Eigentlich hätte man erwarten können, dass alles perfekt organisiert wäre. Man hat ja immerhin zwei Abende für die Vorbereitung geopfert und ausserdem haben die alten Hasen mehrere Male versichert, dass man das schon zig Mal gemacht hat und dass man alles im Griff habe. Was die Neulinge nicht begriffen haben ist, dass die Damen die Sache tatsächlich schon zig Mal durchgezogen haben und dabei Jahr für Jahr die gleichen Fehler gemacht haben.
So steht man also mit Kuchen und Zopf punkt zehn am Sonntagmorgen auf dem Festplatz, widerwillig zwar, aber doch bereit für den Einsatz.Spannung liegt in der Luft und es dauert eine Weile, bis man begriffen hat, was los ist. Die Präsidentin hat die Kasse noch nicht gebracht. Sie hat zwar fest versprochen, dass sie um Viertel vor elf hier sein wird. Doch jetzt ist bereits Viertel nach zehn und sie ist noch nicht da. Hä?
Nächstes Problem: Drei der Frauen, die hier sein sollten, sind leider nicht da. Sie haben allle ihre Gründe, aber das ist jetzt nicht wichtig. Wichtiger ist, wer den Abwasch erledigen wird, wenn es plötzlich viele Gäste zu bedienen gibt. Die Neulinge sehen schwarz, während die alten Hasen ganz ruhig bleiben. Die wussten eben schon von Anfang an, dass der grosse Ansturm ausbleiben würde.
Irgendwann ist alles bereit. Sogar die Präsidentin mit der Kasse ist aufgetaucht und nach dem Austausch von ein paar "Nettigkeiten" mit einem der alten Hasen wieder abgerauscht. Jetzt gilt es ernst. Die ersten Gäste stehen da. Der Dritte will ein Bier. Wo aber ist der Flaschenöffner? Ach wie dumm, den hat die Cheforganisatorin vergessen. Schnell schickt sie "Ihren" nach Hause, um das unentbehrliche Objekt zu holen. Derweil hilft ein Gast mit seinem Taschenmesser aus. Kaum ist der Flaschenöffner da, kommt das nächste Problem. Die Messer sind zu Hause geblieben. Wie sollen jetzt die Gäste ihre Wurst, pardon, ihre Grillschnecke, schneiden? Es gibt nichts anderes. Die Organisatorin muss "Ihren" erneut nach Hause schicken.
Nach diesem harzigen Start läuft eigentlich alles wie geschmiert. Etwa alle dreissig Minuten erscheint ein Gast und bestellt eine Wurst. Auch bei den Spielen, die man für die Kinder sorgfältig vorbereitet hat, herrscht Hochbetrieb. Ganze drei Buben sind aufgetaucht, um mit den Büchsenstelzen den Rasen zu maltraitieren. Da bleibt für die alten Hasen viel Zeit zu lamentieren, dass das Wetter eben heute einfachzu schön sei, dass es zwar jedes Jahr wenig Leute habe, aber so Wenige wie heute noch nie. Derweil ärgern sich die Neulinge nur noch darüber, dass sie nicht im Schwimmbad sind.
Irgendendwann hat "Meiner" genug. Per SMS macht er klar, dass es jetzt genug sei. So verlässt man also schweren Herzens die Ruhe des Festplatzes und stürzt sich zu Hause wieder in den Rummel eines ganz gewöhnlichen Sonntags.