Das also ist der Haken

Irgend etwas kann da doch nicht stimmen. Für fast nichts verbringen wir hier zu siebt zehn erholsame Ferientage. Und zwar inklusive Essen, Wellness und Kinderbetreuung. Nun ja, der Hotelbesitzer hatte ja versucht, nach der Buchung den Preis von „fast nichts“ auf „ein kleines Bisschen“ zu erhöhen, aber „Meiner“ hat gekämpft wie ein Löwe und deshalb blieb es bei „fast nichts“.

Misstrauisch, wie wir nun mal sind, rechneten wir damit, dass die Sache einen Haken haben würde. Doch wir konnten lange keinen finden. Das Essen ist gut und reichlich, das Kinderprogramm so toll, dass wir unsere Kinder zu vermissen beginnen, weil sie nichts mehr von uns wissen wollen, die Umgebung traumhaft, das Hallenbad neu und blitzsauber und die Sauna einfach perfekt. Nun ja, das Zimmer ist nicht gerade schön, zumindest nicht in den Augen von „Meinem“ und mir. Wir hätten nichts gegen eines der renovierten Zimmer gehabt. Aber die Kinder sind hin und weg von dem muffeligen Siebzigerjahre-Charme.

Ja, das Zimmer, das ist offenbar der Haken. Gleich nach unserer Ankunft hätten wir merken können, was der Wirt mit seinem Deal im Schilde führte: Luise verdunkelte das Zimmer und schon war das Rollo kaputt. Am nächsten Tag ging Luises Nachttischschublade drauf, am Übernächsten die Nachttischlampe, dann der Seifenspender und jetzt beginnt so langsam unser Bett zu wackeln. Die Überlegung ist glasklar: Wir, die Schweizer mit der Horde ungezogener Kinder, wohnen fast gratis. Im Gegenzug beginnen wir schon mal mit debm Abbruch des Mobiliars, damit im Winter die Renovation schneller vonstatten geht. Wir demolieren, sie renovieren. Clever, nicht wahr? Bloss finde ich das Ganze etwas unfair. Wir sind ja nicht zum Arbeiten da, sondern zum Ferienmachen.

Hab´ ich´s nicht gesagt?

Es ist wie immer: Der Hotelprospekt verspricht dir Wireless-Lan im Zimmer, du glaubt den ganzen Mist und schleppst neben Schönwetterkleidung, Schlechtwetterkleidung, Badehhosen, Reiseapotheke, Stofftieren, Reisespielen und Windeln auch deinen Laptop mit. Das Handbuch für Besucher bestätigt dir noch einmal, dass du vom Hotelzimmer aus gratis Zugang zum Internet hast. Alles was du tun müssest sei, an der Reception dein Passwort azubholen. Hoffnungsfroh schickst du „Deinen“ zur Reception, wärhrend du mit den grossen Kindern im kalten Hallenbad am Planschen bist. „Deiner“ findet derweil heraus, dass leider leider der Internetzugang in den Zimmern ausser Betrieb sei. Doch selbstverständlich dürfe man den Computer in der Lobby jederzeit gratis benützen. „Blah blah blah!“, denkst du. Denn du weisst ja, dass dieser Computer entweder kaputt oder von Workaholics belagert ist.

Doch siehe da: Der Computer ist neu, er funktioniert und es hat weit und breit keine Workaholics. Mal abgesehen von dieser Schweizerin mit den fünf Kindern, die es nicht mal vierundzwanzig Stunden ohne Internetzugang aushält…