Advent, Advent, aber schnell!

Zum Glück haben mir der Zoowärter und das Prinzchen dieses Jahr so lange in den Ohren gelegen, dass sie sich einen fertig befüllten Playmobil-Adventskalender wollen. Und zum Glück habe ich diesem Wunsch nachgegeben, auch wenn ich es doch ach so romantisch finde, wenn Mama und Papa liebevoll für jedes Kind kleine, süsse Päcken vorbereiten, die das Warten auf Weihnachten verkürzen. Aber was rede ich da von „Mama und Papa“? „Meiner“, sonst ein sehr engagierter Vater und Hausmann, hält sich aus dem ganzen Geschenke-Theater raus, bis auf die eine oder andere Bemerkung, dass ich es mal wieder vollkommen übertreiben würde, dass man das Geld auch ebenso gut aus dem Fenster schmeissen könnte und dass die Kinder das Zeug ohnehin nur rumliegen liessen. Nun ja, das mit den „kleinen, süssen Päckchen“ haut bei mir auch nicht so richtig hin, bin ich doch mit zwei linken Händen gesegnet. Aber Adventskalender müssen einfach sein und  irgendwann zwischen Mitternacht und Morgengrauen war ich fertig – mit den Päckchen und den Nerven. 

Nun ja, so ganz taufrisch war ich nicht, als ich heute früh mit den Kindern das Adventsritual feierte. Noch weniger frisch war ich nachmittags, als zu den Strapazen der Nacht auch noch ein anstrengender Vormittag bei der Arbeit gekommen war. Und so mag man mir verzeihen, dass ich einmal mehr eindöste und nicht mitkriegte, wie der Zoowärter und das Prinzchen dafür sorgten, dass zumindest für sie etwas schneller Weihnachten wird. Sämtliche 48 Türchen sind offen, der Inhalt längst im ganzen Haus verstreut und ich beglückwünsche mich zu meinem äusserst weitsichtigen Entscheid, bei den beiden Jüngsten auf kleine, süsse Adventspäckchen zu verzichten und stattdessen diesen unpersönlichen, fertig befüllten Kram zu kaufen.

Nur ein Viertelstündchen

„Nur ein Viertelstündchen“, seufzte ich, als ich mich heute nach dem allmorgendlichen „Nun zieht euch doch endlich die Schuhe an und macht, dass ihr rechtzeitig zur Schule kommt“-Ritual aufs Sofa legte. Aus dem Viertelstündchen wurden zwei, dann drei und schliesslich, als die Kirchturmuhr elf schlug, musste ich mit Schrecken feststellen, dass ich den ganzen Vormittag verschlafen hatte, währenddem das Prinzchen friedlich an meiner Seite spielte. „Mist, so etwas darf doch einfach nicht vorkommen“, meldete sich sogleich mein Gewissen zu Wort. „Dein armer Herr Gemahl rackert sich in der Schule ab, deine Kinder brüten über Rechenaufgaben, im Küchentrog stapelt sich das Frühstücksgeschirr und was tust du? Du pennst, als hättest du nichts Besseres zu tun.“ Zerknirscht wollte ich vom Sofa aufspringen und mich sogleich in der Küche zu schaffen machen, da meldete sich eine andere Stimme zu Wort: „Hör mal, mein gutes altes Gewissen“, sagte die Stimme, „ich bin von der Gewerkschaft und ich muss dir leider sagen, dass das, was die gute Frau heute Morgen getan hat, schon längst überfällig war. Endlich macht sie sich daran, die Überstunden abzubauen, die sie in den vergangenen Jahren angehäuft hat.“ „Welche Überstunden denn?“, fragte ich verdutzt und mein Gewissen lachte höhnisch: „Überstunden? Wir sind doch hier nicht in einem Betrieb. Die Frau hat Kinder gewollt, sie hat sich dazu bereit erklärt, einen Haushalt zu führen, also ist das, was sie hier zu tun hat, nichts weiter als ihre heilige Pflicht, ihre Berufung sozusagen. Wo kämen wir denn hin, wenn all die Mütter nun auch noch anfangen würden mit dem Geschwätz von fairen Arbeitsbedingungen, dreizehntem Monatslohn und Kompensation von Überstunden?“ „Nun, ich würde sagen, wir kämen ein ganzes Stück weiter. Überleg dir doch mal, wie oft so eine Mutter anstelle der vorgesehenen acht Stunden am Tag geschlagene sechzehn Stunden im Einsatz ist, oft gänzlich ohne Pause und selbstverständlich ohne Lohn. Es ist also höchste Zeit, dass wir die Kompensation der Überstunden in Angriff nehmen, sonst streikt die gute Frau eines Tages und was machen wir dann?“ „Ha! Als ob sie nicht schon längst streiken würde!“, ereiferte sich mein Gewissen. „Eben erst war sie im Ländli, den Sonntagnachmittag hat sie auch schon verpennt und glaub mir, wenn sie nicht ins Schwimmbad gefahren wäre mit den Kindern, sie hätte auch gestern Nachmittag nichts Anständiges zustande gebracht. Wenn diese Frau sich nicht endlich wieder aufrafft, dann laufen hier die Dinge noch ganz aus dem Ruder.“ 

Ob diesem Gekeife wurde ich allmählich wieder wach genug, um die zwei zum Schweigen zu bringen. „Hört mal“, sagte ich, „ihr habt ja beide ein Stück weit Recht. Klar muss ich mich wieder etwas mehr am Riemen reissen, denn immerhin bin ich noch Teilzeit-Hausfrau und kann nicht einfach den ganzen Kram auf ‚Meinen‘ und die Putzfrau abwälzen. Aber ich wage zu behaupten, dass nach all den durchwachten Nächten ein paar zusätzliche Stunden Schlaf noch nicht als Todsünde gelten.“ Und zu mir selber sagte ich: „Zm Glück hast du viele Kinder. Bei Kind Nummer eins hättest du es noch nie und nimmer fertiggebracht, einfach so einen Vormittag zu verschlafen, egal wie kurz die Nacht zuvor war. Jetzt hingegen kannst du das nicht bloss, du musst es. Zumindest hin und wieder…“

 

Aufatmen

Es ist ein ganz und gar neues Gefühl, das seit einiger Zeit über mich kommt, wenn alle Rechnungen beglichen sind. Nicht mehr diese Ohnmacht, weil wieder mal bloss ein kleiner Rest bleibt, mit dem man irgendwie über die Runden kommen sollte. Nicht mehr diese Angst, dass die Krankenkasse wohl wieder zu spät die Kosten für die Arztbesuche zurückerstatten wird. Nicht mehr dieser Frust, weil man schon wieder von dem wenigen Ersparten, das da noch ist, etwas abzwacken muss. 

Oh nein, wir schwimmen nicht plötzlich im Geld, zumindest nicht für Schweizer Verhältnisse, wenn man mit Menschen andernorts vergleicht, natürlich schon. Aber wo es vorhin immer eng war, bleibt plötzlich genug, um auch mal etwas auf die Seite zu legen. Nicht viel, aber immerhin etwas. Noch schöner aber ist, dass man nicht mehr jeden Spendenbrief seufzend zur Seite legen muss, sondern dass man immerhin da und dort einen kleinen Beitrag leisten kann, damit es nicht nur uns, sondern auch anderen etwas besser geht. 

Nun gut, unsere ewige Angst, dass das Geld nicht reichen könnte, sind wir natürlich noch nicht losgeworden. Zu lange haben wir mit ihr leben müssen und wer eine (grosse) Familie zu versorgen hat, wird wohl nie ganz frei sein davon.  Aber so allmählich kommt da auch ein wohliges Gefühl von Dankbarkeit auf. Denn seien wir doch ehrlich: dass wir keinen Mangel leiden, haben wir nicht nur uns selbst zu verdanken.

Mama, lass mich schlafen!

Da habe ich mich doch wieder mal für besonders schlau gehalten heute. „Glaube bloss nicht, dass du mich heute wieder mit deiner ‚ich gönne mir um halb fünf einen ausgiebiges Schläfchen und Haue dann bis Mitternacht auf die Pauke‘-Phase stressen kannst“, sagte ich zum Prinzchen, als er sich am späten Nachmittag verdächtig die Augen rieb und nach Kakao verlangte. „Heute schläfst du dann, wann ich es will und darum kommst du jetzt mit mir einkaufen.“ Das Prinzchen war nicht sonderlich begeistert, was mich nicht weiter hätte wundern sollen, wo mir doch Luise bereits im zarten Alter von drei Jahren erklärt hatte, dass „nur wir Frauen gerne einkaufen“.

Nun, ich halte mich nicht an solche Klischees und so musste das Prinzchen eben mit. Als wir drei Minuten später in der Migros ankamen, schlief das Kind tief und fest. „Na warte, mein Kleiner. Du wirst jetzt schön brav wieder aufwachen und in den Einkaufswagen sitzen. Dort ist es so unbequem, dass dir die Lust am Schlafen vergeht“, brummte ich vor mich hin und hob das inzwischen halb wache Kind in den Sitz, der schon bald zu eng sein wird für ihn. Dort behielt er tatsächlich dreissig Sekunden lang die Augen offen, dann fielen sie ihm wieder zu und wenige Momente später schlief er so tief, dass alles Kitzeln und „Komm Prinzchen, mach die Augen auf und schau dir diesen schönen Samichlaus an“ nicht mehr half.

Und wieder einmal musste ich einsehen, dass ein Kind, wenn es gerade eine Phase durchmacht, sich nichts, aber auch gar nichts von Mama sagen lässt. Immerhin bekam ich mal wieder ein paar „Ach, wie süß“-Kommentare zu hören. Etwas, was ich wohl schon bald nicht mehr erleben werde, hat mich doch meine Erfahrung gelehrt, dass kleine Jungen spätestens wenn sie vier sind nicht mehr als süss gelten, auch wenn sie es noch immer sind.

 

Nur eine Phase

„Es ist nur eine Phase“, sagen wir Mütter, wenn unser Kind plötzlich keine Kartoffeln mehr essen will und deshalb bei jeder Mahlzeit den Inhalt des Tellers auf den Fussboden kippt. „Sie hat mal wieder eine ihrer Phasen“, entschuldigen wir uns, wenn die Tochter nicht mehr aufhören will, nach einem Überraschungsei zu schreien. „Ach, ich zerbreche mir lieber nicht zu sehr den Kopf über die Sache, er hat wohl wieder eine Phase“, seufzen wir, wenn der Sohn die Sandkuchen, die er bäckt, auch wirklich aufisst. Und wenn die Phase vorbei ist, wird alles wieder normal und man kann sich ein wenig erholen, bevor die nächste Phase kommt.

Bei einem oder zwei Kindern mag das so sein, aber spätestens ab Kind Nummer drei sind Verschnaufpausen zwischen den Phasen reines Wunschdenken. Denn kaum hat ein Kind seine Phase hinter sich, fängt das Nächste mit etwas Neuem an. Bei uns sieht das zum Beispiel so aus: Vor den Herbstferien befand sich Karlsson in der „Wagt bloss nicht, etwas von mir zu fordern. Ich denke nicht im Traum daran, mich auch noch zu Hause stressen zu lassen, wo doch die Schule schon anstrengend genug ist“-Phase. Zum Glück verschafften die Ferientage eine gewisse Erleichterung, doch natürlich dauerte die Entspannung für uns Eltern nicht lange. Denn nach den Herbstferien geriet Luise in eine Phase von „Meine Eltern sind voll doof, wollen mich immer nur ärgern und darum motze ich sie bei jeder Gelegenheit an“. Ziemlich anstrengend diese Phase und auch verletzend, denn wenn das Kind, das du so sehr liebst, in dir nur noch einen Gegner sieht, ist das ziemlich schmerzhaft. Mit der Zeit erkannte unsere Tochter, dass es nicht gerade nett ist, die Eltern anzubrüllen, sie fing an, sich für ihre Ausfälligkeiten zu entschuldigen und seit einigen Tagen scheint sie wieder das nette, sozialkompetente Kind zu werden, das sie eigentlich ist. Zeit für den Zoowärter, sich etwas einfallen zu lassen. Die „Ich weigere mich standhaft, in den Kindergarten zu gehen“-Phase hat angefangen. Gestern schaffte ich es gar nicht, das Kind aus dem Haus zu bringen, heute Morgen stand er fünf Minuten, nachdem er das Haus verlassen hatte, strahlend in der Tür und verkündete: „Heute hat der Kindergarten nur ganz kurz gedauert!“ Morgen wird er zum Glück ausschlafen können und am Sonntag wird er wohl auch keine Probleme machen, denn zum Kindergottesdienst geht er wirklich gerne. Aber mir graut schon jetzt vor dem Montagmorgen, auch wenn ich die Hoffnung, dass es sich diesmal nur um eine Kürzest-Phase handelt, noch nicht aufgegeben habe.

Je schneller die „Ich weigere mich standhaft, in den Kindergarten zu gehen“-Phase wieder vorbei ist, umso besser, denn das Prinzchen gedenkt nicht, mit seiner Phase zu warten, bis sein älterer Bruder seine beendet hat. Der Kleine kostet seine „Ich gönne mir nachmittags um halb fünf ein ausgiebiges Schläfchen und haue dann bis Mitternacht auf die Pauke“-Phase in vollen Zügen aus. Zum Glück verhält sich der FeuerwehrRitterRömerPirat in diesen Tagen so vorbildlich, dass er diese Woche nur ein einziges Mal zu spät zur Schule gekommen ist. Allerdings wage ich nicht, mich allzu laut darüber zu freuen, denn ich fürchte, dass es nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Die nächste Phase kommt bestimmt, auch bei ihm. 

 

(Nicht ganz)alles beim Alten

So eine Auszeit, wie ich sie mir vergangenes Wochenende habe gönnen dürfen, ist ja schnell wieder vergessen. Kaum fällt die Wohnungstür hinter dir ins Schloss, bist du nicht nur  umringt von deinen Lieben, die dich vermisst haben, sondern auch von all dem Kram, den der Alltag jeweils liegen lässt. Spätestens eine halbe Stunde später hältst du zum ersten Mal wieder einen Putzlappen in der Hand und wenn du am nächsten Morgen die Kinder weckst, ist es, als wärest du nie weg gewesen; sie motzen dich an wie eh und je, weil du dazu gezwungen bist, sie aus dem Schlaf zu reissen. 

Es gibt Mütter, die auf Auszeiten verzichten, weil der Stress des Heimkommens grösser ist als der Genuss der Entspannung. Auch ich habe am Montagmittag geseufzt, als ich mich gehetzt wie eh und je  zum Essen hinsetzte. „Ich weiss schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht und dabei war mir während der Tage im Ländli so einiges klarer geworden“, klagte ich. „Ich hatte mir doch so sehr vorgenommen, ein wenig Ruhe in den Alltag einfliessen zu lassen. Aber mir scheint, ich bin nicht lernfähig.“

Doch dann ertappte ich mich am Dienstag dabei, wie ich auf eine Anfrage etwas sagte, was ich sonst kaum über die Lippen bringe, nämlich die vier Buchstaben N-E-I-N. Nicht zu einem Kind, dem ich die Süssigkeiten verweigern musste, auch nicht zu „Meinem“, der mich zu einem gemütlichen Filmabend überreden wollte, sondern zu einer Anfrage, die einmal mehr dazu geführt hätte, dass ich irgendwie zwischen Kind, Haushalt,  Ehe und Arbeit noch eine Verpflichtung hineingewürgt hätte. Ein unglaublich gutes Gefühl. So gut, dass ich es heute gleich noch einmal ausprobierte. Es klappte, das Nein wurde akzeptiert, der Tag verlief deutlich ruhiger als wenn ich ja gesagt hätte. Er verlief nicht vollkommen beschaulich, natürlich nicht. Ist ja gar nicht möglich bei uns. Aber er verlief immerhin so beschaulich, dass ich mir heute Abend ohne schlechtes Gewissen und ohne „Mist, das hätte ich auch noch erledigen sollen“, die Borgias reinziehen konnte. 

Ich bin natürlich nicht so vermessen, vollmundig zu behaupten, ich hätte meine Lektion gelernt und ab jetzt werde alles anders. Dafür kenne ich mich viel zu gut. Aber ein kleines bisschen stolz bin ich schon auf die zwei N-E-I-N, die mir da über die Lippen gekommen sind. 

Einzigartig

Natürlich machte ich mir damals, vor elf Jahren, als ich unseren ältesten Sohn zum ersten Mal im Arm hielt, noch keine Gedanken darüber, was er sich wohl zu seinem elften Geburtstag wünschen würde. Aber wenn ich mir Gedanken darüber gemacht hätte, ich hätte mir wohl ausgemalt, wie ich ihm weismachen würde, dass er keinen eigenen Computer bekommen könne. Ich hätte mir überlegt, wie ich ihm das Handy ausreden könnte oder wie ich ihn davon überzeugen sollte, dass Nintendo langweilig ist.

Nie aber hätte ich mir vorgestellt, dass ich am Vorabend seines grossen Tages mit ihm durch die Kleidergeschäfte ziehen würde, um für ihn den perfekt sitzenden Anzug – mit Gilet und Krawatte – aufzustöbern. Nie hätte ich gedacht, dass ich mit einer Mischung aus Sorge und Stolz dabei zusehe, wie er sich für den Schulbesuch in Schale wirft; Sorge, weil eine gewisse Gefahr besteht, dass er ausgelacht wird, Stolz, weil er bereits mit elf den Mut hat, sich selber zu sein. Nein, Karlsson ist nicht so geworden, wie ich ihn mir vorgestellt hätte, wenn ich mir damals bereits Gedanken gemacht hätte darüber. Und das ist es, was mir am Kinderhaben so gefällt: Sie werden sich selber, mit Spuren dessen, was wir ihnen weitergeben, aber doch ganz und gar einzigartig.

 

So schlimm?

Wenn zwei heiraten: „Mal sehen, wie lange das hält. Hoffentlich haben die einen guten Ehevertrag abgeschlossen. Man kann ja nie wissen heutzutage…“

Wenn sich das erste Kind ankündigt: „Na, hoffentlich lässt es euch nachts noch schlafen. Und Zeit zu zweit werdet ihr euch jetzt wohl abschminken müssen.“

Wenn sich das zweite Kind ankündigt: „Wir wollen doch hoffen, dass es ein Junge ist. Wäre doch schön, wenn ihr ein Pärchen hättet. Wie, es ist schon wieder ein Mädchen? Na dann, viel Spass beim Schlichten des Zickenkriegs…“

Wenn sich das dritte Kind ankündigt: „Das wird aber eine teure Angelegenheit. Habt ihr euch schon mal überlegt, wie teuer euch so ein Kind zu stehen bekommt, bis es erwachsen ist?“

Wenn der erste Schultag naht: „Viel Spass beim Lösen der Hausaufgaben. Diese Lehrer heutzutage, einfach schrecklich, sage ich dir. Und dann noch das Mobbing in den Klassen. Habt ihr auch genügend Geld auf der Seite für die Markenkleider?“

Wenn die Pubertät sich ankündigt: „Glaubt mir, jetzt kommt’s jeden Tag nur noch schlimmer. Na ja, es soll einzelne Jugendliche geben, die ganz gut herauskommen, aber macht euch nicht allzu viele Hoffnungen. Die meisten saufen und prügeln bei jeder Gelegenheit. Und wer weiss, vielleicht werdet ihr schon bald Grosseltern.“

Wenn die Berufswahl bevorsteht: „Ja, das wird nicht einfach, bei dieser Wirtschaftslage. Wer stellt denn noch junge, unerfahrene Arbeitskräfte ein? Ich würde mich mal auf eine lange, erfolglose Suche einstellen.“

Wenn die Kinder ausfliegen: „Macht euch darauf gefasst, dass ihr die nicht so bald wieder sehen werdet. Die kommen nur noch, wenn sie Geld brauchen. Oder wenn ihr ihre Kinder hüten sollt.“

Wenn sich das erste Enkelkind ankündigt: „Lasst euch bloss nicht ausnützen. So ein Enkel ist ja ganz nett, aber die kosten einen Haufen Nerven. Und natürlich auch Geld…“

Wenn die Pensionierung naht: „Du Arme, jetzt hast du ‚Deinen‘ den ganzen Tag um dich herum. Wie willst du das bloss aushalten?“

Mir ist ja schon klar, dass die Familie nicht die schöne, heile Welt ist. Aber ist sie wirklich so schlecht wie ihr Ruf? 

To do

– Den Schlüssel der Vorratskammer verstecken, damit die Kinder nicht mehr hinter die Schokolade gehen.
– Ein Schlüsselversteck finden, das zwar kindersicher ist, aber nicht so sicher, dass „Meiner“ und ich den Schlüssel nicht mehr finden können.
– Mehr Ruhe ins Familienleben bringen.
– Endlich einen Kurs im Neinsagen besuchen.
– Dem Prinzchen die Windeln abgewöhnen.
– Leberpastete für Karlssons Geburtstag zubereiten.
– Diese fiese Erkältung auskurieren und zwar wenn möglich in den nächsten zehn Stunden.
– Eine Sammlung anlegen für alle Absurditäten des Lebens, über die erst in zehn Jahren gebloggt werden darf, wenn die Leute, die sich im Text wieder erkennen würden, schon längst vergessen haben, dass sie mir je begegnet sind.
– Herausfinden, ob ich das, was ich will, wirklich will, oder ob ich nur glaube, es wollen zu müssen, weil andere wollen, dass ich will.
– Endlich mit dem Entspannungstraining anfangen, damit ich am Freitag fit bin für den Entspannungsmarathon: 72 Stunden im Ländli, ganz für mich alleine. Eine echte Herausforderung.
– Die Küchenkombination gründlich putzen.
– Adventskalender vorbereiten.
– Dem Zoowärter beibringen, dass das elterliche Budget für Weihnachtswünsche beschränkt ist.
– Ein Ausrede überlegen, weshalb ich auch diesen Winter keine Skiferien machen will und wir das Geld lieber für eine Reise im Sommer sparen wollen.
– Die letzten Blumenzwiebeln setzen und endlich diese Kürbislaternen entsorgen.
– Schlafen und zwar sofort! Auch wenn das Prinzchen, das vor einer Stunde wieder aufgewacht ist, gerade einen Kreativitätsschub hat und mir Autos, Garagen und Kanonen malen will. Und das alles in rosarot.

Nicht so viele Komplimente, wenn ich bitten darf

Die Kinder haben gestern „Die drei Musketiere“ von Walt Disney gesehen. Die Version mit dem fetten Kater Karlo als Bösewicht. Heute schlüpfen der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter in die Rolle der tapferen Musketiere. „Mama, du bist Kapitän Karlo!“, bestimmen sie. „Warum muss ausgerechnet ich der Böse sein?“, will ich wissen. Offen gestanden bin ich leicht beleidigt. Warum darf ich nicht Prinzessin Minnie oder Kammerzofe Daisy sein? Der FeuerwehrRitterRömerPirat erklärt mir, weshalb: „Aber Mama, du bist doch auch dick!“

Wenn mir noch ein Kinderloser von der wunderbaren Ehrlichkeit der Kinder vorschwärmt, zwinge ich ihn zu einem Praktikum mit meinen Söhnen.

Und ja, ich habe ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, aber doch nicht so viele…