Eigentlich hätte ich auf die Frage vorbereitet sein müssen, nachdem ich am Samstag stundenlang mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten die Lego-Burg zusammengebaut hatte. „Mama, spielst du mit mir Lego?“, wollte er am Sonntag von mir wissen und mit spielen meinte er diesmal nicht zusammenbauen, sondern richtig spielen, mit Angriffen auf die feindliche Burg, Verfolgungsjagden und allem was sonst noch dazugehört. Ich hätte ja nur zu gerne ja gesagt, aber weil ich eine miserable Spielkameradin bin, musste ich meinen Sohn enttäuschen. Zusammenbauen? Liebend gerne. Abenteuerliche Geschichten von Zeitreisen ins Mittelalter vorlesen? Noch lieber. Tausendundeine Frage über die Ritterzeit beantworten? Nur zu. Aber spielen? Nicht mit mir. Denn spielen mit mir ist geradezu einschläfernd.
Das war schon immer so. Ich war keines jener Kinder, die sich stundenlang rollenspielend in einer Fantasiewelt tummeln konnten. Lesend und später auch schreibend ja, aber spielend? Nein, dazu war ich viel zu bodenständig. Klar, auch ich spielte mit Puppen und Playmobil, aber diese Spiele mussten immer nahe an der Realität sein. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich meine Schwester dazu überreden wollte, dass unsere Puppen sich mal ganz heftig in die Haare geraten sollten, weil man im richtigen Leben ja auch hin und wieder streitet. Es kam dann auch tatsächlich zum Streit, aber nicht zwischen den Puppen, sondern zwischen uns Schwestern, weil die Gute einfach nicht einsehen wollte, weshalb unser Spiel das wahre Leben spiegeln sollte. Rückblickend verstehe ich nur zu gut, dass meine Schwester nur selten Lust hatte, mit mir zu spielen. Wer will denn schon die doofsten Seiten des Kinderalltags nachspielen?
Auch heute kommt es selten gut, wenn die Kinder versuchen, mich in ihr Spiel hineinzuziehen. Nehmen wir mal an, die Kinder würden mit mir Einkaufsladen spielen wollen. „Mama, du wärest jetzt die Kundin, die noch kurz vor dem Mittagessen eine Büchse Ravioli kaufen möchte“, würden die Kinder zum Beispiel sagen. „Müssen es denn unbedingt Ravioli sein?“, würde ich dann protestieren. „Ihr wisst doch, dass ich nie so etwas Ungesundes auf den Tisch bringen würde. Ich könnte doch auch die Kundin sein, die kurz vor dem Mittagessen noch Tofubratlinge und einen grünen Salat einkaufen möchte.“ „Aber nein Mama, das ist doof. Du sollst jetzt diese blöde Kundin sein, die ihren Kindern nie etwas Anständiges kocht und die immer erst in letzter Minute in den Laden gerannt kommt. Und dann schimpfst du mit der Verkäuferin, weil sie keine Dosenravioli mehr hat“, würden dann die Kinder sagen. „Aber die arme Verkäuferin kann doch auch nichts dafür, dass es keine Dosenravioli mehr hat. Wo doch alle Mütter zu faul waren, etwas Anständiges einzukaufen. Da kann die Kundin doch nicht mit der Verkäuferin schimpfen. Also ich würde viel lieber Tofubratlinge…“ „Nein Mama, Tofubratlinge gibt es in diesem Laden nicht! Ravioli sollst du kaufen!“ „Aber ich will keine Ravioli kaufen…“ „Dann spielst du eben nicht mit, Mama. Mit dir zu spielen macht überhaupt keinen Spass. Luise, spiel du die doofe Kundin und ich spiele die Verkäuferin, die ….“
Zugegeben, die Szene ist frei erfunden, aber nur, weil unsere Kinder schon längst begriffen haben, dass mit Mama spielen keinen Spass macht. Nun ja, die meisten haben es begriffen, der FeuerwehrRitterRömerPirat will noch immer nicht glauben, dass die Mama, die mit Leib und Seele dabei ist, wenn es etwas Aufzubauen gilt, völlig unbrauchbar ist, wenn eine Burg eingenommen werden soll. Ich fürchte, ich werde demnächst einmal mitspielen müssen, damit er sieht, wovon ich rede, wenn ich ihm versichere, dass es öde ist, mit mir zu spielen.
Ich nehme an, dass einige meiner Leser mich jetzt ganz furchtbar herzlos finden. Bin ich aber nicht. Zwar bin ich keine Spielkameradin für meine Kinder, dafür habe ich in enger Zusammenarbeit mit „Meinem“ dafür gesorgt, dass es an Spielkameraden nie mangelt, auch dann nicht, wenn sämtliche Freunde und Nachbarn in den Ferien sind. Und glaubt mir, das war kein Kinderspiel, sondern knochenharte Arbeit, besonders dann, als es galt, diese Spielkameraden zu gebären.

Wie bin ich froh, dass es auch anderen so geht. Zuweilen fühle ich mich ziemlich „rabenmutterhaft“, wenn ich mal wieder nicht mitspielen mag…
Hihihi, der Eintrag hätte von mir sein können. Aufbau des Kaufladens, der Lego-Feuerwehr, der Bausteinstadt jederzeit gern, aber ich will nicht der Autofahrer sein, der zu schnell rast, nicht die Frau, die Pommes aus der Tiefkühltruhe einkauft und nicht der Baggerfahrer, der die Stadt abreißt. Ich kann mir aber auch nicht erklären, woraus diese merkwürdige Abneigung resultiert …
Ich flüchte mich jeweils auch ins Backen, basteln kommt nämlich ebenso wenig in Frage wie spielen…
Ja, es ist tatsächlich schade, dass es heute nicht geklappt hat, aber nachdem ich das Telefon aufgehängt hatte, kam der FeuerwehrRitterRoemerPirat und jammerte, ihm sei soooooooo schlecht. Seither liegt er nur noch auf dem Sofa und schläft. Und ich bin froh, dass wir euch diesen Käfer nicht auch noch anhängen können.
Ich wünsche euch allen gute Besserung und die Geduld für den Endspurt. Ganz liebe Gruesse an alle.
Liebe Tamar
Genauso geht es mir auch, spielen ist einfach nicht mein Ding – darum wird an Regentagen in den Ferien bei uns zu Hause fleissig gebacken und das Büro kommt in den Genuss all der leckeren süssen Sachen, damit ich nicht noch runder werde 😉 Ok, im Moment nützt ja auch nichts essen nichts…
Schade, dass wir uns heute nicht sehen, aber mir ist auch lieber, wenn es wieder einmal klappt, wenn alle auf dem Damm sind.
Bis hoffentlich bald!!! Und gute Besserung an alle, die es nötig haben, Katia
Dann also herzlich willkommen! Freut mich immer, wenn ich jemanden zum Lachen bringen kann.
Wir haben fünf, vier Söhne, eine Tochter. Von mir aus hätte es noch eins mehr sein dürfen, aber ich glaube, wenn es noch ein Junge geworden wäre, dann hätte mich meine Tochter vor die Tür gestellt…
Liebe Grüsse
Tamar
Bin zufällig auf deine Seite geraten (über einen Kommentar von dir zu Ines`Status bei Facebook) – einfach köstlich!!! Hab so gelacht! 🙂 Liebe Grüße, Karin.
PS: Wieviele Kinder habt ihr denn??? 🙂