Variationen

Auf die Gefahr hin, dass ich mich – wenn ich schon endlich mal wieder schreibe – auch noch wiederhole, hier eine Weisheit aus einem Haus voller Teenager und solcher, die es bald schon werden wollen:

  • Abends, wenn du allmählich zur Ruhe kommen möchtest, tropft auf einmal Wasser durch die Zimmerdecke, denn oben steht einer so lange unter der Dusche, bis die Duschtasse überläuft und sich das Wasser in den Eingangsbereich ergiesst. Weil er gerade unter der Dusche steht, kann er nicht dabei helfen, die Sauerei zu beseitigen und es liegt an den Erzeugern, den Schaden so rasch als möglich zu beheben, bevor das ganze Haus unter Wasser steht. Und weil du ihm erst hundert Mal gesagt hast, dass er nicht so lange duschen darf, bis es eine Überschwemmung gibt, trifft ihn keinerlei Schuld. 
  • Nachts, wenn dir endlich die Augen zugefallen sind, plötzlich laute Schritte im Treppenhaus. Bald darauf geht die Tür und wenig später steht ein halbwüchsiger Mensch mit einer Sorge in deinem Schlafzimmer. Vorbei ist es mit der Nachtruhe und du ahnst, dass du morgen einmal mehr mit schwerem Kopf erwachen wirst.
  • Mittags am Tisch, alles ist halbwegs friedlich, bis einer wagt, dem anderen einen falschen Blick zuzuwerfen. Vielleicht hat er sich auch erfrecht, ein unerwünschtes Geräusch von sich zu geben. Oder er nimmt sich die Freiheit heraus, nicht so frisch zu riechen wie alle anderen. Was auch immer der Grund sein mag – am Ende fliegen die Fetzen und man weiss nicht, wie die Dinge enden würden, wenn nicht ein Erwachsener schlichtend eingriffe. 
  • Irgendwann, im Laufe des Tages, völlig aus dem Nichts eine Frage, auf die du keine Antwort weisst. „Mama, warum…?“ und du stammelst irgend etwas zusammen, denn mit einem „Das erkläre ich dir, wenn du grösser bist“, lässt sich keiner mehr abspeisen.
  • Am Ende eines langen Tages, wenn du dir sehnlichst wünschst, endlich ins Bett gehen zu dürfen, schwirren energiegeladene junge Menschen durch die Räume und sämtliche Ermahnungen, es sei jetzt wirklich Zeit für Feierabend, stossen auf taube Ohren.

Immer wieder Situationen, die du irgendwie kennst und die doch nicht mehr ganz gleich sind. Und plötzlich dämmert dir: „Kleine Kinder, kleine Sorgen – grosse Kinder, grosse Sorgen“ ist komplett falsch.

Es müsste heissen: „Kleine Kinder, tausend Sorgen – grosse Kinder, Variationen von genau den gleichen Sorgen.“

akelei

Elternwettbewerb

Allmählich überkommt mich das Gefühl, ich befände mich in einem Wettbewerb:

Wer von uns Mamas und Papas kann am besten Englisch, Französisch, Deutsch und Mathematik?

Bei wem zu Hause treffen sich die Kinder, wenn die Aufgabe lautet, in der Gruppe eine Arbeit zu erledigen? Wo erwarten sie die kompetenteste Hilfe?

Sind die Eltern gebildet genug, damit der Nachwuchs in der Schule mit schönen Formulierungen und ansprechenden Präsentationen auftrumpfen kann? Oder konnten Mama und Papa bloss mit einem rudimentären Schulwortschatz und Wikipedia-Wissen aufwarten, so dass sich das Kind vor den Mitschülern schämen muss? 

Ja, ich weiss, dass ich mich wiederhole, aber mich dünkt je länger je mehr, für den Übertritt an die Oberstufe sei der elterliche Bildungsrucksack wichtiger ist als das, was das Kind an Fähigkeiten mitbringt. 

glass

 

Zweiergespann

Wenn ich für ein paar Tage ausser Hause gehe, sagt man zu mir: „Wie schön, dass ‚Deiner‘ dir das ermöglicht. Aber du hast bestimmt alle Hände voll zu tun vor der Abreise, damit daheim trotz deiner Abwesenheit alles läuft wie gewohnt.“ 

Dass ein Mann den Laden problemlos mal ein paar Tage ohne seine Frau schmeissen kann, scheint für manche Menschen auch im Jahr 2018 noch unvorstellbar zu sein.

Wenn „Meiner“ mehrere Kurse hintereinander durchführt und darum für einige Tage ausser Hause ist, sagt man zu mir: „Wie schön, dass er mal ein paar Abende ganz für sich hat. Das hat er sich verdient.“ Natürlich widerspreche ich nicht, denn auch ich finde, die freie Zeit stehe ihm zu. Ein wenig verwundert bin ich dennoch, dass keiner fragt, was er im Voraus alles erledigen muss, damit er Kinder und Haushalt mehr oder weniger beruhigt mit mir alleine lassen kann.

Wo doch unser Karren schon längst im Dreck stecken geblieben wäre, wenn er nicht ebenso tatkräftig ziehen würde wie ich. 

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Ganz kurz nur

Montagnachmittag, 16 Uhr, „Meiner“ und ich sitzen bei einer Tasse Tee gemütlich am Tisch und unterhalten uns. Nach einer Weile kommt der Zoowärter nach Hause, erzählt von der Schule und bringt ein Problem zur Sprache, das wir gemeinsam zu lösen versuchen. Wenig später ist auch Luise da. Bevor sie in ihrem Zimmer verschwindet, lässt sie uns an ihrem Schultag teilhaben. Es dauert nicht lange, bis auch der FeuerwehrRitterRömerPirat zu uns stösst und von seinem Tag berichtet. Karlsson und das Prinzchen bekommen ihre Portion elterliche Aufmerksamkeit ein wenig später, aber auch sie müssen nicht ganz leer ausgehen. Für einen heiligen Moment sind wir genau die Eltern, die wir immer sein wollten. 

Für einen sehr kurzen, heiligen Moment…

Ein einziges falsches Wort reicht nämlich, um die Stimmung zu kippen und die Lawine loszutreten, die „Meinen“, den FeuerwehrRitterRömerPiraten und mich jeweils erfasst, wenn seine Ziele und unsere Ziele nicht die gleichen sind. Tja, und schon sind wir nicht mehr die ruhigen, gefassten Eltern, die für jedes ihrer Kinder ein offenes Ohr haben, sondern die Totalversager, die falsch machen, was man nur falsch machen kann. 

Und so endet auch dieser einstmals nahezu perfekte Tag damit, dass wir unsere Wunden lecken und uns die bange Frage stellen, ob wir es jemals schaffen werden, den besonderen Bedürfnissen unseres dritten Kindes gerecht zu werden. 

life

Du sollst keine Ablenkung haben neben mir

Was haben wir doch immer gepredigt: „Leg das Handy weg, wenn du am Lernen bist! Nein, diese Snapchat-Nachricht kann jetzt warten. Du kannst dich so doch nicht konzentrieren. Ja, ich weiss, Snapchat verlangt sofortige Aufmerksamkeit, aber die Prüfung hat jetzt Vorrang. Hättest eben nicht erst zwei Tage vor dem Termin mit Lernen anfangen sollen. Nein, du kannst jetzt nicht schnell zwischendurch im Zimmer chillen gehen, du schaffst sonst nicht mehr den ganzen Lernstoff. Das haben wir dir doch schon hundertmal erklärt. – Sag mal, hörst du uns überhaupt zu?“

Immer und immer wieder dieselbe alte Leier, die irgendwann nicht nur Luise tüchtig auf den Geist ging, sondern auch uns.

Dann fiel eines Tages der berüchtigte Groschen, Luise fing nicht nur an zu büffeln, sondern auch weit im Voraus zu planen, wann sie mit der Vorbereitung für welchen Test anfangen muss und welchen Elternteil sie an ihrer Seite braucht, falls Fragen auftauchen sollten. 

Tja, und seither klingt die Leier eben so: „Papa, leg sofort dein Handy weg! Ich kann mich doch so nicht konzentrieren. Schau, du musst mir jetzt bei dieser Aufgabe helfen. Instagram kann warten. Ich hab nächste Woche einen wichtigen Test und ich muss mich rechtzeitig vorbereiten, damit ich noch Zeit habe, Unklarheiten zu klären. Man kann nicht immer alles bis zum letzten Moment aufschieben. Das solltest du doch wissen…“ 

Oder wenn etwas weniger Naturwissenschaftliches auf dem Programm steht: „Mama! Wohin gehst du schon wieder? Du musst jetzt nicht den Herd putzen und Pause kannst du dann später machen. Du sollst in der Nähe sein, damit du mir meine Fragen beantworten kannst, falls ich welche habe. Nein, du kannst jetzt auch nicht deine Mails checken, sonst hörst du mir wieder nur mit einem Ohr zu…“ 

Glaubt mir, wenn ich gewusst hätte, dass die ganzen Moralpredigten irgendwann auf uns zurück fallen, hätte ich damals, als sie noch nicht lernen wollte, meine Klappe gehalten.

blüemli

Blind vor Wut

Dass es unter Kindern immer mal wieder zu kleineren und grösseren Streitigkeiten kommen kann, war mir schon bewusst, bevor Karlsson in den Kindergarten kam. Dass Mütter und Väter sich erst in solche Konflikte einmischen sollten, wenn die Knöpfe ohne Hilfe nicht mehr hinausfinden, war nicht nur für „Meinen“ und mich, sondern auch für die meisten anderen Eltern klar. Dass man bei der Schlichtung zwar zugunsten des eigenen Kindes voreingenommen sein darf, dabei aber nie das Ziel eines möglichst friedlichen Zusammenlebens aus den Augen verlieren sollte, stellte niemand grundsätzlich in Frage. Auch dann nicht, wenn man mal etwas deutlichere Worte gebrauchen musste, um dem Zoff ein Ende zu setzen. 

Aus diesem Grund rieb ich mir erstaunt die Augen, als ich zum ersten Mal einer Mutter gegenüberstand, die nicht gekommen war, um den Streit zwischen ihrem und meinem Sohn schlichten zu helfen, sondern um sich mit mir zu zoffen und mir mangelnde Erziehungsfähigkeiten vorzuwerfen.

Noch erstaunter und ziemlich besorgt bin ich, weil mir vermehrt Geschichten zu Ohren kommen von Müttern und Vätern, die blind vor Wut auf Acht- oder Neunjährige losgehen, um sie mit wüsten Schimpfwörtern, Beleidigungen und Gewaltandrohungen einzuschüchtern. Dass ihr kleiner Sonnenschein zu Hause eine sehr einseitige Version der Vorfälle geschildert haben könnte, fällt ihnen nicht im Traum ein, und so sehen sie sich berechtigt, den „Feind“ ihres Kindes mal so richtig zusammenzustauchen. Soll der doch heulend und vor lauter Angst zitternd zu Mama rennen! In ihren Augen hat er es nicht besser verdient. 

So sehr ich verstehen kann, wie wütend man wird, wenn ein Kind wegen eines anderen Kindes schniefend und schluchzend nach Hause kommt – Beschimpfungen und Drohungen gegen kleine Kinder gehen meiner Meinung nach entschieden zu weit. Und so ertappe ich mich dabei, wie ich die guten alten Zeiten zu glorifizieren beginne. Zeiten, in denen sich Eltern noch wie halbwegs vernünftige Erwachsene aufführten und nicht wie der übelste Pausenhof-Bully.

karo

 

Zurück

Dinge, die man erfährt, wenn man nach einem wunderbaren Wochenende mit Freunden wieder nach Hause kommt:

  • „Meiner“ und ich sind viel die besseren Eltern als Karlsson und Luise (findet das Prinzchen).
  • „Meiner“ und ich sind viel die schlechteren Eltern als Karlsson und Luise (findet der FeuerwehrRitterRömerPirat).
  • „Meiner“ und ich können nicht anständig putzen (findet Luise, die solche Dinge ja wissen muss, da sie in der Kochschule fürs Putzen meistens Bestnoten bekommt).
  • Luise und Karlsson können wirklich ganz wunderbar putzen und für Ordnung sorgen (finden „Meiner“ und ich, die solche Dinge ja wissen müssen, weil wir seit 17 Jahren mehr oder weniger erfolglos darum bemüht sind, hier irgendwie das Chaos einzudämmen.
  • „Meiner“ und ich sollen bloss nicht glauben, wir hätten nach der Heimkehr das Recht, ganz langsam und sanft wieder im Alltag anzukommen, wo wir doch ganze 55 Stunden Erholung hinter uns haben, während unsere Kinder sich in dieser Zeit abrackern mussten wie die Ackergäule.
  • Unsere Kinder kommen ohne uns ganz wunderbar miteinander klar und sind durchaus in der Lage, ihre Differenzen auf den Moment zu verschieben, wo wir wieder da sind, um sie daran zu hindern, einander an die Gurgel zu springen. 
  • Während unsere Kinder das Wochenende ohne uns bestens überstanden haben, hätte mein Lievito Madre beinahe das Zeitliche gesegnet, weil Karlsson ihn für einen ganz gewöhnlichen Tortilla-Teig hielt. 
  • So schön es ist, am Freitagvormittag dem ganzen Trubel mal für eine Weile zu entfliehen, so schön ist es auch, am Sonntagabend wieder in den Trubel zurückzukehren und von denen, die einen grossen Teil des Trubels verursachen, bei Kerzenschein mit Tee und Guezli empfangen zu werden. 
  • Karlsson ist froh und dankbar, dass er nicht jeden Tag unseren Job machen muss.

himmelblau

Gnadenfrist

Da springen eine Mama und ein Papa nach langem Zögern endlich über ihren Schatten, melden ihr jüngstes Kind zum Fussballtraining an, obschon ihnen vor den endlosen Stunden am Spielfeldrand graut, überbringen dem Kind die frohe Botschaft – und was geschieht? Fällt ihnen der Kleine jubelnd um den Hals? Erzählt er jedem, der ihm über den Weg läuft, er dürfe jetzt endlich bei den Junioren mitmachen? Von wegen! Er zuckt nur müde mit den Schultern, läuft danach tagelang übel gelaunt durchs Haus und geht bei jeder Gelegenheit an die Decke. 

Ein paar Tage später kommt er plötzlich spätabends ins Wohnzimmer. Ob sich der Trainer schon gemeldet habe, will er wissen. Sieht ganz so aus, als wolle doch allmählich so etwas wie ungeduldige Vorfreude aufkommen. Aber nur bis zur nächsten Frage: „Muss ich denn unbedingt dorthin gehen?“, will der Junge wissen und die Eltern bringen vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zu. Natürlich müsse er nicht, antworten sie schliesslich, als sie die Sprache wieder gefunden haben und der Kleine zottelt zufrieden ab ins Bett. 

Ein solcher Wandel lässt einer zu Schuldbewusstsein neigenden Mama natürlich keine Ruhe. Am Ende will der Sohn nur deshalb nicht mehr, weil er den Widerwillen der Eltern spürt. Also setzt sie sich an sein Bett, um mehr zu erfahren. Hat er Angst vor dem Training? Haben ihn die grossen Geschwister bearbeitet? Will er nicht, weil Mama und Papa nicht wirklich wollen? Nein, nichts von alldem. Er denke halt einfach, es mache viel mehr Spass, mit den Freunden in der Freizeit dem Ball nachzurennen. Und der grosse Pelé habe ja später auch alles vergessen müssen, was er im Training gelernt habe, um ein Star zu werden, das habe er im Film gesehen. (Jawohl, die Fussballbegeisterung ist so gross, dass man sich solche Filme antut…) Darum wolle er jetzt einfach nicht mehr. Und wie er das sagt, ist er zum ersten Mal seit Tagen wieder zufrieden und gelöst. 

Weil die Mama weiss, dass solche Szenen Jahre später oft ganz anders erzählt werden, als sie sich in Wirklichkeit abgespielt haben und sie keine Lust hat, in dieser Erzählung als die Böse dargestellt zu werden, die den Traum von der Fussballkarriere im Keim erstickt hat, rät sie dem Sohn, noch einmal darüber zu schlafen. Die Anspannung kehrt zurück, also macht die Mama, die noch immer keine Lust hat, später die Böse zu sein, einen weiteren Vorschlag: Jetzt absagen und in einem Jahr, wenn er dann trotzdem will, noch einmal mit dem Verein Kontakt aufnehmen. Der Vorschlag wirkt, der Junge schlägt vor Erleichterung Purzelbäume auf dem Bett.

Wären die Mama und der Papa nicht zu müde, würden sie am liebsten auch Purzelbäume schlagen. Die Gefahr, dass sie eines Tages gelangweilt am Rande des Spielfelds stehen müssen, ist zwar noch nicht gebannt, aber immerhin haben sie eine Gnadenfrist bekommen.

Und einen endlich wieder zufriedenen Sohn. 

ball

 

Etwa so würde ich das sagen

Wenn eine Mutter sich Sorgen macht, bei ihrem Kind sei etwas nicht so, wie es sein sollte, dann sagen wir anderen Mütter in der Regel: „Mach dir keine Sorgen. Du wirst sehen, das geht ganz von selbst. Die einen können etwas früher reden, die anderen laufen dafür schon bald. Das kommt schon gut.“ Meistens haben wir Mütter recht mit dieser Aussage. Dennoch würde ich heute etwas differenzierter antworten, wenn mich eine andere Mutter fragen würde, wie ich die Dinge sehe. Nämlich je nach Situation so: 

  • Machst du dir Sorgen, weil das Kind deiner besten Freundin schon ganz selbständig isst, deines sich aber noch füttern lässt? Dann mach dir keine weiteren Gedanken. Deines redet dafür schon in Zweiwortsätzen.
  • Ach so, die Grossmama findet, in diesem Alter müsse das Kind das doch schon längst können? Dann vergiss die Sache gleich wieder und schalte deine Ohren beim nächsten Treffen mit der Grossmama auf Durchzug. 
  • Die Grossmama hat dich neulich gefragt, ob dir auch schon aufgefallen sei, dass dein Kind in dieser oder jener Sache vielleicht ein wenig Mühe habe? Und dir selber ist das tatsächlich auch schon aufgefallen? Dann behalte die Sache im Auge und lass dich von kompetenter Seite beraten, wenn die Bedenken bestehen bleiben.
  • Die Kindergärtnerin, die dir bei jedem Elterngespräch gesagt hat, es sei alles bestens, dein Kind entwickle sich prächtig, sagt jetzt –  kurz bevor die Stellenprozente fürs neue Schuljahr festgelegt werden-, auf einmal, dein Kind brauche ganz dringend spezielle Förderung? Und die Förderlehrerin, die ohne dein Wissen zum Gespräch eingeladen worden ist, nickt eifrig? Dann informiere dich umgehend, ob vielleicht die Stelle der Förderlehrerin bedroht ist, weil für das nächste Schuljahr nicht so viele Anmeldungen eingegangen sind. Falls dem so ist, wehre dich mit Händen und Füssen dagegen, dass dein Kind dazu verknurrt wird, den Job der Förderlehrerin zu retten.
  • Die Kindergärtnerin, die dafür bekannt ist, dass sie jedem Kind sein eigenes Tempo lässt und nicht vorschnell unterstützende Massnahmen vorschlägt, weist zum wiederholten Mal darauf hin, sie habe den Eindruck, dein Kind brauche in einem bestimmten Punkt Unterstützung? Sie bringt dir gar einen Vorschlag, wie sich diese Unterstützung möglichst sanft umsetzen liesse, ohne dein Kind zum Problemfall abzustempeln? Dann stell deine Überzeugung, Unterstützung sei in jedem Fall schlecht, mal für eine Weile in die Ecke und befasse dich eingehend mit der Sache. Könnte nämlich sein, dass etwas dran ist. 
  • Du hast einen Artikel gelesen und wurdest immer mal wieder vom Gefühl beschlichen, da werde dein Kind beschrieben? Dann hast du im Internet im Namen deines Kindes einen Selbsttest gemacht und zur Antwort bekommen, die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind genau in diese Schublade gehöre, liege bei 61,54 Prozent? Dann schmeiss die blöde Zeitschrift weg, vergiss das Testergebnis und befreie dein Kind um Himmels Willen sofort wieder aus dieser elenden Schublade, bevor es keine Luft mehr bekommt.
  • Du wirst einfach das Gefühl nicht los, dass da irgend etwas ist? Dein Kind scheint unglücklich zu sein und Menschen, die euch nahe stehen, zeigen sich besorgt? Dann lass nicht locker, bis du der Ursache auf die Spur gekommen bist. Hole Zweitmeinungen ein, wenn du das Gefühl hast, ihr würdet nicht ernst genommen. Informiere dich eingehend und wenn du endlich Antworten auf deine Fragen bekommen hast, sorge dafür, dass dein Kind die bestmögliche Hilfe bekommt. (Ja, auch dann, wenn du in solchen Angelegenheiten grundsätzlich skeptisch bist. Wenn dein Kind Hilfe braucht, dann soll es die auch bekommen. Basta!)

fisk

 

Vorwarnung

Liebe Kleinkind-Eltern

Nur ein kleiner Tipp von einer, die weiss, wovon sie spricht: Lasst euch nicht dazu hinreissen, Eltern von grösseren Kindern Erziehungstipps zu geben. Nicht nur, weil ihr euch damit absolut lächerlich macht. Sondern vor allem auch, weil der Tag kommen wird, an dem ihr am liebsten im Boden versinken möchtet vor Scham, wenn ihr euch daran erinnert, was ihr erfahrenen Eltern einst an den Kopf geworfen habt.

Und dieser Tag kommt meist schneller, als man denkt…

blättchen