Schluchz!

Die ersten Tränen hatte Luise bereits vorgestern vergossen, doch als sie heute den ganzen Vormittag über ziemlich aufgeräumt und glücklich erschien, dachte ich, dass wir den schweren Abschied von unserem Au Pair vielleicht ohne weitere Tränen überstehen würden. Doch dann, etwa fünfzehn Minuten vor der Abfahrt, brach der Damm erneut und Luise sass schluchzend und schniefend auf des Au Pairs Schoss. Wir anderen sassen betreten daneben, hätschelten und trösteten Luise und lenkten uns damit von unserer eigenen Traurigkeit ab.

Doch dann, als das Au Pair ins Auto stieg, Luise noch herzzerreissender schluchzte und uns allen klar war, das es jetzt wirklich ernst galt, konnten auch „Meiner“ und ich nicht mehr anders, als ein paar Tränen zu verdrücken. Karlsson wartete noch, bis das rote Auto ausser Sichtweite war, dann rannte auch er schluchzend nach oben, wo er dem Au Pair einen ersten Brief schrieb. Das Schreiben beruhigte unseren Ältesten, worüber ich sehr froh war, denn inzwischen lag der FeuerwehrRitterRömerPirat mit Herzschmerz auf dem Sofa. Bei jedem Versuch, ihn zu trösten, kam eine neue Welle der Traurigkeit über ihn, die natürlich auch mich mit sich riss. Einzig das Prinzchen und der Zoowärter heulten nicht, aber die werden auch erst in den kommenden Tagen verstehen, dass das Dachzimmer jetzt leer, der achte Platz am Tisch nicht mehr besetzt ist.

Ich weiss, dass ein Abschied genau so sein muss, wie er heute war: Traurig, aufwühlend, schmerzhaft. Wäre man fröhlich oder gar erleichtert, wäre dies ein schlechtes Zeichen. Die Geschichten von Gasteltern und Au Pairs, die sich zum Schluss nur noch aus dem Weg gehen und die einander keine Träne nachweinen, kennen wir alle und ich bin von Herzen dankbar, dass es bei uns nicht so war. Einen Abschied unter Tränen erlebt man nur nach einer sehr guten Zeit. Doch dieses Wissen macht die Tatsache, dass diese sehr gute Zeit jetzt zu Ende ist, nicht weniger traurig.

 

2 Gedanken zu “Schluchz!

  1. Ich bin froh, dass wir vor dem neuen Au Pair noch ein wenig Zeit haben. Ich glaube, „die Neue“ hätte einen schweren Stand, wenn sie gleich jetzt, wo die Kinder noch so traurig sind, kommen würde. Aber natürlich freuen wir uns auch schon riesig darauf, jemand Neues kennen zu lernen.

  2. Ja ein AP Abschied ist immer schwer. Wir haben bisher auch immer alle geweint und es fällt einem schwer einen Menschen gehen zu lassen mit dem man 1 Jahr gemeinsam gelebt, gestritten und gelacht hat. Aber zum Glück bleiben die schönen Erinnerungen und die Vorfreude auf euer nächstes AP. Und Ich gebe dir absolut recht, wenn man sich über den Abschied heimlich freut ist irgendetwas während des Jahres falsch gelaufen.

    Drücke euch alle Daumen, dass es wieder so gut klappt.

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