20 lebensverändernde Minuten

Sie haben mal wieder herausgefunden, dass Kinder besser lernen, wenn sie nicht zu früh zur Schule müssen. Haben sie auch früher schon herausgefunden, aber meiner Meinung nach hätten sie gar keine Studien durchführen müssen. Sie hätten auch erfahrene Eltern fragen können und die hätten dann wohl gesagt, dass es bei jedem Kind ein wenig anders ist. Die einen sind morgens um sechs bereits voll aufnahmefähig, die anderen kommen erst gegen elf in die Gänge. Im Grossen und Ganzen – das würden die Eltern wohl sagen – würde die Mehrheit der Kinder lieber länger liegen bleiben, auch jene, die frühmorgens schon taufrisch sind. Weil man aber so etwas nicht einfach so glauben mag, wird nun an einigen Schulen getestet, ob die Schüler glücklicher sind, wenn sie – und jetzt bitte festhalten – zwanzig Minuten später antraben müssen. Glaubt mir, diese zwanzig Minuten werden die Schweiz verändern…

Von solchen Fortschritten dürfen unsere Kinder nicht mal träumen, bei ihnen soll es nämlich nicht später anfangen, sondern früher und zwar auch zwanzig Minuten, wenn ich richtig gelesen habe. Im Grunde genommen müsste ich jetzt aufschreien wollen, denn als bekennender Morgenmuffel, der mindestens drei, vielleicht gar vier  ebenso überzeugten Morgenmuffeln das Leben geschenkt hat, graut mir vor dem Morgengrauen. Dennoch habe ich erst einmal laut gejubelt über die Stundenplanänderung, denn fünfmal zwanzig Minuten früher bedeuten einen zusätzlichen freien Nachmittag für unsere stressgeplagten Kinder. 

Für mehr Freizeit hätte man natürlich auch eine Stundenreduktion ins Auge fassen können, aber vermutlich braucht es noch ein paar Studien, die belegen, dass mehr Lektionen nicht automatisch mehr Wissen bedeuten. Nun ja, man könnte auch die Eltern fragen, ob ihre Kinder klüger geworden sind, seitdem sie mehr die Schulbank drücken müssen…

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3 Kommentare zu “20 lebensverändernde Minuten

  1. Ich frage mich ja außerdem, warum man sich gerade am maroden amerikanischen Schulsystem orientiert (ich sag nur Bachelor, WÜRG), statt mal einen Blick auf die Pisa-Gewinner wie Finnland und Schweden zu werfen. Die haben echt gute Schulmodelle. Und einige oben schon angedeutete Schulmodelle kosten noch nicht mal was oder wenigstens nicht viel in der Umsetzung!

  2. Diese Sache mit Studienauswertungen und der Umsetzung in der Politik bringt mich jedes Mal wieder auf die palme. Entweder werden wirklich wichtige Erkenntnisse gänzlich ignoriert, geplant aber nie durchgeführt oder aber durchgeführt…in gänzlich lächerlichen Weisen, so wie hier die 20 Minuten. Zumal -und das muss man dringend bedenken, wenn man solche Studien liest- es angebracht wäre, nicht nur hier mal ne Kleinigkeit und da mal ein Quäntchen zu verändern, sondern den Status Quo so anzupassen, dass die Veränderungen wirklich Sinn machen.

    Ich könnte heulen, wenn ich dran denke, was für wunderbare Schulmodelle ich in meinem Studium (im Nebenfach!) kennen gelernt habe und wie alt aber brillant manche davon sind – und was geändert wurde. Nix. Naja, nicht viel. Vor allem nicht viel Sinnvolles.

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