Wann sind wir endlich da?

Es gibt Zeiten, da befindet sich meine mütterliche Autorität im Keller. Tief im Keller, fast schon ganz unter der Erde. So eine Zeit erlebe ich gerade jetzt. Und dann kommt es zu folgenden Szenen:

Mama Venditti, freundlich aber bestimmt: „Nein, es gibt jetzt kein Eis. Zuerst räumt ihr euer schmutziges Geschirr vom Tisch.“
Kinder rennen zum Gefrierschrank, drängeln einander zur Seite und kämpfen um den vordersten Platz an der Eisschublade.
Mama Venditti, streng, aber noch nicht übermässig laut: „Habe ich nicht gesagt, ihr sollt zuerst den Tisch abräumen? Ihr schliesst jetzt sofort den Eisschrank und kommt hierher!“
Kinder scheren sich einen Dreck um Mama, kämpfen jetzt mit Ellbogeneinsatz darum, wer der Erste ist.
Mama Venditti, zornig und laut, aber offenbar nicht laut genug:
„Hallo! Ihr kommt jetzt hierher und räumt den Tisch auf. Sonst gibt es heute gar kein Eis!“
Kinder balgen weiter, vielleicht versucht Luise oder Karlsson, sich aus dem Knäuel zu befreien, um doch noch zu tun, was Mama gesagt hat, aber ohne Erfolg, also wird weiter um den ersten Platz am Eisschrank gestritten.
Mama Venditti, sehr zornig, sehr laut und sehr böse:  „
Jetzt reicht’s! Ihr kommt augenblicklich hierher, räumt euer Geschirr weg und dann verschwindet ihr für eine halbe Stunde in eure Zimmer!“
Kinder
stimmen unisono in ein lautes Geheul ein: „Mama, du bist soooooo unfair! Nie dürfen wir ein Eis haben. Immer schreist du uns an!“

Dann räumen sie sehr widerwillig ihr Geschirr weg und verziehen sich schluchzend in ihre Zimmer, wo sie wohl über ihre ganz ganz böse Mama herziehen, die ihnen nie eine Freude gönnt und die immer rumschreit.

Diese Szene wiederholt sich im Laufe des Tages mit unterschiedlichen Streitpunkten und zuweilen auch in etwas reduzierter Besetzung unzählige Male am Tag. Ob es nun darum geht, rechtzeitig für die Schule bereit zu sein, den Tisch abzuräumen, die Schuhe am richtigen Ort zu versorgen, die Zähne zu putzen, nach der spontanen Gartenparty, welche die Kinder mit elterlichem Segen ganz alleine bezahlt, organisiert und gefeiert haben, den Garten wieder aufzuräumen, ins Bett zu gehen oder wie die vielen überrissenen elterlichen Forderungen noch heissen mögen. Immer das gleiche Muster: Mama verlangt etwas Kleines, das eigentlich schon längst selbstverständlich sein sollte, Kinder tun so, als hätten sie nichts gehört und fordern stattdessen etwas Cooles, Mama ermahnt, Kinder überhören geflissentlich, Mama droht Konsequenzen an, Kinder tun noch immer so, als hätten sie Petersilie in den Ohren und hörten nichts, Mama schlägt mit der Faust auf den Tisch, gibt lautstark den Tarif durch und streicht sämtliche Privilegien, Kinder parieren gesenkten Hauptes und heulen dazu, als hätte man sie geschlagen. Manchmal, wenn Mama ganz viel Glück hat, kommt später eines der grösseren Kinder und entschuldigt sich. Manchmal aber auch nicht.

Bevor ihr jetzt denkt, das sei bei uns zu Hause immer so und ich sei eine pädagogische Niete, muss ich zu unser aller Verteidigung sagen, dass das nicht immer so läuft bei uns. Im Gegenteil: Wir alle können auch ganz anders. Aber zuweilen, wenn die Kinder schulmüde sind, wenn die Mama ein riesiges, für einmal nicht selbstverschuldetes, Schlafmanko mit sich herumschleppt, wenn das Wetter schön ist, die Sommerferien aber noch nicht da sind, wenn der Zoowärter eine ganz schlimme Rebellionsphase durchmacht und damit die Grossen ansteckt, wenn der Terminkalender aller Familienmitglieder zu voll ist, wenn zu wenig Zeit für Nähe und zu viel Zeit für Verpflichtungen da war, kurz: Wenn Mama und Kinder keine Zeit finden, immer wieder Momente des gemeinsamen Auftankens zu finden, dann laufen die Dinge aus dem Ruder.

Ich weiss, es wird wieder besser, ich weiss wir werden einander wieder finden, dann, wenn der ganze Frühsommerstress vorbei ist und wir endlich wieder Zeit finden, Familie zu sein. Alles, was wir brauchen, sind wiedermal ein paar Tage, an denen wir einfach Zeit haben zum Leben, zum Nachdenken, ein paar Tage, an denen nicht irgend einer oder vielleicht auch alle schon längst irgendwo sein müssten, ein paar Tage, die einfach Vendittis gehören und die wir mit niemandem teilen müssen.

Wann fangen endlich diese Sommerferien an…..




2 Kommentare zu “Wann sind wir endlich da?

  1. (Klugschei*modus an)
    Ich dachte bisher eigentlich Keller sind immer unter der Erde???
    (Klugschei*modus aus)

    (Duck&weg)

    (Nochmal vorsichtig reinlins)
    Ansonsten vollstes Verständnis und Mitgefühl!
    Bei uns ist es oft genug fast genauso!

    • Das beruhigt mich sehr, dass es bei anderen fast genauso ist. Zuweilen meint man ja, man sei die Einzige, die rumbrüllt.

      Keller sind nach meiner Erfahrung fast unter der Erde, aber nicht ganz, denn oben kommt ja immer noch ein wenig Tageslicht rein. Aber vielleicht sind die deutschen Keller ja anders.

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