Drückeberger

Gewöhnlich sind es ja die Kinder, die eine Ausrede nach der anderen bringen, wenn wir etwas von ihnen wollen. Räumt bitte das Zimmer auf! Geht nicht. Luise hat nämlich plötzlich so einen Juckreiz am Ohr, Karlsson muss dringend noch etwas im Garten suchen und der FeuerwehrRitterRömerPirat ist am Verhungern, obschon wir vor fünf Minuten fertig gegessen haben. Passt mir mal schnell einer fünf Minuten auf das Prinzchen auf? Aber Mama, siehst du denn nicht, dass wir gerade so schön am Spielen sind? Wenn wir jetzt unterbrechen müssen, wissen wir nachher nicht mehr, wer welche Rolle spielt. Aber Pelati aus dem Keller holen könnt ihr mir? Wie bitte? Sind wir denn deine Sklaven?

Heute war es für einmal umgekehrt. Schon um die Mittagszeit begannen die Kinder zu quengeln, weil sie ins Freibad wollten. Ins Freibad bei diesem Wetter? Wissen unsere Kinder denn nicht, dass bei dieser Hitze alles, was zwei Beine hat, sich ins Schwimmbad aufmacht? Es ist ja nicht so, dass wir grundsätzlich etwas gegen Schwimmbäder hätten. Im Gegenteil. Ich sehne mich schon lange danach, mal wieder einen ganzen Kilometer am Stück zu schwimmen. Doch Schwimmbad mit fünf Kindern bedeutet, dass Karlsson vom Sprungbrett springen will, Luise ihre Taucherbrille ausprobieren will, der FeuerwehrRitterRömerPirat plötzlich Angst vor dem Wasser bekommt, der Zoowärter sich mit nasser Badewindel im Sandkasten paniert und das Prinzchen brüllt, weil er sich als Herbstkind in dieser Hitze nicht wohlfühlt.

Keine sonderlich verlockenden Aussichten für einen Sonntagnachmittag. Deshalb beginnen „Meiner“ und ich, nach Ausreden zu suchen. Am Anfang ist es ja noch einfach. Nachmittags um drei hat es einfach zu viele Leute im Schwimmbad, also vertrösten wir die Kinder auf später. Doch sie lassen nicht locker. „Wollt ihr denn nicht lieber den Film schauen, den ihr gestern in der Bibliothek ausgeliehen habt?“ Nein, wollen sie nicht. Und überhaupt, für wie blöd halten wir unsere Kinder? Predigen wir doch schon seit Jahren, bei schönem Wetter sitze man nicht vor der Glotze. Und jetzt sollen sie glauben, dass wir ihnen eine Stunde glotzen so ganz ohne Hintergedanken gewähren. Das Gejammer geht weiter und fast werden wir weich. Doch da ziehen Wolken am Himmel auf. „Schaut Kinder, gleich beginnt es zu regnen. Wir bleiben zu Hause.“ Schreckt sie das ab? Nicht im Geringsten. Die paar Regentropfen halten doch keinen kleinen Venditti vom Baden ab. Jetzt fällt uns keine Ausrede mehr ein, die Taschen werden gepackt. Sieg für die Kinder!

Beinahe. Plötzlich kommt Wind auf, es wird wirklich kühl. Laut zugeben wollen es die Kinder zwar nicht, doch die Lust aufs Baden ist ihnen vergangen. Dreimal raten, wer Schuld daran ist, dass das Wetter so plötzlich umgeschlagen hat…

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