- Strasbourg ist wunderschön.
- In Frankreich gibt es eine überwältigende Auswahl an unglaublich coolen, schönen und sinnvollen Küchengadgets.
- Auch wenn mir der Konsumwahn immer mehr zu schaffen macht, wenn ich eine überwältigende Auswahl an unglaublich coolen, schönen und sinnvollen Küchengadgets vor mir habe, bringe ich es nicht fertig, zu widerstehen.
- Wenn der Euro für uns Schweizer so billig zu haben ist, ist das seeeeeehr gefährlich für unser Familienbudget.
- Unsere Kinder mögen kein Pain au Chocolat. Als ich in ihrem Alter war, hätte ich für einen Bissen Pain au Chocolat mein letztes Hemd hergegeben.
- Die Franzosen mögen unsere Kinder nicht. Ob das damit zusammenhängt, dass unsere Kinder kein Pain au Chocolat mögen, oder ob es für diese Abneigung einen anderen Grund gibt, weiss ich nicht. Tatsache ist, dass unsere Kinder noch nie so oft vollkommen grundlos von wildfremden Personen ermahnt worden sind. Für grundlose Ermahnungen sind gewöhnlich wir Eltern zuständig und ich bin zutiefst beleidigt, wenn ein anderer meine Aufgabe an sich reisst. Zumal die Ermahnungen wirklich grundlos waren.
- Muss das Prinzchen ein paar Tage ohne seine Milch auskommen, isst er plötzlich mit grossem Genuss Chicken Korma, Madras Reis, Samosas, Mint Raita und sogar rohe Tomaten. Ich Rabenmutter hatte stets behauptet, das Kind sei heikel, dabei war es einfach pappsatt von der vielen Milch, die es gewöhnlich in sich hineinschüttet.
- Luise gefällt es in Prag besser als in Strasbourg. Hat sie mir nur ca. 127 mal gesagt in diesen vier Tagen.
- Babybel gibt es in verschiedenen Farben, die für verschiedene Geschmacksrichtungen stehen. Während der Farbunterschied relativ einfach festzustellen ist, versuche ich weiterhin herauszufinden, wo sich der Geschmacksunterschied versteckt hat.
- Während es die Franzosen problemlos fertigbringen, bequeme Zugabteile für acht Personen zu bauen, bringt die Deutsche Bahn auf einer ähnlich grossen Fläche gerade mal sechs Personen unter.
- Der Zoowärter scheint ein Ohr für die Französische Sprache zu haben.
- Karlsson und Luise scheinen derzeit ein Ohr für all jene Wörter zu haben, die in ihrem Wortschatz nichts verloren haben.
- Egal wie perfekt ein Hotel sein mag, auf TripAdvisor findet sich immer einer, der eine schlechte Bewertung abgibt. Vielleicht, weil ihm die Farbe des Teppichs nicht gepasst hat, oder weil die Blumen an der Reception etwas welk waren. Hauptsache, man kann sich über etwas beklagen.
- Wenn ich „Meinem“ lange genug nichts schenke, dann freut er sich auch, wenn er von mir einen Regenschirm bekommt. Nun gut, der Regenschirm war ein Designstück…
- Wenn man mit einer Europa-Fahne im Gepäck in die Schweiz reist, lassen sie einen dennoch über die Grenze. Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat’s getestet. Es gibt keinen Detektor, der das Reisegepäck nach Europäischer Propaganda durchleuchtet.
- Egal, ob man lange oder kurz weg war, wieder nach Hause zu kommen ist jedes Mal gleich schwierig.
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Darauf ist Verlass
Wie beruhigend es doch ist, dass in dieser Welt, in der heute nicht mehr gilt, was gestern noch wahr war, in der auf nichts, aber auch gar nichts mehr Verlass ist, nicht einmal mehr auf den Euro oder auf die Facebook-Aktie, in der die Sommer nicht mehr Sommer und die Winter nicht mehr Winter sind, wenigstens etwas bleibt: Der Magen-Darm-Käfer, der mich pünktlich zu meinem Ferienbeginn heimsucht und mir das gute Gefühl verleiht, dass es zumindest eine Sache gibt, auf die ich zählen kann.
Fragen, die ich mir heute nicht beantworten konnte
– Was ist bloss mit der Jugend von heute los? Servierst du Würste, weil du denkst, Kinder hätten sowas gern, bleibst du darauf sitzen. Servierst du Gurken, dann prügeln sie sich um den letzten Bissen. Nun gut, ich kann das ja durchaus nachvollziehen, aber in meiner Generation wurde man frühestens nach dem hundertsten Besuch bei McDonald’s so vernünftig.
– Warum haben die Menschen jemals damit aufgehört, ihre eigene Butter zu machen? Was gibt es Schöneres, als nach einem heissen Tag kühle Butter zu kneten?
– Wo liegt die Grenze zwischen Fleiss und Talent und wie schafft man es als Eltern, die Sache so einzuschätzen, dass man später nicht mit Vorwürfen überhäuft wird? Ich meine Vorwürfe wie „Hätten meine Eltern erkannt, was in mir steckt, ich hätte es viel weiter bringen können.“ Oder aber: „Dieser ewige Druck, etwas sein zu müssen, was ich nicht bin, hat mich komplett fertiggemacht.“
– Wie verdreht ist man, wenn man das Gefühl hat, Scarlett Johansson als Annie in „The Nanny Diaries“ sei der einzige Mensch auf diesem Planeten, der einen versteht?
– Wie bringe ich es fertig, den Tag mit dem Prinzchen in Frieden abzuschliessen, wenn wir beide den richtigen Moment für seine Schlafenszeit verpasst haben?
– Wann ist endlich Feierabend?
– Spinne ich, spinnen alle anderen oder spinnen wir alle zusammen?
– Kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, dass unsere drei über-sechsjährigen Kinder sich einen Film ansehen, der ab sechs Jahren freigegeben ist?
– Wo sind diese elenden Schrauben hingekommen?
– Was riecht hier so abscheulich?
– Schaffen es alle meine Tomaten, reif zu werden, oder wird der Sommer in einigen Tagen bereits wieder vorbei sein?
– Soll ich, oder soll ich nicht? Egal was. Meine Unentschlossenheit erstreckt sich in diesen Tagen auf sämtliche zu treffenden Entscheidungen.
Schwarz
Zuweilen sind Eltern so naiv, zu glauben, sie hätten alles gesehen. Nach dem hundertsten Kaugummi an den Fusssohlen, der fünfhundertsten verschimmelten Kakaotasse im Kinderzimmer, dem tausendsten Paar Socken, das an irgend einem Ort, wo es ganz bestimmt nicht hingehört, vor sich hingammelt, schleicht sich eine gewisse Abgebrühtheit ein. Okay, das alles ist ärgerlich, aber es hilft ja doch nichts, sich darüber aufzuregen. Spätestens in zwanzig Jahren wird in diesem Haus keiner mehr für eklige Überraschungen sorgen. Also Schwamm drüber und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
In der Eintönigkeit der stets gleichen oder immerhin ähnlichen Abscheulichkeiten gibt es aber immer wieder herausragende Ereignisse, die dafür sorgen, dass wir mithalten können, wenn in geselliger Elternrunde über die abstossendsten Erfahrungen des Familienlebens berichtet wird. Da wäre zum Beispiel jene Geschichte mit den Exkrementen, welche der damals noch sehr kleine FeuerwehrRitterRömerPirat an die Wand schmierte. Oder die Banane, die fünf Wochen Sommerferien in der Kindergartentasche verbrachte. Oder der Fruchtfliegenschwarm von heute Morgen.
Fruchtfliegen und Sommer gehören ja so eindeutig zusammen wie Blitz und Donner und wir sind wohl nicht die einzigen, die in diesen Tagen einen aussichtslosen Kampf kämpfen. So aussichtslos, dass sogar „Meiner“ erblasst, wenn er den Schwarm sieht, ist der Kampf aber selten. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass man die Biester summen hörte, so viele umschwirrten ein unschuldig aussehendes Kästchen, welches weitab von Obstschalen, Speiseresten und Katzenfutter hängt. Rabenschwarz war das Möbel, so viele Fliegen waren da und als „Meiner“ mutig das Türchen öffnete, kam ein Schwarm biblischen Ausmasses herausgeflogen.
Der Grund für die ausserordentliche Fliegenplage? Es dauerte lange, bis wir ihn ausfindig machen konnten, denn zuerst sahen wir einfach nur schwarz, summendes, ekliges Schwarz. Anziehungspunkt für die Fliegen war ein Schälchen Kaffeesatz, welches irgend ein Kind – es war vermutlich mal wieder „der Andere“, dieser Mistkerl, der stets verschwindet, wenn eine seiner Schandtaten ans Licht kommt – im Kästchen deponiert und vergessen hatte. Ohne Gift war dieser Plage nicht mehr beizukommen, jetzt aber sind die Biester tot und wir haben eine weitere Abscheulichkeit in unserem Geschichten-Repertoire.
Der perfekte Geburtstagskuchen
Damit das Rezept gelingt, müssen zuerst einmal die Grundvoraussetzungen stimmen. Am besten funktioniert es mit einem Kind, das mitten in den Sommerferien das Licht der Welt erblickt hat. Nur so hat man die Garantie, dass man beide Hände frei hat zum Backen. Sonst hält man ja immer in der einen Hand den Teigschaber, in der anderen das Telefon, oder den Stift, um eine Prüfung zu unterschreiben, oder eine von Fruchtfliegen umschwärmte Kindergartentasche, aus der man eine zerquetschte Banane herausfischen muss, ohne dabei das Eiweiss für den Kuchen zu verunreinigen.
Nun aber zum Rezept: Man nehme einen Samstag, an dem ausser Kuchen backen, Chutney einkochen, Fruchtfliegen vertreiben und Kinder nach einer Woche Ferienlager in Empfang nehmen nichts auf dem Programm steht. Dies vermengt man mit einer übermüdeten und deswegen sehr relaxten Mama Venditti, die alles um sich herum vergisst, wenn sie nur den perfekten Eischnee schlagen kann. Ein Papa Venditti, der für einmal nicht motzt, die Geburtstagsvorbereitungen seien vollkommen übertrieben, sondern stattdessen brav die Geschenke einpackt, verleiht dem Kuchen das gewisse Etwas. Eine Rezeptvariante sieht vor, dass man zum ersten Mal im Leben zur idealen Lebensmittelfarbe greift, welche das Marzipan nicht in eine klebrige, unappetitliche Schmiere, sondern in einen saftig grünen Fussballrasen verwandelt. Dies muss nicht unbedingt so sein, der Kuchen wäre auch mit der klebrigen, unappetitlichen Schmiere geniessbar, es trägt aber erheblich zu Mama Vendittis guter Laune bei, wenn beim Servieren nicht alles an Messer, Tortenschaufel und Fingern kleben bleibt. Glasiert wird das Ganze mit der Abwesenheit des Geburtstagskindes, denn ohne die gewöhnliche Überdosierung an „Liebstes Geburtstagskind, geh doch bitte endlich aus der Küche denn sonst ist die Überraschung im Eimer“ wird der Kuchen viel bekömmlicher.
So also bäckt man den perfekten Geburtstagskuchen. Schade, dass die Zutaten nur während der Sommerferien erhältlich sind und dass der FeuerwehrRitterRömerPirat das einzige Familienmitglied ist, das in weiser Voraussicht dann zur Welt gekommen ist, wenn der Alltag für einige Augenblicke innehält.
Fünfminuten-Therapie nach einem saumässig schlechten Tag
1. Ein Kurzbesuch bei den Tomatenpflanzen. Staunen, wie sehr sie schon wieder gewachsen sind, drei kugelrunde Gelbe pflücken, daran riechen, mit dem Finger über die zarte Haut streichen und die Ernte mit dem Prinzchen – der bis vorgestern noch behauptet hatte, er möge keine Tomaten – und dem Zoowärter – der alles liebt, was wächst – geniessen.
2. Ein noch kürzerer Besuch bei den Zucchini. Beim Anblick der sonnengelben Blüten für einen Moment lang das trübe Wetter vergessen, ein wunderschönes Exemplar pflücken und dem Zoowärter versichern, dass er auch dieses Gemüse lieben wird.
3. Mit den zwei Jüngsten Eier essen, die gestern noch im Legenest lagen und einen Augenblick lang davon träumen, eigene Hühner im Garten zu haben.
4. Um Mitternacht mal schnell eine Mayonnaise für „Meinen“ anrühren. Einfach so, weil der Streit, den wir heute hatten, wieder verflogen ist und weil ich schon so lange nicht mehr mit Eigelb, Öl und Essig gezaubert habe. Den unvergleichlichen Geschmack im Gaumen geniessen und für einen Moment lang glauben, dass etwas, das so himmlisch schmeckt, gar nicht dick machen kann.
Okay, nach dieser Therapie ist nicht einfach alles wieder gut, aber immerhin sieht der Tag im Rückblick nicht mehr grau in grau aus.
Rück meine Tomaten raus!
Es ist wirklich ganz nett, mit einem Mann verheiratet zu sein, der liebend gerne für Ordnung sorgt. Gebt ihm zwei Tage schulfrei und schon macht er sich hinter Küchenschränke, Bücherregale und die Vorratskammer. Dort, wo ich nur unüberwindbare Berge sehe, sieht er Herausforderungen, die ihn dazu anspornen, sein Bestes zu geben. Und so kann es geschehen, dass ich nach einem Freitag im Büro nach Hausse komme und mir erstaunt die Augen reibe. Ist das wirklich die Wohnung, die ich am Morgen verlassen habe, oder habe ich mich im Haus geirrt?
Nun ist das Leben aber leider so, dass keine Sache nur Vorteile mit sich bringt. Jedes Ding hat seine Schattenseiten, auch eine perfekt aufgeräumte Wohnung. In einer solchen kann es nämlich durchaus vorkommen, dass die getrockneten Tomaten für das Risotto, auf das man sich den ganzen Tag gefreut hat, nicht mehr auffindbar sind. Nun gut, man kann natürlich auch ohne getrocknete Tomaten ein köstliches Risotto zubereiten, aber wenn sich meine Geschmacksnerven stundenlang auf eine bestimmte Sache gefreut haben, dann kann ich ziemlich inflexibel werden.
Nun mag man sich fragen, weshalb ich „Meinen“ nicht einfach gefragt habe, wo denn die Tomaten seien, aber so einfach ist es nicht mit diesem guten Mann. Der schafft es zwar im Handumdrehen, das grösste Chaos zu beseitigen, aber das Handy mitnehmen, wenn er ausser Hause geht, das geht nicht. Also konnte ich keinen „Himmel nochmal, wo hast du bloss meine getrockneten Tomaten versteckt?“-Anruf tätigen und es blieb mir nichts anderes übrig, als mit knurrendem Magen auf meinen ordnungsliebenden Herrn Gemahl zu warten.
Der kam dann auch irgendwann nach Hause, nur löste dies mein Problem nicht. Er konnte sich nämlich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wo er die Tomaten versorgt hat. Immerhin aber konnte er mir versichern, dass die Tomaten an ihrem perfekten Platz sein müssen, denn „Weisst du, wir haben jetzt ein System im Vorratsschrank. Hier ganz rechts haben wir Essig und Öl, dann kommt das Salzige, hier links das Süsse und oben die leeren Einmachgläser. Die Tomaten müssten sich also irgendwo in dieser Region befinden, ich weiss bloss nicht mehr wo.“
Glücklichkochen
Nach viel zu wenig Schlaf, einem absolut frustrierenden Tag und einem ausgiebigen Bad im Selbstmitleid habe ich heute nur dies zu sagen: Danke, Mama 007, für die Empfehlung meines neusten Selbsthilfeschmökers, äääähm, ich meine natürlich, der neusten Ergänzung meiner Kochbüchersammlung:
Ich glaube, ich schliesse mich für die kommenden drei Monate in meiner Küche ein, lasse mir regelmässig frische Zutaten durchs Fenster reichen und komme erst wieder raus, wenn ich mich glücklichgekocht habe.
Vergeudeter Optimismus
Irgendwann, im Laufe des Nachmittags überkamen mich Zweifel, ob es eine gute Idee gewesen war, dass wir uns im Dezember Karten für La Bohème besorgt hatten. Nein, nicht nur für „Meinen“ und mich, für die ganze Familie. „Solange die Kinder noch nichts kosten und Familienausflügen nicht vollends abgeneigt sind, müssen wir das ausnützen“, sagten wir uns.
Als aber heute Nachmittag zuerst einmal düstere Gewitterwolken aufzogen, Luise, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich alle drei Minuten in die Haare gerieten, das Prinzchen im Auto den Schlaf nicht fand und Karlsson einen vorpubertären Wutanfall hinlegte, da fragte ich mich, ob wir das Geld nicht besser in eine Fahrt zum Europa Park investiert hätten. Nicht, dass ich das Bedürfnis hätte, dorthin zu gehen…
Inzwischen aber ist das Gewitter weitergezogen, das Prinzchen sitzt auf den Stufen des Amphitheaters und schmettert fröhlich Melodien, die er wohl für Arien hält. Die anderen fragen uns Löcher in den Bauch – über die Handlung der Oper, die Cüpli-trinkenden Schickimickis, die Römer, die hier in Avenches mal zu Hause waren. Wenn das so weitergeht, dann war es vielleicht doch nicht so eine schlechte Idee mit den Opernkarten…
Okay, wiedermal zu früh gefreut. Pünktlich zur Türschliessung die ersten Regentropfen, zum geplanten Vorstellungsbeginn die Durchsage, dass es noch ein wenig weiter regnen würde, weshalb man eine halbe Stunde später anfangen würde. Ja, und dann abends um zehn die letzte Durchsage: Vorstellung abgesagt, Sie können Ihre Tickets zurückerstatten lassen, besten Dank für Ihr Verständnis, fünf schluchzende Kinder und eine miesepetrige ältere Dame, die mir auf Französisch klar machen will, dass meine kleine Tochter – das Prinzchen – noch viel zu klein sei, um so lange aufzubleiben.
So haben wir es mal wieder geschafft, einen Tag im Wasser zu ersäufen. Morgen werden wir uns dann entscheiden, ob wir mit den Tickets von heute einen zweiten Versuch wagen wollen, oder ob wir das Geld zurückfordern, um es in ein wetterfesteres Programm zu investieren.
Zweikindfamilie
Übernächste Woche steht uns ein Abenteuer der besonderen Art bevor: Sieben Tage als Zweikindfamilie. Nur der Zoowärter und das Prinzchen, die uns auf Trab halten, währenddem die drei Grossen im Jungscharlager sind. Da eröffnen sich seit Jahren nicht mehr da gewesene Möglichkeiten.
Man könnte sich zum Beispiel morgens ganz spontan dazu entscheiden, in die Westschweiz zu fahren, weil alle problemlos Platz finden werden in unserem Fünfplätzer. Oder man könnte an einem verregneten Sommertag aus einer Laune heraus ins Thermalbad fahren, ohne vorher drei Monate von Wasser und Brot leben zu müssen, damit man sich den Eintritt leisten kann. Vielleicht könnte man sogar in ein richtiges Restaurant gehen und weil die zwei Kleinen so süss und artig wären, würden sie vom Kellner ein kleines Spielzeug geschenkt bekommen. So wie früher, als das Servicepersonal sich noch nicht entsetzt hinter dem Tresen verkroch, wenn Vendittis im Anmarsch waren. Oder man könnte Bergbahn fahren, ganz spontan irgendwo übernachten, im Garten ein Planschbecken aufstellen und den ganzen Tag faulenzen, einen zufällig zu Hause gebliebenen Babysitter aufspüren und ruhigen Gewissens in den Ausgang gehen – spätestens um halb neun würden die zwei bestimmt schlafen, so dass wir bei der Heimkehr für einmal nicht fünf überdrehte Rabauken und einen zu Tode erschöpften Babysitter antreffen würden.
Die Woche könnte also durchaus spannend werden. Jetzt bloss nicht krank werden, auf gar keinen Fall zulassen, dass sich jemand ein Bein bricht und schon gar keine Versprechen im Sinne von „aber natürlich werden wir eure drei Kinder hüten und wollt ihr uns nicht gleich noch die Goldfische, den Hund und die Pflege eurer Bonsais anvertrauen, damit ihr endlich mal wieder ausspannen könnt?“ abgeben.








