnlicher Kohlweissling. Ich wünschte, ich könnte sie mitnehmen und bei uns im Garten ansiedeln, aber alles, was mir von diesem traumhaften Schmetterlingsgarten bleiben wird, sind schöne Erinnerungen und ein mausetoter, aber immerhin beinahe unversehrter Admiral.

Kann man es mir da verübeln, dass ich umgehend eine grosse Bestellung beim Gartenversand meines Vertrauens aufgegeben habe, damit ich nach unserer Heimkehr die gleichen Stauden und Sträucher pflanzen kann, die hier bei den Sommervögeln so heiss begehrt sind? 

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Spaziergang mit Prinzchen

Traumhafte Umgebung, strahlender Sonnenschein, unzählige bunte Blumen und Schmetterlinge; an meiner Seite ein Prinzchen mit dem Kopf voller Fragen:

„Was machen Schmetterlinge eigentlich auf Blumen?“

„Es gibt doch einen Stein, der sieht aus wie Schiefer aber ist kein Schiefer. Wie heisst der nochmal?“

„Warum verkaufen Menschen Waffen?“

„Welche Wissenschaft ist am wichtigsten?“

„Wie lange würde es dauern, wenn man zur Sonne fliegen möchte?“

„Warum sind Erwachsene klüger als Kinder?“ 

„Warum denkst du, dass Erwachsene nicht unbedingt klüger sind als Kinder?“

„Wie kam es zum Zweiten Weltkrieg?“

„Warum sagt Gott den Menschen nicht, dass sie nicht so böse sein dürfen?“

„Weisst du, warum das Rohr, das dort draussen im Wasser steht, hohl ist?“

„Gibt es auch blaue Schmetterlinge?“

„Warum gibt es Krieg?“

„Gibt es wirklich einen Vogel, der seine Farbe wechseln kann und wenn er keine bestimmte Farbe hat, sind seine Flügel durchsichtig?“

„Warum hat es so viel Schilf im Wasser?“

„Wie hiess der letzte Kaiser von Deutschland?“

„Wie heissen die Menschen, die in diesem hellgrünen Haus wohnen?“

„Warum weisst du nicht, wie die Menschen heissen, die im hellgrünen Haus wohnen?“

Ich habe mich ehrlich bemüht, alle Fragen ausführlich zu beantworten, aber hin und wieder war es nicht ganz einfach, die richtigen Worte zu finden.

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Naturromantiker

Tag 1, „Meiner“ und ich sitzen am Frühstückstisch und schauen aus dem Fenster:

Er: „Sieh mal, die Vögel bei unserem Auto. Sind die nicht schön?“

Ich: „Bachstelzen! Ich liebe Bachstelzen!“

Tag 2, „Meiner“ und ich schauen gedankenverloren aus dem Fenster:

Ich: „Zu Hause sieht man ja kaum mehr Bachstelzen, aber hier hat es so viele.“

Er: „Ja, und schau mal, sie sitzen schon wieder auf unserem Auto.“

Tag 3, „Meiner“ und ich sitzen wieder am Küchentisch und schauen aus dem Fenster:

Er: „Da sind sie ja wieder, die Bachstelzen.“

Ich: „Kinder, habt ihr die Bachstelzen gesehen? Sind sie nicht wunderschön? Und seht mal, die lassen sich immer auf unserem Auto nieder.“

Tag 4, am Morgen, „Meiner“ und ich schon wieder am Frühstückstisch:

Ich: „Ach, die Bachstelzen! Die werden mir fehlen…“

Er: „Ja, die sehen so lieb aus… Und sie sitzen immer wieder auf dem gleichen Seitenspiegel. Denen gefällt es bei uns.“

Tag 4, am Nachmittag auf dem IKEA-Parkplatz, wo ich gerade die Beifahrertüre unseres Autos öffnen will:

Ich: „Warum ist unser Seitenspiegel plötzlich voller Vogelkacke?“

Er: „Ach so, die Bachstelzen…“

Tag 5, „Meiner“ und ich sitzen am Frühstückstisch und schauen aus dem Fenster:

Ich: „Da muss schon wieder eine Bachstelze aufs Klo.“

Er: „Ich denke, ich muss das heute mal sauber machen.“

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Alte Zöpfe?

Heute stellt sich ja die Frage, ob man sich überhaupt noch an die heiligen Tage halten soll. Oder muss man sagen: „Hört mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, über lange Zeit habe ich euch geehrt und geachtet. Ich habe mich eurem harten Regime gebeugt und versucht, nach eurer Pfeife zu tanzen. Heute aber, in diesen klimaerwärmten Zeiten, erscheint es mir einfach nicht mehr zeitgemäss, mich auf euren Hokuspokus zu verlassen.“

Erlaubt es der Klimawandel, diesen alten Zopf abzuschneiden und die bedingt frostharten Pflänzchen schon ins Freiland lassen, oder fordert man mit diesem frevelhaften Tun die Eisheiligen geradezu auf, den Frost, der fast den ganzen Winter ausgeblieben ist, doch noch über den Garten hereinbrechen zu lassen? Soll man den gestrengen Heiligen nicht einfach eine lange Nase drehen und die Artischocken in den Boden buddeln? Man wäre ja blöd, würde man Wärme und Sonnenschein nicht jetzt schon nutzen…

Was aber, wenn es nun doch noch einmal kalt wird?

Na ja, dann hole ich eben die Deckäste wieder hervor, die noch vom Winter, der aus temperaturgründen abgesagt worden ist, herumliegen.

Und weil die Eisheiligen den Artischocken im wettergeschützten Halbrundbeet ohnehin nicht viel anhaben können, habe ich heute Nachmittag mutig gesagt: „Ihr könnt mich mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie!“ Mal sehen, wie die das hinnehmen…

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