Angefangen hat der Tag damit, dass „Meiner“ und ich ausnahmsweise nicht von lautstarkem Streiten geweckt wurden, sondern von vier zuckersüssen Kinderlein mit einem Tablett voller Tassen und Schälchen. Tee und Schokoladenjoghurt im Bett. Dazu ein Prinzchen, dass freudestrahlend in die Händchen klatscht, weil er sich mitfreut. Gibt es ein schöneres Aufwachen? Für mich nicht.
Weiter ging der Morgen damit, dass ich mich ganz alleine auf den Weg in die Stadt machte. Mein Vorwand war, dass ich ein paar letzte Weihnachtsgeschenke besorgen musste. Aber der wahre Grund war natürlich, dass ich meine Büchergutscheine loswerden wollte, die nach drei Wochen des Herumliegens schon beinahe schimmlig wurden. Danach würde ich mich mit anregender Lektüre in ein Café zurückzuziehen. Um die leidigen Einkäufe so rasch als möglich hinter mich zu bringen, liess ich mir für meine Nichte ein verbilligtes aber noch immer sündhaft teures Calvin Klein-Schminkset aufschwatzen, besorgte zwei drei andere Geschenke und dann zog ich mich mit meiner neueste Errungenschaft – „In search of the English Eccentric“ von Henry Hemming, – ins Starbucks zurück. Ja, ich weiss, links wählende umweltbewusste Frauen haben bei Starbucks nichts verloren. Aber wo sonst bekomme ich einen Kaffee, der mit einem Berg von Schlagsahne und Lebkuchenaroma derart verfremdet ist, dass man das Getränk nicht mehr als Kaffe erkennt und der ausserdem so horrend teuer ist, dass man einfach glauben muss, man tue sich selber etwas unglaublich Gutes damit? Und wo sonst hat man während der Mittagszeit in der Vorweihnachtszeit Ruhe vor gestressten Last-Minute-Geschenkeeinkäufern und Geschäftsleuten, die sich darüber aufregen, dass man ihnen den letzten Platz im Selbstbedienungsrestaurant weggeschnappt hat?
So habe ich mich eben im verwerflichsten Café der Stadt in meine vergnügliche Lektüre gestürzt, zuckerigen Kaffee geschlürft und das Leben in vollen Zügen genossen. Jetzt bleibt mir noch exakt eine Stunde des seligen Nichtstuns, bevor „Meiner“ seinen perfekten Nachmittag antritt und in die Sauna abrauscht. Mal schauen, ob die zweite Tageshälfte für mich ebenso gemütlich wird wie die erste…

