Santa Claus ist auch schon da

Nachdem wir gestern Abend voller Andacht – und natürlich auch mit einer tüchtigen Portion Elternstolz – den Klängen lauschten, die Karlsson seiner Geige entlockt, sind wir heute wieder auf dem harten Boden der musikalischen Realität gelandet. Bald findet bei uns im Dorf nämlich ein Weihnachtskonzert statt, bei dem unter anderem auch ein Ensemble der Musikschule mitwirkt. Für uns als Familie bedeutet dies:

„Santa Claus is coming to town“ rauf und runter, interpretiert von einem hoch motivierten Karlsson, einem ziemlich motivierten Prinzchen und einem irgendwie schon auch motivierten Zoowärter, der aber partout nicht einsehen will, weshalb sich manche Leute für solche Dinge beinahe die Finger wund spielen. Santa wird also so lange durch unsere Gehörgänge spazieren, bis bei jedem jeder Ton sitzt. Und dann wird die Phase des häuslichen Zusammenspiels beginnen…

Soweit sind wir momentan noch nicht, denn Karlsson hat erst heute erfahren, dass er auch mit von der Partie ist, weshalb er erst noch ein wenig üben muss. Doch man ahnt bereits, wie es kommen wird, wenn er genug geübt hat. Er wird Santa Claus mit Kapriolen und Schnörkel über die Klaviertasten treiben, das Prinzchen wird alles geben, um dem Mann im roten Mantel auf den Fersen zu bleiben und der Zoowärter wird jammern, der arme Santa sei doch schon alt, der brauche bestimmt hin und wieder eine Pause, um sich auszuruhen. So, wie ich Karlsson kenne, wird er solche Einwände nicht gelten lassen und Santa weiter vor sich hertreiben, bis alles perfekt ist. Es würde mich deshalb nicht verwundern, wenn der gute alte Mann irgendwann mit lautem Türknallen aus unserer Wohnung verschwände. 

So sehr ich es auch schätze, dass unsere Söhne musizieren – würde Santa verschwinden, wäre ich noch so froh. Der Kerl weigert sich nämlich jetzt schon standhaft, aus meinen Gehörgängen zu verschwinden und bis zum Konzert sind es noch fast zwei Wochen…

skön

Prägendes Erlebnis

Karlssons erster Auftritt mit der Geige ist natürlich ein wichtiges Erlebnis. Und so ist es auch keine Frage, dass die ganze Familie, inklusive Grossmutter mütterlicherseits, dabeisein muss. Karlssons „George got out of bed too late“ dauert zwar nur knappe 30 Sekunden, doch natürlich ist Karlsson trotzdem prächtig nervös.

Dafür aber halten sich seine Geschwister erstaunlich ruhig. Der Zoowärter, ein bekennender Bach-Liebhaber („Findsch schön du dä musig!“) lässt das Programm ziemlich gelangweilt über sich ergehen. Den Auftritt des grossen Bruders nimmt er mit einem gewissen Stolz zur Kenntnis, doch der Rest interessiert ihn nicht. Plötzlich aber hält er es nicht mehr auf seinem Stuhl aus. Völlig ergriffen und mit offenem Mund steht er da, als ein Schwyzerörgeli-Trio „An den Ufern des Mexico Rivers“ spielt.

Es bleibt zu hoffen, dass durch dieses prägende Erlebnis des Zoowärters Musikgeschmack nicht für immer ruiniert ist.