Als Karlsson noch ganz winzig war und ich, kaum hatten wir das Spital verlassen, wieder für eine Woche einrücken mussten, weil das kleine Kerlchen es nicht schaffte, alle Milch zu trinken, die ich in meiner mütterlichen Überschwenglichkeit im Angebot hatte, da hatte ich noch kein Problem damit. Klar, die Brustentzündung war äusserst schmerzhaft, aber für meinen lieben kleinen Karlsson war ich noch so gerne bereit, trotz wiederholter Entzündungen acht Monate lang zu stillen, bis er eines Morgens im Urlaub die Brust von sich schob und jeden weiteren Tropfen Muttermilch verweigerte. Und mir damit prompt eine weitere Entzündung bescherte.
Auch als Luise unter Tränen stillen musste, weil sich da heimlich still und leise ein riesiger Abszess gebildet hatte, der entfernt werden musste, nahm ich das noch so gerne auf mich. Hauptsache, ich konnte meine Tochter so lange wie möglich stillen. Was dann leider nur drei Monate dauerte, aber immerhin. Ich hatte auch kein Problem damit, für den FeuerwehrRitterRömerPiraten zuerst voll abzustillen, um dann die Milch in der für ihn richtigen Menge wieder kommen zu lassen. Hauptsache, ich konnte meinem dritten Kind, für das so wenig Zeit blieb im aufreibenden Alltag, diese Stillzeiten mit mir ganz alleine schenken. Auch für den Zoowärter und das Prinzchen nahm ich es noch so gerne in Kauf, dass ich hin und wieder mit schmerzhaften Milchstaus und Brustentzündungen flach lag und das eine oder andere Familienfest sausen lassen musste. Ich möchte nie und nimmer behaupten, dass jede Mutter das so sehen muss, aber für mich war das Stillen enorm wichtig und ich scheute keinen Schmerz, wenn ich dafür diese ganz spezielle Zeit mit jedem meiner Kinder geniessen konnte.
Soweit so gut, aber das ist jetzt wirklich zu viel: Da quäle ich mich heute früh aus dem Bett und spüre dieses vertraute Gefühl. Lange Zeit dämmert mir nicht, was mit mir los ist. Warum sollte es auch, habe ich doch vor einem guten Jahr abgestillt. Als ich mich aber immer schlapper fühle, die Schmerzen in der Brust immer schlimmer werden, als ich schliesslich laut aufheule, als das Prinzchen auf mir rumklettert, da geht mir endlich ein Licht auf: Ich habe eine Brustentzündung. Ohne Stillen, ohne Baby, einfach so. Während ich all die anderen Brustentzündungen mehr oder weniger klaglos auf mich genommen habe, weigere ich mich diesmal, das einfach so hinzunehmen. Leiden für meine Kinder ist okay, aber leiden, einfach weil mein Körper findet, er könne mal wieder meine Schwachstelle angreifen, das geht zu weit. Entweder bekomme ich jetzt gleich das Baby, das zur Brustentzündung einfach dazugehört, oder ich mache nicht mehr mit.
Verstanden, mein guter alter Körper?
Und dann noch eine Bemerkung am Rande: Wer darf sich ins Bett legen? Das Au-Pair, das einen Angina-Rückfall hat, weil sie die Antibiotika nicht nach ärztlicher Vorschrift eingenommen hat oder die Mama, die sich ohne Stillen eine Brustentzündung zugezogen hat? Ist doch klar: Das Au-Pair, denn sie hat ja auch noch nicht erleben dürfen, dass Frau immer auf die Zähne beisst, egal, wie elend ihr ist. Und wer rennt am Nachmittag wieder im Garten herum? Das Au-Pair oder die Mama? Beide natürlich. Die Mama, weil sie verhindern muss, dass sich das Prinzchen unter ein Auto wirft, das Au-Pair, weil sie den Rest des unerwarteten freien Tages geniessen darf.
