Privatvorstellung – halten Sie sich bitte da raus!

Wie ich es doch hasse, wenn jemand so tut, als würde ich eine öffentliche Vorstellung in Erziehungs(un)fähigkeit geben, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin. Neulich zum Beispiel beim Einkauf mit dem Prinzchen. Er hatte Lust auf etwas richtig Ungesundes, am besten fettig und mit viel Zucker. Ich war zwar einverstanden mit „nur halbwegs gesund“, aber zu „fettig und zuckersüss“ sagte ich nein. Man kann sich ja vorstellen, was nun geschah: Das Prinzchen heulte, ich blieb bei meinem Nein, das Prinzchen schrie, ich beharrte auf meinem Standpunkt.

Die Situation an sich war schon ziemlich mühsam, richtig stressig aber wurde sie dadurch, dass eine andere Mutter dabeistand und ihre Kommentare abgab. „Warum wollen Sie ihm denn nicht geben, was er sich wünscht? Finden Sie das zu ungesund?“ „Ja, finde ich“, antwortete ich kurz angebunden und wollte mich wieder dem Prinzchen zuwenden. „Achten Sie auch bei Süssigkeiten darauf, dass er nicht zuviel davon bekommt, oder sind Sie da weniger streng?“ „Er bekommt schon Süsses – Prinzchen, nein, ich habe gesagt, dass du das nicht bekommst und dabei bleibe ich…“ „Also nicht ganz konsequent?“ „Nein, nicht ganz konsequent, aber man tut sein Bestes… Nun komm schon, Prinzchen! Das hier schmeckt doch auch ganz gut…“ „Also ich bin ja mal gespannt, ob er seinen Willen bekommt oder Sie…“ Irgendwie schafft ich es, die andere Mutter auszublenden, auch wenn sie noch immer dabeistand, fasziniert beobachtete, wie ich mit meinem Jüngsten feilschte und hin und wieder einen Kommentar fallen liess. Sie erwartete wohl, mich demnächst bei der erzieherischen Todsünde die da heisst „Na gut, mein Kleiner, du sollst haben, was du dir ertrotzt hast“ zu erwischen, aber diesen Gefallen erwies ich ihr nicht. Im Gegenteil, ich brachte es fertig, das Prinzchen um den Finger zu wickeln und für meine Wahl zu begeistern.

Beim nächsten Mal verlange ich Eintrittsgeld, wenn jemand bei unserem Erziehungstheater zuschauen will.

20120517-001342.jpg

4 Gedanken zu “Privatvorstellung – halten Sie sich bitte da raus!

  1. Da mir die treffenden Antworten meist erst ein paar Stunden nach solchen Begegnungen einfallen, würde es mir wohl kaum gelingen, jemanden so in die Flucht zu treiben.

  2. Respekt! In der Situation wäre ich sicher nicht so ruhig geblieben wie du.
    Der unbekannten „Erziehungshelferin“ hätte ich sicherlich deutlich gesagt, was ich von ihrer Einmischung halte. Sowas geht ja mal gar nicht!

  3. Ich weiß ja nicht, wie ich reagiert hätte, wenn sich andere Leute in gerade dieser Situation einmischen würden…puh….
    Wahrscheinlich eher so wie eine Bekannte von mir: In der Innenstadt mit ihrer kleinen Tochter unterwegs, „entwischte“ ihr diese trotz ständiger Ermahnungen, auf den Verkehr zu achten.
    Prompt lief sie vor ein Auto, die Mutter erhaschte sie im allerletzten Moment, riss sie am Arm zurück und verhinderte das Schlimmste…. Schockiert und im Affekt gab sie der Tochter eine Ohrfeige, woraufhin eine Frau sich glaubte einmischen zu müssen: „Man sollte Sie anzeigen! Man schlägt kein Kind!“
    Woraufhin die Bekannte – immer noch außer sich über den Schrecken – die Frau nur anblaffte:
    „Wenn Du nicht auf der Stelle ruhig bist, kriegst DU die nächste…!!“
    Ich bin bestimmt kein Freund von Ohrfeigen und dem Ausnutzen der körperlichen Überlegenheit Kindern gegenüber. Aber dieser Satz war der einzig passende in dieser Situation…. manchmal ist es besser, KEIN Blatt vor den Mund zu nehmen…. 🙂
    (übrigens: jene Dame erbleichte, verstummte und entschwand…..)

    liebe Grüße 😉

    anabel

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..