Déjà-lu?

Es hat durchaus Vorteile, wenn man Bücher in rasendem Tempo verschlingt. Spätestens fünf Tage später hat man die Handlung wieder vergessen und zwei Monate später kann man das Buch erneut lesen, ohne sich dabei zu langweilen. Offenbar bin ich dabei etwas zu weit gegangen. Inzwischen erinnere ich mich nicht einmal mehr daran, ob ich ein bestimmtes Buch bereits gekauft habe. Und so stand ich gestern ratlos in der Buchhandlung und wusste nicht so recht, was ich mir kaufen sollte. Schliesslich entschied ich mich für drei Bücher, darunter auch  „The Namesake“ von Jhumpa Lahiri.

Ein gossartiges Buch. Ich konnte kaum warten, bis ich endlich Zeit fand zum Lesen. Und dann, auf den ersten Seiten, begann es mir zu dämmern, dass ich das Buch schon mal in den Händen gehalten haben muss. Eine Art Déjà-lu-Erlebnis, wenn man das so nennen darf. Seither kann ich mich kaum mehr auf den Inhalt konzentrieren, denn ich zerbreche mir den Kopf, wann und wo ich das Buch bereits gelesen habe. Ja, ich erinnere mich, dass ich mal eine Rezension gelesen habe. Darum ist es mir gestern in der Buchhandlung ja auch ins Auge gesprungen. Aber in einer Rezension kann ich nicht diese Szene gelesen haben, in der Baby-Gogol seine Milch in Mamas Mund sabbert, so dass die Mama danach den ganzen Tag keinen Bissen mehr runterbringt. Auch nicht die Ereignisse auf der Zugfahrt, als Gogols Vater beinahe ums Leben kommt.  Oder die Erlebnisse des kleinen Gogol am ersten Schultag.

Wenn ich doch bloss wüsste, woher ich das Buch kenne. Und vor allem auch, wohin ich es verlegt habe. Denn dass ich es gekauft haben muss, ist klar. Ich lese nämlich keine Leihbücher, davon bekomme ich Asthmaanfälle. Wenn ich jetzt in meiner Vergesslichkeit anfange, die Bücher nicht nur doppelt oder dreifach zu lesen, sondern auch doppelt oder dreifach zu kaufen, könnte dies zu ernsthaften Eheproblemen führen. „Meiner“ motzt nämlich jetzt schon, ich würde zu viele Bücher kaufen. Dabei könnte er doch stolz sein, dass „Seine“ das Geld, das andere Frauen in Mani- und Pedicure stecken, beim Buchhändler liegen lässt. Immerhin ist Bildung ein bleibender Wert. Zumindest, wenn man nicht sofort wieder vergisst, was man gelesen hat…

4 Gedanken zu “Déjà-lu?

  1. Quer zu lesen, hat aber auch wirklich Vorteile. Den „Herrn der Ringe“ lese ich seit Jugendzeiten einmal alle zwei Jahre durch – und entdecke immer wieder einzelne Stellen neu 🙂

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