Ungezieferalarm

Grundsätzlich bin ich ja ein mehr oder weniger tierliebender Mensch. Ich esse kein Fleisch, ich denke wehmütig an meine Kindheit zurück, als wir die Lämmchen mit der Schoppenflasche grosszogen, ich grüsse jede Katze, die mir über den Weg läuft und wenn ich auf einem Spaziergang einem Schmetterling begegne, gebe ich mir jede erdenkliche Mühe, das Tier nicht zu verscheuchen. Aber Tiere im Haus? Nicht mit mir! Eine Katze oder eine Schildkröte könnte ich zur Not noch tolerieren, aber mehr nicht.

Auch keine Ameise. Und erst recht keine Ameisen. Und schon gar keine kleinen Ameisen, die man kaum sieht. Und deren Strasse ausgerechnet über unseren schwarzen Küchenboden führt. Man sucht und sucht, doch man findet das Einfallstor nicht. Folglich kann man ihnen nicht beikommen, muss sogar den Hermann vor ihnen schützen und  aufpassen, dass die  Biester nicht über das Frühstücksbrot herfallen. Ich gebe gerne zu, dass so ein Ameisenstaat eine beeindruckende Sache ist, doch ich lasse mich lieber draussen beeindrucken als drinnen. Und überhaupt: Wer ist eigentlich der Chef hier drinnen?!

Aus bitterer Erfahrung weiss ich, dass nach den Ameisen bereits die nächsten Invasoren lauern, die Maden. Einem oder zwei dieser ekligen Geschöpfe liesse sich ja noch beikommen. Doch bei uns treten die Dinger jeweils in rauhen Mengen auf. Nie werde ich jenen sonnigen Sonntagmorgen vergessen, an dem hunderte von Fliegenmaden unter der Sonntagszeitung hervorkgekrochen kamen, aus den Bodenritzen und unter den Putzlappen hervor. Nach zwei Stunden waren die meisten tot. Leider nur die meisten. Als wir ein paar Tage später von einem Ausflug zurückkehrten, war der Fussboden übersät mit toten Fliegen, die sich an den Giftstreifen am Fenster vollgefressen hatten.

Als ob Ameisen, Maden und Fliegen nicht genug des Ungeziefers wären, sorgt Karlsson hie und da für einen weiteren  Kick: Sind die Strassen draussen nass, muss ich jederzeit darauf vorbereitet sein, dass er mir ein Handvoll frischer Nacktschnecken nach Hause bringt. Und falls er mir mal eine ganz grosse Freude bereiten  will, küsst er, der nicht mal seine Mama küsst, jede einzelne Nacktschnecke auf die Fühler.

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