Interkultureller Dialogversuch, Teil V

Vorbemerkung: Wie immer, wenn ich einen Einblick in die nicht immer ganz erfolgreiche Kommunikation mit der italienischen Verwandtschaft gewähre, ist auch dieser Beitrag nicht wertend zu verstehen. Er soll einfach zeigen, wie man auch nach Jahren noch grandios aneinander vorbei reden kann.

Dialog Nr. 5

Schwiegermama und „Meiner“ unterhalten sich am Telefon über den FeuerwehrRitterRömerPiraten, der in den vergangenen Monaten eine Reihe von ärztlichen Untersuchungen über sich ergehen lassen musste. Das Gespräch verläuft ungefähr so:

„Meiner“: „Die Untersuchungen sind jetzt abgeschlossen. Die Ärztin hat herausgefunden, dass er…“

Schwiegermama (lässt „Meinen“, wie so oft, nicht ausreden): „Der Junge liest einfach zu viel.“

„Meiner“: „Nein, das ist ganz bestimmt nicht das Problem. Im Gegenteil, dass er so viel liest ist…“

Schwiegermama (unterbricht schon wieder): „Er sollte unbedingt weniger lesen. Dann ginge es ihm besser.“

„Meiner“: „Dass er so viel liest, ist sehr positiv, das zeigen die Untersuchungsergebnisse ganz klar. Die Sache ist die…“

Schwiegermama (lässt „Meinen“ natürlich noch immer nicht fertig erklären, denn sie weiss ja, wo das Problem liegt): „Die vielen Bücher verwirren ihn doch nur. Würdet ihr ihn nicht immer so viel lesen lassen, hätte es diese Untersuchungen gar nicht gebraucht. Die Geschichten bringen ihn doch nur durcheinander.“

Na ja, wenn sie meint. Dann versuche ich mal, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten das Buch zu entwinden, das er gerade liest. Vermutlich bin dann einfach ich diejenige, die ärztlichen Beistand braucht.

IMG_8716

Alles nur eine Frage der Disziplin?

Montag backen, Dienstag arbeiten, Mittwoch Garten, Donnerstag arbeiten, Freitag putzen – So ist das geplant und so habe ich das in den vergangenen zehn Tagen auch mehr oder weniger durchgezogen. „Ist es am Ende doch nur eine Frage der Disziplin, ob man es schafft, die Dinge zu tun, die man sich vorgenommen hat?“, fragte ich mich selbst heute früh, als ich mal kurz meinem Spiegelbild begegnete. Mein Spiegelbild zog die Augenbrauen hoch. „Hast du die Sache mit Schwiegermama schon wieder vergessen?“, fragte es mich. „Und die Lehrerin, die dich fast jeden Mittwochvormittag angerufen hat, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat über Bauchweh klagte? Und Luise, die so viel krank war? Und deine eigenen Käferchen? Und all die Stundenplanänderungen? Und…“ „Schon gut“, unterbrach ich ungeduldig, denn im Garten warteten ein paar hartnäckige Wurzeln auf mich, „ich habe verstanden: Solange alles mehr oder weniger rund läuft, ist es eine Frage der Disziplin, aber wenn Schwiegermütter, Lehrerinnen und Käfer die Finger im Spiel haben, kann ich wollen, soviel ich will, es wird trotzdem nicht klappen.“ „Schlaues Mädchen“, antwortete mein Spiegelbild. Jetzt war es an mir, die Augenbrauen hochzuziehen. „Mädchen? Hast du uns zwei in letzter Zeit schon mal etwas genauer angesehen?“ „Wie sollte ich?“, fragte mein Spiegelbild zurück, „du rennst ja andauernd wie ein aufgescheuchtes Huhn durch Haus und Garten, da bekomme ich dich kaum je zu Gesicht.“ „Ach ja, ich soll hier vor dem Spiegel rumhängen, wenn meinen Plänen endlich mal nichts im Wege steht?“, raunzte ich. „Und wenn ich dir das nächste Mal begegne, wirfst du mir vor, ich sei ein undiszipliniertes Miststück, das nichts auf die Reihe kriegt.“ Eine Antwort wartete ich nicht mehr ab, denn die Wurzeln brauchten mich jetzt wirklich. Man weiss schliesslich nie, wann der nächste Käfer kommt… 

IMG_7743

Wie ein schräger Traum

Es gibt Tage, die sind wie ein schräger Traum, der hinten und vorne keinen Sinn ergeben will. Tage, an denen sich eine absurde Situation an die andere reiht. Tage, an denen du dich fragst, wann denn endlich der Wecker sagt, dass dein Gehirn mal wieder völlig verrückt gespielt hat. 

Da ist zum Beispiel der epochale Streit mit „Meinem“, der mich dazu treibt, eine leere Tasse mit voller Wucht gegen den Türpfosten zu knallen und das Ding geht nicht kaputt, fällt einfach nahezu geräuschlos zu Boden. Dabei hätte ich doch genau dieses befriedigende Klirren gebraucht, um selber wieder auf den Boden zu kommen.

Oder dieser Moment kurz nachdem Mittagessen: Es klingelt an der Tür, „Meiner“ geht runter, ich höre, wie er sich mit jemandem unterhält und als er hochkommt, reicht er mir einen Prospekt. „Das war ein Herr Wagner“, sagt er. „Er würde sich gerne um unsere Heizung kümmern.“ Ich schaue mir die Fotos auf dem Prospekt an und antworte: „Das war nicht der Herr Wagner, das war Roger, der Klassenclown aus der Vierten. Den hab ich bestimmt seit fünfundzwanzig Jahren nicht mehr gesehen.“ „Meiner“ ruft den Herrn Wagner an: „Wissen Sie, dass Sie mit meiner Frau zur Schule gegangen sind?“ Nein, das weiss er nicht, aber er erinnert sich an mich und sagt, er hätte mir mal einen Schokokopf ins Gesicht gedrückt. Hat er das? Keine Ahnung, aber ich kann ihn dann ja fragen, wenn demnächst mal wieder die Heizung aussteigt. 

Etwas später steigt Zoowärters Geburtstagsparty, eine lärmende Kinderschar bevölkert das Wohnzimmer, nicht alle sind zufrieden mit dem Programm. Mit vereinten Kräften versuchen „Meiner“ und ich, die Kinder in Partystimmung zu versetzen. Erst, als ich „Grünes Ei mit Speck“ vorlese, bessert sich die Stimmung, warum auch immer. Im Flur geht das Telefon, als „Meiner“ zurückkommt, ist seine Partystimmung dahin. Eine Ärztin des Kantonsspitals war’s, Schwiegermamas Untersuchungsergebnisse sind besorgniserregend schlecht. Haben wir es kommen sehen? Irgendwie schon, aber wenn es im Raum steht, fragt man sich doch, woher das so plötzlich gekommen ist. Noch wissen wir nichts Genaues, aber das macht die Sache nicht einfacher, schon gar nicht, wenn man noch ein paar Geburtstagsgäste zum Lachen bringen sollte. 

Und noch immer hat der Wecker nicht geklingelt, der mir sagt, dass alles nur ein ziemlich schlecht zusammengefügter Traum war. 

salt; prettyvenditti.jetzt

salt; prettyvenditti.jetzt