Ferien

Ferien. Zum ersten Mal seit bald acht Jahren sechs Tage ohne Kinder. Alles ist perfekt organisiert. Die Kinderbetretreuung topmotiviert, der Kühlschrank voll mit lauter ungesundem Esssen, die Taschen gepackt, die Kinder gesund. Der Abschied fällt leichter als erwartet und so kann man endlich alles mal hinter sich lassen und sich erholen.

Nach kurzer Fahrt Ankunft im Hotel, einem Familienhotel, denn ein kalter Entzug wäre vielleicht doch etwas viel. Alles läuft reibungslos, das Zimmer ist perfekt. Endlich einmal Zeit, das zu tun, was man schon lange wollte: Krank sein! Das Gepäck ist noch nicht ausgepackt, da beginnt man zu frösteln, nach dem ersten Rundgang durchs Hotel schmerzen sämtliche Glieder, eine halbe Stunde später liegt man im Bett, die Decke weit über die Ohren gezogen.

Am nächsten Tag mit heiserer Stimme der erste Anruf zu Hause. Die Tochter hat Fieber, leidet an Heimweh, der Zweitjüngste macht auch schon an einer Erkältung herum und der Jüngste will nicht essen. Nur der Älteste ist zufrieden. Er durfte Jakobsmuscheln essen. Die Fertigmenus vergammeln derweil im Kühlschrank.

War es wirklich richtig, zu verreisen? Soll man nicht besser nach Hause gehen? Leiden die Kinder nicht zu sehr? Die Fragen beantworten sich von selbst: Wir sind eingeschneit. Und das im April.

Ach du selige Ignoranz

Es gibt Momente, da wünscht man sich, einfach nur dumm zu sein. Nichts zu wissen, keine Zusammenhänge zu kennen. Kein Hintergrundwissen, das einen stört. Einfach nur selige Ignoranz.
Diese Momente spielen sich meistens vor dem Regal mit den Fertigmenus ab. Da ist man gestresst, will ausnahmsweise mal ein Fertiggericht auf den Tisch bringen und dann stürmt es auf einen ein, all das Wissen, das man über die Jahre angehäuft hat.
Wie wär’s mit diesen Pouletkugeln, die mit der Currysauce drin. Nicht dass sie gut wären, aber eben, man ist ja gestresst. Doch halt, das Pouletfleisch kommt aus Brasilien. Brasilien? Werden dort die Hühner in Auslaufhaltung gehalten? Und wie steht’s mit der CO2-Bilanz des Produkts? Vielleicht könnte man auch Fischstäbchen nehmen. Aber halt, die Weltmeere sind überfischt und erst neulich hat man lesen können, dass das Label, das umweltschonenden Fischfang verspricht, alles andere als vertrauenswürdig ist. Dann eben Fertigpizza. Aber die Dinger sind horrend teuer und so unglaublich klein, dass für eine sechsköpfige Familie mindestens vier Packungen her müssen. Auch mit bescheidenen mathematischen Kenntnissen muss man zum Schluss kommen, dass man zum gleichen Preis schon fast im Restaurant speisen könnte. Vom Abfallberg ganz zu schweigen. So geht es weiter. Das eine Produkt fällt weg wegen des zu hohen Fettgehalts, das andere wegen seiner unsinnigen Verpackung. Wieder andere kommen nicht in Frage, weil man mit dem Kauf irgend einen multinationalen Konzern ünterstützen würde, den man unbedingt meiden sollte, auch wenn einem im Moment gerade entfallen ist, warum.
So vergeht die Zeit, während der man in Ruhe ein vollwertiges Mittagessen hätte kochen können. Schliesslich verlässt man das Geschäft mit einem Salatkopf, der zwar immerhin aus der Schweiz stammt, allerdings wegen seiner Herkunft aus dem Treibhaus auch nicht wirklich akzeptabel ist. Man hetzt nach Hause, schnauzt die Kinder an, weil man gestresst ist, bringt irgendwie etwas halbwegs Gesundes auf den Tisch, bringt die ganze Küche durcheinander und vergisst in der Eile ganz, den Salat zu rüsten.
Und wünscht sich, man hätte nur fünf Minuten lang richtig dumm sein können. . .

Kranke Mütter gibt es nicht

„Soll ich Sie krank schreiben?“, will die Ärztin wissen. Krank schreiben? Man lässt sich den Gedanken kurz durch den Kopf gehen. Ist doch kein Problem. Der hausinterne Kinderhort wird zwar von einer 72-jährigen betreut, die selber sieben Kinder grossgezogen hat. Doch sie hat bestimmt nichts dagegen einzuwenden, vier lebhafte Knirpse zu betreuen, bis Papa nach Hause kommt. Dann gäbe es noch das klitzekleine Problem mit der Wäsche und dem Putzen. Mal abklären, wer die Putzfrau bezahlen würde, wenn sie statt der üblichen zwei Stunden pro Woche plötzlich einen Full-Time-Job im Haushalt übernehmen würde. Das Kochen könnte ja der Pizzakurier übernehmen. Geht zwar ein bisschen ins Geld und ist auf Dauer ungesund, aber was soll’s? Dann wären da noch ein paar andere Kleinigkeiten zu regeln, wie zum Beispiel das Einkaufen, das Ausfüllen der Steuererklärung, das Chauffieren der Kinder, wenn sie mal nicht zu Fuss gehen können, das Betreuen der Hausaufgaben, etc. Aber das sind wirklich alles nur Kleinigkeiten. Irgend jemand wird sich ihrer schon annehmen.
Nun gut, nach längerem Überlegen muss man zugeben dass es zu viele Hindernisse gibt. „Ich bin vierfache Mutter. Da geht das wohl nicht so einfach“, antwortet man schweren Herzens der Ärztin. „Ach so, ich dachte, Sie seien berufstätig.“ Damit ist das Thema abgehakt. Mütter schreibt man nicht krank. Die finden immer wieder einen Weg, auf die Beine zu kommen, auch wenn die Batterien schon längst leer sind.

Gratis abzugeben

Gratis abzugeben: Magen-Darm-Grippe. Hilft beim Entschlacken, deshalb ideal für die Frühlingszeit. Besonders beliebt bei Grossfamilien, da man sie von einem Familienmitglied zum anderen reichen kann. Es gibt garantiert genug für alle, keiner geht leer aus! Bietet einen idealen Zeitvertrieb für Hausfrauen und -männer, die gerne auch zwischendurch mal die Fussböden reinigen. Verhindert zudem, dass die Waschmaschine zu oft unbeschäftigt in der Ecke steht (Man will das Ding ja auch mal amortisieren). Interessenten mögen sich bitte sofort melden, da das Datum der nächsten Lieferung noch nicht bekannt ist.