Vielleicht war ich ja etwas voreilig mit meinem Urteil über Dr. Sarah May. Die Frau hat nämlich durchaus Qualitäten, ja, sogar Mutterqualitäten. Zumindest, wenn ich sie spiele. Dann hüpft sie morgens aus dem Bett, stürzt sich in die Kleider und rast zum Tiergehege, noch bevor sie sich ein Frühstück genehmigt hat. Sie füttert die Tiere, putzt das Gehege – und zwar nicht nur so oberflächlich, sondern richtig gründlich,- sie streichelt jedes Tierchen einzeln, spielt mit jedem und dann rast sie ins Haus, um Kunden zu bedienen, weitere Tiere zu pflegen, Futter einzukaufen. Und irgendwann, wenn sie schon beinahe kippt vor lauter Hunger, gönnt sie sich eine kleine Mahlzeit. Während die Tiere prächtig gedeihen und die Kunden höchst zufrieden sind, knausert Dr. Sarah May mit sich selber: Kaum Freizeit, kaum Zeit für Mahlzeiten, kaum Musse, ein Buch zu lesen. Und irgendwann, wenn der Mond schon hoch am Himmel steht, sinkt sie ins Bett und träumt einem nächsten randvollen Tag entgegen.
Die perfekte Mutter also, nicht wahr? Selbstlos, idealistisch, aufopferungswillig. Ja, so wäre Sarah May, wenn da nicht der Computer wäre. „Du brauchst mal eine Pause“, sagt er, wenn sie gerade so schön in Schwung ist. Oder „Wie wär’s mit einer kleinen Mahlzeit?“, wo sie doch gerade so fleissig am Tiere streicheln war. Oder „Zeit, ein paar Stunden zu schlafen“, wo sie doch unbedingt noch dies und das erledigen sollte. Wie soll Sarah May den Laden je in Griff kriegen, wenn der Computer sie immer wieder zum süssen Nichtstun auffordert?
Nachdem ich ein paar Runden in der „Tierklinik“ von Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten herumgeschnuppert habe, fiel mir auf, dass Dr. Sarah May mein eigenes Leben perfekt spiegelt. Sie gibt alles, ist nur zufrieden, wenn sie eine Höchstleistung erbracht hat, trampelt ihre eigenen Bedürfnisse zu Boden. Und wundert sich vielleicht, dass sie dabei ausbrennt. Wo sie doch bloss ihr Bestes geben wollte….
