Liebe Lehrmittelautoren

Heute Abend habe ich mit Luise für die erste Französischprüfung an der Oberstufe gelernt. „Quel est ton sport préferé?“, „Où habites-tu?“, „Comment tu t’appelles?“, „Est-ce que tu as des animaux?“ und solche Sachen. Kein Problem für jemanden, der bereits Französisch kann und offenbar geht ihr tatsächlich davon aus, dass die Klassen, die schon vier Jahre mit dem Vorläufer eures Oberstufenlehrmittels gearbeitet haben, die Grundlagen der Sprache beherrschen, aber darin irrt ihr leider. Wie hätten sie auch etwas lernen sollen, wo sie doch vier Jahre lang Liedchen gesungen und sich Wörter wie „giratoire“ (Verkehrskreisel) und „onomatopée“ (Lautmalerei) eingeprägt haben? Nichts gegen Liedchen und komplizierte Wörter, aber glaubt ihr wirklich, die Kinder seien danach fit, um an der Oberstufe gleich auf der ersten Doppelseite eures ach so modernen und lebhaften Lehrmittels mit „Est-ce que…“, Inversionsfragen, reflexiven Verben, männlichen und weiblichen Formen, Singular und Plural, etc. klarzukommen? Ein Wunder, dass ihr nicht gleich noch das passé composé reingewurstelt habt! Woher, meine lieben Autoren, sollen die Schüler das grammatikalische Geschlecht all der verwendeten Vokabeln kennen, wenn ihr euch nicht mal die Mühe nehmt, zu jedem Nomen den passenden Artikel zu liefern? Und wozu die App, deren Download eine Ewigkeit dauert, die dann aber doch nicht viel mehr liefert als das Buch? (Mal abgesehen von den Liedchen, auf die ihr auch an der Oberstufe nicht verzichten wollt.)

Klar, meine Französischkenntnisse reichen aus, um Luise beim Lernen beizustehen und ich habe auch volles Vertrauen in die Lehrerin. Aber wie um alles in der Welt soll ich meiner Tochter helfen, das Chaos im Kopf zu ordnen, wenn weit und breit kein klarer Aufbau erkennbar ist? Oder muss ich ihr jetzt wirklich im Eilverfahren den ganzen Stoff einprügeln, den das Frühfranzösisch eigentlich hätte liefern müssen, damit sie an der Oberstufe nicht den Anschluss verpasst? Das kann’s doch nun wirklich nicht sein. Zumal ich eine grottenschlechte Lehrerin bin. 

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9 Kommentare zu “Liebe Lehrmittelautoren

  1. Ich hab mich schon oft gefragt, welche Schlaumeier Schulbücher entwerfen…..mit der Realität geschweige denn Logik haben sie nichts gemeinsam !

  2. unsere Zweite gehört auch zu den Versuchskaninchen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, was wirklich an französischen Vokabeln hängen blieb. Am erschreckendsten finde ich ja, dass sie genau gleichviel Lektionen haben wie die Vorgänger, allerdings auf mehr Jahre verteilt. Dabei zeigen doch alle Studien, dass man mehr lernt wenn man den Stoff zeitmässig verdichtet. On vera!

    • Manchmal habe ich den Eindruck, diese Studien würden nur gemacht, um Studenten zu beschäftigen und ganz bestimmt nicht, um die Resultate in die Praxis einfliessen zu lassen. 😦

  3. wir fangen grade das erste Mal mit Frühfranzösisch an 😉 mit gaaanz tollen Gedichten und endlos Geschichten, die wohl genug Eltern selber nicht verstehen…..

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