Da kam sie montags einfach so hereinspaziert, auf ihren überlangen, überschlanken Beinen, ihre Füsse in schwindelerregenden Absätzen, das knappe Kleidchen so hauteng wie eh und je. Na ja, kam sie nicht ganz von selbst, sie liess sich in der Tasche eines Gastes chauffieren und da dieser Gast wohl noch einige Zeit bleiben wird, logiert auch Barbie auf unbestimmte Zeit bei uns.
Luise hatte Barbie ja einst begehrt wie eine kostbare Perle, sie dann aber bald einmal in die Gosse verstossen und zwar ganz ohne Druck meinerseits. Daher kommt es, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat nur noch eine vage Erinnerung an die künstliche Schönheit hat. Zoowärter und Prinzchen begegnen ihr gar zum ersten Mal in Fleisch und Blut – oder vielmehr in Plastik und Tüll – und sie fühlen sich zugleich abgestossen und angezogen von ihr. Abgestossen von all dem rosaroten Glitzerzeugs, angezogen von … nun ja, ich weiss gar nicht so recht, was ihnen an Barbie gefällt, denn wenn ich frage, bekomme ich keine Antwort. Auffällig ist einfach, wie oft sie plötzlich in Luises Zimmer anzutreffen sind und wie gross der Eifer ist, als eine neue Barbie her muss, weil „der andere“ einer Meerjungfrau heimlich die lange, blonde Mähne gestutzt hat.
Dennoch befürchte ich nicht, dass Barbie bleibt, wenn unser Gast wieder abreist. „Stell dir mal vor, wie peinlich es wäre, wenn meine Freunde Prinzessin Paula in meinem Zimmer antreffen würden“, meinte der Zoowärter, „aber jetzt spiele ich natürlich schon mit, sonst fühlt sich unser Gast nicht wohl.“

Da ist wohl was dran. Und wenn ich mich recht erinnere, sind die biegbaren Kniegelenke auch ganz beeindruckend. So ging es zumindest mir, die ich keine eigene haben durfte und mich immer an den Knien der fremden Barbies zu schaffen machen musste.
Ich bin fest davon überzeugt, dass es an den Haaren liegt.
Keine Ahnung, warum, aber diese blonden Plastikfransen scheinen schön zu kämmen sein. Das findet wenigstens meine Kleine (die – noch – keine eigene Barbie besitzt).