Spaziergang mit Prinzchen

Traumhafte Umgebung, strahlender Sonnenschein, unzählige bunte Blumen und Schmetterlinge; an meiner Seite ein Prinzchen mit dem Kopf voller Fragen:

„Was machen Schmetterlinge eigentlich auf Blumen?“

„Es gibt doch einen Stein, der sieht aus wie Schiefer aber ist kein Schiefer. Wie heisst der nochmal?“

„Warum verkaufen Menschen Waffen?“

„Welche Wissenschaft ist am wichtigsten?“

„Wie lange würde es dauern, wenn man zur Sonne fliegen möchte?“

„Warum sind Erwachsene klüger als Kinder?“ 

„Warum denkst du, dass Erwachsene nicht unbedingt klüger sind als Kinder?“

„Wie kam es zum Zweiten Weltkrieg?“

„Warum sagt Gott den Menschen nicht, dass sie nicht so böse sein dürfen?“

„Weisst du, warum das Rohr, das dort draussen im Wasser steht, hohl ist?“

„Gibt es auch blaue Schmetterlinge?“

„Warum gibt es Krieg?“

„Gibt es wirklich einen Vogel, der seine Farbe wechseln kann und wenn er keine bestimmte Farbe hat, sind seine Flügel durchsichtig?“

„Warum hat es so viel Schilf im Wasser?“

„Wie hiess der letzte Kaiser von Deutschland?“

„Wie heissen die Menschen, die in diesem hellgrünen Haus wohnen?“

„Warum weisst du nicht, wie die Menschen heissen, die im hellgrünen Haus wohnen?“

Ich habe mich ehrlich bemüht, alle Fragen ausführlich zu beantworten, aber hin und wieder war es nicht ganz einfach, die richtigen Worte zu finden.

trädgårdsföreningen

 

 

 

Naturromantiker

Tag 1, „Meiner“ und ich sitzen am Frühstückstisch und schauen aus dem Fenster:

Er: „Sieh mal, die Vögel bei unserem Auto. Sind die nicht schön?“

Ich: „Bachstelzen! Ich liebe Bachstelzen!“

Tag 2, „Meiner“ und ich schauen gedankenverloren aus dem Fenster:

Ich: „Zu Hause sieht man ja kaum mehr Bachstelzen, aber hier hat es so viele.“

Er: „Ja, und schau mal, sie sitzen schon wieder auf unserem Auto.“

Tag 3, „Meiner“ und ich sitzen wieder am Küchentisch und schauen aus dem Fenster:

Er: „Da sind sie ja wieder, die Bachstelzen.“

Ich: „Kinder, habt ihr die Bachstelzen gesehen? Sind sie nicht wunderschön? Und seht mal, die lassen sich immer auf unserem Auto nieder.“

Tag 4, am Morgen, „Meiner“ und ich schon wieder am Frühstückstisch:

Ich: „Ach, die Bachstelzen! Die werden mir fehlen…“

Er: „Ja, die sehen so lieb aus… Und sie sitzen immer wieder auf dem gleichen Seitenspiegel. Denen gefällt es bei uns.“

Tag 4, am Nachmittag auf dem IKEA-Parkplatz, wo ich gerade die Beifahrertüre unseres Autos öffnen will:

Ich: „Warum ist unser Seitenspiegel plötzlich voller Vogelkacke?“

Er: „Ach so, die Bachstelzen…“

Tag 5, „Meiner“ und ich sitzen am Frühstückstisch und schauen aus dem Fenster:

Ich: „Da muss schon wieder eine Bachstelze aufs Klo.“

Er: „Ich denke, ich muss das heute mal sauber machen.“

img_2684

 

 

Alte Zöpfe?

Heute stellt sich ja die Frage, ob man sich überhaupt noch an die heiligen Tage halten soll. Oder muss man sagen: „Hört mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, über lange Zeit habe ich euch geehrt und geachtet. Ich habe mich eurem harten Regime gebeugt und versucht, nach eurer Pfeife zu tanzen. Heute aber, in diesen klimaerwärmten Zeiten, erscheint es mir einfach nicht mehr zeitgemäss, mich auf euren Hokuspokus zu verlassen.“

Erlaubt es der Klimawandel, diesen alten Zopf abzuschneiden und die bedingt frostharten Pflänzchen schon ins Freiland lassen, oder fordert man mit diesem frevelhaften Tun die Eisheiligen geradezu auf, den Frost, der fast den ganzen Winter ausgeblieben ist, doch noch über den Garten hereinbrechen zu lassen? Soll man den gestrengen Heiligen nicht einfach eine lange Nase drehen und die Artischocken in den Boden buddeln? Man wäre ja blöd, würde man Wärme und Sonnenschein nicht jetzt schon nutzen…

Was aber, wenn es nun doch noch einmal kalt wird?

Na ja, dann hole ich eben die Deckäste wieder hervor, die noch vom Winter, der aus temperaturgründen abgesagt worden ist, herumliegen.

Und weil die Eisheiligen den Artischocken im wettergeschützten Halbrundbeet ohnehin nicht viel anhaben können, habe ich heute Nachmittag mutig gesagt: „Ihr könnt mich mal, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie!“ Mal sehen, wie die das hinnehmen…

img_2103

Lieber Frühling

Bitte nimm es mir nicht krumm, wenn ich heute ganz offen mit dir rede. Meine Worte sind freundschaftlich gemeint und als eine deiner grossen Verehrerinnen, die es dir nicht krumm nimmt, wenn du dich hin und wieder ganz garstig aufführst, fühle ich mich berechtigt, dir zu sagen, was ich von den Mätzchen halte, die du derzeit aufführst.

Dein Einknicken vor jenen, die schon wieder sämtliche sozialen Medien mit ihrem Gejammer vollpflastern, erscheint mir bedenklich. Ja, sie fordern von dir, dein sonniges, warmherziges Gesicht zu zeigen und möglichst schnell deine volle Pracht zu entfalten. Aber wer sagt denn, dass du das tun musst? Du bist der Frühling, du kannst es dir leisten, launenhaft und unberechenbar zu sein, mal garstig, mal sonnig, mal kühl, mal warm. Menschen, die noch wissen, wie du früher mal warst, erwarten gar nichts anderes von dir, sie sind vielleicht höchstens ein wenig erstaunt, dass du das alles bereits im März und nicht erst im April tust. 

Ich finde es geradezu peinlich von dir, wie du nun versuchst, jene zufrieden zu stellen, die ein ganz und gar unrealistisches, von der Waschmittelwerbung inspiriertes Bild von dir haben. Das mit den Narzissen, die du schon Ende Februar hast erblühen lassen, hätte ich dir noch nachsehen können. Narzissen sind ja bekanntlich ziemlich widerstandsfähig und lassen sich durch den Schnee, den du hin und wieder fallen lässt, nicht beirren. Was du jetzt aber mit unserem Aprikosenbaum abziehst, geht zu weit. Nur weil die Banausen jetzt schon blühende Bäume erwarten, brauchst du nicht gleich nachzugeben und die zarten rosaroten Blütenblättchen der Kälte aussetzen. 

Dein Verhalten spricht Bände über deine Unerfahrenheit mit sozialen Medien. Du glaubst, du müsstest tun, was sie dort lautstark von dir fordern, aber so ist das nicht. Die reden dort nur gross daher, aber anhaben können sie dir nichts. Immerhin warst du vor ihnen da, und hoffentlich wirst du auch noch da sein, wenn sie alle schon Geschichte sind. Darum möchte ich dir Mut zusprechen: Du musst das nicht tun, mein lieber Frühling, du darfst ganz dich selbst bleiben (und unserem Aprikosenbaum noch ein paar Tage oder Wochen Winterruhe gönnen).

IMG_0644

 

Unvernünftige Natur

Der Gartenkalender sagt ja, man solle sich im Februar allmählich Gedanken machen, was man in der herannahenden Gartensaison wo zu pflanzen gedenke und frisches Saatgut nachbestellen. Die Natur hingegen sagt dieses Jahr, sie wolle jetzt endlich loslegen, lange möge sie nicht mehr zuwarten mit dem Grünen und Blühen. Sie will die Gartenschere an den toten Zweigen spüren, ehe sich die Blüten öffnen, will von den schweren Deckästen befreit werden, weil die darunter verborgenen Blumen sonst ihre Schönheit nicht zeigen können und sie tut gar so, als wäre sie bereit, die zarten Setzlinge, die kein kaltes Lüftlein ertragen mögen, in ihrem Boden aufzunehmen.

Unvernünftige Natur! Weiss die nicht, dass es noch bis spät im Frühling Schnee geben kann? Und Frost? Und Stürme? Kann die sich nicht einfach an den Gartenkalender halten?

Dann müsste ich mich nämlich nicht wie der letzte Idiot fühlen, wenn ich bereits jetzt in der Erde buddle, als hätten wir Mitte April.

img_1987

Pflanzen pflanzen

In diesen Tagen bin ich öfters leise vor mich hin murmelnd im Garten anzutreffen. Es ist nämlich Zeit, die Stauden in den Boden zu bringen und das geht nicht ganz ohne Diskussionen ab, wie das Beispiel einer hellgelben Skabiose zeigt: 

Ich: „Meine liebe kleine Skabiose, wo möchtest du denn wachsen?“

Skabiose: „Mir egal. Hauptsache volle Sonne, nicht zu viel Wind und durchlässiger Boden. Hast doch den Gartenrargeber gelesen…“

Ich: „Natürlich habe ich das, aber wie du siehst, bietet der Garten dir eine Vielzahl solcher Stellen. Welche davon gefällt dir denn am besten?“

Skabiose: „Mir egal. Hauptsache, du lässt mich nicht noch länger auf diesem Gartentisch stehen. Es zieht dort nämlich ganz gewaltig und du weisst ja, dass ich Wind nicht mag.“

Ich: „Dann sag mir doch bitte endlich, wo du wachsen möchtest.“

Die Skabiose und ich schauen uns ein wenig im Garten rum. Endlich zeigt sie völlig unmotiviert auf irgend eine Stelle und zwar etwa so wie der Rollstuhlfahrer bei „Little Britain“, wenn er seinem Sozialarbeiter sagt: „I want that one.“

Ich: „Aber das geht doch nicht. Dort werden im Frühling die Iris blühen. Die passen doch überhaupt nicht zu dir.“

Skabiose: „Dann eben dort drüben.“

Ich: „Okay, das sieht gut aus. Äääähm, halt, das geht nicht. Du sollst im Frühling ja noch Kolleginnen bekommen und für die ist dort kein Platz.“

Skabiose: „Was soll ich bekommen?“

Ich: „Kolleginnen. Ich habe eigens eine dunkelrote und eine beinahe schwarze Sorte aus England kommen lassen.“

Skabiose: „Bin ich dir vielleicht nicht schön genug? Hab schon gehört, wie du neulich zu deiner Tochter gesagt hast, Gelb hättest du nicht besonders gern…“

Ich: „Das hatte doch nichts mit dir zu tun, du gefällst mir ausserordentlich gut. Aber ich finde nun mal, etwas Gesellschaft könnte dir nicht schaden.“

Skabiose: „Du weisst aber schon, dass ich mich ziemlich gut vermehre, wenn ich erst mal angewachsen bin?“

Ich: „Klar weiss ich das, aber ich will ja auch, dass die Bienen in unserem Garten etwas zu tun finden. Darum sollst du einen Platz bekommen, wo du dich ausbreiten kannst. Wäre nett, wenn du dich endlich für einen Standort entscheiden könntest, mir wird kalt.“

Skabiose: „Warum nicht gleich hier, wo du stehst?“

Ich: „Sieht gut aus. Ich fange dann mal an, dir ein schönes, tiefes Loch zu buddeln…“

Skabiose: „Willst du nicht vielleicht noch ein wenig jäten? Ich mag keine Konkurrenz.“

Ich: „Immer diese Ansprüche. Da warten noch andere Pflanzen auf mich…“

Skabiose: „Du willst doch, dass ich im nächsten Sommer gut gedeihe. Also sei gefälligst nett zu mir, sonst gehe ich auf der Stelle ein.

Ich: „Schon gut, ich jäte ja schon…“ 

Und so geht das bei jeder einzelnen Pflanze, die in diesen Tagen bei uns Einzug hält. 

IMG_0405

Umwelterziehung?

„Nicht zu viel Badezusatz ins Wasser“, predige ich. „Ein paar Tropfen reichen, um richtig schönen Schaum zu machen.“ Beim nächsten Vollbad landen dann doch wieder zwei – ja, richtig gelesen Z-W-E-I – volle Flaschen Duschgel im Wasser. Und nein, es war nicht etwa das jüngste, unerfahrenste Kind, das dieses Verbrechen begangen hat.

„Licht löschen, wenn man den Raum verlässt. Man kann nicht gegen AKWs sein und andauernd sinnlos Strom verbrauchen“, wiederhole ich so oft, dass ich die Sache bald selber nicht mehr hören mag. Und warum wiederhole ich das so oft? Na, warum wohl?

„Nein, Getränke in Dosen kaufe ich euch nicht“, sage ich, wenn sie unterwegs allzu durstig werden. Es kümmert sie nicht weiter. Sie haben ja Taschengeld und mit dem wird man ja wohl noch machen dürfen, was man will. 

„Bütschgi in den Grünabfall!!! Wie oft muss ich das noch sagen?“, brülle ich, wenn der Abfallkübel mal wieder von auffällig vielen Fruchtfliegen umsummt wird. Das Bütschgi landet natürlich trotzdem nicht im Grünabfall, sondern hier

„Lieber weniger Auswahl im Kleiderschrank, dafür fair produziert“, doziere ich und glaube, sie hätten verstanden, weil die Sache mit der Kinderarbeit ihnen immer zu Herzen geht. Aber dann lockt eben doch der Ausverkauf. 

Und noch ein paar weitere Dinge, die mit ähnlicher Begeisterung aufgenommen werden. Manchmal frage ich mich, ob sie je begreifen werden. Doch dann erinnere ich mich, dass auch ich erst dann grüner wurde, als ich nicht mehr ganz so grün war hinter den Ohren. 

IMG_7003