Nein, mir ist nicht kalt

Ihr lieben Menschen, die ihr mich jedes Mal, wenn das Thermometer unter die 20-Grad-Marke sinkt, mit Erstaunen und leichtem Vorwurf in der Stimme fragt, ob mir nicht kalt sei, wenn ich so ganz unbestrumpft und ohne Jacke draussen unterwegs bin, ich muss euch einmal etwas sagen:

Seit bald 39 Jahren leben ich nun schon auf diesem Planeten und in diesen langen – oder vielleicht auch viel zu kurzen – Jahren ist es höchst selten vorgekommen, dass mir so richtig kalt war. Das mag zum einen daran liegen, dass ich eher der Kategorie Stubenhocker zuzuordnen bin und nur selten auf der Skipiste oder auf einer Expedition durch die Arktis anzutreffen bin. Vielleicht spielt auch der Klimawandel mit, aber ich glaube, es hat sehr viel damit zu tun, dass mir einfach nicht so schnell kalt wird. Gut, jemand hat einmal auf wenig diplomatische Weise angedeutet, es könnte an meinem überschüssigen Speck liegen, doch ich versicherte der Person, dass ich auch zu schlankeren Zeiten nicht so schnell ins Schlottern komme. Ich bin nun mal ein Mensch, der eher für kühlere Temperaturen geschaffen ist.

Wenn ihr also das Gefühl habt, ich wäre jetzt, wo ihr bereits über die Kälte jammert, als wäre plötzlich der arktische Winter über uns hereingebrochen, zu wenig warm angezogen, dann könnt ihr das getrost für euch behalten. Allmählich habe ich es nämlich satt, mich dafür erklären zu müssen, dass ich mich bei den aktuellen Temperaturen pudelwohl fühle. Frage ich euch etwa danach, ob ihr nicht etwas zu warm angezogen seid für die Jahreszeit? Für mein Empfinden ist es nämlich noch viel zu warm für Wollmützen, Daunenjacken, dicke Schals und Stiefel, aber das muss ich euch doch nicht unter die Nase reiben, die ihr demonstrativ triefen lasst, wenn ihr mir ins Gewissen zu reden versucht.

Warum habt ihr überhaupt das Gefühl, mir ins Gewissen reden zu müssen? Bin ich denn nicht erwachsen genug, um zu wissen, wann ich eine Jacke brauche? Meine Eltern haben bereits vor Jahren verstanden, dass es zwecklos ist, mir in dieser Frage Vernunft beibringen zu wollen, was vor allem daran liegt, dass mein Körper „vernünftig“ in „unerträglich heiss“ übersetzt. Warum also wollt ihr mir noch immer Vernunft beibringen? Erwartet ihr am Ende von mir, dass ich mich trotz drohender Schweissausbrüche warm einpacke, nur damit ihr nicht frösteln müsst, wenn ihr meine Füsse seht, die genau so nackt in den Schuhen stecken wie vor zwei Wochen? Nein, meine Lieben, diesen Gefallen kann ich euch nicht tun, denn wenn mir zu warm ist, werde ich unausstehlich und zwar so richtig. Und glaubt mir: Sollte mir kalt werden, ziehe ich mir schon etwas Wärmeres über.

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7 Kommentare zu “Nein, mir ist nicht kalt

  1. Danke für den Beitrag 🙂 mir geht es genauso! Ausserdem lasse ich auch meinen dreijährigen Sohn selbst entscheiden was er anziehen möchte 😉

    Liebe Grüsse von einem angenehmen Sitzplatz auf einer Parkbank – natürlich ohne Jacke :-))
    Roxi

    • Bin auch so eine Rabenmutter, die ihre Kinder selber spüren lässt, ob ihnen kalt ist oder nicht. Meist geht es ihnen gleich wie mir und dann ernte ich böse Blicke, weil ich sie nicht dazu zwinge, sich wärmer anzuziehen.

      Liebe Grüsse
      Tamar

  2. Pingback: Das hat man davon, wenn man zu langsam strickt… – Beautiful Venditti - Grossfamiliengroove à discrétion

  3. Da sprichst du mir aus der Seele 🙂
    Ich heize den Holzofen erst kurz vor der Heimkunft der Kinderlein an, vorher genieße ich die angebliche „Eiseskälte“ im Haus… ICH mag das so (und außerdem BEWEGT sich die Hausfrau hier….)

    LG aus der Oberpfalz

    anabel

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