Touristenfalle

Nach ein paar kinderfreien Tagen, die man krankheitsbedingt zwischen Bett, Speisesaal und Sauna verbracht hat, ist es wohl normal, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Irgendwie ist alles ganz anders, als man es sich vorgestellt hatte, man mag die fetten alten Männer in der Sauna nicht mehr sehen. Diese Männer, die noch nicht begriffen haben, dass ihr Anblick nicht mehr besonders ästhetisch ist und dass sie deswegen beim Saunagang ruhig etwas mehr Diskretion walten lassen dürften. Immerhin begegnet man sich ein paar Stunden später wieder beim Buffet.

So nimmt man nach drei Tagen den Bus, um etwas anderes zu sehen. Man könnte wieder mal Shoppen. Die Kinder warten ja auch auf Souvenirs. Nach zwanzig Minuten Busfahrt kommt man im nächst gelegenen Städtchen an. Städtchen? Wohl eher eine Touristenfalle, die den Besuchern eine heile Schwarzwälder Welt vorgaukeln soll. Souvenirshop reiht sich an Souvenirshop, dazwischen Kaffeehäuser mit riesigen Torten in der Auslage, ab und zu ein "Fremdenzimmer", für die Fremden, die hier bitte ihr Geld abgeben sollen, sonst aber fremd bleiben sollen. Der ganze Ort ist überlaufen von Schweizern der übelsten Sorte: Ältere Semester auf der Suche nach dem billigsten Schnaps, dem schönsten Dirndl, dem grössten Schnitzel. Dazwischen ein paar Japaner, die auch nicht besser sind, die man aber zum Glück nicht versteht.

Nach fünfzehn Minuten hat mans gesehen, der nächste Bus fährt aber erst in einer Stunde. Immerhin erstehen wir zwei Souvenirs für die Kinder: Eine Glitzerkugel mit einem Clown drin und einen Holzsäbel, der den kampfbegeisterten Dritten in helle Aufregung setzten wird. Leider vergisst die Verkäuferin, das Ding in eine Tüte zu stecken. So ziehen wir säbelschwingend durch die Idylle und träumen davon, all die Souvenirshops kurz und klein zu schlagen.

Vielleicht wird man unvernünftig, wenn keine Kinder da, sind, die einen dazu zwingen, erwachsen zu sein?

Ein Gedanke zu “Touristenfalle

  1. Vielleicht zwingen uns die Kinder dazu erwachsen zu sein, aber es ist doch wirklich schön manchmal festzustellen, dass in uns doch noch ein Kind steckt.

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