Lieblingsmenschen

Kein Vorwurf, weil der Feierabend mal wieder auf sich warten lässt, kein entnervtes Augenrollen, weil ich mich schon wieder verschätzt habe, keine gehässigen Bemerkungen, weil wir uns für einmal mit Pizza und Kebab zum Abendessen zufrieden geben müssen, kein Gemotze, weil meine Unfähigkeit mal wieder alles durcheinander bringt.

Sie packen alle mit an, helfen mir aus der Patsche, erzählen mir von ihrem schönen Tag und bringen es fertig, dass meiner ein wenig besser wird. Sie nehmen mich, wie ich heute eben bin, nicht besonders fit und erst recht nicht fröhlich. Dank ihrer Hilfe kehrt irgendwann doch noch die ersehnte Ruhe ein.

So sind sie, meine sechs Lieblingsmenschen: Herausfordernd und zuweilen nervig, solange ich es ertragen kann, unendlich liebevoll und fürsorglich, sobald sie spüren, dass ich ohne sie nicht weiterkomme.

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Perspektive

Du kannst die unbezahlten Rechnungen sehen und dich darüber aufregen, dass das Geld oft nur für die Pflichten, nicht aber für die Wünsche reicht. Du könntest dich aber auch darüber freuen, dass genügend Geld hereinkommt, damit du alles bezahlen kannst, was bezahlt werden muss.

Du kannst dich darüber ärgern, dass „Deiner“ seine Macken in all den Jahren noch immer nicht abgelegt hat. Du könntst  aber auch dankbar sein dafür, dass du mit einem Menschen unterwegs bist, der dir so sehr vertraut, dass er sogar den Mut hat, dir auf die Nerven zu fallen.

Du kannst darüber jammern, dass deine Kinder ihren Frust immer zu Hause auslassen, sich auswärts aber stets von der besten Seite präsentieren. Du könntest dich aber auch darüber freuen, dass keine „Frau Venditti, Ihr Kind hat heute in der Wut eine Fensterscheibe eingeschlagen“-Anrufe kommen.

Du kannst dich darüber aufregen, dass die Kinder den Fisch nicht aufgegessen haben. Du könntest aber auch froh sein, dass du dadurch beim Katzenfutter sparen kannst.

Du kannst dich selber bemitleiden, weil diesen Sommer keine Ferien drinliegen. Du könntest aber auch zufrieden sein, weil dir in diesem Jahr kein anderer die Heidelbeeren wegisst, die immer dann reif sind, wenn du gewöhnlich verreist.

Du kannst die Leute beneiden, die ein beschauliches, wohlgeordnetes und ausgeglichenes Leben führen. Du könntest aber auch dankbar sein dafür, dass bei dir bestimmt nie Langeweile aufkommt.

Du kannst alles noch ein wenig schwärzer sehen, als es in Wirklichkeit ist. Du könntest aber auch versuchen, die Welt hin und wieder durch die Brille deiner Kinder zu sehen und zu staunen, wie viel Schönes du dadurch entdeckst.

Nicht ganz so einfach

Es könnte doch so einfach sein: Ich könnte mich über ihn aufregen, er sich über mich, wir könnten ein wenig schmollen, einander einige böse Worte an den Kopf werfen und einander dann ein paar Tage anschweigen. Einer von uns beiden könnte seinen harten Kopf durchsetzen, der andere hätte im Gegenzug die Genugtuung, dass er dem anderen die Fehlentscheidung bei jeder Gelegenheit unter die Nase reiben könnte.

So simpel könnte das sein, hätten wir nicht diesen Anspruch, dass wir beide mit Entscheidungen, die unsere Familie betreffen, leben können wollen und das macht die Sache unbequem. Diese ganze Rederei, das vorsichtige Formulieren der eigenen Ansichten, damit der andere nicht gleich in die Luft geht – und nicht verletzt wird. Geduldiges Zuhören, Rückfragen, ganz plötzlich ein unwillkürliches zustimmendes Nicken und ehe man sich’s versieht, ertappt man sich dabei, wie man sagt: „Ich sehe das zwar nicht ganz gleich wie du, aber ich kann nachfühlen, wie du empfindest.“ Und plötzlich schürft man ganz tief, es kommen Themen zur Sprache, die man so noch nie hat bereden können. Tja, und dann will man nicht mehr schmollen, sondern einen Weg finden, den man gemeinsam gehen kann.

Ganz schön anstrengend, wenn man keine Lust darauf hat, sich auseinanderzuleben.

Dinge, auf die ich nach zu wenig Schlaf verzichten kann

  • Eine Anruferin, die zur Mittagszeit „Meinen“ ans Telefon verlangt, mir partout nicht sagen will, was sie um diese Zeit von ihm will und ich kann sie nicht anraunzen, weil die Gefahr besteht, dass sie die Mutter eines Schülers ist. Sie war von der Deutschen Klassenlotterie…
  • „Meiner“, der mir alles Kleingeld aus dem Portemonnaie raubt, ohne mir etwas davon zu sagen, was dazu führt, dass ich an der Bushaltestelle erkennen muss, dass ich mir kein Billett lösen kann, worauf ich mit schlechtem Gewissen mit dem Auto in die Stadt fahren muss. Nein, ich hätte keinen späteren Bus nehmen können, denn ich war zum Kaffeeklatsch verabredet und wichtige Angelegenheiten lassen sich nicht aufschieben.
  • Die Marschmusik, die abends um halb neun, wenn Prinzchen und Zoowärter schon fast eingeschlafen sind, durchs Quartier zieht. Ja, ich weiss, die müssen üben und wir haben bald auch einen Trompeter in der Familie, der vielleicht eines Tages mitmarschieren will, aber geht das nicht zu einer anderen Zeit? Am Ende bin ich wieder die böse Mama, die herumbrüllt, weil die Kleinen auf dem Balkon herumhüpfen, anstatt zu schlafen.
  • Wenn mir Luise abends um halb zehn verkündet, dass sie vergessen hat, die Nomen auf dem Arbeitsblatt zu markieren und nun verlangt, dass ich ihr bei der Aufgabe helfe, weil sie zu müde zum Nachdenken ist.
  • Abendnachrichten, die so deprimierend sind, dass man gar nicht hinsehen mag.
  • Ein Nahezu-Familienkrach, weil das Prinzchen eine einsame Erdbeere unter dem Sofa gefunden und nicht geteilt hat.
  • Zoff unter vier Brüdern, weil jeder für sich in Anspruch nimmt, der echte Karlsson vom Dach zu sein. Warum bin ich bloss auf die hirnverbrannte Idee gekommen, das Buch unseren drei Jüngsten zu erzählen?

Okay, ich wäre auch mit mehr Schlaf das eine oder andere Mal laut geworden, aber so…

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Bauchlandung

Das Wochenende war ein Höhenflug, wie man ihn nur selten erlebt. Traumhafte Umgebung, angenehmes Wetter, viel Zeit, um sich mit lieben Freunden auszutauschen, wertvolle Denkanstösse, Ausspannen, glückliche Kinder… Okay, alles war natürlich nicht perfekt, wir waren ja nicht im Paradies. Auf die strikten Hausregeln und das Gezänke mit den Kindern, weil sie immer noch mehr aus dem Süssigkeitenautomaten haben wollten, hätte ich gerne verzichtet, aber ansonsten fühlte ich mich nach diesen vier Tagen rundum glücklich und zufrieden.

Umso härter dann die Landung im Alltag: Übermüdete Kinder, übermüdete Eltern, eine Rechnung zu viel im Briefkasten, dann noch eine falsche Bemerkung und der Ehekrach des Jahres war in vollem Schwung. Zerschlagenes Geschirr, böse Worte, Tränen und grosser Frust, dass wir einmal mehr gescheitert sind bei dem Versuch, den Höhenflug in den Alltag hinüberzuretten. Nun ja, immerhin haben wir uns wieder versöhnt vor dem Schlafengehen…

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Wenn ich noch einmal zurück könnte…

…sagen wir mal fünfzehn Jahre oder so, dann würde ich…

…keinen einzigen Gedanken daran verschwenden, ob ich zu dick bin und ob ich es vielleicht mit einer Diät versuchen sollte. Schaue ich mir Fotos von damals an, dann kann ich heute sagen, dass ich gerade richtig war, nur konnte ich es nicht geniessen, weil ich nur die „Problemzonen“ sah.

…würde ich ein ganz bescheidenes, fröhliches und unkompliziertes Hochzeitsfest veranstalten und das gesparte Geld in eine ausgedehnte Hochzeitsreise – für drei oder vier Monate hätte es locker reichen können – investieren.

…dann würde ich mir zur Hochzeit weder einen Toaster noch eine Filterkaffeemaschine wünschen. Ich würde die Gäste bitten, mir ein Konto anzulegen mit Babysitterstunden, Hausputzeinsätzen und  Kaffeeklatsch,  verfügbar wann immer das Familienleben mit voller Wucht über uns hereinbricht.

…dann würde ich zur Hochzeit nur die Menschen einladen, die uns auch wirklich etwas bedeuten und nicht den Anhang des Anhangs der Verwandten siebenundsiebzigsten Grades.

…dann würde ich ein Jahr pausieren mit sämtlichen Freiwilligeneinsätzen, bevor ich mich auf das Wagnis Familiengründung einliesse.

…dann würde ich die Schreiberei viel konsequenter verfolgen.

…dann würde ich weniger Zeit dafür verschwenden, darüber nachzudenken, was andere von mir denken und dafür gezielter die Dinge verfolgen, die mir wirklich wichtig sind.

..dann würde ich mir nicht mehr von anderen vorschreiben lassen, was ich zu denken und zu glauben habe.

…dann würde ich das Leben viel unverkrampfter angehen.

…dann würde ich sehr viele Dinge anders tun, aber ich würde immer noch den gleichen Mann heiraten und die Kinder wollen, die ich habe – okay, vielleicht auch eines oder zwei dazu, aber sagt das bitte „Meinem“ nicht, sonst schiebt er wieder eine Krise.

Haltet diesen Mann von Ricardo fern!

Solange er nur die Brockenhäuser durchstöberte, ging es ja noch. Klar, er schleppte immer mal wieder Dinge an, die nachher nur im Weg herumstanden, aber meist verwertet er die Sachen recht originell. Auch gegen seine monatlichen Besuche beim Restpostenverkauf hatte ich nichts einzuwenden, obschon er wohl der einzige Mann auf diesem Planeten ist, der seine Frau mit einem Jahresvorrat an Bio-Tampons zum sagenhaften Preis von zwei Franken beschenkt hat.  Jetzt aber hat er Ricardo entdeckt.

Nun ja, er wusste natürlich schon längst, dass es dort ganz tolle Dinge zu kaufen gibt, aber bis vor Kurzem war ihm die Sache mit dem Passwort, der Online-Bezahlung und den Bewertungen schlicht zu kompliziert. Er hat’s nicht so mit dem Onlinehandel, „Meiner“. Dieses Feld hat er brav mir überlassen.

Vor einigen Tagen aber hat er entdeckt, dass  es bei Ricardo coole Kleider für wenig Geld gibt. Und  alte Möbel, die man ganz toll aufmöbeln könnte. Und Kinderfahrräder. Und ein grosses Xylophon. „Wolltest du nicht schon immer ein Xylophon haben? Sieh mal, das hier gibt’s für nur zwei Franken. Wie lautet nochmal das Passwort?“

Naiv, wie ich nun mal bin, nannte ich ihm das Passwort und nur drei Tage später bin ich stolze Besitzerin eines sehr grossen Xylophons und weiss beim besten Willen nicht, was ich damit anfangen soll. Okay, ich habe immer mal wieder gesagt, dass ich das Instrument gerne spielen würde, aber dieser Wunsch gehört in die Kategorie „Wir könnten noch mal für ein oder zwei Jahre mit Sack und Pack ins Ausland gehen.“ oder „Die Villa dort würde mir auch noch gefallen. Wäre doch cool, wenn man daraus ein Generationenhaus mit vielen tollen Freizeitangeboten machen könnte.“ oder „Warum Mieten wir uns keinen Schrebergarten? Wir könnten dann unser eigenes Gemüse ziehen, die tollsten Rezepte ausprobieren und einen Versandhandel eröffnen.“ Alles ganz nette Ideen, aber nie und nimmer dafür gedacht, in die Realität umzusetzen. Dinge, die man einfach so dahinsagt, ohne auch nur einen Augenblick lang daran zu denken, das Gesagte auch in Tat umzusetzen.

Nun bin ich natürlich von Herzen dankbar, dass ich mit einem Mann verheiratet bin, der auch meine unsinnigen Wünsche ernst nimmt, aber ich denke, ich ändere dennoch mein Ricardo-Passwort. Sonst werde ich demnächst auch noch Besitzerin eines  Gastro-Geschirrspülers, eines Papageis oder einer Strickmaschine. Wenn es um solche Dinge geht, bin ich für eine ganz strenge Rollenteilung: Er ist für das Einkaufen von Ramsch zuständig, ich für die Fehlkäufe.

Und nun zur Werbung

Manchmal bin ich einfach nur stolz auf „Meinen“. Währenddem ich am Computer sitze und um jedes einzelne Wort einer Kolumne kämpfe, die Kinder im Garten eine Trauerfeier für die unter tragischen Umständen verstorbene Wachtel Fiorenza abhalten und das Telefon nahezu unablässig klingelt, verwandelt er seelenruhig unseren hässlichen, alten Küchentisch in einen wunderschönen, wie neu aussehenden Küchentisch. Und das ganz ohne Schimpftiraden, Farbkleckse und Frust. Wüsste ich nicht, dass der gute Mann auch seine Fehler hat, ich würde ihn nach einem Tag wie heute für einen Heiligen halten…

Nein, ich übertreibe nicht mit meiner Schwärmerei. In Natura sieht der Tisch viel besser aus…

Freuden des Alltags

Rote Rosen? Frühstück im Bett mit Lachs und Champagner? Ein Dîner im Luxusrestaurant? Ach was, alles vollkommen überbewertet. Hier kommt die Liste der wahren Alltagsfreuden:
1. Du erwachst morgens kurz vor neun und siehst als Erstes eine Tasse Tee, die dir „Deiner“ auf den Nachttisch gestellt hat, bevor er zur Arbeit gegangen ist. Okay, der Tee ist längst kalt, aber was zählt, ist, dass er auch nach fast vierzehn Ehejahren noch akzeptiert, dass du ein elender Morgenmuffel bist.
2. Du entdeckst, dass auf einem deiner Bankkonti mehr Geld ist als erwartet. Gerade genug, damit du die Rechnungen begleichen kannst, die vollkommen unerwartet alle miteinander ins Haus geflattert sind.
3. Du tappst im Dunkeln vom Schlafzimmer aufs WC und wieder zurück, ohne dabei auf einen einzigen Legostein zu treten.
4. Du lädst dir beim Wocheneinkauf den Wagen voll mit Futter für die ganze Meute und an der Kasse stellst du fest, dass du die magische 350-Franken-Grenze unterschritten hast. Und das, ohne auf einen einzigen Artikel auf deiner Einkaufsliste zu verzichten.
5. Der FeuerwehrRitterRömerPirat kuschelt sich in deine Arme, sieht dich mit verklärtem Blick an und sagt: „Du bist meine Tankstelle.“
6. Ein ganzer Tag ohne einen einzigen Anruf für Familie Hamchiti. (Für alle, die nicht wissen, wer Hamchitis sind: Das ist die Familie, die früher mal unsere Telefonnummer hatte und die offenbar mit sehr grosser Freude Telefonshopping betrieben hat.)
7. Du willst etwas aus dem Vorratsschrank holen, bringst dabei die Kakaodose und die Ölflasche zu Fall und schaffst es, beides aufzufangen, ohne dass etwas verschüttet wird.
8. Die Abfallsäcke stehen an der Strasse, bevor die Kehrichtabfuhr bei deinem Haus vorbeigekommen ist.
9. Deine Katze setzt sich mitten in der Nacht auf deinen Rücken und massiert mit ihren Pfötchen sämtliche Verspannungen, die du dir im Laufe des Tages zugezogen hast.
10. Du kannst dir zehn Minuten lang ungestört auf dem iPad die Musik anhören, die dir gefällt, bevor eines deiner Kinder brüllt: „Ich will jetzt aber mit Talking Tom spielen!“
11. Ein Tag, an dem du den Besen nur dreimal zur Hand nimmst und das Lavabo im Bad nur ein einziges Mal sauber machen musst.
12. Du machst dir einen Kaffee mit Milchschaum und schaffst es, den Milchschaum abzulöffeln, bevor die Kinder es gesehen und dir alles abgebettelt haben.
13. Du schaffst es, Kinder, kochen, schreiben und Haushalt so unter einen Hut zu bringen, dass du nicht permanent das Gefühl hast, auf der Flucht zu sein.

Wie? Ihr findet das alles banal und erkennt darin einen Hauch von Resignation? Aber nicht doch. All diese kleinen Alltagsfreuden tragen dazu bei, dass man abends noch fit genug ist, eine der grossen Alltagsfreuden zu geniessen. Zum Beispiel mit „Meinem“ aufs Sofa kuscheln und eine Schnulze schauen, die wir beide bereits gesehen haben, was aber weder ihn noch mich stört. Hauptsache, der Tag war gut genug, dass wir uns abends nicht mit Alltagskram herumschlagen müssen.

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Revanche

Er kümmert sich so viel um die Kinder wie ich, im Haushalt übernimmt er weit mehr als nur das Nötigste, jahrelang ist er nachts aufgestanden, er gibt sich grosse Mühe, bei jedem Elterngespräch in der Schule dabei zu sein und obendrein hält er mir den Rücken frei, damit ich neben Kindern und Beruf auch noch schreiben kann. Elf Jahre voller Einsatz ohne nennenswerte Unterbrüche. Klar, auch er hat hin und wieder seine kleinen Inseln im Alltag, gemeinsam haben wir uns schon öfters eine Auszeit gegönnt und die eine oder andere seiner vielen Weiterbildungen lässt sich bestimmt auch in der Rubrik „Freizeit & Erholung“ abbuchen. Aber zwei oder drei Tage ganz für sich alleine, so wie er sie mir seit einigen Jahren regelmässig ermöglicht, das hatte er noch nie. 

„Höchste Zeit also, ihn für ein paar Tage ins Ländli zu schicken“, dachte ich mir kurz vor Weihnachten und meldete ihn zu einem Männerwochenende an. „Das Wochenende findet ja erst im März statt und bis dahin werde ich bestimmt viel ausgeruhter und belastbarer sein als jetzt“, sprach ich mir Mut zu, ehe ich die Anmeldung abschickte. Ja, und jetzt ist er also dort und ich bin hier, genau gleich unausgeruht und dünnhäutig wie eh und je. Dennoch zweifle ich keinen Moment daran, dass es richtig war, „Meinem“ diese Auszeit zu schenken, auch wenn er natürlich findet, ich hätte das viel dringender nötig als er und er könne mir das doch nicht antun und es hätte doch auch gereicht, wenn ich ihm drei Minuten lang den Rücken massiert hätte und dann koste das Ganze ja auch noch Geld und das würde man doch besser für Nützliches ausgeben und nicht für ihn.

Mich dünkt, ich kenne diese Argumente von irgendwo und wenn ich mich recht erinnere, wurzeln sie in einem Gefühl von Hausfrauenfrust, oder in diesem Fall wohl eher Hausmännerfrust. Dagegen gibt’s nur eins: Ab ins Ländli und zwar schnell. Wehe, er geniesst seine freie Zeit dort nicht…