Wenn man jeweils so über unser Leben liest, könnte man auf den irrigen Gedanken kommen, dass „Meiner“ und ich die perfekte Ehe führen und dass wir uns in allem und jedem einig sind. Es ist ja tatsächlich so, dass wir ziemlich gut harmonieren, aber es gibt da so eine Sache, bei der wir uns so langsam aber sicher immer weiter voneinander entfernen. Nämlich in der Frage Bio oder billig, Reformhaus oder Aldi, umweltgerecht oder budgetverträglich.
Dass es so kommen würde war schon von Anfang an absehbar. Nämlich damals, als „Meiner“ und ich einen ganzen sonnigen Sommermorgen im Schwimmbad der Frage nachgingen, ob zwischen einem Bio-Joghurt und einem gewöhnlichen Joghurt tatsächlich ein geschmacklicher Unterschied bestehe, oder ob man sich dies bloss einbilde, weil man für den Bio-Joghurt mehr bezahlt hat. Und wie das so ist im zarten Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren, vertrat jeder die Meinung, die am weitesten von seiner Herkunft entfernt war. „Meiner“, der aus einer Familie stammt, in der man gar keinen Joghurt ass, weil das viel zu gesund und deshalb anrüchig war, vertrat vehement die Meinung, dass ein Bio-Joghurt zehnmal besser sei als jeder herkömmliche Mist aus der Migros. Ich mit meinem grünen Hintergrund – handgestrickte Jacken aus handgesponnener Wolle von den eigenen Schafen, hausgemachtes Brot aus frisch gemahlenen Körnern und Sonnenkollektoren auf dem Dach – war hingegen der Ansicht, dass Bio bloss Geldmacherei sei.
Wie das so ist im Leben, nähert man im Laufe der Jahre, wenn man fertig rebelliert hat, wieder seiner Herkunft an und so kommt es, dass „Meiner“ und ich heute die gleiche Diskussion mit umgekehrten Vorzeichen führen. Während bei mir die Dinge immer ökologischer, sozialverträglicher und natürlicher sein müssen, zieht es „Meinen“ immer öfter zum Regal mit den Billigstprodukten. Das führt dann dazu, dass „Meiner“ mir freundlich anerbietet, den Einkauf zu übernehmen, was ich im Wissen, dass er wieder billig statt Bio anschleppen wird, zu verhindern suche. Schliesslich aber muss ich ihn hin und wieder doch ziehen lassen, weil ich einfach zu viel anderes um die Ohren habe und am Ende haben wir wieder Zoff, weil „Meiner“ Eier aus Bodenhaltung gekauft hat und sich mit der faulen Ausrede „Sei doch froh, dass ich keine ausländischen Eier genommen habe“ herausredet. Dann wieder gerät „Meiner“ in Rage, wenn gegen Ende des Geldes noch ein ganzes Stück Monat übrig ist und ich dennoch darauf bestehe, möglichst viel Bio und Fairtrade zu kaufen.
So banal die Sache ist, für unsere Beziehung birgt sie erstaunlich viel Zündstoff, streiten wir doch über kaum etwas öfter, als über dieses Thema. Weshalb wir uns dennoch immer wieder versöhnen? Weil „Meiner“ insgeheim sehr genau weiss, dass ökologisch, und fair besser wäre. Und weil ich sehr genau weiss, dass unser Budget leider nicht immer ökologisch und fair verkraften kann.

So ein eigener Garten ist ein wahrer Segen… Wir werden jeweils im Sommer von meinem Vater mit Pro-Specie_Rara-Köstlichkeiten beliefert. Hach, wann kommt endlich der Sommer wieder? 😉
Das mit dem Einkauf beim Produzenten würde ich auch gerne machen, aber leider hat mir bis jetzt immer die Zeit gefehlt, einen zu finden. Hin und wieder behelfe ich mir mit einer Bio-Kiste, was auch noch vergleichsweise günstig kommt.
Auch bei uns eine „gern“ geführte Diskussion…
Einen gemeinsamen Kompromis haben wir noch nicht gefunden, es endet aber meistens gleich:
Ich hole meistens Gemüse (günstiger und besser) und Käse (teuerer aber viel besser) im Milchhüüsli (sowas wie Volg, aber mit regionalen Produkten), direkt ab Hof oder auf dem Wochenmarkt (Äpfel etc.).
Reibkäse, Milchprodukte, Eier, Mehl, Zucker, Butter, Cornflakes, Süssgetränke etc. dürfen auch M-B/Li*l sein. Kauft der Mann ein ist alles günstig 😉
Wobe ich letzten Sommer gemerkt habe das die M-B-Tomaten nicht nur günstiger sondern auch besser im Geschmack waren. Die konnten wir sogar roh essen 😉
Dieses Jahr wird es nochmals anders, wir können den Garten der Grosseltern endlich selbst bewirtschaften.
Die Diskussionen kenn ich… Unsere Kompromiss-Lösung: Gewisse Produkte, die uns sehr wichtig sind, kommen nur aus Bio/Fairtrade, bei anderen wiederum greifen wir durchaus zu den Billigprodukten. Und als Bauerntochter kauf ich auch gern gleich bei den Produzenten ein – jedenfalls dort, wo ich weiss, dass die Lebensmittel so produziert werden, wie ich das gern hätte. Und es kommt meist erst noch billiger als im Laden… 😉